White Spot Pirates

CHRONOLOLGIE EINER ERFOLGREICHEN JAGT
Mit einem Video begann die Jagd, um einer jungen Dame mit erstaunlich grossen Plänen, zumindest für ihre Zeit auf See zu Steuerbefreiung zu verhelfen.

Bereits in der ersten Videominute wurde klar, dass es mit diesem Justierungsfehler niemals klappen konnte, weshalb ich die folgende Mail bereits Ende 2014 verfasste:

Moin aus Hamburg,
eine schöne Idee, die Sie da realisieren – Kompliment.

Auf WHITE SPOT PIRATES sehe ich, dass ich nun auch bei Ihnen an Bord eine Anstellung gefunden habe als geschlechtsloser, wenngleich hoffentlich bald unentbehrlicher „eiserner“ – Aluminium-Steuermann … eine PACIFIC von WINDPILOT.

Allerdings, und das ist der Grund für diesen comment:
DAS RUDERBLATT IST ABERWITZIG FALSCH POSITIONIERT. Soooo… kanns nicht klappen mit steuerfreien Zeiten auf See … dem Grund, warum ich ja wohl erworben, montiert und eingestellt:
Schicken Sie meinem Chef Peter Foerthmann eine Mail … und schon gehts los.
Beste Gruesse aus Hamburg
Peter Foerthmann

Nike Gesicht

Es passierte wochenlang – nix. Also kreiste ich die junge Dame ein, verfasste einen comment bei YouTube und erhielt irgendwann das folgende Lebenszeichen:

Moin Moin von südlich der Elbe,
 
ich residiere gerade in Lüneburg für drei Wochen – Heimurlaub sozusagen. So heiß ist es hier leider also gar nicht.
 
Vielen Dank für das Angebot der Fernanalyse, hört sich ja spannend an. Das kann sehr gut sein, dass da bei meiner Leinenführung so einiges im Argen ist…Ich bin gespannt. Soll das Video denn dann auch auf Raumschotskurs sein oder wäre der Kurs egal?
 
Wenn Sie mir Anweisungen schicken, wie ich meinen Windpiloten verbessern kann, werde ich die Umsetzung selbstverständlich filmen und in einer meinen Folgen integrieren, das interessiert sicher viele. Und sollte ich tatsächlich auch vorm Wind meine 20 Minuten ruhig schlafen können (zumindest was das Überprüfen der Anlage angeht, für den Rest können Sie ja nix), dann können wir auch über ein separates Video sprechen, falls Ihnen die Integration in einer meinen Folgen nicht reichen sollte.
 
Allerdings kann ich erst in ca. 2 Monaten das Filmchen schicken, da ich bis dahin am Basteln sein werde an meinem Karl in Guatemala. Aber danach kommt es dann sofort, versprochen!
 
Beste Grüße,
Nike Steiger

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Die Verbindung war also hergestellt, was mir wichtig ist, wenn es darum geht, hier und dort rund um den Globus zu verhindern, dass ein Segler – oder eine unter Seglern seltene Single Hander Dame – als Sklave persönlich am Ruder sitzt, obgleich am Heck die Steuerfreiheit winkt.

Nur noch ein Wimpernschlag, mich ein wenig mehr für mein Gegenüber zu interessieren. Und so erfuhr ich die erstaunliche Geschichte einer jungen Frau aus Lüneburg, der die Heimat zu eng geworden, die ihren Horizont entschlossen erweitern wollte – und dies segelnder Weise zu unternehmen gedachte. Eine toughe junge Dame mit erstaunlichem Werdegang, denn, nicht wahr, ein derartiges Abenteuer ausgerechnet unter der brütenden Sonne von Panama zu beginnen, noch dazu mit einem traurig verlassenem Schiff mit korrodierter Unterhose – und dabei weder Mut, Nerven noch Kraft zu verlieren – das ist eine hard core Enfahrung mit eingebauten Fluchtgedanken, vor der ich in stillem Respekt zu Boden sinke.

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Ich habe in meinem Leben viele ungewöhnliche Geschichten gehört, stets stand der Entschluss zum Start am Ende einer langen Kette von Entscheidungen von Lebensplanung, Sparen, Schiffserwerb, Ausrüstung, nochmal Sparen – um an Ende dann Loszufahren, meist darüber grau geworden …

Nike – eigentlich Berenike – hat alle Schritte nahezu zeitgleich absolviert – und ist dabei erkennbar nicht untergegangen. Sie hat sich in der feindlichen Umgebung einer schwülen Dschungel Marina in Panama eingefunden, und sich einer der finalen Verrottung überlassenen Schiffsleiche angenommen, dabei sicher ungezählte innere Schweinehunde zum Schweigen gebracht und die Ärmel hochgekrempelt. Sie hat ihren Karl – eine Aluminium Reinke 10S – kennen, und manchmal widerwillig, lieben gelernt, ihm zur Wiederauferstehung verholfen und dem Urwald entrissen, ihm die Löcher in der Büx zugeschweisst, sein Inventar sortiert und Krabbeltiere rausgeschmissen. Ob sie dabei an Aufgeben dachte? Egal Karl, Sie hat alle überlistet und die Oberhand behalten – a girl with balls, wie in einem Interview nachzulesen ist.

Kaum zu glauben, wie diese zierliche junge Dame diese Mammut Aufgabe gemeistert, sich notwendige handwerkliche Tricks und Fähigkeiten angenommen, dabei Freunde gewonnen, deren Hilfe sie genossen hat. Und sie ist tatsächlich losgekommen, wenngleich zunächst Ihre Schwimmversuche vor der Tür von Panama stattgefunden haben. 2500 Seemeilen von Kolumbien bis nach Guatemala liegen zwischenzeitlich in ihrem Kielwasser.

Vor wenigen Tagen ist sie nun in Providencia angekommen, wobei ein Schutzengel wieder ganze Arbeit leisten musste. Die Palme ist stehen geblieben, obgleich ein Want direkt über der Spannschraube – durch Rott – abgerissen ist.

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Natürlich haben wir uns über den finanziellen Background ausgetauscht – und so erfuhr ich eine weitere Überraschung. Denn Nike hat sich die Vorraussetzungen für ihre Zeit an Bord aus eigenen knappen Mitteln geschaffen – anstatt, wie heute vielfach unter jungen Leuten so sehr modern – stets und ständig die eigene Geldnot auf den Lippen und im Blog zu thematisieren – und dabei dann Unterstützung zu erbetteln, weil das Geld mit den eigenen Wünschen immer wieder nicht konform.

WHITE SPOT PIRATES ist Nikes Web-Tor zur Welt interessierter junger Menschen, denen sie durch wöchentliche Videobotschaften unverblümt und ehrlich von ihren Erfahrungen und Niederlagen zu erzählen weiss. Als Profi in Sachen Marketing, hat sie schlau erkannt, dass der deutsche Sprachraum für einen Fan Club in ihrer Sache nicht ausreichend ergiebig ist. Der Entschluss zu Videobotschaften in englischer Sprache erwies sich als Treffer – er muss ihr leicht gefallen sein, denn sie ist der englischen Sprache in einer Form prächtig mächtig, dass es Spass macht, ihr zuzuhören – so ganz anders als so manch anderer Blog, in dem deutsche Segler ihr Publikum radebrechend mit abenteuerlich schlechten Sprachattacken versuchen, zu imponieren und dabei Zahnschmerzen generieren – ein Link wird hier schamhaft totgeschwiegen.

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Wenn andere deutsche Segler tapfer jahrelang von ihren Reisen berichten, und dabei die Zahl der Follower nur mühselig nach oben schieben, so hat Nike es in nur 2 Jahren auf stattliche 9.000 FB Freunde gebracht, dank der englischen Sprache, was für mich der erste Schlüssel für ihren Erfolg gewesen scheint. Natürlich abgesehen von der Tatsache, dass hier eine überaus ansehnliche junge Dame, dem Betrachter direkt in die Augen schaut – und sehnsuchtsvolle Gedanken zu beflügeln weiss, was ja an sich nichts Schlechtes ist, zumal ihre Botschaften erstaunlich authentisch sind: Jeder kann, wenn er denn will, seine Träume realisieren. Die FB Kommentare spiegeln, dass Nike mit ihrem Konzept ins Schwarze trifft.

Von Alex und Taru wissen wir, dass das Auge stets mit am Tische sitzt, wenn es gilt, interessante Geschichten – vor allem Bilder anzusehen und eigenen Träumen zum Fliegen zu verhelfen. Alex und Taru haben im Verlauf von 5 Jahren, 6700 FB Freunde angezogen – ohne dass sich Taru dabei final ausgezogen hat.

Nike erzählt in gekonnten Bildern und schnellen Schnitten, mit stimmiger Musik unterlegt. Ihre Botschaften stehen in Einklang mit dem, was das Auge ohnehin schon sieht. Der Fanclub ihrer YouTube Gemeinde ist riesig, das jüngste Video verzeichnet 66.000 Besucher, die Gesamtbesucherzahl ihres Kanals verhilft ihr heute zu einem Grundeinkommen, jedenfalls solange ihr schwimmender Untersatz mit dem trockenen Namen KARL, seinen Appetit auf weitere Reparaturen in Grenzen hält. Nike ist frohgemut, verweist humorvoll und ganz dezent auf die Möglichkeit, sie bei Gefallen ein wenig zu unterstützen. Eine so ganz andere Erfahrung in einer Zeit, in der junge Menschen ansonsten gern mit Bugwelle und Pistole, die soziale Umgebung sich zum Untertan zu machen versuchen.

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Wie Nike mit eigenen Worten beschreibt:

Ich kann über meine Videos ein monatliches Einkommen generieren, das zumindest mich am Leben hält…In Zeiten, in denen ich viel in Karl investieren muss, wird es knapp, aber ich versuche, unnötige Ausgaben zu minimieren und bis jetzt klappt es alles ganz ok. Aber ich gehe eben kaum essen, wenn, dann hauptsächlich local food / street food. Ich bin immer vor Anker, mache alles Reparaturen selbst oder mit kostenloser Unterstützung von Freunden. Außerdem kaufe ich keine teuren Lebensmittel…zumindest meistens nicht 🙂 und fische mir oft mein Essen.

Ein interessantes Interview mit Nike ist hier nachzulesen:

Für mich zählt Nike zu den stillen Segelhelden, die mit erfrischendem Optimismus ihr Schicksal selbst in die Hände genommen hat und einer ganzen Generation zögerlicher junger Menschen aufzeigt, wie man es anders machen kann, wenn man das nur will.

meint
Peter Foerthmann