Peter´s Flotte #2

Opas Prinzipien waren mir in Fleisch und Blut, obwohl er nie böse auf mich gewesen, oder mich gar geschlagen hat. Er war überzeugend, allein durch seinen Habitus, die Ruhe selbst, auch wenn es in ihm kochte.

Das Evangelium hieß: kauf Dir nur die Träume, die Du auch bezahlen kannst! Heute wäre das kontrapunktiv, denn, bei einem derartigen Statement begibt man sich in den Augen der Politik oder anderer Menschen, bereits in gefährliche Nähe zur geschlossenen Station.

Für mich hingegen war das damals nachvollziehbar und eine solide Basis! Darum habe ich in den ersten Jahrzehnten meines Segler Lebens stets Boote gekauft, die am unteren Ende der Nahrungskette eigentlich bereits aus dem Leben verschieden gewesen und daher für Äpfel oder Birnen in meinen Besitz gekommen sind. Der Spaß hat dabei nie gelitten und der Fachkenntnis hat es gut getan!

Das Gefühl, einen wirklich guten SchiffsFischFang gemacht zu haben, ließ mich die Mühen vergessen, den Schweiß, die offenen Handflächen, die notwendig gewesen sind, um flügellahmen lecken Schiffs Kadavern wieder zum Schwimmen zu verhelfen – sie am Ende dann sogar für ein solides Geld am Markt an andere Enthusiasten wieder weiter zu verkaufen.

Ein Hochgefühl, bezahlte Untersätze unter dem Hintern zu besitzen, sowohl auf der Strasse als auch im nassen Territorium. Wie mußte sich dagegen ein Hausbesitzer fühlen, der die letzte Rate für sein Refugium in Jahrzehnten rechnete, ihm daher zeitlebens die Hände und der Kopf gebunden waren?

Nee, das war meine Sache nicht!

Das Auf und Ab der Schiffs Reliquien passte sich in ihrer Länge stets flexibel meiner jeweiligen Kassenlage an.

Und da bedeutete der Abgang der SY TRÄUMEREI, schon eine Zäsur in meinem Lebens Selbstverständnis – war dies Schiff für mein Ego doch ein schicker Spiegel, mich in den Augen der anderen darin verzückt selbst zu betrachten!


Aber der Verkauf war der einzig mögliche Weg, einen ehetechnischen Irrtum wieder auszubügeln, ohne sich dabei finanziell in Grund und Boden selber zu versegeln. Wenn Männer sich entschlossen trennen, lassen Frauen sich den Schmerz recht gern an der Kasse kompensieren.

Die NADINE 24 segelte zwar auch tadellos, aber hellblau als Farbe für eine Yacht – das war nix für mich! Insbesondere auch, weil die BUNDESMARINE mit einer ganzen Flotte von NADINES in hellblau auf der Ostsee unterwegs und ich nicht als deren Schatten gelten wollte. Darum segelte sie dann bald unter einem anderen Skipper und ich bekam die Mäuse, die ich pflugs in eine belgische Yacht transvestierte, die ich anschließend mit Hochgefühl im Kopf und tiefer, nach Hamburg singlehand verholte, da ich zum damaligen Zeitpunkt ein wenig unbeweibt in meinem Leben unterwegs gewesen bin. Als Interims Lösung, auch keine ganz schlechte Erfahrung!


Eine SPLINTER 30 von Van de Stadt, für damalige Verhältnisse ein extremer Segler, war ein optischer Hochgenuß, unter Deck hingegen hatte dies Schattenseiten, denn aufrecht stehen, konnte ich zumindest, nicht!

Nur der Nanni Diesel war wohl noch nie im NannyLand, wo eine Nanny mit Werkzeugkiste sich um ihn gekümmert hätte! So hat er sich bei einem gewagten Manöver auf Helgoland zu Pfingsten, samt seinen Fundamenten, zur Seite aufs Ohr zum Schlafen hingelegt. Es war offensichtlich, und jeder im Hafen hat das interessiert bestätigt, daß Fundamente und das Schiff sich offensichtlich nicht leiden konnten, sie hatten sich mit Wucht getrennt.
Mit der Tide bei starkem Südwest sind wir dann mit einem Rutsch die Elbe bis nach Wedel hinein gefegt, um hernach mit Matte und Epoxy die Fundamente und den Rumpf zwangsweise wieder zu verkleben, damit auch unter Maschine fortan wieder alles mit Rechten Dingen zugehen konnte, wie man es normal gewöhnt.

Auto gegen Boot? Auch diese Variante hat stattgefunden. Es handelte sich um meine schick Ente, die gegen eine traurige Beneteau First 18 sich vertauschen ließ. Es war die Stunde Null für meine Entscheidung, fortan zumindest Zwei Schiffe gleichzeitig zu beleben, nach dem Zweitwagen für mich eine logische Angelegenheit.

Das Jahr 1984 brachte für mich dann die Zäsur, weil ich mich entschloß, fortan nach den Sternen mich zu vergreifen. Das deutsche Segler Firmament bestand damals aus BALTIC, SWAN und HANSEAT, sämtlich für mich außerhalb jeglicher Traum Szenarien, ich glaube man nennt sowas Fiktion!

BALTIC schob ich schnell beiseite, weil Sandwich mir nicht komplett geheuer, SWAN 36 / 37 waren Träume, die damals sämtlich sechsstellig in die Kasse schlugen. Bei mir schlugen sie deshalb nicht!

Aber HANSEAT Yachten, für mich Inbegriff der Ikonen segelnder Zahnärzte, Rechtsanwälte und Gynäkologen aus der Glückstädter Manufaktur vom genialen Dickschädel und Querkopf Willy ASMUS, erwiesen sich als greifbar realisierbar, für einen aufstrebenden Jungunternehmer in Sachen Windsteuersysteme: das war ich!


Ein HANSEAT 69, Erkennungsmerkmal am Aufbau im Schiessscharten Design, auch irrtümlicherweise Doppeldecker genannt, gebaut für seglerische Ewigkeiten, oder weil man früher noch nicht recht wußte, wie dünn man Schiffe bauen kann. Ich war jedenfalls wieder ganz oben auf dem Misthaufen und krähte Kiekeriekie! Bei einem HANSEATEN sagten einige Segler im Hafen nämlich plötzlich wieder „Sie“!
Allerdings habe ich mich dann beruflich fürchterlich verrannt. Ein Wettbewerber hatte mir die Hände verbrannt, hat mich um einen stattlichen Betrag betrogen, nachdem er mich feist angelogen – und ist mit meinem Geld, am Ende dann um die schwedische Ecke gebogen. Das Geld war weg, das Schiff gehörte theoretisch bereits der Bank, ich habe mich danach lange in Schweden noch gezankt. Eigentlich eine andere Stand-Alone Geschichte – mal drüber nachdenken – ich frag mal meine Frau!

Denn ein Elefant vergisst das Denken nicht, auch wenn er noch lange am Leben ist!


Tja – und dann? Kam mein Freund Heiner um die Ecke, der Mann, der vor vielen Jahren meine BIANCA gekauft, und fragte, ob ich nicht Lust hätte, seinen HANSEAT 70 zu erwerben. Dumme Frage! Ich war doch sowieso schon infiziert! Allerdings war ich – wie gesagt – gerade ziemlich blank, hatte nicht viel zu bieten, hatte nix auf der Bank! War aber garnicht nötig, denn entgegen sonstiger erhabener ASMUS Qualität, war Heiner´s Schiff ein mißglückter Osmose Montags Dampfer, also ein wirklich besonderes Schiff, für einen Liebhaber mit kleiner Kasse – also ganz exakt für mich!

PETER WREDE steckte damals am Schulauer Hafen noch in Kinderschuhen, Mutter Wrede bewachte Werft und Laden Kasse und Vater Wrede machte die Hafenrunde mit Klappfahrrad. Jedenfalls unterzogen die WREDE BROTHERS Kay und Peter, meinen HANSEAT 70 einer Peeling Operation der ganzen Haut, wie es Prof. Mang nicht hätte besser machen können. Einem Lifting ohne Vollnarkose. Dummerweise ging das ein wenig in die Hose, denn das Schiff bekam Monate später erneut die PickelPest, weil irgendwas schief gelaufen war, im Verlaufe der Prozedur. Aber: was war das nur?

Kann passieren, sagte Kay, sein Bruder Peter hingegen, war ganz anderer Meinung – und fand eine besonders elegante Lösung aus einer allseits frustrierenden Situation: er sei auf der Suche nach einem HANSEATEN – den ich – welch Zufall, ja nun gerne wieder verkaufen wollte! Über eine Finanzierung haben wir nur kurz verhandelt, Peter übernahm das Schiff, zahlte pünktlich die vereinbarten Raten – und der Weg war frei – für meinen HANSEATEN Nummer Drei.


Diesmal tatsächlich ein Schiff ganz ohne Macken, ein HANSEAT 70 B II, das Spitzenschiff aus dem Asmus Stall. Ein Schiff aus einem Guss, von einem Doktor, der zu wenig Zeit für diese Yacht gefunden hatte, darum die Trennung zu einem Preis, der mich 16 Jahre lang nicht enttäuschen sollte, weil ich dabei weder Dollar, Mark oder Euro verloren habe. Eine wunderbare Investition – welcher Schiffeigner kann das heute sagen?

Ich hatte mich in dieses Schiff derart verkuckt, dass wir in die Hände gespuckt und dem Schwan ein Möbelrefit haben angedeihen lassen, wie bei A&R in Schleiflack weiss mit Nadelstreifen, für die wir Red Cedar verwendet haben. Edelstahl Lochbleche in den Schwalbennester Türen, italienische PolsterDesign mit gewagten Regenbogen Farben. Ein selbstgebautes schickes Hardtop obendrauf. Für mich war das Schiff ´ne Pracht. Das Ergebnis stand auch in der Yacht.

16 Jahre hat das Schiff mit mir am Ende ausgehalten, für mich eine aussergewöhnlich lange Periode, aber das Schiff entsprach exakt meinen Vorstellungen von Schiffs Mode. Es lag allerdings zuletzt stets länger im Frühjahr bei den Spatzen in einer leeren Winterlager Halle, weil sein Cheffe durch sein Business immer weniger Zeit zum Fahren fand. Darum gab ich es aus der Hand an einen Mann, der neben zwei Yachten in Übersee, auch noch eine für die Heimat haben wollte. Er hatte mein Schiff bereits gekannt und sich verrannt in diesen Kahn, der unter den Hanseaten mit Sicherheit der schickste, schönste und gepflegteste gewesen ist. Blindheit wird von Taubheit eben nie überholt und Einbildung verhilft zumindest zu einem fröhlichen Gesicht!


Was ansonsten noch zu berichten wäre? In Mallorca bin ich mit Motorquatzen fremdgegangen. Ein SUNSEEKER mit Doppeldiesel Schnellmaschinen war der Anfang als, nennen wir es mal SERVICE BOOT, denn Segler vor Anker sind überall zu betüteln, warum sollte das in PUERTO D´ANDRATX anders sein? Dies Boot wurde mir Jahre später in PORTALS NOUS unter dem Hintern weggekauft.


Es wurde ersetzt durch einen BOSTON WHALER OUTRAGE, ein stabiles Rennmobil mit 2 x 165 HP Johnson Searunner Outboard Motoren. Das Boot habe ich in Chrystal Clear, Florida gekauft und in ziemlich schneller Fahrt nach Ft. Lauderdale dann versaust, wo es Huckepack mit SEVENSTAR DOCKING SHIP Richtung Mallorca verladen worden ist. Dort 6 Tage später angekommen, war ich leider wenige Minuten zu spät am Hafen. Das Dock war geflutet, mein Boot nach achtern getrieben, die Motoren nicht angesprungen, darum liess man es lustig weiter treiben – direkt in das militärische Sperrgebiet in der westlichen Hafenecke hinein. Dort wurde es von Militärs sorgfältig hinter des spanischen Königs Rennyacht angebunden – und. war für mich fortan nicht zu erreichen. Nach stundenlangen Diskussionen wurde mir bedeutet, dass dies Schiff nun der spanischen Marine gehöre! Bis mir die freundliche Gattin des Hafenkommandanten in fliessendem Englisch bedeutete, mich in mein Boot zu setzen – und einfach aus dem Hafen zu fahren. Man würde das nicht weiter beachten!

Das tat ich – und war ziemlich flott aus dem Hafen raus.

Ich bin dann bei 30 kn Wind aus Ost mit dem gleichen Speed Richtung West nach PUERTO ANDRATX von Welle zu Welle geflogen, hatte mich zur Sicherheit an meinem Steuersitz festgebunden. Lange bin ich dabei nicht unterwegs gewesen und heute noch ehrfürchtig, ob der sagenhaften Seetüchtigkeit von BOSTON WHALER, die bei der US Coast Guard als Arbeitstiere in harten Einsatz sind.

Dies Boot wurde hernach an die Schlei verbracht, nachdem ich mein spanisches Lebenskapitel nach 12 lehrreichen Jahren abgeschlossen hatte.

Aber, unter den strengen Augen einer nach Aufgaben heischenden Waschpo auf der Schlei, ist ein derartiges Boot ein Aufputschmittel für müde WasserPolizistenAugen! Das Problem hiess Geschwindigkeit, und bei Leerlauf Drehzahl beider Motoren war man bereits für die Schlei ganz erheblich jenseits der Toleranz. Auch der Polizei mit 46 Knoten wegzusausen nützte nix, denn dann haben die Jungs ja immer noch einen Hubschrauber in Petto, den sie heran telefonieren hätten können!

Kurz und gut: Ich beugte mich der drohenden Staatsgewalts Kulisse. Das Boot arbeitet heute im Kiel Kanal, schleppt Schleusentore, die gerammt oder beschädigt wurden, als Arbeitstier.


Und ich ersetzte diese schnelle windige Schüssel mit Centre Council durch einen norwegischen Kunststoff Klinker FJORD TERNE, der ich bis heute – ich staune selbst – noch immer treu.


Ergänzt wird die derzeitige Flotte durch eine Joli Morgann, die ich an einsamer Boje in der Provence, von Enten vollgeschissen von jahrelanger Langeweile und ihrem Voreigner letztlich erlöste. Eine vorherige formverleimte Augenschmeichler Jolle war wg, unverhältnißmäßigen Tiefgangs von 2 m schlau an den Wörther See evakuiert worden und nimmt Ferdinand Piech immer mal wieder den Wind an der Kreuz.

Bis mich vielleicht bei passender Gelegenheit wieder der Bazillus erfasst und mir die Rast und Ruhe klaut, die mich, jedenfalls Schiffen gegenüber, treulos werden lässt.

Denn bei meiner Frau zumindest, bin ich im richtigen Hafen angekommen! Ich sag´ das nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie hier mitliest und mich kontrolliert! Prophylaxe – ist eben nie verkehrt, vor allem, wenn man die eigene Frau verehrt, denkt stringent und vermutlich logisch

Peter Förthmann

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