Monetarisierung

DIE MONETARISIERUNG DER BLAUWASSER BERATUNG

40 Jahre Parcours in meiner Spur haben mich geprägt, meine Attitüde ist bekannt und nachlesbar. Als Idealist leiste ich mir eine Meinung, bei der Umsatz nicht die Mutter aller Überlegungen ist, wissend, dass ich damit als weisses Einhorn einigermassen einsam unterwegs bin. Meine gelebte Unabhängigkeit ist der ICE, mit der WORD OF MOUTH in der Cruising Community die Runde macht, in dessen Folge ich meine Produkte geräuschlos weltweit vertreibe, ganz ohne die bekannten Verdächtigen der Medien zu belästigen oder gar zu bezahlen – was einigen Damen und Herren der globalen schreibenden Zunft natürlich nicht gefällt, weil meine Haltung dem System der Erzeugung von Abhängigkeiten, zuwider läuft, weil ich ihren Businessplan – Gehalt samt Sonderleistungen – nicht mit Anzeigen Aufträgen füttere, um in deren Folge dann redaktionell gefällige Beachtung zu erhaschen.

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In einem Nischenbusiness wie dem meinen, hätten die Kosten für internationale Anzeigenaufträge in Magazinen den Preis meiner Produkte explodieren lassen, ohne hierfür adäquat die Beachtung der Segler zu erfahren, schlicht, weil der Kosten-Nutzen-Effekt – nicht erst seit Erfindung des Internets – abenteuerlich unverhältnismässig gewesen wäre. Der Beweis: ich vertreibe meine Produkte weltweit ohne jegliche Anzeigenwerbung und habe mich in 2003 sogar von den Boat Shows dieser Welt zurückgezogen. Seit 2003 halte ich im Gegenzug meine Preise, was der Position im Marktumfeld keineswegs geschadet hat.

So bin ich zu einem Alien geworden, das der schreibenden Zunft vermutlich wie ein Splitter im Fleische sitzt, weil ich mir das „Wohlwollen“ nicht erkaufe, um sicher zu stellen, dass man mich duldet anstatt beisst. Jedenfalls eine Gleichung, die niemals ausgewogen ist, es sei denn, man glaubte den Versprechungen von Anzeigen Verkäufern oder Journalisten, deren Interessenlagen nachvollziehbaren Regeln folgen. Ich jedenfalls glaube das nicht.

Erst vor wenigen Tagen erhielt ich von VOILES + VOILIERS eine Einladung zur Buchung einer Anzeige für eine Sonderausgabe zum Thema „Segeln zu Zweit“ in dem die Thematik Régulateurs d´Allures ein ganzes Kapitel füllen wird. Anzeigenschluss schon in wenigen Tagen! Redaktionelle Nachfragen zu Produkt oder Company: keine. Rückfragen von meiner Seite blieben ohne Antwort. Zum besseren Verständnis: Frankreich ist für mich ein Parademarkt, hunderte Aluyachten der Marken OVNI, ALLURES, GARCIA, BOREAL, META, VIA u.a. wurden und werden teils werksseitig mit meinen Systemen ausgerüstet, mein Fachbuch TOUTES SAVOIR SUR LE PILOTAGE AUTOMATIQUE ist seit 20 Jahren Referenz, die Bekanntheit der Marke bestens verankert, u.a. auch wegen vieler spektakulärer Reisen bekannter Segler. Kurz: BOUCHE A OREILLE ( WORD OF MOUTH ) arbeitet bestens.

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DAS DIKTAT ZUM INSERAT
Die Damen und Herren Kapitäne der Magazine erwarten – so scheint es – Unterwerfung unter ein ungeschriebenes Diktat, dessen Anfang und Ende stets das Inserat, ohne das man weder benannt, erkannt, oder honoriert, ergo: nicht existiert. Dazu eine Volte: die Jungs vom „grössten Segelmagazin Europas“ haben in einem kürzlichen „Hamburg Special“ die Erwähnung eines Weltmarktplayers für Windsteuersysteme …. vergessen. Ein Schuss in den eigenen Schuh sieht ähnlich aus. Es sind diese kleinen Begebenheiten, die so viel über die Strickmuster in anderen Köpfen verraten, vor allem, dass Souveränität dort offenbar kein Zuhause hat.

Wie kommt es nur, dass ich immer wieder denke, dass die maritime Presse sich in einem Wettlauf mit der eigenen Wichtigkeit befindet? Völlig unnötig, wie ich es sehe. Der Konsum regelmässiger Dosis „Segler Bravo“ ist uns allen doch ein Herzensbedürfnis – mich eingeschlossen – eben weil die Seele gefüttert und der Traum von der Palme dauerhaft gewässert werden muss. Die Hochglanz Segelmagazine erfüllen diese wichtige Aufgabe mit Bravour, indem sie den unterschiedlichsten Interessen das Futter – und sehnsuchtsvolle Fotos – für die dürstenden Seelen zusammentragen und gegen Entgelt an uns liefern. Abhängigkeiten fast wie beim Sex, mit dem sich so glänzende Geschäfte machen lassen.

Ich bin meinen eigenen Weg gegangen, was Jahrzehnte lang in ausgewogenem Miteinander mit der schreibende Zunft möglich gewesen ist, insbesondere, weil man früher den Wert von Synergien in Bezug auf Fachwissen zu schätzen wusste.

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Personelle Wechsel in Redaktionen, der Zwang zur Kostenkontrolle, andere Köpfe und neue Hosen – vermutlich hat die Schnüffelnase einiger Journalisten auf der Suche nach neuen Interessen Feldern eine jahrzehntelange Balance unter Vorsatz aus dem Ruder laufen lassen – und ist dabei – pardauz ! – auf Peters`s Meinung getroffen. Worum es ging und geht? Nichts weniger als eine, wie mir scheint, unsinnige Kontroverse über die Luft- und Deutungshoheit über Interessen und Belange der kleinsten Gruppe deutscher Segler: der Blauwassersegler, deren Träume, Pläne und Erfahrungen einer ganzen Branche Auftrieb verleihen, schlicht, weil jedem Segler, selbst in der kleinsten Badewanne, stets der ganz grosse Traum innewohnt.

Die besondere Gemenge und Interessenlage zur Ausrüstung und Schulung für den grossen Törn, trifft auf einen winzigen Markt, trifft dort allerdings auf Menschen besonderer Individualität und Prägung, auf Segler, die gleichermassen hungrig und aufgeklärt, ihre Entscheidungen sorgfältig abwägen und kritisch treffen, weil Fehler weitreichende Konsequenzen haben, weshalb man sie tunlichst zu vermeiden sucht. Notwendig vor allem: Klarheit und Kompetenz in der Beratung.

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DIE GENERALFRAGE
Wieweit kann man in Segler Köpfen Denk- und Entscheidungsprozesse durch besondere oder gar dezidierte Beratung steuern? Sind schlaue Seglerköpfe einer eigenen Meinung fähig? Kann falsche Beratung sogar Schaden anrichten? Rhetorische Fragen, denen die Antworten bereits innewohnen.

Mein Ansatz: komplexe Materie kann sicherlich am besten durch kompetente Referenten vermittelt werden, die vorzugsweise nicht vom Umsatz Stachel angetrieben werden,. Hier liegt einer der Gründe, warum ich erbittert dafür gekämpft habe, dass der Erfahrungsschatz deutscher Blauwassersegler, die dereinst einem Verein in Cuxhaven angehört haben, anderen Seglern und Vereinsmitgliedern kostenlos – pro bono – hätte weiter vermittelt werden können. Man hatte erkennbar, anderes im Sinn.

Es liegt auf der Hand, dass eine zunehmende Monetarisierung der Blauwasser Seminare schwerwiegende Folgen für die Qualität der Beratung haben musste. Untersuchen wir den Fall.

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DIE SÄULEN DER INFORMATIONSBESCHAFFUNG

WORD OF MOUTH – BOUCHE A OREILLE – MUND ZU MUND REKLAME
WOM ist in der globalen Seglerschaft zum wichtigsten Marketing Tool avanciert. Hier werden Kundenzufriedenheit und Meinungen unplugged und authentisch innerhalb der Seglerschaft weiter transportiert. All dies per Mausklick, zielgenau und kostenlos: eine wundervolle Referenz. Für Hersteller ein langer und beschwerlicher Weg bis zum Erfolg, der viel Energie und Ausdauer – manchmal auch Demut – abverlangt. In meinem Fall hat es Jahrzehnte gedauert.

SPONSORING
Referenz durch Markenbotschafter ist dagegen die verlockende Abkürzung, weshalb sie so gern befahren wird. Das Pokerspiel notwendiger Investition ist reizvoll, weil die Ergebnisse nebulös der Deutung überlassen werden, wobei das Investment in dezidierten Taschen verschwinden kann. Wir wissen, wie leicht durch Namens Nennung eine natürliche Voreingenommenheit gegenüber einem Produkt auszuräumen ist. Markenbotschafter für Shampoo bis zur selbstfahrenden Seifenkiste haben die Welt erobert, wobei Sex, Schönheit und Markantz zu Vehikeln geworden sind, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist. Der Einblick in einen tiefen Ausschnitt macht viele Männer zum Hans, dem subito schwindelig wird, ganz wie einer Gans, die auf Droge über die Strasse watschelt.

Sponsor Ship eines Seglers ist der kleinst mögliche Eintrittspreis zur erhofften Teilhabe an der Wertschöpfungskette, die durch Vervielfältigung einfacher Namens Nennung abgegolten wird. Sie kann allerdings grandios in die Hose gehen, wie wir seit Luechtenborg wissen. Die Wertschätzung lässt sich am Zahlbetrag ablesen, was manchmal dann eben nur ein Dollar in der Kaffee Tasse ist, insbesondere, wenn der Beschenkte sich dann online artig zu bedanken pflegt. So sehen Highlights aus, wenn man die Regeln aus der Klipp Schule flach gelegt hat.

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DIE BESSERWISSER
Es ist kein Geheimnis, dass jeder Segler klein angefangen hat. Selbst die erfahrensten Blauwasser- oder Weltumsegler besitzen Wissenslücken, die sie durch die Hilfe oder Unterstützung von Fachleuten – wollen wir sie Land Team nennen? – schliessen, damit die Reise weiter geht. Kein Segler kann auf diese Fachleute verzichten, weil sie Teil einer erfolgreichen Reise sind. Kein Meister ist je vom Himmel gefallen, keiner wird jemals in der Lage sein, zu den komplexen Themen des Blauwassersegelns lückenlos Bescheid zu wissen. Wenn für Weltumsegler die Relevanz technischer Ausrüstung meist auf das simple Funktionieren bis zum Reiseende reduziert ist, sind die „technischen Supporter“ meist lebenslang in ihrer Materie engagiert.

Wenn Weltumsegler später zu Buchautoren mutieren, kann man zwischen den Zeilen Interessantes lesen, weil dort manchmal Fachwissen aus anderen Köpfen zu eigenen Erkenntnisse umgeschrieben wird und plötzlich – manchmal über Nacht – neue Koryphäen geboren werden. Es gehört für mich zu den ungeschriebenen Regeln respektvollen Umgangs, dass Quellen benannt werden. Denn, nicht wahr: dies mindert keinesfalls eine seglerische Leistung, ist hingegen eine Achtungsadresse an Menschen, die ihr Fachwissen freizügig eingebracht haben.

Die zweite Frage, die sich im Zusammenhang mit dem Themen Titel hier stellt: wie viel Sachlichkeit können wir erwarten, wenn ein Buchautor vor der Niederschrift mit Sach- oder Geldleistungen „unterstützt“ worden ist? Ist dies hinnehmbar, oder sind Werbe Banner bereits der nahtlose Übergang zur Monetarisierung der Beratung, wenn das Buch dereinst gelesen wird? Eine Frage, der die Antwort schon wieder innewohnt.

Buch und Seminar Business als Teil der Wertschöpfungskette? Je mehr ich versuche, in meinem Kopf Klarheit zu finden, desto ungemütlicher sind meine Gedanken, denn alle Indikatoren weisen darauf hin, dass wirtschaftliche Interessen hier Hand in Hand gehen, dass man den Überblick fast verlieren könnte. Autor – Verlag – Hersteller, ein brisantes Thema, über das viel zu berichten wäre, wenn man die Wege verfolgte, wie Meinungen und Verflechtungen zustande kommen.

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MEDIA
Der Vervielfältigung von Meinung wohnt eine Macht inne, der wir sämtlich unterliegen. Es liegt im Interesse der Macher, dies zur Wertschöpfung einzusetzen. Die Vermischung von Meinung und Interessenlagen wird zum Asphalt, der zu Gewinnen führt, weil die Grenzen zwischen Journaille und Werbung solange verschwimmen, bis sie unsichtbar – oder wir blind geworden sind. Dies Prinzip ist das Gebiss, hinter dem der Haifisch schwimmt, um seinen Geltungsbereich mit kraftvollen Schwanzschlägen immer weiter zu vergrössern: Einfluss, Macht und Geld, egal in welcher Reihenfolge. Ein Biss, ein Schreck und die Knete ist weg!

Der Hebel zur Vervielfältigung einer Botschaft – der Bekanntheit einer Marke – heisst finanzielles Investment – was geübte Blattmacher natürlich zeitgleich zur Stärkung eigener Machtfülle – und Wichtigkeit? – verwenden. Das Zusammenwirken von Journaille und Buchverlagen birgt wahre Fulminanz und Cleverness, weil dadurch Synergien möglich werden, denen die Verbesserung der Bilanzen dicht auf den Hacken sitzt.

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TRANS-OCEAN, DER UNVEREINBARE VEREIN
Klarheit und Kompetenz in Bezug auf Beratungs Inhalte sind – eigentlich – der Schatz eines gemeinützigen Vereins, dessen vorrangige Aufgabe in Schulung und Weitergabe von Erfahrungen innerhalb der Mitgliederschaft liegen sollte. Dies steht in klarem Widerspruch zu den kommerziellen Interessen eines Verlages und einer Wirtschaft, die ihn unterstützt. Eine Monetarisierung der Interessen ist mit den Grundsätzen eines Vereins unvereinbar.

Die Kontroverse um den TO hat sich am unwürdige Ringen um die Richtlinien Kompetenz für den Verein entzündet, der eigentlich auf die Stimmen seiner Mitglieder hören sollte. Tut er aber nicht, denn er arbeitet erkennbar stringent einem Verlag entgegen und lässt die Interessen der eigenen Mitgliederschaft recht offensichtlich links liegen.

MEIN CREDO
Ein Verein mit kristallklarer Legende hätte der integre und ideale Veranstalter von BLAUWASSER SEMINAREN werden können, weil er jenseits jeglichen Verdachts der Verfolgung finanzieller Interessen hätte auftreten können, dabei der Seglergemeinde und auch dem eigenen Renommée einen unschätzbaren Dienst erweisen können. Diese einmalige Gelegenheit wurde verspielt, weil man statt dessen Vereins Interessen mit denen eines Verlags ganz offenbar zu verknüpfen plant.

WHAT ALSO NEXT?
Der Griff nach den Sternen, die Erlangung der Deutungshoheit über deutsche Blauwassersegler, wäre – für mich – der logische Weg, zumal man sich die bekanntesten Segler bereits seit Jahrzehnten als Verlags Autoren gepflückt – untergeordnet? – hat. Es bliebe also nur noch ein kleiner Schritt, zur Arrondierung eines nahezu allumfassenden Machtbereiches:
Einflussnahme – Einverleibung? – eines Segelvereins für Blauwassersegler, dessen besondere Mitgliederschaft man über ein SPECIAL INTEREST BLATT mit eingeflochtenen Fachinseraten, sowie Werbung für Bücher, sämtlich dann direkt erreichen kann, Adressdaten inklusive
Monetarisierung der Blauwasser Seminare, um Synergien aus allen Marktbereiche zu erzielen

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BLAUWASSER SEMINARE
Als ich vor 18 Jahren gemeinsam mit ASTRID + WILHELM GREIFF ( Büro Deutschland: WORLD CRUISING CLUB ) die Firma WORLD CRUISING DEUTSCHLAND zur Marke anmeldete, um Seminare zu veranstalten, haben wir unsere Referenten stets mit DM 500 / pro Vortrag bezahlt. JIMMY CORNELL als rühmliche Ausnahme, hat auf jedes Honorar verzichtet, weil er seine Unabhängigkeit erhalten wollte, zudem er als Initiator derartiger Veranstaltungen ein besonderes Interesse daran hatte. Die ganze Geschichte der BWS ist hier zu lesen

Der Inhaber Wechsel an der Spitze von WORLD CRUISING zur Jahrtausendwende, brachte die Monetarisierung der Seminare. In der JIMMY Ära haben SUPPORTER – darunter ich – jahrelang ihre Serviceleistungen im Hafen kostenlos erbracht und bekamen im Gegenzug die Gelegenheit, vor den Seglern über ihr Fachgebiet zu referieren.

Dies Prinzip wurde im neuen Jahrtausend umgekehrt. Supporter wurden fortan aufgefordert, für ihre Teilnahme am Service Karussell, einen Obulus an den Veranstalter zu bezahlen, in meinem Fall Pound Sterling 5.000.– Für mich eine paradoxe Situation, denn, nicht wahr, meine kostenlosen Service Aktionen im Hafen empfand ich bis dato als eine Referenz an den Veranstalter, was Jimmy damals erkennbar ebenso eingeschätzt hatte. Für mich waren meine Aufenthalte im Herbst der Jahre 1976 – 2007 eine gute Gelegenheit, im direkten Austausch mit den Seglern auch auf meiner Seite Erfahrungen zu sammeln, ein Deal auf Gegenseitigkeit, der rundum von Vorteil war.

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DIE BEZAHL-SCHRANKE
Die Einrichtung der Bezahl-Schranke wurde fortan zum Standard für den Zugang zu Fachseminaren. Meine Verweigerung wurde zum Einstieg für meinen Marktbegleiter HYDROVANE, dessen frischgebackener Inhaber in Canada fortan gegen Eintrittsgeld, Marketing der besonderen Art betreiben konnte – wohlgemerkt mit einem System, dessen Erfinder und Vorbesitzer, DEREK DANIELS, mir wenige Monate zuvor seinen Betrieb zum Kauf angeboten hatte, weil er seine Produkte gegenüber den meinen, als zunehmend weniger konkurrenzfähig eingestuft hatte, einer der Gründe, weshalb er verkaufen wollte.

Somit wurde die Zahlung des Eintrittspreises für meinen Marktbegleiter zu einem Schachzug, der sich finanziell lohnen sollte. Ob dagegen die Erwerber der Systeme allesamt zufrieden wurden? Hier kamen mir immer mal wieder Zweifel, denn ich habe im weiteren Verlauf der ARC einige Schiffe mit Hilfsrudersystemen gesehen, bei deren Anblick mir die Spucke weggeblieben ist. Siehe auch GREAT ATLANTIC GEAR TEST Atlantic gear

Zusammenfassend kann man wohl konstatieren, dass die Bezahl Schranke sich für Veranstalter und Supporter gelohnt, hingegen den Seglern gegenüber, in diesem speziellen Fall, fortan vermehrt die Betonung auf das Vorhandensein eines NOTRUDERS gelegt worden ist. Ich nenn´ dies eine elegante Marketing Kurve vom Hinweis auf ein vollwertiges Windsteuersystem hin zur Sinnhaftigkeit eines Notruders.

Ob ich meine Weigerung, als Supporter Eintritt zu bezahlen, bereut habe? Mitnichten, denn ich habe im Verlauf der Jahrzehnte weder in Las Palmas noch anderen Flaschenhälsen der Segler Gemeinde, jemals meine Präsenz mit einem Bauchladen wahrgenommen, nicht aquiriert, hingegen beraten und Windsteuersysteme zum Laufen gebracht, gleich welcher Marken. Dass ich dabei manchmal als Schrauber missbraucht worden bin, habe ich hingenommen. Als ich hingegen eines Tages an Bord einer HR 49 am Heck am Schrauben war und von der Eignerin aufgefordert worden bin, doch bitte auch gleich noch mal den Ölstand der Maschine zu kontrollieren … ist mir die Feinsicherung durchgeknallt. Es war der Tag, an dem ich mich entschloss, derartige Service Massnahmen fortan zu unterlassen, ich war zu demZeitpunkt 63 Jahre alt.

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Das Seminar Business hat – wie ich es empfinde – seine Unschuld verloren, seitdem Hersteller an den Veranstalter einen Obolus entrichten, um Zugang zum Beratungs Geschäft bzw. der Produktpräsentation zu erhalten. Aktuelles Beispiel: Für das kürzlich durchgeführte YACHT BLUEWATER SYMPOSIUM wurde in bislang unbekannter Intensität die Werbetrommel gerührt, wobei einige Supporter einen Teil der Kosten übernommen haben. Wenn man den Angaben des Veranstalters gutwillig – oder blauäugig? – Glauben schenken möchte, wurden „fast 70 Teilnehmer“ gezählt, was angesichts des medialen Hurrikans eher einem Klecks vergleichbar ist. Für die rührende Zahl, die in Wirklichkeit wohl noch geringer gewesen ist, bieten sich plausible Erklärungen an: Höhe des Eintrittsgeldes, Veranstaltungsort, Fussball. Vielleicht sollte ich noch einen weiterer Grund hinzufügen: Wäre es nicht denkbar, dass der Veranstalter und „sein“ Segelverein in Cuxhaven hier eine Quittung für ihren Frevel an der deutschen Blauwasser Seglerschaft erhalten haben? Ich bin einigermassen überzeugt, dass man diesen Gedanken niemals zu denken wagen wird. Sei´s drum, die Segler sind weniger dumm, als manch einer zu denken scheint.

Insgesamt ist für mich deutlich, dass das Potential für Blauwasser Seminare überschätzt wird, zumal weitere Veranstaltungen ähnlichen Zuschnitts in Düsseldorf und Friedrichshafen ihren festen Platz im Jahresverlauf inne haben. Die Gesamtzahl an derartigen Seminaren interessierter Segler vermute ich im Bereich von wenigen hundert / p.a. wobei es viele Segler gibt, die mehrere Veranstaltungen besuchen.

Verglichen mit der weltweiten Cruising Community ist die blaue Gemeinde in Old Germany auch heute noch ein rührend kleiner Menschenkreis, verwunderlich, dass dennoch Begehrlichkeiten, Konflikte und Rivalitäten in teils unwürdiger Weise offen ausgetragen werden. Ohne das leidige Thema TO nochmals zu tangieren oder gar zu strapazieren, nur dies: In Cuxhaven wird auf offener Bühne eine Blamage für die deutsche Blauwasser Szenerie gegeben.

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Die Grabenkämpfe um Lufthoheiten und Marktanteile beobachte ich aus der Distanz, weil der Mittelpunkt meiner geschäftlichen Aktivitäten seit langem ausserhalb des deutschen Mikrokosmos liegt. Die Distanz erlaubt allerdings einen klaren Blick auf eine Situation, die mir wenig gefällt, weil hier – wie mir scheint – das Beratungsgeschäft eine Eigendynamik entwickelt hat, bei der fachliche Expertise immer mehr zu Gunsten dezidierter Interessen ins Hintertreffen zu geraten scheint. Zu idealistisch? Gewiss – aber der Umkehrschluss, wonach Sponsoring von Ausrüstung durchaus der „Einstiegspreis“ zur Teilnahme an einer Vermarktungskette werden kann, lässt Kompetenz nach hinten rücken – eine Falle, der die Stringenz der Logik innewohnt.

Wenn der Schlüssel zur Referenz zu Fachthemen in Buch und Seminarbeiträgen die Gegenleistung für zuvor erhaltene Sach- oder Geldleistungen ist, hierbei wissentlich in Kauf genommen wird, dass wichtige Informationen ggf. nicht adressiert werden, dann leidet das Ergebnis – ggf. das Gesamtkonzept. Dies gerät angesichts einer überaus kritischen Leser- oder Zuhörerschaft, für mich zu einem Fauxpas, der nicht zu korrigieren ist. Es scheint, dass dieser Strickfehler bislang ausser acht gerät, oder sogar wissentlich in Kauf genommen wird, was zu bedauern wäre.

Wenn Yacht und TO ihre vermeintliche Kompetenz qua medialer Bugwelle zu einem Geschäft in der Sondernutzungszone Segeln ausgestalten wollen, so halte ich dagegen … dass die Fakten wenig stimmig, und die Widersprüche gewaltig sind.

Als Segler leben wir in einem Umfeld von klugen Menschen, die – jeder auf ganz eigene Weise besonders reagieren. Mich befremdet, wenn ungeschriebene Gesetze respektvollen Umgangs, ausser Acht gelassen werden, insbesondere wenn der Kreis der Resonanzen so klein und empfindlich ist. Es ist sicherlich meiner Unabhängigkeit geschuldet, wenn ich mich traue, diese Zusammenhänge hier und dort aufzuzeigen, insbesondere auch, wenn – oder weil – Ausgewogenheit einseitig aus dem Ruder läuft.

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DER TRAUM
Was ich mir wünschen würde? Ein BLAUWASSER SEMINAR, das Seglern gegen moderate Eintrittspreise, oder ganz ohne Bezahlung, zugänglich ist, dessen Referenten in ihren Themenbereichen souverän und sattelfest zu sein hätten, das von einem Träger veranstaltet werden sollte, der ohne monetäre Interessen Referenten auf die Bühne schickt. Für eine Bootsmesse z.B. wäre dies ein Magnet, der dann nicht nur einer elitären Gruppe offen stehen sollte, hingegen der breiten Segler Gemeinde, die dann einen gewichtigen Grund mehr hätte, eine Messe zu besuchen. Ich halte dies für einen Weg mit Synergie Effekten, denn hier würde eine Tür geöffnet, neue Zielgruppen für das Segeln zu erschliessen, die nicht unbedingt gleich den ganz grossen Törn im Hinterkopf haben, gleichwohl begeisterungsfähig und aufgeschlossen sind. Schnuppern – könnte ein Anfang sein.

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Diese Konstellation wird in den USA seit Jahrzehnten höchst erfolgreich praktiziert, wo im Messeverlauf ein umfangreiches Seminar Programm angeboten wird. Interessierte können sich für ausgewählte Fach Vorträge formlos einen Platz reservieren lassen kann, solange noch Sitzplätze zur Verfügung stehen. Für viele Besucher steht das Seminar Programm im Vordergrund für den Messe Besuch.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Neid oder Missgunst sind nicht mein Ding, weil ich einen Platz im Leben gefunden hat, der mir Spass, wirtschaftliche Unabhängigkeit und jede Menge Lebensfreude garantiert.

Eine direkte Adresse ohne indirekte Hintergedanken, um eine Geisterfahrt in einer Einbahnstrasse auszuschliessen!

Peter´s Meinung halt

Peter Foerthmann

Ein Kommentar zu Monetarisierung

  1. Hallo Peter

    Seit nunmehr 30 Jahren segeln wir mit unserem Schiff auf den Weltmeeren herum. Zuerst im europäischem Raum und seit 12 Jahren im Pazifik. Da tritt eine gründliche Ernüchterung ein wenn es um das Segeln, das Klientel und die Bewegung schlechthin geht. Aber gehen wir das Thema mal an:

    Wer soll so etwas veranstalten ohne nicht in kürzester Zeit in eine gewisse Lobby-Schiene zu gleiten?

    Der TO?

    Das dürfte eher ein schlechter Witz sein denn das Ergebnis sieht eher nach „Travel Opportunismus“ als nach Trans Ocean aus. Glücklicherweise sieht man diese Staubsauger-Stander kaum noch im Revier. Mittlerweile muss wohl der einfältigste Segler erkannt haben wie lächerlich dieser Wimpel geworden ist. Eigentlich schade wenn die ganze Sache nicht nur so eine verdammte Cux-Show gewesen wäre.

    Traurig um die wenigen Stützpunktleiter die die Sache immer noch ernst nehmen und ihren Job, ohne Unterstützung der Basis, weiter machen. Chapeau!

    Die Verbände

    Wenn sich mit Blazer und Clubordnung Ventile einstellen lassen und wenn die Wahl des richtigen Clubstanders zur echten Navigationshilfe wird – vielleicht. Solange lassen wir den Jungs an den Club Bars ihre Regatta- und Heldenverehrungen. Lassen sie Commodore und Admiral spielen. Doch bitte an Land und nicht auf See.

    Die Magazine

    Durch Werbeverpflichtungen einäugig und polarisiert wie deutsche Medien in Parteienhand. Das dürften dann eher Werbeveranstaltungen mit oft fragwürdigen Inhalten sein. Z.B. Sicherheitstechnik – bei denen den Seglern vorgegaukelt wird, dass es beim MOB Chancen gibt. Ok gibt es, bei großer Crew und gut ausgebildeter Mannschaft und nur dann – vielleicht.

    Um Wissen und Verstehen

    Wie will man einen ernsthaften Stoff, einem, ich sage jetzt mal ganz provokativ, Wassertouristen, vermitteln, der die ganze Sache als verlängerte Urlaubsreise betrachtet statt als Seefahrt. Seefahrt ist aber eins der ernstesten Geschäfte der Welt. Sie hat so wenig mit Hobby und Freizeitvergnügen zu tun wie Kettcar fahren auf dem Kamener Kreuz. Sie kann, darf und soll uns Freude bereiten aber wir dürfen nie vergessen dass es ein verflucht einsamer Job werden kann wenn wir die Dinge nicht mit dem nötigen Respekt angehen. Selbst dann befinden wir uns jenseits von Vollkasko, Betriebsrat, Notarzt und Abschleppdienst. Der Glaube an SAR, DGzRS, Marine, Epirb, Satellitentelefon usw. lullt einfach zu sehr ein. Im Ernstfall entscheiden die persönliche Ausbildung und das Nervenkostüm. Bis Hilfe von außen kommt ist es im MOB-Fall zu spät. Zumindest in den kälteren Breiten.

    Ausbildung und Weiterbildung

    Zuerst lass uns dem Profil der privaten Seefahrer ein Namen geben der würdiger ist als die, schon zur Lächerlichkeit neigende und führende Bezeichnung Sportbootfahrer. Wer sich schon selbst in diesem Gewerbe nicht ernst nimmt hat außerhalb der Schleusen nichts zu suchen.
    Wir sprechen hier nicht vom Trailer-Bootfahrer der einmal im Monat auf den Dümmer geht sondern von Menschen die Ihr Leben und das Anderer, mit dem Ablegen, in die eigene Hand nehmen. Wir sprechen von Offshore-Navigatoren und deren zukünftiger Ausbildung.

    Mittelfristig sollte sie von Leuten übernommen werden die die See in ihren Variationen unter Ausübung ihres Berufs kennen gelernt haben. Also von Nautikern aus der Handelsschifffahrt, Marine, Küstenwache, DGzRS usw. Am besten von den Seefahrtsschulen als Fernunterricht mit Prüfungen in den Seefahrt-Schulen selbst. Bzw. von privaten Seefahrtsschulen mit Berufsnautikern als Seminarleiter und als Schirmherren. Auf Haupt- bzw. Neben-Verdienst-Basis oder als Volontäre.

    Die Realisierung

    Der schwierigste Teil der Sache. Die es am ehesten auf die Reihe bekommen können sind vermutlich Küstenwache und die Versicherer in Zusammenarbeit mit der IMO, und der DGzRS…

    Der Deutsche hat nun einmal eine gewisse Affinität zu Titeln und Orden wie es schon die Geschichte eines sehr umstrittenen Orden-Verleih-Vereins gezeigt hat. Die ernsthafte, intensive und anerkannte Ausbildung zu Offshore-Navigatoren, mit dem Verleih des international gültigen Patents nach erfolgreicher Ausbildung und die Akzeptanz von Seiten der Nautik sowie der Versicherer (Bonus) dürften ein Anreiz sein. Auf jeden Fall macht es die Seefahrt etwas kalkulierbarer und sicherer. Damit wär allen gedient.

    http://WWW.Atlantis-Sail.de
    E.F.Bartels
    Savusavu 07-2016

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