Wieviel Knete darf´s – bitte schön – sein – für den Traum der Träume – für das Wässern der Traum Palme am Südseestrand, auch wenn´s später nur der Strand von Aero Süd werden wird?
Wie groß darf – knete-technisch – die Hobby-Schnitte einer Lebensleistung ausfallen, ohne daß die Kids in zerrissenen Hosen rumlaufen müssen, die Frau Gattin die Lust auf ihren Traumprinzen und dessen ausgefallenes Hobby nun vollständig verliert – oder gar gute Miene zum bösen Spiel macht, und das spritzige Liebesleben sanft erlischt – und im Stillen vielleicht schon die Güter mit der Säge zertrennt werden? Katamaran Segler haben es da einfach – Ein Schnitt – und jeder bekommt sein eigenes Schiff. Vorsicht: Scherz!
Klar, diese Schicksalsfrage beschäftigt sich mit diametral entgegen gesetzten Enden der Segler Träume:
Der Selbstbauer sollte sorgfältig Güterabwägung betreiben, denn die finale Entscheidung könnte schicksalhafter nicht sein – kostentechnisch – beziehungs-technisch sowieso… Hoffentlich ist es dann nicht schon zu spät!!!
Denn: dazwischen liegt das harte Leben, und ich bekenne offen, daß ich einen beachtlichen Teil meiner Lebenszeit damit verbringe, den Seglern sorgfältig auf die Lippen zu achten, hinzuhören, um dann hernach – falls ich gefragt werde – manchmal rigoros, – zu versuchen, Ratschläge zu geben, auch wenn´s weh´ tut! Weil Fragen ja häufig nur gestellt werden, um erwartete Antworten am Ende auch artig zu bekommen. So gesehen – dann Pech!

Manchmal eine Missionars Arbeit, wenn es darum geht, den einen oder anderen Seglerfreund mit Händen und Füssen vom falschen Schiff abzuhalten… und ihn in eine Richtung zu beraten, wo am Ende ein wenig mehr Glück ´rauskommen kann. Glück für den Segler selbst, für sein Leben auf See, für sein Konto, für seine Beziehung… wobei das letztere das wichtigste ist, denn: Was nützt eine schicke Yacht im Hafen, wenn zwischendurch die Frau, Partnerin, Geliebte – kurz: der Lebenskompass – abgehauen ist?

Denn: Einhand Segler sind manchmal traurige Gestalten, und Bekanntschafts Inserate in der Yacht von „desperate housewifes oder boats skippers“ auf der verzweifelten Suche nach erneuter Mitfahrgelegenheit für Boot oder Leben, schreien ins Auge! Denn jeder trägt dabei seine Lebensverletzungen, Enttäuschungen und Hoffnungen hübsch unscheinbar klein verpackt unter dem Arm. Beim nächsten Partner soll – bitte schön – alles ganz schick und harmonisch werden… Hoffnungen können so schnell flüchtig werden…. Authentizität hilft ungemein – aber wieviele Menschen sind wirklich so richtig ehrlich, vor allem, wenn die Lebens Sanduhr erkennbar schneller flitzt – und man doch unbedingt noch einen Zipfel Glück beim Schopfe – oder war´s am anderen Ende? – erheischen möchte?
Gefährliches Fahrwasser – riecht nach Ärger!
Ausgeschweift? Klar – aber da sind wir dann ganz plötzlich und unverhofft mitten im Thema:
Der Selbstbau einer Yacht ist eine Herkules Aufgabe, in einer Form umfänglich, kräftezehrend und kostenintensiv, die nur von einer stabilen Beziehung auch ausgehalten werden kann! Stabil – was für ein Wort!
Es gab einmal einen sehr bekannten Schiffskonstrukteur der geniale Schiffe gern einer manchmal ( zu ) sachunkundigen Kundschaft zum Selbstbau anriet, ein 11m Schiff wurde als für DM 40.000 realisierbar, angedeutet…..
Wenn es eine Statistik gäbe, über die Anzahl unvollendeter „Schiffs-Bau-Werke“ in Deutschlands Vor oder Hintergärten – manch ein anfänglich begeisterter Hobby Bauer würde in Schock Starre verfallen – und der Wiederverkauf halbfertiger Lebensträume zum Materialpreis erzeugt immer wieder Tränen bei vielen Ex-Enthusiasten! Teures Lehrgeld!
Aber: das sind Lebenserfahrungen, die man nicht vergisst – und deren finanzielle Folgen tiefe Furchen im Leben der Betroffenen hinterlassen.
Bootsbau ist komplex, alles schief und krumm – ein Hausbau dagegen leicht – naja, okay….!
Aber: DER MARKT IST SOOO FRUCHTBAR, insbesondere für Käufer…. denn für Verkäufer ist er eher furchtbar!

Ein Traumschiff kann man nur selbst bauen? Hört man oft und gerne, nötigt enorm Respekt bei den Zuhörern ab! Aber schauen wir mal dahinter:
Ein Traumschiff wird nur ein Traumschiff für einen einzigen Menschen, vielleicht noch für seine Familie, zumindest für sein Weib – sie wäre ja blöd, wenn sie schon an dieser Stelle nicht ehrlich wäre….!
Den Bau hingegen über Jahre mental, psychisch und finanziell durchzuhalten, qualitativ auch einen Traum zu bauen – Ohlala – das müssen Menschen sein, die weit über Durchschnitt Begabungen und Fähigkeiten besitzen, zudem organisatorisch, kaufmännisch fit und fähig sein müssen, leidensfähig zudem….. kurz: das sind in der Regel Menschen, die sicherlich auch in ihrem richtigen Beruf viel Geld verdienen könnten / können. Und es kommt dann schnell die Frage hoch, ob sich Schiffbau dann auch wirklich lohnt, oder man doch in seinem Beruf den notwendigen Betrag spielender verdienen könnte!?
Klar, es gibt Arbeitsverhältnisse, bei denen Menschen erst nach Feierabend aufwachen (müssen?), Herausforderungen brauchen, und eben auch zeitlich bessere Vorraussetzungen besitzen, bei denen Schiffsbau zur Lebens Therapie gerät – andere bauen eine Modell Eisenbahn – jagen Staub in den eigenen vier Wänden, oder spielen Weltkrieg gegen Unkraut in den Rabatten.
Aber der Normalfall sieht meist anders – trauriger – aus!
Egal auf welchem finanziellen Level ein Leben gedacht und gelebt wird, der Gedanke an finanzielle Ausgewogenheit sollte stets vorn hinter der Stirn stehen. (Achtung: das ist m-e-i-n-e Meinung!)
Der Gedanke an die Wiederverkaufbarkeit des so tollen ONE OFFS bringt jeden Segler ungemein schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – ansonsten hilft da sicher gern die Frau! Denn: wer -bitte – will es sich wirklich leisten, für die Träume ein jedes finanzielles Maß außer Kraft zu setzen? Hier spätestens sollten Träume dann mit der Realität abgewogen werden!

Und: Träume betreffen stets eine ganze Schicksals Gemeinschaft, genannt: Familie… das wird manchmal gern vergessen, wenn Papa´s Traum zum Alptraum für den Rest der Familie gerät!
Deutlich: ich habe in meinem Leben viele Schiffe besessen. Mir hat stets folgender Gedanke geholfen, meinen Besitzerstolz zum Fliegen zu verhelfen: ich habe stets gebraucht gekauft (sorry – nee – die Bianca 27 war brandneu! ) und habe NIEMALS beim Wiederverkauf Geld verloren! Sowas beflügelt ungemein, denn SEGELN WAR IMMER UMSONST – klar – kleine Behelfslüge – mein Weib kann auch lesen!
Und ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, daß Segelglück auch heute größer sein kann, wenn man im Inneren die Überzeugung trägt, daß der finanzielle Wertverlust am Ende moderat sein wird… oder vielleicht garnicht stattfindet – kurz, daß Segeln bezahlbar bleibt – und ich mich im Spiegel nicht dauernd selbst belügen muß!
Mich beflügelt dieser Gedanke regelmäßig und läßt mich breit grinsen… hängt aber eben auch mit meiner ungemein großen Toleranz zusammen (Vorsicht: Witz!), denn ich habe mich von NEUEN SCHIFFEN immer ferngehalten, was allerdings auch damit zu tun hat, daß mein lebenslanges Credo – DIE ALTEN SCHIFFE SIND DIE GUTEN SCHIFFE – immer noch ein Eigenleben in meinem nun schon grauen Kopf führt! Alt kann ersetzt werden durch gebraucht, dann wird auch ein Schuh´ draus!
Andere Märkte, andere Sitten. Wenn in den USA der Kauf einer Yacht stets mit einer Finanzierung im Stechschritt daherkommt, ist der deutsche Kopf meist besser dran, denn hier wird nur gekauft, was auch bezahlt werden kann. Punkt! Okay, gibt auch Ausnahmen, Abschreibungsdampfer, Kapitalanlagen – aber meist nur bis zur ersten Betriebspruefung, dann macht der Traum: PUFF!
Ein Blick auf die global wichtigen Internet Seiten, auf denen tausende gleicher oder ähnlicher Schiffe angeboten werden, läßt erahnen, daß dort aufgerufene Preise nicht ansatzweise von einem der wenigen ernsthaft suchenden Käufer auch am Ende honoriert werden. Internet kann schonungslos sein – aber eben auch kollosal hilfreich, wenn man schlau für sich ermittelt, wieviel Schiff denn das eigene Geld wirklich kaufen kann!
Es soll Broker geben, denen das Waschen und Fönen der zum Kauf offerierten Träume auf dem Platz mehr Geld einbringt, als das tatsächliche Geschäft, wenn´s Ernst wird. Oder besser, wenn der Verkäufer Kleingedrucktes im Vertrag erst entdeckt, wenn er seinen schwimmenden Liebling selbst verkauft – dem Broker aber anschließend trotzdem bezahlen muß.
Normalerweise ist ein Eigner sein bester Verkäufer, das Internet verleiht ihm die Flügel zum erfolgreichen Verkauf!

Wenn heute Neuverkäufe nur noch machbar sind, wenn dagegen eine Inzahlungsnahme steht, wird die dahinter stehende Hausbank liebend gern Kompromisse machen, dann wird schnell sachlich und schmerzfrei verhandelt, und – wie oben nachzulesen – manchesmal zum Glück des Erwerbers abgewickelt.
Ich würde gern jedem potentiellen DIY Bauer raten, sich angesichts der enormen Schere zwischen Marktpreisen gebrauchter Yachten und final erträumten Kosten einer Selbstbau Yacht zumindest eine Atempause zu gönnen, die er dann damit füllen kann, samt seiner Familie einfach mal ein paar Schiffe anzusehen – ganz ohne Absicht! Können wunderschöne Familienausflüge draus´ werden, keiner wird am Ende jammern!
Einfach mal kucken, was Geld heute alles so kaufen kann…dabei vielleicht ein wenig nachdenken über Lebenszeiten, die man auf dem Wasser statt in der Scheune verbringen könnte. Und: niemals vergessen: Frau, Partnerin, Geliebte, ggf. Kiddis, Hunde und Bordkatzen, deren Namen man nicht verlernt, weil man sie so selten sieht….
Alle werden es danken, wenn sie einen Skipper haben, der soviel Weitsicht hat, daß die zwangs-verschweißte Schicksalgemeinde – die Familie – das Segeln von der richtigen Seite kennenlernen kann: auf dem Wasser!
Dann haben ALLE Spaß!
Nur so geht´s – jedenfalls ungefähr – denkt
Peter Foerthmann





