NEW ZEALAND – NEW CALEDONIA

CHRONOLOGIE EINER STURMFAHRT NACH NEUKALEDONIEN

Liebe Segelfreunde!
Wir sind heute am Ostersonntag glücklich in Neukaledonien gelandet. Allerdings haben wir unsere Osterüberraschung bereits vorweg, am Dienstag den 12. 4. 2017 erhalten, eine unverhoffte Überraschung der besonderen Art, die es in sich haben sollte:

Ein Sturmtief, dass gemäss Wetterprognose von Tonga kommend, nach Osten hätte ablaufen sollen, hatte es sich anders überlegt, und zieht statt dessen, exakt nach Westen.

DOCH DA WAREN WIR!
Der Wind geht sehr schnell von ursprünglich 4 Beaufort aus Ost auf 6 – 7. Das Großsegel ist schon geborgen und die Fock auf Sturmfockgröße verkleinert. Als der Wind in die 8 (35kn) geht, drehen wir bei. Das geht etwa 3 Stunden. Doch dann nehme ich auch noch den letzten Fetzen Segel rein, weil immer öfter 9 Beaufort am Windmesser stehen. Wir laufen ab unter Topp und Takel. Um das Schiff möglichst mittschiffs zum Wind aus zu richten, lege ich einen Treibanker an einer langen Leine aus.

Die Brecher, die übers Schiff gehen, kommen im Minutentakt. Ein Aufenthalt an Deck ist nicht mehr möglich! Wir gehen in die Kajüte und machen alle Luken dicht. Wir konnten nur noch hoffen, dass alles ein gutes Ende nimmt.

Tut es auch … bis morgens um 6 Uhr…

Jede Welle, die gegen die Bordwand knallt, legt das Schiff bis zu einem bestimmten Grad auf die Seite, danach kommt es wieder hoch. Allmählich jedoch geht die Krängung immer weiter, und ich denke: Jetzt passiert das, was eigentlich nicht sein soll:

WIR KENTERN!!

Eine Eskimo Rolle mit einer Segelyacht! Der Boden wird zur Decke. Die Decke wird zum Boden. Schapp´s gehen auf, alles fliegt durch einander. Bilgewasser spritzt herum. Aber Sekunden später sind wir wieder oben! Meine herzallerliebste Kapitänöse ist bedeckt mit Büchern, Konserven und Flaschen … und kann sich nicht befreien. Ich bin neben sie gefallen und helfe ihr aus der Zwangslage. Aber wir sind beide nur leicht verletzt mit Schrammen und Beulen. Unser geliebtes Schiff allerdings hat es voll erwischt. Die Steuerbord Saling ist beim Tauchgang gebrochen. Damit kann das Oberwant den Mast nicht aufrecht halten und er biegt sich in der Folge wie ein Flitzebogen. Der Radarmast ist gebrochen, die Sprayhood weg gerissen. Das Schlimmste ist, dass das Oberluk gebrochen ist! Das heißt, jede Welle über Deck, entleert sich auch unter Deck.

Eine erneute Kenterung würden wir vermutlich nicht überstehen.

Der Mast droht unkontrolliert zu stürzen. Wir sehen unser Leben gefährdet und sorgen für die Alarmierung von Rescue Neuseeland.

Wir wollen uns wollen allerdings selbst helfen, doch sollten wir in die Rettungsinsel müssen, die wir uns schon bereit halten, wollen wir sicherstellen, dass die Rescue verständigt ist und dann weiß, wo wir sind.

Der Wind lässt nach… aber die Wellen nicht…

Wir sind im Auge des Zyklons. Schnell nutzen wir die Möglichkeit, das Luk provisorisch mit einer Plane abzudecken. Der Mast aber bleibt eine Bedrohung und mir ist klar, dass ich ihn nicht stehend durch diesen Sturm bekomme. Ich muss ihn gezielt fällen. Mir blutet das Herz … aber er ist eine ständige Bedrohung für unser Leben.

Ich erledige, was notwendig ist, der Mast geht zu Wasser.

Nun kommt die 2.Hälfte des Sturms. Es wird noch schlimmer. Mein Windmesser geht bis zum Anschlag. Wind der Stärke 12. ( 70 Knoten )! Das ist ein Orkan!

Doch nun hat der Wind nicht mehr die Angriffsfläche auf Mast und Takelage … wir sind der berühmte Korken auf dem Wasser. 9 Stunden weiter, lässt der Wind dann nach. Der Motor springt an und wir konnten nach Neukaledonien motoren !

Ich gebe dem Rettungsdienst Entwarnung. ( Die hätten für eine Evakuierung eh keine Chance gehabt bei dem Sturm und dem Seegang.) Da wir unverletzt waren, hatten wir auch keinen Vorrang … wie wir dann hörten…

Gestern haben wir unser Überleben mit einer Flasche Sekt gefeiert. Der 12. 4.2017 wird zu unserm gemeinsamen Geburtstag und wir können ihn künftig mit unserem Enkelkind begehen.

Schmunzeln müssen wir über das Aufblasen der Schwimmweste im Schapp durch eingedrungendes Wasser.

Unsere Weltumsegelung müssen wir jetzt ein wenig anders gestalten … also strecken!

Wir wollen jetzt erst einmal unser Schiff als „Motoryacht“ in Neukaledonien nutzen und das Land ausgiebig erkunden, um das Schiff dann nach und nach wieder für seine ursprüngliche Bestimmung herzurichten … auf Indien allerdings wollen wir trotzdem nicht verzichten … aber das machen wir dann mit dem Flieger …hoffentlich ohne weitere Vorkommnisse

Seid alle schön gegrüßt aus NC

Ein glücklicher Skipper und seine Frau
wie sie heissen, wissen Insider Segler sehr genau
Segler Freunde haben mir diese Geschichte aus Martinique zugeleitet
damit ich sie verbreite,
insbesondere, weil sie ein so gutes Ende hatte, zudem als Lehre dienen könnte,
man hat mich allerdings gebeten, die Namen im Schall und Rauch zu belassen
sie an dieser Stelle also nicht zu vermerken,
um falsche Aufmerksamkeit bei den falschen Menschen zu umschiffen
weil man das eigene Überleben gern im kleinen Kreis geniessen möchte,
insbesondere, nachdem das Leben nun noch ein Stück wertvoller geworden ist.
Was ist gern respektiere
Peter Foerthmann

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2 Kommentare zu NEW ZEALAND – NEW CALEDONIA

  1. Das war vermutlich sehr knapp. Aber beste Seemannschaft gezeigt. Chapeau für diese Entschlossenheit und letztlich aussergewöhnliche Einstellung. Weiterhin alles Gute unterwegs.

  2. Rainer Huenerfauth sagt:

    Zum Glück haben die Beiden überlebt. Zum Glück mussten Dritte für dieses „russisch Roulette“ spielen nicht ihr Leben aufs Spiel setzen. Wer wissentlich in der Cyclone-Zeit in ein Cyclone-Gebiet fährt, dabei noch glaubt, ein gerade entstehender Cyclone hält sich an die von ihm gewünschte Zugrichtung, der spielt „russisch Roulette“. Der hat mit Seemannschaft nix am Hut. Man kann diesen Leutchen für ihre Weiterfahrt nur wünschen, aus der gemachten Erfahrung die richtigen Lehren zu ziehen.

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