Drifter Netz

Wetter Informations Netz für deutschsprachige Yachten im Pacific

Beate und Detlev Schmandt, SV Kira von Celle, befinden sich mit Ihrer HR 42 seit 8 Jahren auf Weltreise.

Seit vier Jahren befinden Sie sich im Pacific und kreuzen zwischen den Pacifischen Archipelen und New Zealand, wo sie die Wintermonate verbringen, weil dort dann Sommer ist.

Detlev betreut deutschsprachige Segler mit seiner sorgfältigen Auswertung und Ausarbeitung von Wetter Informationen, die täglich über HAM Radio die Runde machen. Dies Netzwerk hat seit einigen Wochen einen neuen Namen: DRIFTER NETZ, benannt nach den heute engen Freunden Coby + Arnold Lelijveld, die seit einigen Jahren lowbudget im Pacific mit ihrer SV Drifter unterwegs sind, nachdem ihnen ihre Lebensersparnisse für die Reise durch schwere Krankheit verloren gegangen sind. Coby und Arnold werden im Pacific von vielen Seglern unterstützt und erfahren auch landseitig, wo immer Menschen von dem besonderen Schicksals dieser Familie erfahren, Hilfsbereitschaft und Unterstützung. So haben sie in New Zealand viele Monate lang einen Campervan für ihre Landausflüge gratis überlassen erhalten. Durch das DRIFTER NETZ erfahren nun auch andere Segler vom Schicksal dieser Familie – und können besser helfen.

Die Besonderheiten der Wetter Situation im Pacific

Bericht von Detlev Schmandt:
Unsere Wetterbeobachtungen lassen den Schluss zu, dass die Entwicklung tropischer Tiefs und deren Zugbahnen so gut wie nicht vorhersagbar ist. Erfahrene Segelfreunde, die schon viel länger in diesem Revier segeln, bestätigen dies ausnahmslos. Der Pacific ist nicht Europa, hier dominieren die Wasserflächen und die anzahlmäßige Dichte von Wetterstationen lässt sich mit der in Europa nicht vergleichen. Dementsprechend ungenau geraten die Vorhersagen.

Während die großen Hochdruck Systeme über Australien und die Tiefdrucksysteme, die in der Tasman See entstehen, regelmäßig unter guter Beobachtung der Wetterstationenin Australien und Neuseeland stehen und darum weniger überraschend agieren, sind alle Entwicklungen aus der SPCZ kaum einschätzbar. Solange sie mit Fronten südlicher Tiefs verbunden sind, ist eine Vorhersage bereits schwierig, wenn sie aber aus der SPCZ ausbrechen, wird jede Entwicklung möglich, eine verläßliche Vorhersage hingegen gerät dann ausserordentlich schwierig.

RATSCHLAG
Sobald die SPCZ größere Aktivitäten zeigt und sich ein massiver Trog ankündigt – dies Kann man auf Satelitenfotos am besten verfolgen – ist es Zeit, einen sicheren Ankerplatz oder guten Hafen anzulaufen. Systeme, die leicht einen Durchmesser von 500 sm erreichen können, kann man weder umfahren noch vor ihnen davon segeln. Während im Entstehungsgebiet dieser Tiefs, also nördlich von 20S die Auswirkungen meist geringer bleiben, beginnt der Tanz der ständigen Vertiefung, wenn diese Tiefs in die „Sub Tropical Ridge“ nach Süden eindringen und es dort mit Hochdruckgebieten zu Squashzonen kommen kann.

Eine Entscheidung zum Auslaufen sollte ausschließlich nach der Wetterlage getroffen werden, persönlich Wünsche, wichtige Termine, Visagründe oder Verabredungen sollten nebensächlich geraten – zu viele Segler haben eine fehlerhaft Entscheidung in diesem Seegebiet mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Grib Files, die nicht von Wetterwelt erarbeitet worden sind, zeigen meist nur durchschnittliche Windstärken. Generell sollte man dabei stets 5 Knoten hinzurechnen hat, zzgl. einen 35%tigen Aufschlag für die Böen hinzufügen. So werden aus 25 Knoten dann bereits 40 Knoten. Die Grib Files für das erwähnte Tief, das SV Windigo zum Verhängnis wurde, zeigten über Tonga max 45 Knoten und tatsächlich wurden die rechnerisch möglichen 75 Knoten auch gemessen. In solche Regionen sollte sich ein Segler nicht fahrlässig begeben, wenn er es durch sorgfältige Wetterplanung verhindern kann.

Der Südwestpacific ist neben dem Nordatlantik eine der aktivsten Wetterregionen. Wer sich mit dem Wetter hier ersthaft auseinander setzt, wird sein Risiko und das seiner Mitsegler gering halten. Die SV Windigo hat nach meiner Meinung eine katastrophale und vermeidbare Fehlentscheidung getroffen.

Detlev Schmandt
SY Kira von Celle

Nachtrag:
Zur selben Zeit, als die SV Windigo in Seenot geraten ist, wurde südlich von Tonga eine zweite Epirb ausgelöst. Wieder startete die Air Force Maschine aus Neuseeland. Die Epirb hingegen war nicht registriert. Der Pilot fand das auslösende Fahrzeug: einen Tonganischen Fischer, dessen Boot vor Seeanker ruhig schaukelnd lag. Keine Probleme, keine Verletzten. Er wollte nur, das sein Boss an Land wissen sollte, dass er gerne abgeschleppt werden möchte, weil die Maschinenkraft seines Kutters bei dem Wetter nicht ausgereicht.

Die NZ Air Force hat den Fall an die Tonganische Polizei weiter geleitet.

Die Maschinen der Air Force sind regelmäßig im Einsatz um in einem riesigen See Gebiet Seglern und anderen Seeleuten in Not zu helfen. Neuseeland hat ca. 4,5 Millionen Einwohner, von denen die allermeisten keineswegs gut verdienen, eine enorme Verantwortung und es verwundert nicht, dass unnötige EInsätze dort nicht sehr gern gesehen sind. Seit neuester Zeit gibt es nun auch Personal Epirbs für Wanderer und Bergsteiger und es mehren sich die Einsätze, die Fußgängern auf den vielen Tracks in Neuseeland gelten. Die Personal-Epirb läutet ein neues Zeitalter ein: Bitte abholen, mir tun die Füße weh!

Auf der Südinsel hat es lange Zeit böse Gesichter gegeben, als ein deutscher Münchhausen Segler, der sich und sein Schiff mit großem Aufwand hatte abbergen lassen in Presse, Funk und TV zu sehen war. Man redet noch heute vom „German Heart and Soul“ Segler, einem Mann, der gar nicht hätte gerettet werden müssen, weil sein Schiff gar nicht in Seenot gewesen ist – er nur aussteigen hatte wollen.

2 Kommentare zu Drifter Netz

  1. Gerd Wulf sagt:

    Hallo,
    Wann und auf welcher Frequenz sendest Du?
    Wie ist Dein Rufzeichen?

    Fohe Weihnachten,

    Gerd

  2. Auch Europa hat ein eigenes Funknetz auf den Marine Funkfrequenzen. Jeden morgen um 8:15 UTC treffen sich die Segler auf der Seefunkfrequenz 8.297 USB. Von der Türkei bis zu den Azoren, von Norwegen bis zu den Kap Verden deckt diesen Netz ab.
    Eine Facebook Seite darf da natürlich nicht fehlen: https://www.facebook.com/groups/SSB.Net/

    Viele Grüsse und ich hoffe Euch bald in unserem Funknetz begrüßen zu dürfen
    SY-Harrier Joerg von Yachtfunk.com

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