Hanse Yachts

SCHIFFSKAUF, WIE MAN ES NIEMANDEM WÜNSCHEN MÖCHTE

Ich kenne Ariana und Jayme Souza seit 9 Jahren, und es hatte natürlich mit meinen Heckverzierungen zu tun. Jayme, in Salvador zuhause und dort als Chirurg mit eigener Klinik jahrzehntelang erfolgreich, zudem Hochseesegler, hatte für seine damalige Bavaria 38 eine Windpilot Anlage erworben und ausgedehnte Reisen mit diesem Schiff unternommen.

Sein Hunger auf ein weiteres Schiff aus deutscher Produktion war erwacht, denn er war mit der Bavaria ausserordentlich zufrieden. Als er 5 Jahre später dann den Vertrag zum Kauf einer Hanse 385 unterzeichnete, wurde der Kauf einer weiteren Windpilot Anlage zwingend, in dessen Folge ich Ariana und Jayme dann auch persönlich kennenlernen sollte. Wir blieben in Kontakt und es ergab sich in der Folgezeit, dass Jayme wenige Jahre später eine „glückliche“ Fügung zum Verkauf seiner SV Monsterpiu – einer Hanse 385 – nutzen konnte, in deren Folge dann der Vertrag zum Neukauf einer Hanse 41.5 unterzeichnet wurde.

Jayme, als hands-on-yachtsman technischen Herausforderungen gegenüber bestens gewappnet und solide ausgestattet, hat beide Auslieferungen in Greifwald – die viele Woche verzehrten – stoisch überstanden, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass beide Schiffe jahreszeitlich bedingt, preislich besonders günstig ausgezeichnet waren, sie kamen im tiefen Winter zur Auslieferung.

Auch für die SV Ximbica fand sich in Portugal ein Käufer, der sich auf der Stelle entscheiden wollte.

Somit ergab sich die Gelegenheit, als Delivery Skipper eine HANSE 588 von Greifswald nach Gibraltar zu überführen, um die Zeit bis zur Fertigstellung seiner neuen Yacht, einer OVNI 395 – segelnd zu überbrücken.

Diese Reise verlief ganz anders als erhofft oder erträumt, weshalb sie hier einmal erzählt werden soll.

Reisebericht von Jayme Souza, Brasilien, ins Deutsche übersetzt von Peter Foerthmann

Im Frühjahr 2017 erhielten wir eine Einladung zur Überführung einer Werft neuen HANSE 588 von Greifswald nach Gibraltar. Wir fühlten uns als Glückspilze, freuten uns auf eine phantastische Reise, ahnten nicht, das uns ein Albtraum erwarten sollte.

Vom Verkäufer kam die Mail: „ Das Schiff liegt segelklar im Hafen“, meine Frau und ich waren uns einig: diese Meldung erschien uns wenig glaubhaft. Immerhin hatten wir in den vergangenen Jahren für unseren eigenen Bedarf bereits zwei werftneue HANSE Yachten ( 385 und 415 ) in Greifswald vom gleichen Verkäufer übernommen und dann jeweils einige Wochen in Greifswald in Hotels verbringen müssen, bevor unsere Schiffe im Vertrags konformen Zustand am Ende auch übernommen werden konnten.

Der gleiche Vertragshändler, die gleichen Probleme. Als wir im August 2017 nach Greifswald kamen, erwartete uns ein Schiff in miserablem Zustand, ganz und garnicht klar zur Übergabe vorbereitet. Wir haben zunächst einmal das Schiff unter Deck reinigen müssen, um einen sauberen Platz zum Schlafen zu finden. Weder Wasser im Tank, noch eine gefüllte Gasflasche, unser Frühstück samt Kaffee haben wir dann an Land eingenommen. Kein Strom im Bordnetz, die Servicebatterien zeigten 11,5 Volt, zum Glück konnten wir die Maschine starten, danach wurden die Tanks mit Wasser aufgefüllt, wobei sich ein Leck im Bereich der Wasserlinie dicht am Tank zeigte, dessen Ursache später behoben werden konnte.

Die Checkliste der Eignerin zeigte, dass umfangreiche – und bereits bezahlte! – Zusatzausstattung, nirgends an Bord zu finden war. Die Lieferung wurde nach Reklamation dann nachgeholt. Bei der Überprüfung des Schiffes wurde festgestellt, dass die hydraulische Betätigung der Badeplattform nicht arbeitete, statt dessen leckte. Echolot, Windinstrumente sowie Bug- und Heck Thruster ohne Funktion, Heckkorb lose montiert, zerbrochene Beleuchtungskörper, fehlende Polster, Stauräume für die Segel teilweise nicht zu öffnen, d.h. sie klemmten, und die Rettungsinsel befand sich in einem Stauraum an ungewöhnlichem Platz, aus dem man sie im Notfall kaum hätte befreien können. Zudem war das Niedergangsluk nicht vollständig zu schliessen, es verblieb stets ein Spalt von ca 15 cm, der offen blieb, bei Wasser an Deck, kein Wohlgefühl.

Das 58 Fuss Schiff war mit Winschkurbeln von ca 20 cm Länge ( ! ) ausgestattet, mit denen die elektrischen Winschen im Notfall kaum zu bewegen gewesen wären. Notpinne Fehlanzeige! Ein Werft Mitarbeiter benannte eine Notpinne später als unnötig, weil „ das Schiff sehr stark gebaut sei“. Leckage in der Achterkajüte: eine Schüssel drunter hat das Wasser aufgefangen.

Kleines Detail am Rande: bei laufender Maschine funktionierte die Druckwasseranlage nicht, zeitgleich stieg allerdings der Druck im Heisswasserboiler soweit an, dass das Überdruckventil sich öffnete und das Wasser sich komplett aus dem Boiler entleerte. Ich hatte auf meinen vorherigen beiden Hanse Yachten das gleiche Problem und habe das später selbst nachgebessert.

Nach 15 Arbeitstagen auf der Werft haben wir das erste Mal die Segel gesetzt, made by FCL, beautifully made. Wir wollen uns hier nicht über den – schlechten – Segelstand unterhalten, die Schoten twisten unter Last, was Rollsegel schwer – oder eben garnicht – bedienbar macht. Echolot wurde ausgetauscht, Windinstrumente weiterhin ohne Funktion. Die Zeit drängte, und so wir entschieden uns, Greifswald zu verlassen. Ein enormer Fehler, den wir fortan bereuten. Bereits am 2. Tag gab das Echolot erneut den Geist auf, zeigte permanent 3,3 m, in dessen Folge wir uns auf einer Sandbank wiederfanden, von der wir uns allerdings wieder befreien konnten.

Nach Passieren des Kiel Kanals liefen wir Cuxhaven an, die Maschine konnte nicht mehr abgestellt werden, wie sich herausstellte, durch unsachgemässe Montage der Verkabelung. Querab der Ostfriesischen Inseln spielte die Stromversorgung verrückt.

Beim Betätigen der Winschen drehte der Autopilot Kreise, wie wir später feststellten, hätte man die GPS Antenne nicht in 20 cm Abstand von der elektrischen Winsch montieren dürfen. Immerhin sind wir dann bis Dünkirchen gesegelt, um dort die vielen Fehler zu beheben, die sich in der Zwischenzeit angesammelt hatten.

Seit Holtenau hatten wir ständigen Kontakt mit dem Hanse Händler, der stets und immer wieder den gleichen Rat wiederholte: „Segeln Sie weiter nach Gibraltar, dort kümmern wir uns dann um alle Fehler“. Also von Dünkirchen nach Cherbourg: weder Autopilot noch Echolot oder Windinstrumente, und dauerhaft unter mitlaufender Maschine, um genügend Spannung im Bordnetz zu halten.

In Cherbourg wurde dann die GPS Antenne mit professioneller Hilfe versetzt, wir konnten fortan den Autopilot und die E-Winschen zeitgleich verwenden – ein Luxus, den wir vorher nicht gekannt! Wir sind dann Richtung Biscaya ausgelaufen, wollten den grossen Sprung nach Spanien machen, sind allerdings mitten auf der Biscaya wieder in die Knie gezwungen worden: Echolot und sämtliche Elektronik haben erneut ihren Dienst quittiert.

Wir entschlossen uns, umzukehren und nach Lorient zu laufen, einer grossen Hafenstadt mit sämtlichen Service Angeboten. Allerdings hatten wir keine Detailkarten, weil dieser Hafen nicht in unserer Planung lag. Aber wir kannten die schwierige Ansteuerung aus früheren Reisen und konnten mitten in der Nacht in der Kernevel Marina einlaufen. Unser Entschluss stand fest: wir wollten den Hafen erst wieder verlassen, wenn sämtliche Probleme gelöst sind. Es sollte 4 Wochen dauern, bis B & G unter Garantie neue Systeme liefern und einbauen konnte. Plotter, Echolot, Windinstruments wurden getauscht, zudem ein neuer Regler montiert, um das Bordnetz dauerhaft auf gutem Level zu halten. Unser Mut kehrte zurück, wir beschlossen die Weiterreise.

Nach 20 sm waren alle Probleme wieder da, die gesamte Elektronik versagte erneut den Dienst. Neugierig geworden, entdeckte ich, dass am Panel der Service Batterie ständig 14,8 Volt angezeigt wurden – vielleicht der Grund für die Fehler? Ich beschloss, fortan die Mikrowelle im Zwei Stunden Takt zu starten, wodurch nur noch mit 13 Volt geladen wurde. Immerhin ein Resultat, man muss sich nur zu helfen wissen.

Kurz vor La Coruna waren plötzlich starke Vibrationen unter Motor zu vermerken, deren Ursache wir nicht zuordnen konnten. Einen Tauchgang später haben wir entdeckt, dass der Faltpropeller gebrochen war. Das Schiff musste also aus dem Wasser. Wer würde denn wohl glauben, dass ein Faltpropeller bereits nach 140 Betriebsstunden seinen Geist aufgeben und zerbrechen würde? Eine weitere Woche warten auf den neuen – baugleichen! – Propeller, dann segelten wir weiter. Sollte ich an dieser Stelle wiederholen, dass sich auch dieses Mal die elektrischen Probleme bereits nach 10 sm auf See wiederholten?

Wir erreichten jedenfalls Troia. Emails mit dem Werftvertreter, warten auf die Techniker, Neuteile wurden installiert und wir erfuhren eher beiläufig, dass vermutlich eine fehlerhafte Installation auf der Werft für sämtliche Störfälle ursächlich gewesen sei. Wir waren nicht besonders überrascht.

Jedenfalls haben wir keinesfalls damit gerechnet, dass wir 3 Monate brauchen würden, um ein fast 60 Fuss grosses, werftneues Schiff von Greifswald bis nach Portugal zu segeln. Wir kennen nun vermutlich sämtliche B & G Händler und alle verfügbaren Servicetechniker an Europas Westküste. Es hat uns allerdings recht wenig geholfen. Wir sind nun bescheiden geworden, haben uns entschieden, die restlichen Meilen bis Gibraltar nur noch in Tages Etappen zurückzulegen. Wie leichtgläubig, denn wir haben selbst das nicht schaffen können, weil die Technik uns immer wieder erneut einen Strich durch unsere Planungen gemacht hat.

Immerhin haben wir in Albufeira dann einen alten Freund getroffen, der die Vermutung geäussert hat, dass vielleicht auch die Lichtmaschine am Volvo Motor fehlerhaft oder falsch verkabelt sein könnte und man dies unbedingt einmal prüfen sollte. Nun also sind auch die Volvo Mechaniker an Bord am Werk.

Ich allerdings habe die Eignerin der Yacht in Gibraltar kontaktiert, und ihr gegenüber festgestellt, dass für meine Frau und mich die Reise hier in Albufeira enden würde, weil wir bereits viel zu viel Zeit verloren haben, und uns nun dringend um unser eigenes Schiff in Frankreich zu kümmern hätten.

Eine neue Crew wird die Überführung also zu Ende bringen und das Schiff hoffentlich nach Gibraltar verholen. Für uns ist damit ein Albtraum beendet, den wir keinem anderen Menschen zumuten würden. Denn, nicht wahr, wer würde denn schon erwarten, dass ein werftneues Schiff ein derartiges Desaster verursachen würde?

Nach den Erfahrungen von nunmehr 3 Werftauslieferungen in Greifswald, bin ich mit meinem Latein am Ende. Als Brasilianer bin ich nach Deutschland gekommen, um deutsche Qualitäts Schiffe zu kaufen und zu segeln. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass die Praxis so unterschiedlich aussehen würde.

Jetzt allerdings, bin ich schlauer.

Jayme Souza, Albufeira

Ein Kommentar zu Hanse Yachts

  1. Thomas sagt:

    Diese Live-Story ist echt der Hammer! Kaum zu glauben und dennoch Realität.

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