Insider – Gedanken

NACHDENKLICHKEITEN
Ein paar Jahrzehnte in Sachen Heckverzierungen unterwegs, habe ich mich natürlich auch mit dem Rest der Schiffe beschäftigen können oder müssen und so ist es nicht ausgeblieben, dass mir unter den tausenden jemals weltweit gebauten unterschiedlichen Schiffstypen, bis heute nur wenige noch nicht unter die Augen, oder in die Finger gekommen sind.

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Wenn ich manchmal frech behaupte: das Heck eines Schiffe gehöre mir, so ist mir logisch klar, dass mein Kopf und Herz von traditionellen Heck-Schönheiten geprägt sind, die heute nicht unbedingt en vogue, weil die Zeit sich weiter gedreht und Wertschöpfungs Aspekte oder gewünschte Stehhöhe in Achterkabinen auf einem 30 Fuss Kreuzer, den Kampf um die Vertrags Unterschriften für sich entschieden haben.

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Vielleicht, weil die meisten Schiffe heute für Truppentransport-Verwendung geplant gebaut? Vielleicht weil der Blick für die Schönheit von Schiffen eher ganz praktischen Überlegungen zu folgen hatte, oder geopfert wurde, weil die Proportion Kojenanzahl : Schiffslänge bestimmte Normen einzuhalten hatte?

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Auch können heute ganze Heckanhänge zum Zwecke besseren Zuwasserkommens von Badenixen, in die Fluten heruntergelassen werden, derweil man dem Schiff sodann in die Unterhose schauen kann. Es scheint, dass dem modernen Segler heute eine Flottenwelt aufoktruiert wird, die von Klappentechnik okkupiert, oder sollte ich gar sagen: obsessiert?

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Für Segler mit Hang für weite Törns dagegen, gelten differente Regeln. So gilt es sorgfältig abzuwägen, ob z.B. Klappen, die nur von Schnappverschlüssen oder Leinenzügen gehalten werden, ggf. nicht always die ideale Lösung für Schiffe sind, bei denen das Wasser schon mal ins Cockpit steigt oder dem Skipper neugierig von oben in die Hose läuft.

GarciaGleichwohl bieten moderne Hecks in der Breite natürlich locker jeden Platz, den ein Blauwasserskipper sich erträumt, um seine Ausrüstungswünsche sämtlich, wie die Spatzen auf der Stange, alle miteinander zu vereinen, bzw. zu erwerben und zu montieren:
MövePlattform Kopie Beiboot in Davids / eine Badeplattform als Landestelle für Flugungeheuer / eine Rettungsinsel samt Abwurframpe / Fenderhalter und Fahrrad Ständer / Heckanker für ´s Ankern rückwärts, just in case / Wassergenerator zur Stromerzeugung / Geräteträger für Luftturbine, damit Skipper´s Scheitel nicht rasiert / Solarpaniermehl und Radar Torte, damit der Mast nicht noch schwerer wird / Antennen Peitschen jeder Länge für Ortung und Telefonseelsorge, damit man auch von unterwegs mit dem Therapeuten telefonieren kann.

Ach ja, und last not least, vor dem Losbinden kurz vor Zwölf: ein Windpilot sollte es dann doch noch sein … allerdings bittet man den Hersteller, die Anlage möglichst off centre zu installieren, weil die Spiegelmitte schon von der Badeleiter okkupiert, zudem sei zu berücksichtigen, dass die Bordkasse bereits furchtbar strapaziert – es sollte also bitte eine besondere Schnäppchen Offerte sein – logisch mit Endlos Garantie – besser noch, vielleicht sogar gesponsert, weil man dann ja schließlich für den Hersteller Reklame fährt. Naja, joking, d.h. Wahrheiten sind als Sand Körnchen überall zu finden, wenn man nur mit der Lupe nach ihnen sucht. Übrigens soll man einen Wasserpass auch höher legen können, damit er weiterhin zu sehen ist, wenn´s vollgeladen bis zum Hals, nach der grausamen See zu geht… wo es weht und auch schon mal zur Sache geht.

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DAS HECK GEHÖRT MIR
Da hilft am Ende manchmal nur der grobe Klotz, womit wir wieder beim Anfang der Geschichte sind: Das Heck gehört mir – denn dann kann ich helfen, alle Herzens Wünsche mit einander zu koordinieren, vorausgesetzt, man ist bereit, auch einmal eine andere Meinung anzuhören und ggf. zu akzeptieren. DER ROTE FADEN: die Planung sollte konzertiert und vor allem rechtzeitig erfolgen und nicht erst, wenn das Heck bereits durch Zusatzmasten, Drähte und Kabel vom häuslichen Balkon kaum noch zu unterscheiden ist.

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Und so kommt es, dass ich die meiste Zeit meiner Beratung nicht in meinem ureigenen beruflichen Gemüsegarten unterwegs, hingegen versuche, die Notwendigkeiten von Schiff und Ausrüstung – manchmal gegen den Willen einiger sich gegen Veränderungen widerstrebenden Segler Kundschaft – in einer Form zu sortieren, bündeln oder zu akzentuieren, die wichtigeren Gegenstände vom Bordgrill in der Seereling zu differenzieren – damit die Crew später nicht exzessive Lernprozesse zu erfahren hat, weil ja bekanntlich einige Nächte auf See genügen, die Prioritäten sorgfältiger Planungen ad hoc zu verschieben oder sie gar zu verschlucken, ohne zu Mucken, denn Planungsfehler rächen sich fürchterlich, zumal man manchmal unter Schmerzen zu entdecken hat, dass das Geld mit Kohlenschaufeln aus dem nach achtern offenen Kockpit nach See zu herausgeschaufelt wurde. You live and learn, dafür sind wir im Leben schließlich unterwegs.

Das Leben ist eine Kette von Entscheidungen, die falls falsch getroffen, bei Seglern nicht nur knetetechnisch fatale Folgen haben. Auch wenn hier Idealismus in den Fokus rückt: ich versuche, bei Entscheidungen regelnd einzugreifen, bzw. manchmal mit Händen und Füssen den Gang der Dinge zu dirigieren oder zu verschieben, damit die Enttäuschungen sich in Grenzen halten – der Törn weitergeht und die Crew – oder die Dame – erhalten bleibt und nicht zum nächsten Airport flieht.

Und so schleichen wir uns hier langsam und behende an das Thema heran, dass mich veranlasst, Nachdenklichkeiten in Worte zu verkleiden:

Subeki High

ENTSCHEIDUNGEN
Ohne hier zu räsonnieren oder amerikanischen Verkaufstaktiken zu huldigen, darf ich neutral vermerken; dass der Wahl einer komplexen, vor allem richtigen Ausrüstung in Bezug auf die Selbststeuerung einer Yacht, elementarste Bedeutung zukommt. Oder brutaler: Blauwassersegeln mit kleiner Crew ist erst durch die sichtbaren und unsichtbaren Helferlein, die am Ruder drehen, möglich geworden. Denn, nicht wahr: Kein Schlaukopf mit Fernweh hätte Lust, endlose Zeiten an Pinne oder Rad gegen die Schwerkraft zufallender Augendeckel zu kämpfen, wenn dies nicht bequemer ginge.

Ebenfalls klar, dass ein elektrischer Autopilot heute als Standard auf jeder Hochseeyacht verbaut ist, was natürlich auch für Segler gilt, die sich für die geräuschlose Spezies von Steuerautomaten angelegentlich interessieren. Die Gründe dafür sollen hier nicht untersucht werden, es genügt, festzustellen, dass entgegen anderslautender Gemeinplätze, mechanische Windsteuersysteme heute immer noch nicht verstorben sind, sondern im Gegenteil höchst viril und lebendig sind, weshalb sich rund um den Spielball einige Dutzend Hersteller dieser Materie widmen und vergnüglich davon leben, dass es ein Leben jenseits der Autopilot-Endlosschleife gibt.

Im VENDEE GLOBE z.B. galt es vor vielen Jahren bereits als Erfolg, wenn beim verwegenen Ritt um die Welt wenigstens einer der anfänglich meist vorhandenen 12 vom Sponsor grosszügig bereitgestellten Reserve Units, im Ziel tatsächlich noch funktionierte.

Oder sollen wir raten, wovon HARALD SEDLACEK träumt, nachdem auf seiner SV FIPOFIX, der Autopilot den Dienst quittierte und der Skipper seit Wochen dauerhaft an der Pinne festgewachsen sitzt? Ich verstehe das nicht, denn sein Papa Norbert, seines Zeichens segelnder Strassenbahnschaffner hatte auf seiner damaligen Weltumsegelung stets einen Windpilot dabei, der die Sklavenarbeit machte, wie es seine Bestimmung ist. Ist man wider besseren Wissens übermütig geworden?

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Selbst in der Schnellsegler Flotte französischer Pogos werden vermehrt mechanische Windruder eingesetzt und es finden sich überall auf der Welt Skipper von Cruising Yachten auch extremer Größe, deren Nerven durch technische Querelen am Ende sind, die sich endlich Ruhe im Schiff erwünschen und still klamm und überaus freundlich um Lieferung einer mechanischen Steuerhilfe nachfragen.

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Wie kürzlich Jean Claude Fleuret von der SV Suditude, einer IFA 53, , der völlig entnervt aus Chaguaramas Trinidad W.I. ein System bestellte und nun Richtung Chile unterwegs. Sein erster Kommentar:

Hello Peter,
We are arriving in Testigos 11 22 N, 063 07 W, N of Venezuela. First trip 0f 98 NM with your machine. 13 hrs. What a regal !!! Fantastic! We have back wind, light (no more than 12 knts) and a little sea from NE.
Your machine hold perfectly the boat. Thank you a lot.
Kind regards.
Jean Claude

Langer Rede gar kein Sinn: Entscheidungen für Schiff und Ausrüstung sollten zielsicher und für Langzeitgebrauch getroffen werden, weil jeder Fehler die Resourcen belastet, weil das Geld ja weg ist, wenn der Gegenwert erst verbaut.

BESSERWISSER
Spezialisten jeder Konvenienz, Autoren Heerscharen mit eigener oder Fremderfahrung, Journalisten mit oder mit-ohne Festanstellung, also Menschen mit dem besonderen Status der BESSERWISSER – sie alle bemühen sich nach Kräften, ein Gegenüber zu beraten oder für eigene Interessenlagen einzunehmen. Die Balance des Nutzens für das Gegenüber oder eigener wirtschaftlicher Interessen wird erst zeitversetzt auf See erkennbar, wenn Hein-Segler am eigenen Leib erfährt, inwieweit die Theorie in der Praxis off-road fährt.

WORD OF MOUTH wird dann schnell zum Gradmesser eigener Zufriedenheit, einem Marketing Tool, das unter Seglern in aller Welt hervorragend funktioniert. Diese Botschaften haben Status Charakter, zudem sie deutlich werden lassen, ob ein Berater sich ggf. blamiert. Die Stunde der Wahrheit und des Resümees, wenn Skipper ehrlich sind und sich nicht selbst belügen, was allgemein Volkssport ist, nicht nur beim Segeln.

DER WETTLAUF
Der Wettlauf aller Marketing Beschleunigungs Programme: advertorial Writing, Gefälligkeits Reportagen und Inserate gegen die geballten Praxiserfahrungen der Segler unterwegs – ist an den Auflagenhöhen abzulesen, die für Bücher oder Zeitschriften erzielbar sind. Weltweiter Trend, dass die Macht des auf Papier gedruckten Wortes sich im Sinkflug zu befinden scheint, wohingegen Wort und Stimme des Seglervolkes durch das Internet Flügel bekommen hat. Ich helfe gern, diesen Stimmen zum Fliegen zu verhelfen: Im Windpilot Blauwasser Portal habe ich viele tausend Links verdrahtet, die man besuchen kann um hands-on-Infos direkt aus Seglerköpfen „downzuloaden“.

So gerät ein System des ruhigen Geldverdienens zusehends unter Druck, wenn Druckerzeugnisse, die sich mit den Lebenserfahrungen nur weniger Segelhelden zu befassen scheinen, die zudem hochpreisig auf Käufer warten, nicht mehr genügend umgesetzt und am Ende dann verramscht, zunächst den Autoren für kleines Geld angeboten werden, weil sich die Lagerhaltung für den Verlag nicht mehr lohnt und damit die Arbeiten ganzer Autoren Kolonnen konterkariert, erhoffte Autoren Tantiemen pulverisiert, den segelnden Autoren vor Augen hält, dass sie für die Verbreitung eigener Texte – scheinbar auf das falsche Pferd gesetzt. Der Verdrängungswettbewerb der Verlagsautoren kontra freier Schreiber ist in vollem Gange, e-publi und Co sind die Angstgegner traditionsbeladener Verlagsdynastien, die die Lektionen des Marktes im Galopp erlernen müssen, wollen sie nicht an ihrem Kostenapparat ersticken.

Es ist mein Credo, dass Erfahrungen AUS ERSTEN HAND für Blauwassersegler meist wertvoller sind, da sie aktueller auf Fachfragen eingehen, als gestanzten Erfahrungen weit zurückliegender Jahre zu folgen, die selten aktualisiert, in Neuauflagen stets weiter verbreitet werden, zum Nutzen von Autoren und ihren Verlagen. Unvergessen, wie BOBBY SCHENK dereinst so treffend bemerkte:

… einen guten Verleger erkennt man daran, dass er aus den Totenschädeln seiner Autoren Champagner schlürft.

HELDEN UND STILLE HELDEN
Bei aller Wertschätzung für die grossen Namen deutscher Blauwassersegelei, die ihre Bekanntheit vornehmlich durch kluge Verflechtung eigener mit Verlegerinteressen haben erreichen können, so gehört meine Wertschätzung eher den STILLEN HELDEN, die ohne viel Aufhebens Leistungen erbracht haben, denen niemals gebührend öffentliche Aufmerksamkeit zuteil geworden ist – die dies sogar explizit negierten. So sind rund um den Globus tausende von Seglern unterwegs, die in POCKET-CRUISERN Aufsehen erregende Reisen unternehmen und laufend darüber berichten. LIN + LARRY PARDEY US sind seit Jahrzehnten mit ihrer SV Seraffyn unterwegs und haben in den USA einen legendären Ruf, da sie zwar älter geworden, gleichwohl bescheiden geblieben sind.

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BRIEFING FOR THE JESTER CHALLENGE

Die Segelwelt ist voller stiller Helden, die ihre Zeit auf See verbringen, dabei Grosses leisten, ohne zuallererst mit der Posaune in der Hand von ihren Taten dem Landvolk zu berichten. Ich will nicht darüber spekulieren, wie viele tausende Manuskripte den hiesigen Verlagen vorgelegt, deren Annahme gleichwohl verworfen wurden, weil der Stoff nicht spektakulär genug erschien, oder es zu aufwendig gewesen wäre, neue Helden aufzubauen, ohne sich den Markt mit den alten Helden ggf. zu stören. Ein Nadelöhr, das von Verlegern nach Belieben zugehalten werden konnte, die dadurch die Anzahl jährlicher Neuerscheinungen künstlich limitiert und ein vorhandenes Preisgefüge kontrolliert.

Es scheint in der Auffassung der Verleger zu liegen, dass der Markt nur wenige Helden „verkraftet“, die folglich dann besser und zu höheren Preisen zu vermarkten sind. Nach den Gesetzen des Marktes hätte eine Vergrösserung des Angebotes unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe der Auflage und der Preise.

Mini Boat Mogan

In einer Zeit, in der allein Waghalsigkeiten und Verrücktheiten zählen, um die Aufmerksamkeit der Medien zu fesseln, wird es für neue Segelhelden schwierig, ihren Platz zu finden, wenn sie nur normal zu segeln planen. Es liegt in der Natur der Menschen, dass sie Aufmerksamkeit erreichen wollen. Dies klappt beim Segeln vorzugsweise, wenn die geplante Reise spektakulär genug zu werden scheint, dass die Medien die Pferde satteln – um zu partizipieren und aufmerksam zu verfolgen, wie der selbsternannte Protagonist seine Leiden überlebt. So dürfen wir sicher sein, dass die Endloskette neu-definierter Ziele, von ihren Erfindern gebetsmühlenhaft als Lebenstraum blumig überhöht dargestellt, nicht enden wird, solange Einkommen, Ruhm und Ehre am Ende zu winken scheinen. Die Sinnhaftigkeit derartiger Unterfangen wird stets im eigenen Kopf definiert und entschieden, ggf. auch im Kopf einer Lebensgefährtin, die das Kotzen leid geworden und dem Spuk ein Ende bereitet. Der Wettlauf der lauten gegen die leisen Helden wird durch die Medien gnadenlos überhöht, weil sich damit Umsatz machen lässt, derweil die wahren Leistungen eher von den leisen Helden vollbracht.

Ich bin überzeugt, dass die Verschiebungen der medialen Aufmerksamkeiten von Print zur virtuellen Welt in Zukunft stetig weitere Veränderungen bringen wird, wenn z.B. plötzlich E-Books die Erlebnisse anderer Helden in den Fokus rücken, bzw. lesbar werden lassen, ohne dafür an der Kasse weniger Verlage einen eklatanten Obulus entrichten zu müssen. Potentielle Autoren werden nämlich schnell entdecken, dass das eigene Honorar sogar höher sein kann, als die Honorarversprechung von Verlagen, die eine geplante Auflage ggf. nie verkaufen können, weil der Preis zu hoch gegriffen wurde. Beispiel gefällig? Mein Buch SELFSTEERING UNDER SAIL wurde von ADLARD COLES / INTERNATIONAL MARINE US in 1998 in einer Auflage von 12.000 Exemplaren gedruckt, danach eingestellt. Es wurde anschließend als pdf im Verlauf von 12 Jahren ca 1 Million mal downgeloaded.

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ZWICKMÜHLE
Wohltuende Ausnahmen, stille Helden, spriessen überall, wenn man die Augen nur öffnen will und abseits der Aufmerksamkeit einer Presse sucht, die vor allem durch Werbebotschaften ihr Geld verdient – verdienen muss. Wenn Wassersport Magazine heute nur einer handverlesenen Auswahl eigener Autoren den Zutritt zur eigenen Onlinepräsenz gewähren, offenbart sich die Hilflosigkeit einer ganzen Branche, angesichts einer Entwicklung, die schon lange nicht mehr aufzuhalten ist. Denn BLOGS sind die Ausdrucksform heutigen Segeln, sie sind aktueller als jedes Buch und strotzend von Authentizität, weil der Gedanke ans Geldverdienen nicht unbedingt immer an erster Stelle steht. ZWICKMÜHLE und Geisel für Verlage, denn Segler sind klug genug, virtuelle Angebote zu prüfen, zu besuchen und ggf. wieder zu verwerfen, wenn ihnen am Ende deutlich geworden ist, dass sie als KLICK-VIEH sich mühsam durch einen Hindernis-Parcours voller Banner, die den Blick versperren, zu lavieren haben, oder Inhalte erst ungehindert lesen können, wenn sie sich zuvor als Unterstützer getarnt, registriert und zur Kasse vorgefahren sind.

Abgeschweift? Musste sein, denn der Markt der Autoren ist in Bewegung und die Tools der Gegenwart öffnen jede Menge Türen, wenn man sie denn sehen will.

HANDS-ON-INFO
Die Vermeidung von Wiederholungskäufen wegen falscher Entscheidung, z.B. in Bezug auf den Schiffskauf, würde an dieser Stelle Bände füllen und es bedarf keiner weiteren Erläuterungen, die Folgen von Fehlentscheidungen für das „falsche“ Schiff auf das Leben der Eigner zu projezieren. Als treffliches Beispiel mag die besondere Geschichte der Flensburger Familie Woehl dienen, die hier nachzulesen ist.

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Ist die Wahl auf das richtige Schiff gefallen, sind die finanziellen Folgen von Ausrüstungs Fehlentscheidungen nicht mehr unbedingt lebensbedrohend. Gleichwohl sind Fehlentscheidungen ärgerlich, weil eine nochmalige Anschaffung besonders schmerzt. BOBBY SCHENK hat in seinem BLOG „Who is Who im Weltumsegeln“ in nüchterner Form die praktischen Erfahrungen der Blauwassersegler niedergeschrieben, indem er allen Weltumseglern nach der Rückkehr identische Frage gestellt. Die Antworten sprechen Bände, eine aufschlußreiche Lektüre.

Elaine Bunting von YACHTING WORLD ist die Verfasserin des ATLANTIC GEAR TESTS, der alljährlich die Erfahrungen der ARC Segler rekapituliert.

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KAPITALANLAGE SCHIFF
Uns allen ist schmerzlich bewusst, dass der Wert eines Schiffes im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte einem grundlegenden Wandel unterzogen worden ist. Was früher nahezu wertstabil, ist heute vergänglich, weil die Nachfrage vom Angebot überholt und Verschrottung alter Schiffe noch immer nicht im Fokus der Verbraucher liegt.

Ausblick nach unten

Der Traum vom eigenen Schiff besitzt Symbolcharakter, zumal er verlockend preiswert zu kaufen ist. Stehen die rotten Leichen in der Erscheinungsform von Schiffen erst in Vor- und Hintergärten, ist der Morgen des ersten heftigen Erwachens dann meist nicht mehr fern, weil sodann ein gefrässiger Gast mit am Familientische sitzt und ruhige Lebensabläufe fortan zugespitzt. Bei anstehenden Refit Aktionen sollte man Rechenmaschinen besser ausgeschaltet lassen, ersatzweise sollte man zeitgleich Antidepressiva zu sich nehmen, um das böse Loch in der Kasse zu negieren, oder finanziell gänzlich auf allen Vieren, das Ende der Aktion entnervt aus den Augen zu verlieren. Eine Kapitalanlage jedenfalls, ist das nicht, zudem Gift für jedes Beziehungsleben, wenn man nicht mit einer Partnerin gesegnet, die den Vorsatz in guten wie in schlechten Tagen, von Herzen meint und sich nicht gleich einem anderen Skipper anvertraut, mit dem sie dann gemeinsam abhaut.

Ein anschauliches Beispiel der Reanimation einer alten GFK Yacht, ist bei JOHANNES ERDMANN nachzulesen.

ANTIZYKLISCH
Wenn der Wert der Ausrüstung gemeinhin durch technische Weiterentwicklung oder Abnutzung dem allgemeinen Wertverlust von Schiffen kongruent verläuft, so ist in Bezug auf mechanische Windsteuersysteme eine Besonderheit zu beachten: eine seriöse Marke vorausgesetzt, erweisen sich gebrauchte Systeme als nahezu wertstabil. Die erzielbaren Preise für gebrauchte Systeme meiner eigenen Marke, z.B. bei EBAY lassen mich manchmal rote Ohren bekommen, weil die Nachfrage die Gebote für teils uralte Systeme auf ein Niveau getrieben hat, die für Verkäufer zwar überaus attraktiv, für die Erwerber gleichwohl nicht immer alle Hoffnungen erfüllen kann, weil das Preisgefüge schlicht aus der Balance gekommen scheint.

Rechtzeitige Beratung ringsum ist hilfreich, um Enttäuschungen hier oder dort zu vermeiden. Dafür bin ich in meinem Leben unterwegs, verfasse Fachbücher und berate am liebsten straight, auch wenn es scheinbar manchmal gegen meine eigenen kommerziellen Interessen geht, wenn ich z.B. ein System empfehle, das preiswerter, anstatt teurer ist.

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BERATUNGSFEHLER
Beratungsfehler – im Volksmund Missverständnisse genannt – besitzen eine kurze Halbwertzeit: ein paar Nächte auf See und jeder Segler lernt Fakten von der Theorie schnell zu differenzieren. In Bezug auf die Funktionsfähigkeit einer Windsteueranlage könnten die Folgen mangelnder Beratung kaum dramatischer sein: wenn der Automat seinen Job nicht macht, muss der Skipper aus der Koje, was schnell das Ende des Törns bedeuten kann.

Mein Respekt vor Seglern, die getroffene „falsche“ Entscheidungen korrigieren und sich ein weiteres Mal auf eine andere Erfahrung einlassen, hoffend, dass sie dabei mehr Glück besitzen, dieser Respekt ist gewaltig, zumal ein Neukauf ein weiteres Loch in die Kasse reisst.

Auch wenn ich hier sensibles Terrain betrete, ist mir natürlich bewußt, dass ich als einer von 30 Herstellern weltweit eine besondere Marktposition innehabe: Es ist die Position eines Markteilnehmers, dessen Design und Ausführungen rund um den Globus, vielfach nachempfunden worden ist. Anstatt mich hier nun dauerhaft zu ärgern, empfinde ich die Situation eher als Kompliment, denn, wenn so viele Wettbewerber sich von der Formensprache meiner Produkte „inspirieren lassen“, kann mein Weg ja kaum falsch gewesen sein. Zudem sind preisliche Argumente nicht immer die wichtigsten, wenn es doch darum ginge, wichtige technische Ausführungen der Produkte miteinander zu vergleichen und man derartige Überlegungen vernachlässigt, aus welchen Gründen immer. Bei einer falschen Entscheidung kann der Wertverlust durchaus abrupt eintreten. Dies haben Segler immer wieder zu ihrem eigenen Schaden erfahren müssen.

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COPYCAT DESIGN
Egal ob handwerklich in DIY ( Do-It-Yourself ) oder professionell hergestellt, egal ob zu Löhnen in Übersee oder in der EU produziert, Copycat Produzenten unterliegen Martktspielregeln, die weltweit gelten.

Als Voraussetzungen für den weltweiten Erfolg einer Marke gelten heute:
– Kontinuität am Markt sowie Innovationssbereitschaft.
– Entwicklungshöhe, Stand der Technik, sowie Modularität eines Produktes,
– Servicebereitschaft vor Abschluß und After Sales Service sowieso
– eine Marke, die all dies in sich vereinigt.
Als deutschlands kleinster Weltmarktführer produzieren wir industriell, was uns international wettbewerbsfähig macht. Hier liegen die Gründe, die mich ruhig schlafen lassen, zumal mir bewusst ist, dass WORD OF MOUTH unter Seglern eines der besten Argumente ist – das zudem nix kostet, wenn man den Seglern den Rücken stärkt und sich an Regeln hält, die unter Seglern meist geläufig sind.

Nachfolgend einige Beispiele von Seglern, die ZWEIMAL gekauft haben, aus welchen Gründen auch immer.

VORHER – NACHHER

sailing-conductors-interview-12-seemeilen-blog_3-kleinIMG_8462SV Marianne, SV Marianne, Ben Schaschek and the Sailing Conductors GER

Bassols KopieDSCN1504 KopieSV Trotamar, Joan Bassols BE 

K800_DSC08040 KopieK800_DSC08221 KopieSV Arwen-of-B., Klaus W. Martinique French W.I.

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IMG_1726 KopieSV Svalbard, Oliver Haase GER

IMG_5793 KopieSV Inge, Ben Wedlock march 2014 in Falklands expecting delivery of his new Windpilot in Port Stanley

Valiant 40 KopieSV True Love, Chuck Haines US

pacific + Royal, Plewiki KopieSV Panika, Krystyna + Andrzey Plewiki US

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NIMM ZWEI – und Du bist für alle Eventualitäten am besten gerüstet.

SPONSORING
Die Anzahl aller Nachfragen um Sponsoring aneinandergereiht, könnte ich leicht eine Jahresproduktion meiner Systeme aus der Hand geben, nur: was wäre dadurch gewonnen? Würde es mir besser gehen? Wäre es nicht ein Offenbarungseid, wenn ich Segler dafür würde bezahlen müssen, dass sie verbreiten, dass meine Produkte funktionieren? WORD OF MOUTH scheint mir der bessere Weg – fairer ist er sowieso, da er eine Balance herstellt, die beiden Seiten Vorteile verschafft: die Segler können auf See schlafen und ich kann von meiner Hände Arbeit leben.

Sponsoring im deutschen Segelsport führt ein Schattendasein, da es vordergründig so oft missverstanden wird: Vereinbarungen nach Art eines Klippschülers lauten immer wieder gleich: „ich schenke dem Segler einen Lutscher – und er sagt aaaatig, dass der lecker ist“. Je nach Vertragsausgestaltung und dem egoistischen Bestreben der Parteien, kann es fatale Entgleisungen geben, die auf beiden Seiten Unzufriedenheit entstehen lassen. Die deutsche Segelszenerie ist voller Missverständnisse dieser Art, zudem der Markt für Sponsoren übersichtlich ist, weil zu wenig interessant für professionelles Sponsoring, weil es an kapitalkräftigen Unternehmen fehlt, die in Kampagnen investieren. Das Tauschgeschäft Ware gegen Medienpräsenz, in anderen Lebensbereichen omnipräsent und bestens geschmiert, ist im Segelsport ein hardcore Business, weil es an zahlungswilligem Volke fehlt.

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Beispielhaft für lebenslange Suche nach zahlungskräftigen Sponsoren mag WOLFGANG QUIX gelten, der mit seiner SV JEANTEX als Urgestein deutscher Hochseesegelei viel Energie mit der Suche nach Sponsoren verbracht, gleichwohl damit am Ende nicht erfolgreich gewesen und sein Schiff verkauft hat.

MISSVERSTÄNDNISSE DER BESONDEREN ART

Clark Stede
CLARK STEDE
Ich habe vor Jahrzehnten die SY ASMA von CLARK STEDE zu einem, soll ich sagen Freundschaftspreis ausgerüstet? Die ersten Fotos erreichten mich in Form eines Titelfotos auf der YACHT, die die SY ASMA im Eismeer zeigte – mit vollkommen aberwitzig falsch justiertem Ruderblatt, weil der Eigner aus falsch verstandenem Sicherheitsdenken, einen Bügel rund um die Windpilot Anlage verschweisst, somit das Lift Up nicht mehr auszuführen war und er fortan das Ruder von Hand montieren und justieren musste, was stets fehlerhaft geschah. In der Folge berichtete mir Clark sodann beim Messetreff auf der BOOT, dass seine Anlage nicht richtig funktioniere ( ! ) – weshalb er sie durch eine amerikanische Anlage ersetzt – mit der er nachfolgend dann experimentiert und sie am Ende zum Funktionieren gebracht habe … so die Geschichte, die nachzulesen gewesen ist. Hier geht Sponsoring nach achtern los. Das Schiff – die heutige SY TAONUI wurde übrigens unter seinem neuen Eigner TONY GOOCH weltberühmt, siehe hier Meine Windpilot Anlage hängt vermutlich heute noch als Trophäe der besonderen Art bei Hans Bernwall, Oakland, an der Wand.

BERND LUECHTENBORG
Bernd Luechtenborg hat dem Sponsoring im Segelsport wohl den bemerkenswertesten Bärendienst erwiesen, indem er seinen Sponsoren, insbesondere seinem Mediapartner YACHT, in besonderer Weise aufgezeigt, was er von ihnen gehalten hat. Mich wundert, dass der Mediapartner seinen Lesern die überaus würzige Geschichte, wie ich vermute, aus Scham, bis heute vorenthalten hat. Hier ein Beitrag aus dem YACHT FORUM, den ich im Jahre 2010, damals noch verschämt unter Pseudonym niedergeschrieben habe.

LAURA DEKKER
Ja, ich bin meinen eigenen Spielregeln untreu geworden und habe gegen mich selbst gesündigt. Als Laura mich mit Ihrem Vater Dick Dekker im Jahre 2009 – 14 jährig! – in meiner Werkstatt besuchte, um eine Windpilot Anlage käuflich zu erwerben, hat mich der Plan dieses unprätentiösen Mädchens fast zu Tränen gerührt. Ich habe mein erstes Windpilot System von Herzen gern „gesponsert“ und dies Geschenk im weiteren Verlauf der Schiffswechsel vor Ort in Holland, noch nachgebessert, weil ich ob des Planes dieses Mädels weiche Knie bekommen hatte. Die Geschichte ist weltweit bekannt. Weniger bekannt ist, dass ich von diesem Mädchen niemals ein Dankeschön gehört habe.

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JOHANNES ERDMANN
Es ist naheliegend, einem freundlichen wissbegierigen jungen Mann Sympathien gegenüber zu zeigen, vor allem, wenn seine Wünsche mit dem Inhalt seines Geldbeutels in abenteuerlichem Missverhältnis stehen. Man kann ihn unterstützen, ihm Mietnachlass gewähren und ihm zu einer günstigen Windsteueranlage verhelfen, weil man der Überzeugung ist, hier einem jungen SEgler bei der Verwirklichung seiner Träume ein wenig Flughilfe geben zu können.

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Es liegt im Wesen menschlicher Missverständnisse, dass eine Balance sich als trügerisch erweist, wenn andere Überlegungen, vielleicht auch pekuniärer Art, die Prioritäten langsam aber stetig aus dem Ruder laufen lassen. Für einen Journalisten allerdings gehört Glaubwürdigkeit zu den wichtigsten Bausteinen seines beruflichen Werdeganges. So wird es sicherlich interessant werden, zu erfahren, warum ein ehemals glühender junger Verehrer der Marke Windpilot, sein System plötzlich verkauft und durch ein anderes ersetzt.

Die Spielregeln menschlichen Umgangs werden immer wieder individuell ausgestaltet, besser: zu eigenem Vorteil umgedeutet. Es scheint in der Natur der Menschen begründet, dass das Ego immer über allem steht und Emphatie im Leben heute nicht mehr zählt.

Zum Glück lebe ich in einer Welt, in der eine grosse Anzahl von Menschen unterwegs, mit denen der Umgang grösseren Spass bereitet, als das tägliche Gezanke um Egoismen und finanzielle Vorteile. Einer Welt, in der Respekt vor anderen Menschen zählt, wie auch der Respekt vor der Natur, die unserem Sport einen Rahmen gibt.

Es ist eine Welt, die mir auch nach vielen Jahrzehnten die Freude an meiner Arbeit erhalten hat, obwohl ich, von mir selbst fast unbemerkt, bereits ein wenig grauer geworden bin.

versichert
Peter Foerthmann

Ein Kommentar zu Insider – Gedanken

  1. Uwe K. sagt:

    Lieber Herr Foerthmann,

    Yachten führen seit Jahrzehnten mit allen möglichen Heckanbauten ohne Probleme größere Reisen durch. Warum sollte hier ein größeres Risiko bestehen wo wir doch bei Spaziergängen durch Marinas mannigfache, erfolgreiche Ausführungen vor unseren Augen haben. Zumal hier doch so deutlich des Skippers Möglichkeiten hinsichtlich Portemonnaie und Technikverständniss demonstriert werden können, Auch die breiten Hecks, möglichst mit direktem Zugang zur See und daher ohne Cockpit-Aufbau verdeutlichen, wie unsinnig es ist, über die Sicherheit der Crew kritisch nachzudenken. Was soll das, eine Yacht ohne ausreichend großzügig dimensionierte Liegemöbel ?
    Hier sind Sie wieder mal so übertrieben kritisch.
    Was bewirken schon Tonnen von Wasser im offenen, breiten Cockpit bei Talfahrt in einer hohen Welle.
    Nein, Sie liegen hier falsch wenn Sie auf bewährte und aus langjährigen Erfahrungen resultierende Ergebnisse zurück greifen.
    Bedenken Sie bitte auch, dass mittels weltumspannenden Informationen niemals Schwierigkeiten entstehen, auf die neue Gerätegeneration kann Skipper sich eben verlassen. Jetzt wird Ihnen sicherlich klar, dass Ihre Kritik etwas altmodisch erscheint. Der Fokus des neuen Yachtdesigns hat daher Berechtigung, auf Party und SPA ausgelegt zu sein.

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