15. Seemannschaft

Eastern Coco Bandero - Kira an der Palme .JPEGSIND TO–SEGLER HASARDEURE?
Beim Lesen der neuen TO – Vergaberichtlinien für Medaillen und Preise entsteht genau dieser Eindruck:
Der TO hat die Gute Seemannschaft abgeschafft, mit folgender Vergaberichtlinie:

Kein Kriterium ist, ob die Fahrt nach herkömmlicher Ansicht den Anforderungen guter Seemannschaft genügt hat. Insofern gilt der Erfolg der Fahrt als Beleg für gute Seemannschaft.

Hier zwei Ereignisse, die beispielhaft verdeutlichen, wie wenig die überarbeiteten Vergabe Richtlinien mit der Praxis harmonieren:
Im Oktober 2012 läuft die SV Windigo NZ von Tonga nach NZ aus, an Bord der Skipper und seine Frau. Zu diesem Zeitpunkt war bereits seit einigen Tagen ein tropical storm für das Seegebiet zwischen Tonga und den Kermadec Islands vorhergesagt. Das tropische Tief hatte sich bereits aus der SPCZ heraus gebildet und war auf den Satellitenfotos gut zu erkennen.

Wenige Tage später, nördlich der Kermadecs kenterte die Yacht in schwerer See, wurde beschädigt, manöverierunfähig, die Crew hatte sich verletzt in eine Koje zurückgezogen und wurde von einem Frachter abgeborgen. Eine weitere in diesem Seeraum manövrierende Segelyacht versuchte vergeblich, zu Hilfe zu kommen. Die havarierte Yacht trieb 14 Tage im Südwestpacific und stellte eine Gefahr für die Kleinschifffahrt dar.

Für beide Yachten wäre es ein Leichtes gewesen, das betroffene Seegebiet zu meiden. Ein Seegericht, die Mehrzahl der deutschen Segellehrer und die Verbände deutscher Segler würden das Verhalten beider Skipper sicherlich nicht als gute Seemannschaft darstellen!

Ganz anders der TO, er unterscheidet in seinen neuen Richtlinien nun das Verhalten der Skipper.

Kriterien, nach denen der seglerische Wert eine Fahrt zu messen ist, können sein: Fahrtgebiet, Bootsgröße und Art der Yacht, Ausrüstung der Yacht, Jahreszeit, Crew, Dauer der Fahrt oder der Umgang mit Ausnahmesituationen. Bewertungsmaßstab ist auch, ob die Fahrt Amateur- oder Proficharakter gehabt hat, wobei von Amateuren erbrachte Leistungen besonders zu würdigen sind. Kein Kriterium ist, ob die Fahrt nach herkömmlicher Ansicht den Anforderungen guter Seemannschaft genügt hat. Insofern gilt der Erfolg der Fahrt als Beleg für gute Seemannschaft.

Ein anderes, nun allerdings fiktives Beispiel:
Zwei Yachten geraten Nachts in ein großräumiges Gewitter mit heftigem Regen und 35 Knoten Wind. Der Skipper der größeren Yacht beschließt, den Kurs zu ändern und abzulaufen. Die Wache verbringt er teils unter Deck, teils im Steuerhaus – der Regen prasselt auf die Scheiben. Das Radar läuft, wegen erheblicher Reflektionen durch brechende Seen und Regen, kann er allerdings die Annäherung an eine andere, kleinere Yacht nicht erkennen. Dort ist eine Crew mit halbem Wind auf Backbord Bug – vorfahrtsberechtigt – unterwegs. Die größere Yacht hätte ausweichen müssen, erkennt dies aber nicht und bleibt auf Kurs.
Auf der kleineren Yacht wird die Situation und Gefahr erst erkannt, als der Abstand nur noch 50 Meter beträgt. Das Groß wird losgeworfen und der Skipper greift ans Ruder. Er kann im Manöver des letzten Augenblicks nur noch abfallen – und es kommt zur Halse. Der Baum kommt über, bricht und verletzt ein Crewmitglied am Kopf.

Der Skipper muss einen Notruf absetzen, der Gesundheitszustand des verletzten Crewmitglieds ist kritisch. Der Mann wird abgeborgen, der Rest der Crew läuft einen Nothafen an, der Törn ist zu Ende!

Für den TO wäre dieser Törn also „nicht gelungen“ – weil nicht zu Ende gebracht – er wäre somit auch nicht preisverdächtig!

Ganz anders bei der größeren Yacht, denn dort ist nichts passiert. Das Schiff könnte nach Ankunft eine Medaille erhalten!

Denkbar sind so noch viele andere Beispiele!

Die Yachten, die ich unterwegs getroffen habe, segeln nach den Regeln GUTER SEEMANNSCHAFT, wir sind uns alle einig, dass nur auf diese Weise Segelreisen sinnvoll und erfolgreich zu bestehen sind!

Das neue Prinzip des TO geht davon aus, dass, wer ankommt, ein guter Seemann gewesen sein muss – ergo ist!

Somit wird Glück nun zum Beweis guter Seemannschaft, oder: der Zwecke heiligt die Mittel!

a_lot_of_windSeemannschaft wird auch mit Blick auf die oft sehr fähigen Einhandsegler weiter diskutiert werden müssen! Um hier ein akzeptables Maß an Sicherheit für den Einhandsegler und andere Segler herzustellen, müssen viele Faktoren abgewogen werden in Bezug auf Seegebiet, Technik, Wetter, Verkehr, Potentiale von Schiff und Skipper. Selbst nach sorgfältigster Abwägung wird es keine endgültige Wahrheit geben können – ebenso wenig, wie es keine endgültige Gerechtigkeit gibt. Aber wer wollte deshalb die Gesetze abschaffen?

Nein, die Segler sind keine Hasardeure!

Hasardeure sind diejenigen, die diese Richtlinien aufgestellt haben, mit denen der TO nun im Lichte der Öffentlichkeit steht – und leben muss.

DGzRS, DSV, Seglerverbände, Vereine, Schulen und am besten auch ein Richter beim Seegericht, werden diesen Sinneswandel beim Vorstand des Trans Ocean e.V. sicherlich aufmerksam vermerken!

Ich habe diesen Post hier bei Peter geschrieben, weil ich aus dem TO ausgetreten bin und – obwohl rechtlich noch Mitglied – dort nicht mehr veröffentlichen werde.

Ich bin der Meinung, das diese Vergaberichtlinien keine interne Angelegenheit des TO sind, sondern alle Segler betreffen, letztlich auch, da es beim TO einen Preis gibt, der an Nicht Mitglieder vergeben werden kann.

aus Sydney
Detlev SchmandtEastern Coco Bandero - Kira an der Palme .JPEGSIND TO–SEGLER HASARDEURE?
Die kurze Antwort: eigentlich sicher nicht!
Beim Lesen der neuen TO – Vergaberichtlinien für Medaillen und Preise entsteht allerdings ein anderer – fataler Eindruck:
Der TO hat die „Gute Seemannschaft“ abgeschafft!
Offenbar hat der Vorstand nicht genügend nachgedacht!

Hier zwei Ereignisse, die beispielhaft verdeutlichen, wie wenig die überarbeiteten Vergabe Richtlinien mit der Praxis harmonieren:

GeoffHiltonBarIm Oktober 2012 läuft die SV Windigo NZ von Tonga nach NZ aus, an Bord der Skipper und seine Frau. Zu diesem Zeitpunkt war bereits seit einigen Tagen ein tropical storm für das Seegebiet zwischen Tonga und den Kermadec Islands vorhergesagt. Das tropische Tief hatte sich bereits aus der SPCZ heraus gebildet und war auf den Satellitenfotos deutlich zu erkennen.

Wenige Tage später, nördlich der Kermadecs, kenterte die Yacht in schwerer See, wurde beschädigt, manöverierunfähig, die Crew hatte sich verletzt in eine Koje zurückgezogen und wurde von einem Frachter abgeborgen. Eine weitere in diesem Seeraum manövrierende Segelyacht versuchte vergeblich, zu Hilfe zu kommen. Die havarierte Yacht trieb 14 Tage unbemannt im Südwestpacific und stellte eine Gefahr für die Kleinschifffahrt dar.

Für beide Yachten wäre es ein Leichtes gewesen, das betroffene Seegebiet zu meiden. Ein Seegericht, die Mehrzahl der deutschen Segellehrer und die Verbände deutscher Segler würden das Verhalten beider Skipper sicherlich nicht als gute Seemannschaft bezeichnen!
Ganz anders der TO, er unterscheidet in seinen Neuen Richtlinien nun das Verhalten der Skipper.

Kriterien, nach denen der seglerische Wert eine Fahrt zu messen ist, können sein: Fahrtgebiet, Bootsgröße und Art der Yacht, Ausrüstung der Yacht, Jahreszeit, Crew, Dauer der Fahrt oder der Umgang mit Ausnahmesituationen. Bewertungsmaßstab ist auch, ob die Fahrt Amateur- oder Proficharakter gehabt hat, wobei von Amateuren erbrachte Leistungen besonders zu würdigen sind. Kein Kriterium ist, ob die Fahrt nach herkömmlicher Ansicht den Anforderungen guter Seemannschaft genügt hat. Insofern gilt der Erfolg der Fahrt als Beleg für gute Seemannschaft.

Ein anderes, nun allerdings fiktives Beispiel:
Zwei Yachten geraten Nachts in ein großräumiges Gewitter mit heftigem Regen und 35 Knoten Wind. Der Skipper der größeren Yacht beschließt, den Kurs zu ändern und abzulaufen. Die Wache verbringt er teils unter Deck, teils im Steuerhaus – der Regen prasselt auf die Scheiben. Das Radar läuft, wegen erheblicher Reflektionen durch brechende Seen und Regen, kann er allerdings die Annäherung an eine andere, kleinere Yacht nicht erkennen.

Dort ist eine Crew mit halbem Wind auf Backbord Bug – vorfahrtsberechtigt – unterwegs. Die größere Yacht hätte ausweichen müssen, erkennt dies aber nicht und bleibt auf Kurs.
Auf der kleineren Yacht wird die Situation und Gefahr erst erkannt, als der Abstand nur noch 50 Meter beträgt. Das Groß wird losgeworfen und der Skipper springt ans Ruder. Er kann im Manöver des letzten Augenblicks nur noch abfallen – es kommt zur Halse. Der Baum kommt über, bricht und verletzt ein Crewmitglied schwer am Kopf.

Der Skipper muss einen Notruf absetzen, der Gesundheitszustand des verletzten Crewmitglieds ist kritisch. Der Mann wird abgeborgen, der Rest der Crew läuft einen Nothafen an, der Törn ist zu Ende!

Für den TO wäre dieser Törn also „nicht gelungen“ – weil nicht zuende gebracht – er wäre somit auch nicht preisverdächtig!

Ganz anders bei der größeren Yacht, denn dort ist nichts passiert. Das Schiff würde nach Ankunft eine Medaille erhalten!

Denkbar sind so noch viele andere Beispiele!

Die Yachten, die wir unterwegs treffen, segeln sämtlich nach den Regeln GUTER SEEMANNSCHAFT, wir sind uns alle einig, dass nur auf diese Weise Segelreisen sinnvoll und erfolgreich zu bestehen sind!

Das neue Prinzip des TO geht davon aus, dass, wer ankommt, ein guter Seemann gewesen sein muss – ergo ist!

Glück gerät somit nun zum Beweis guter Seemannschaft!

DER NUTZEN FÜR TO
Auf diese Weise kann zukünftig jede Kontrolle von Logbüchern und Reiseunterlagen unterbleiben, denn: wer zu Hause angekommen ist – wird nach CUXHAVEN eingeladen – und bekommt seine Medaille automatisch – um den Hals! Eine ideale Arbeitserleichterung für Prüfungs Kommissionen!

Jede Prüfung / Abwägung kann zukünftig entfallen, denn es ist die Würdigung des TO, die hier einzig zählt – Logbuch einreichen gerät unnötig – Hauptsache die Leute kommen zum Labskausessen!
Der Vorstand könnte die Medaillen gleich an sich selbst verleihen!

a_lot_of_windSeemannschaft wird auch mit Blick auf die oft sehr fähigen Einhandsegler weiter diskutiert werden müssen! Um hier ein akzeptables Maß an Sicherheit für den Einhandsegler und andere Segler herzustellen, müssen viele Faktoren abgewogen werden in Bezug auf Seegebiet, Technik, Wetter, Verkehr, Potentiale von Schiff und Skipper. Selbst nach sorgfältigster Abwägung wird es keine endgültige Wahrheit geben können – ebenso wenig, wie es keine endgültige Gerechtigkeit gibt. Aber wer wollte deshalb die Gesetze abschaffen?

Es wird deutlich, dass es keine einfachen Lösungen geben kann!

Recht offenbar hat man hier – ein weiteres Mal! – nicht genügend nachgedacht!

Es wird allerdings überdeutlich, dass der TO sich als Instanz den Boden selbst entzogen hat, weil er keine Rolle mehr spielen kann – jedenfalls nicht, solange er seine Richtlinien erkennbar danach ausrichtet, dass es ihm ausschließlich darum geht, genügend Hälse zu finden, die er mit Medaillen dekorieren kann, um so seine Existenzberechtigung – um die es ihm einzig zu gehen scheint – fotografisch zu dokumentieren.

Nein, die Segler sind keine Hasardeure!

Hasardeure sind diejenigen, die diese Richtlinien aufgestellt haben, mit denen nun der TO im Lichte der Öffentlichkeit dokumentiert, wie sinnentleert seine Medaillenvergabe geraten ist!

DGzRS, DSV, Seglerverbände, Vereine, Schulen und am besten auch ein Richter beim Seegericht, werden diesen Sinneswandel beim Vorstand des Trans Ocean e.V. sicherlich aufmerksam vermerken! Wenn die Fakten allseits bekannt werden – steht der Vorstand ein weiteres Mal ohne Hemd und Hose da – weil die Blamage nicht hätte größer geraten können!

Ich habe diesen Post hier bei Peter geschrieben, weil ich aus dem TO ausgetreten bin und – obwohl rechtlich noch Mitglied – dort nicht mehr veröffentlichen werde.

Ich bin überzeugt, dass derartige Ungeheuerlichkeiten keinesfalls eine interne Angelegenheit des Trans Ocean darstellen, hingegen für alle verantwortlichen Segler wichtig ist.

Dies insbesondere, weil eine allgegenwärtige und ungeregelte Zensur im TO Forum den Interessen des Vorstands ungerechtfertigten Freiraum verschafft, auch wenn sich der Vorstand im eigenen Forum selten – einige Vorstände niemals! – äussert. Kritik scheint diesem Vorstand – wie allen Vorständen zuvor – ein Sakrileg, der Pressereferent scheint den Unterschied zwischen Meckern und Kritik bis heute nicht zu kennen!

Die Vorgehensweise des Vorstands zeigt dauerhaft, dass ihm seine Miglieder niemals wichtig sind, denn die Regeln respektvollen Umgangs werden regelmäßig gebrochen und missachtet. Es ist bezeichnend, dass die „neuen Regeln zur Preisvergabe“ im Alleingang vom Vorstand formuliert wurden, anstatt sie den Mitgliedern vorab zur Diskussion zu unterbreiten!

aus Sydney
Detlev Schmandt

2 Kommentare zu 15. Seemannschaft

  1. Inge+Ernst Friedrich Bartels, SY Atlantis sagt:

    Hallo Detlev,

    das ist ein guter Artikel!

    Diese Negativ-Liste ließe sich noch um viele Beispiele ergänzen.

    Fakt „scheint“ zu sein, dass TO-Preise nach Kadertreue und Gutdünken vergeben werden.

    Beispiel Tanoa –Michael. Er ist ein wirklich guter Segler und hat seine Weltreise mit Bravour gemeistert – davon große Strecken davon alleine. Ist gut und sauber in Cuxhaven eingetroffen ohne besondere Vorkommnisse, Rigg – Verluste oder andere Heldentaten. Er hat seinen Preis verdient!

    Andere Helden hingen die halbe Reise am Gängelband hilfsbereiter Segelkameraden, verloren die Partnerinnen, die Riggs, die Segel, ihre Dingiss, schnorrten sich um den Globus oder wussten ohne Hilfe anderer und GPS nicht einmal, wo sie sind.

    Die wirklich Guten und die Pfeifen gemeinsam mit Preisen zu behängen ist eine Degradierung und Beleidigung der Seemannschaft und der Segler mit Niveau!

    Der Nachwuchs, noch unerfahren und vielleicht etwas zu vereinsgläubig betrachtet diese Kanonen als Vorbilder. Was dann langfristig dabei heraus kommt, ist eine kollektive Verschlechterung des Langfahrtniveaus. Auf Deutsch: die Pfeifen vermehren sich!

    E.C.Hiscock pflegte (sinngemäß) zu sagen: Eine gute Reise ist eine Reise ohne besonderer Vorkommnisse“

    Diesem Leitsatz sollten wir so nah wie möglich kommen. Je näher, je preiswürdiger auch wenn uns allen das nicht immer gelingt.

    Gruß
    Ernst Friedrich Bartels, SY Atlantis, down under

  2. Willi sagt:

    Kann es sein, dass nach den neuen Vergaberichtlinien auch ein per Lustknüppel vom PC zuhause aus gesteuerter Törn preiswürdig ist? Ich finde in den Richtlinien keinen Verweis mehr darauf, dass es sich um menschliche Leistung handeln muss, also folglich auch die Sesselpfurzer mit einem ferngesteuerten Boot einen Preis erhalten könnten?

    Korrekt me, if I am wrong!

    Was ein peinliche Gurkentruppe.

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