Ertan Beskardes UK

SV MAKAIO – STEPHANIE SEIFERT – BERICHT AUS LA CORUNA

Heute hab ich ein Email von meinem Freund Peter (www.windpilot.com) bekommen…. „Moin Stephanie, heute Nacht ist in La Coruna der GOLDEN GLOBE RACE Teilnehmer Ertan Beskardes eingelaufen…Geh doch bitte mal spazieren und versuche zu erfahren, ob der Segler Hilfe braucht …“ Der Start der GOLDEN GLOBE Regatta war vor ein paar Tagen in Les Sables in Frankreich und das Ziel der rund 18 Teilnehmern ist es, nach traditionellen Methoden (OHNE ELEKTRONIK), also ohne GPS, nur mit AstroNavigation, Papierseekarten, ohne Wetterinformation, Satellitentelefon, Computer, nicht mal Digitalkameras, ca 10 Monate lang alleine und non-stop die Welt zu umsegeln.

Natuerlich hab ich mich gleich auf die Socken gemacht, Ertan und sein Schiff zu finden und herauszufinden, was passiert ist, ob und wie man ihm helfen kann. In der Marina Nautico hab ich ihn nicht gefunden und erstmal nach einem aufkleberbespickten Raceboot gesucht. In der anderen Marina hab ich dann ein kleines interessantes Boot ohne Anker und mit angeschlagener oranger Sturmbesegelung, ausserdem Windvane am Heck, gesehen. Er war nicht da, also hab ich 2 oder 3 Stunden gewartet. Das Boot sah in Ordnung aus, hab mir Sorgen gemacht, ob er sich was gebrochen hat oder so, vielleicht hat ER Hilfe gebraucht, nicht das Boot.

Jedenfalls kam er irgendwann zurück, war sehr herzlich, erstaunt, dass ich da einfach so warte. Ich war erleichtert, er sah gesund aus (ehrlich gesagt, ziemlich knackig und braun gebrannt). Ich hab gleich gefragt, are you okay? is your boat okay? do you need help?

Lachend hat er mir erklaert, dass alles okay ist, dass das Boot in fantastic shape ist und man sich mit so einem Boot praktisch nicht verletzen kann. Also was war passiert?! Warum hat er sich ein Jahr auf den Start vorbereitet, sich und das Boot total umgebaut und hergerichtet, tausende vorgeschriebene Sicherheitsdinge angeschafft und eingebaut, sich mit der ganzen Sache monatelang beschäftigt und trainiert, zum Schluss Proviant für 10 Monate in diesem Schiff verstaut, um dann drei Tage nach dem Start ohne ersichtliche groessere Probleme in La Coruna anzulegen, was ja bedeutet, dass für ihn das Rennen vorbei ist?!

Guess what. Die Antwort hat mich (die ich ja unerschütterlichereweise so einiges abkann) wirklich zum Staunen gebracht.

Er hat festgestellt, alleine da draussen auf der Biskaya (auf dieser intensiven Biskaya, die mir gerade erst selber gezeigt hat, was das Meer, die Sonnenauf- und untergaenge, die Delfine und das ganze mit einem kleinen Boot auf dem grossen Meer sein so mit einem machen kann) bestens vorbereitet fuer die Regatta und die Zeit auf dem Meer, fuer die Abenteuer und Herausforderungen da draussen, dass er seine Frau und seine Familie vermisst und dass er, wenn er es durchzieht und zehn Monate nicht mit seinen Liebsten kommunizieren kann und darf, es ihm keinen Spass mehr macht. (“ the fun is gone for me“). Er sagt, es ist alles in Ornung, er kann das machen, er und das Schiff sind bereit, wie man bereit sein kann, aber er moechte es nicht mehr machen.

Ich ziehe den Hut vor diesem Kerl. Nicht nur, dass er (gemeinhin unüblich für braungebrannte, knackige Kerle wie ihn) die Fähigkeit besitzt, in sich reinzuspüren und zu merken, was er braucht, was ihm wichtig ist, was ihn lebendig macht, sondern auch danach zu handeln, ehrlich zu sich zu sein und Entscheidungen zu treffen, die weder üblich, noch normal oder allgemein akzeptiert werden. Er hat für sich entschieden, dass er das so nicht moechte und seine Konsequenzen daraus gezogen. Er hat sich aus der Komfortzone herausbewegt und ist ehrlich wie man nur ehrlich zu sich sein kann ins kalte Wasser gesprungen und hat es durchgezogen, die Sache abzubrechen.
Wir haben ein langes Gespraech gefuehrt, ueber Traeume, Ziele, common sense, the sensation of the sea, das Leben im allgemeinen und das lebendig sein im speziellen. Ich hab viel gelernt heute!

Fair Winds!
Stephanie und Crew (immer noch keine)

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