Hanseboot im Sturm

HINTER DEM ZENIT WIRD´S DUNKEL

Presseveröffentlichungen von Messe Organisatoren weltweit lesen sich alle gleich, es geht stets immer nur bergauf, auch wenn das Wasser schon von achtern in den Keller läuft. Journalisten unterliegen nahezu sämtlich den Interessen ihrer Auftraggeber und werden dafür bezahlt, dies in flüssige Worte zu verkleiden. Die Nahrungskette der hier miteinander am Markt verbundenen Parteien folgt einer Hierarchie, die in Art und Qualität der Aussagen sich in Abhängigkeiten widerspiegeln, die leicht zu erkennen sind. Grundregel ist stets eine positive Berichterstattung – der die Entschuldigung, daß negative Botschaften ringsum nur schädlich sind, bereits über die Schulter grinst.

Journalismus ist das – eigentlich – nicht!

Propaganda wäre der passendere Begriff.

Denn es handelt sich um ein Joint Venture mit klarem Ziel: Optimismus zu verbreiten, um Besucher, Kunden, Abonnenten und Interessenten zu verleiten, Ihrem Bauchgefühl zu widersprechen, hinzugehen, ein Ticket zu erwerben, um hinter dem Vorhang der Versprechungen dann selbst zu prüfen, wie es um die Tatsachen bestellt. Die Halbwertzeit reicht also stets nur bis zum Kassengang, danach ist man reingefallen, der Zweck erfüllt und das Geld im Panzerschrank!

Ein ungleiches Duell: Propaganda versus Bauchgefühl, gleichwohl letzteres sich zunehmend mehr Gehör verschafft, weil die Dissonanz zwischen lauten Botschaften und Gefühl stets krasser geworden ist. Wie in der Politik!

Produktwerbung funktioniert dagegen anders, weil Gefühle sublimiert, oder Träume erzeugt, die sich der realen Welt vorzugsweise gern entziehen, weil Verknüpfungen nur in der Phantasie stattfinden, statt in der realen Welt. Oder warum genügt ein Autoschlüssel mit dem richtigem Emblem so häufig, um Menschen zu codieren oder Damen zu erweichen?

Werbung für eine Bootsmesse ist dagegen undankbar, weil wenige Schritte durch die Hallen genügen, um Fakten zu erfassen, die Versprechungen erblassen lassen oder widerlegen.

Eine Stunde hat genügt, um sich am Ersten Messe Nachmittag um 16:00 Uhr ein Bild zu verschaffen, wie es um die Hanseboot 2011 nun wirklich steht. Klar war das Wetter wieder Schuld, aber das ist ein alter Hut, aus dem wohlfeile Erklärungen stets gezaubert werden!

Mit ein wenig Fingerspitzengefühl hätte ein Panzer durch die Hallen fahren können, die Gänge waren überwiegend breit und leer!

Weitläufig geparkte Boote, Folkeboote sogar in Rotten aufgestellt, ein Volvo Parkplatz gegen Knete zwischen Schiffen eingefügt, ansonsten Spaßprogramm fuer Kids, die man als Konsumenten von morgen ja nicht vergessen darf. Jeweils 1,5 Hallen waren fuer Schiffe der Segel- und Motorboot Fraktion reserviert, ansonsten Ruhezonen und Wassertümpel auf weitläufig unverkauften Messe Flächen.

Hochseilartistik für eine Werbeagentur, derart triste Tatsachen dem virtuellen Publikum in Rosa zu verkaufen.

Der Skandal hingegen wird offenbar, wenn Werbe Profis sich Programme ausdenken, die vom Bodenpersonal der Messe Organisatoren nicht adäquat umgesetzt! Welchen Sinn macht eine HANSEBOOT AKADEMIE, die als Bauwerk in eine Halle hinein gepflanzt, anstatt in separatem Raum den Beteiligten gebührend Ruhe und Respekt einander zu verschaffen? Sollten hier Zuschauer nur als Deko für ein Event dienen, dass den Namen Akademie wirklich nicht verdient? Und bitte, welches Sinn macht es, einen international berühmten Autoren wie Jimmy Cornell als Referenten und High Light teuer einzufliegen, wenn man dies nicht gebührend in der Öffentlichkeit verkündet, besser: heraus posaunt, statt dessen dies nur wenige Tage vor Messestart online kleingedruckt erwähnt?

Da hat die Presseabteilung der Messe einen Purzelbaum geschlagen – ich halte es für eine Blamage und Geldverschwendung erster Güte, wenn eine Kapazität dieser Provenienz, einen Vortrag vor einem Publikum zu halten hat, dessen Zahl man an sechs Händen zählen konnte, weil´s offenbar niemandem bekannt! Wozu bekommt eine Presse Abteilung wohl ihr Gehalt, wenn ihr derartige Fehler unterlaufen? Warum eine Lautsprecher Anlage, wenn man sie nicht dazu benutzt, Versäumtes nachzuholen?

Interessant, kurz vor Messebeginn von Bernd Aufderheide, Häuptling des gesamten Messe Territoriums aus Zeitungen zu erfahren, dass die Hamburg Messe trotz enormen Besucherschwund´s, dennoch Gewinn ausgewiesen hat – und dies angesichts der Tatsache, dass die Messehallen nur wenige Wochen im Jahr überhaupt genutzt! Wenn wirtschaftliche Interessen wichtiger werden, als eine Strategie, die das Überleben von Messen auch in Zukunft sichert, dann: Gute Nacht! Der Steuerzahler wird´s am Ende auch hier dann richten, bzw. zu bezahlen haben, weil die Profis nicht weit genug gedacht und tun, wofür sie eigentlich bezahlt!

Wie es scheint, fehlt der Hamburg Messe ein schlüssiges Konzept, wie man der Erosion von Besuchern und Fachaussteller einen Riegel vorschieben kann! Denn die Verringerung der Besucherzahlen erfolgt ja zeitversetzt im Gleichschritt mit dem Rückgang von Fachausstellern, weil beider Bauchgefühl die Signale perfekt verstehen: eine Bootsmesse zahlt sich nicht mehr aus!

Durch Investition in Werbung, bekommt man keinen Turn Around!

Nach 230 Bootsmessen international habe ich einen geschärften Blick für Veranstaltungen dieser Art. Zuerst bleiben die Fachaussteller weg – und dann die Fachbesucher. Wenn im Interesse der eigenen Kassenlage, dies durch Fremd Aussteller stillschweigend aufgefüllt, oder Ausstellungsflächen ohne Entgelt genehmen Firmen und Verbänden gegeben werden, nehmen Entwicklungen einen stringenten Lauf. Dann werden wir auf einer Fachausstellung für maritimes Freizeitvergnügen, bald auch Käse aus Holland, Wein aus Frankreich und Flugreisen buchen können, weil den Messe Organisatoren jeder Aussteller Recht geworden ist, solange er nur einen Platz bucht und hoffentlich bezahlt. Beispiele für diese Entwicklung gibt es bereits genug.

Oder wollen wir hier Ursachenforschung betreiben und dabei dann das böse Internet als schuldig benennen, gegen das man ja so wehrlos ist und darum nach der Mama schreit?

Denken ist erlaubt, dafür bekommen Profis ihr Gehalt – notfalls mit fremd in Auftrag teuer bezahlten Expertisen, wenn man selbst nicht denken mag, oder dies verlernt hat, auf Steuerzahler Kosten!

Für Presse Abteilungen wird es sicher bald zunehmend schwer, Aussteller für Gefälligkeits Interviews zu gewinnen, die sich namentlich zitieren lassen, um einen gewünscht positiven Trend in den Medien multiplizierend zu verbreiten. Obwohl es menschlich verständlich ist, wenn ein Aussteller, nach seiner Meinung befragt, dazu neigt, sich aus Eitelkeit gern selbst ein wenig zu belügen, statt sich zu stigmatisieren und als Looser selbst zu outen, weil er sein Investment für die Show zum Fenster rausfliegen sieht.

Turnaround? Wenn man wirklich glaubte, Behörden zum Umdenken bewegen zu können, dann wäre dies ein Vorschlag:

Statt einer halbherzigen Hanseboot Akademy Maßnahme, wäre ein wirklich attraktives Seminar Programm, vielfältig und kostenlos als zentrale Messe Attraktion ein Weg, den Besucher Schwund vielleicht zu bremsen. Kostenbewehrte Spezial Seminare sind nicht gehalten, breite Besucherkreise zu verlocken. Aber derartige Vorschläge sind für eine Behörde sicher nicht attraktiv, weil sie vor allem Eins bedeuten: Initiative, Arbeit, Weitsicht und Investition.

Ein Blick über den Tellerrand hilft manchmal kolossal: in den USA umfassen 5 tägige Bootsmessen bis zu 200 Seminar Vorträge! Auf diesen Messen besteht ein Gedränge, wie auf unseren Messen vor 20 Jahren! Trotz Internet – und das wurde ja bekanntlich in den USA erfunden!

Aber vielleicht ist Umdenken von Angestellten des öffentlichen Dienstes nicht zu verlangen, solange sie ihren Laden immer noch profitabel führen können – zumal am Ende ggf. von uns allen dann ein weiterer Rettungsschirm geöffnet wird, weil man kraft staatlicher Versorgungslage, wirklich radikale Gedanken nicht zu denken wagt!

räsoniert

Peter Förthmann

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