{"id":12379,"date":"2016-10-03T03:12:28","date_gmt":"2016-10-03T10:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/?page_id=12379"},"modified":"2018-01-01T02:54:58","modified_gmt":"2018-01-01T09:54:58","slug":"jayme-santo-souza","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/morphy-blitz\/jayme-santo-souza\/","title":{"rendered":"Jayme  Santo Souza"},"content":{"rendered":"<p><strong>DRITTE WELT SEGLER IM SCHLARAFFENLAND<\/strong>   <\/p>\n<p>Reflexionen eines Segler \u00fcber den Schiffskauf in Europa<\/p>\n<p>Als ich beschloss, ein neues Boot zu kaufen, um in Europa zu segeln, lag die Entscheidung nicht mehr fern, mein n\u00e4chstes Schiff in Deutschland zu kaufen. Die Faktoren f\u00fcr meinen Entschluss sind schnell erz\u00e4hlt: Qualit\u00e4t, Robustheit und Preis haben das Rennen gemacht, zumal, wenn man andere Grosswerften zum Vergleich herangezogen hat. Aus eigenen Erfahrungen sowie Berichten anderer Segler, die sich f\u00fcr brasilianische Schiffe entschieden und Anzahlungen geleistet hatten, gleichwohl eine Odyssey haben durchstehen m\u00fcssen, und am Ende ihr Schiff nie bekommen hatten, weil die Werft sich durch Konkurs der Verantwortung entzogen hatte, wollte ich auf Nummer sicher gehen und mein Geld nicht verlieren. Der System Wechsel im politischen Betrieb hatte Korruption zunehmend institutionalisiert, begleitet von zugesicherter Straffreiheit f\u00fcr Betr\u00fcger jeder Art. In einem derartigen Klima einen Kaufvertrag mit einer Werft zu schliessen, gliche einer Lotterie, deren Ausgang in jeder Tageszeitung nachzulesen gewesen ist. Segelyachten und deren Besitzer wurden und werden durch eine sozialistische Staatsmacht stigmatisiert, f\u00fcr deren Aktionen und Entscheidungen in der breiten Bev\u00f6lkerung massenhaft Claqueure zu finden sind. F\u00fcr einen Segler k\u00f6nnen die Resultate fatal sein, da er sich dem System willig zum Frasse vorwirft. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2110-1024x768.jpg\" alt=\"img_2110\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"aligncenter size-large wp-image-12381\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2110-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2110-300x225.jpg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2110-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Als zwangsl\u00e4ufige Folge dieser Politik, die f\u00fcr Boote zudem eine Sondersteuer von 125% beschlossen und schwere b\u00fcrokratische H\u00fcrden aufgebaut hatten, besitzen Werften einen \u00fcberaus schweren Stand. So ist heute nur eine namhafte Werft \u00fcbrig geblieben, deren Schiffe qualitativ im internationalen Vergleich, nach meinem Daf\u00fcrhalten, kaum Wettbewerbs f\u00e4hig sind, von den Preisen hier nicht zu reden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/bavaria-1024x768.jpeg\" alt=\"bavaria\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"aligncenter size-large wp-image-12382\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/bavaria-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/bavaria-300x225.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/bavaria-768x576.jpeg 768w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/bavaria.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Ich entschied mich zun\u00e4chst f\u00fcr einen <strong>BAVARIA 38<\/strong>, dieses Boot erschien ideal f\u00fcr unsere Pl\u00e4ne geeignet. Meine erste \u00dcberraschung war, dass das Boot nicht vom Hersteller verkauft wurde, hingegen ich mit einer Werftvertretung zu verhandeln hatte. Mein Misstrauen war geweckt, weil die Werft recht offenbar jede Haftung in Bezug auf qualitative M\u00e4ngel und Nachbesserungen auf ihren Vertriebspartner abgew\u00e4lzt hatte. Ich h\u00e4tte es vorgezogen, direkt mit der Werft meinen Vertrag abzuschliessen, anstelle eines komplizierten Umwegs \u00fcber einen Handelspartner. Zum Gl\u00fcck habe ich einen ehrlichen Handelspartner zum Gegen\u00fcber gehabt, ich w\u00e4re ansonsten in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Allerdings hat es einige Probleme nach der Auslieferung gegeben, die mich erheblich Zeit und Nerven gekostet haben. So hat mich die Nachbesserung des Autopiloten einen ganzen Monat gekostet, f\u00fcr den ich im Hafen habe liegen und die Liegegelder habe selbst bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-Pt.jpg\" alt=\"jayme-pt\" width=\"878\" height=\"678\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12384\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-Pt.jpg 878w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-Pt-300x232.jpg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-Pt-768x593.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 878px) 100vw, 878px\" \/><\/p>\n<p>Ansonsten habe ich mit meinem H\u00e4ndler Gl\u00fcck gehabt. Nachdem wir das Problem am Boot gel\u00f6st hatten, erwies es sich \u00fcber 9000 Meilen incl. einer Atlantik\u00fcberquerung als einwandfrei. Nach dem Verkauf entschied ich mich dieses Mal eine <strong>HANSE 385i<\/strong> und habe den gleichen H\u00e4ndler kontaktiert.<\/p>\n<p>Der Abschluss des Kaufvertrags \u00fcber Handelsfirma verlief \u00e4hnlich, allerdings habe ich beschlossen, das Boot in der Werft in Greifswald direkt abzuholen. Es hat mich zwei volle Monate gekostet, bis alle technischen Probleme und Nachbesserungen erledigt waren. Im Gegensatz zur BAVARIA 38, die in Portugal ausgeliefert wurde, wurde die \u00dcbergabe durch einen Beauftragten der Werft durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die \u00dcbergabe beinhaltete zahlreichen Fragen und Kontrollen. Allerdings war man offenbar mehr interessiert, mich mit den Gegebenheiten des Wohnbereiches vertraut zu machen, als mit den elektronischen, mechanischen Einrichtungen wie z.B. Gro\u00dfsegel Reff Anlage, Motor usw. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010707-1024x768.jpeg\" alt=\"p1010707\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"aligncenter size-large wp-image-12385\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010707.jpeg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010707-300x225.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010707-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Immerhin hat es einige Wochen gedauert, bis alle Probleme gel\u00f6st werden konnten, wobei mein Vertragsh\u00e4ndler mehrfach hat eingreifen m\u00fcssen. F\u00fcr einen Segler, der die Landessprache nicht beherrscht, ein Nerv zehrendes Unterfangen. Ich sollte darauf hinweisen, dass ein Kunde ohne seglerische Erfahrung, durchaus gro\u00dfe Schwierigkeiten h\u00e4tte bekommen k\u00f6nnen, wenn er ein Boot \u00fcbernommen h\u00e4tte, das ihm als segelklar \u00fcbergeben ist, wenn dies nicht den Tatsachen entspricht. Keinesfalls bedeutet ein Neukauf, dass ein technisch einwandfreies Schiff \u00fcbergeben wird, das ist meine \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010715-1024x768.jpeg\" alt=\"p1010715\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"aligncenter size-large wp-image-12386\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010715.jpeg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010715-300x225.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/P1010715-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Nach Verlassen der Werft, acht Wochen sp\u00e4ter, segelte ich \u00fcber 4000 Meilen mit diesem Boot ohne Probleme. Einige Jahre sp\u00e4ter ( 2016 ) wechselte ich f\u00fcr eine HANSE 41.5. Das Gesch\u00e4ft erwies sich als zu verlockend, da die Werft einen erheblichen Abschlag auf den Endpreis zugestanden hatte, zudem meine HANSE 385 im gleichenZug einen neuen Eigner gefunden hatte. So haben wir uns, nach einem Winter in der Heimat in Brasilien, im Fr\u00fchjahr 2016 dann wieder im kalten Greifswald eingefunden um unsere neue Hanse 41.5 zu \u00fcbernehmen. Die \u00dcbergabe wurde von den gleichen, uns bereits bekannten, Technikern vorgenommen. Dieses Mal ging alles ein wenig schneller, weil ich die Ausreden und die Leute, bereits kannte und zudem die Schiffe sehr \u00e4hnlich gewesen sind und ich zu Problem L\u00f6sungen selbst besser beitragen konnte. Nach sechs Wochen waren wir klar zum Auslaufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/DSC01023.jpeg\" alt=\"dsc01023\" width=\"800\" height=\"534\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12387\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/DSC01023.jpeg 800w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/DSC01023-300x200.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/DSC01023-768x513.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Allerdings haben wir einen schweren Fehler in der Bord Elektrik \u00fcberstehen m\u00fcssen, der bei \u00dcbernahme nicht zu erkennen gewesen ist. Durch fehlerhaft Verkabelung konnten die Service Batterien nicht geladen werden. Ungl\u00fccklicherweise \u00fcberraschte uns der v\u00f6llige Blackout im Bordnetz bei einsetzender Dunkelheit im Kiel Kanal, wenige Kilometer vor Brunsb\u00fcttel. Wir haben den Hafen ohne jegliche Beleuchtung, nur mit Taschenlampe und unter Polizei Aufsicht erreicht, wo wir den freundlichen Beamten die besondere Situation unter Deck bei uns haben erkl\u00e4ren m\u00fcssen. Der Schaden wurde nach R\u00fccksprache mit dem Hersteller in Wedel behoben. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-PT-von-oben.jpg\" alt=\"jayme-pt-von-oben\" width=\"865\" height=\"598\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12388\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-PT-von-oben.jpg 865w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-PT-von-oben-300x207.jpg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Jayme-PT-von-oben-768x531.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 865px) 100vw, 865px\" \/><\/p>\n<p>Unser Eindruck von HANSE: Konstruktion des Schiffes, Bauausf\u00fchrung, verwendete Komponenten und Materialien sind von guter Qualit\u00e4t. Endmontage, Nachbesserungen und \u00dcbergabe hingegen lassen weiten Raum an Verbesserungen. Was wir im Verlauf von insgesamt 14 Wochen haben in Greifswald erleben m\u00fcssen, ist nur durchzustehen mit guten Nerven und als Rentner, f\u00fcr den Zeit in besonderem Masse nur noch eine geringe Rolle spielt, weil er davon gen\u00fcgend zur Verf\u00fcgung hat \u2026 und die Wartezeiten mit einem Leihwagen \u00fcberbr\u00fccken kann, um ein sch\u00f6nes St\u00fcck von einem unbekannten Land, in Ruhe zu erkunden.<\/p>\n<p>Jayme Souza<br \/>\nSV Ximbica, Lisboa im August 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DRITTE WELT SEGLER IM SCHLARAFFENLAND Reflexionen eines Segler \u00fcber den Schiffskauf in Europa Als ich beschloss, ein neues Boot zu kaufen, um in Europa zu segeln, lag die Entscheidung nicht mehr fern, mein n\u00e4chstes Schiff in Deutschland zu kaufen. 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