{"id":21447,"date":"2020-02-06T03:13:22","date_gmt":"2020-02-06T10:13:22","guid":{"rendered":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/?page_id=21447"},"modified":"2020-03-07T01:04:05","modified_gmt":"2020-03-07T08:04:05","slug":"ggr-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/columns\/peter-der-markt\/windvane-politics-2\/ggr-interview\/","title":{"rendered":"Interview + Bilanz"},"content":{"rendered":"<p><strong>DER RITT AUF DER RASIERKLINGE &#8211; WARUM MR WINDPILOT DIE BREMSE ZOG<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Peter-Foerthmann-2-\u00a9-Schack.jpeg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"850\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21449\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Peter-Foerthmann-2-\u00a9-Schack.jpeg 1280w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Peter-Foerthmann-2-\u00a9-Schack-300x199.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Peter-Foerthmann-2-\u00a9-Schack-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Peter-Foerthmann-2-\u00a9-Schack-768x510.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n<p>Das Golden Globe Race 2022\/23 nimmt Fahrt auf, wieder soll es auf der Route von Robin Knox-Johnston stattfinden, der 1968\/69 als Erster einhand nonstop um die Welt segelte. Mindestens 21 Segler bereiten sich derzeit auf das Event vor. Diesmal, verspricht Veranstalter Don McIntyre, wird es ein anderes Rennen sein als das Katastrophen Rennen 2018\/19. Allein sieben Schiffe kenterten im Southern Ocean, teils mehrfach, <a href=\"https:\/\/floatmagazin.de\/orte\/in-roaring-forties-gekentert-golden-globe-race-2018-robin-knox-johnston\/\">f\u00fcnf wurden entmastet<\/a>. Nur f\u00fcnf von 17 Teilnehmern kamen ins Ziel. Windsteueranlagen sind in diesem Rennen ein wesentlicher Faktor des Erfolgs. Die Segelszene wunderte sich daher, als Windpilot-Hersteller Peter Foerthmann seinen R\u00fcckzug vom n\u00e4chsten Rennen verk\u00fcndete. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass seine Anlage 2022 wieder dabei sein wird, denn es haben bereits Segler gemeldet, deren Boote damit ausger\u00fcstet sind, und weitere sind interessiert. Hans-Harald Schack sprach mit ihm \u00fcber sein Engagement f\u00fcr Einhand-Racer und die Anforderungen, denen sie sich beim \u201eGolden Globe\u201c stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/P1000986.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21456\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/P1000986.jpeg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/P1000986-300x225.jpeg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/P1000986-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Schon einundzwanzig Skipper haben f\u00fcr das Golden Globe Race 2022 gemeldet. Sie als Marktf\u00fchrer f\u00fcr Windsteueranlagen haben erkl\u00e4rt, diesmal nicht an Bord zu sein. Warum? Das Golden Globe ist doch die beste Werbung, die es f\u00fcr ein Windsteuer-System gibt.<\/p>\n<blockquote><p>Korrekt, und das war 2018 auch der Grund f\u00fcr mein Engagement f\u00fcr die f\u00fcnf Segler, die mit Windpilot-Anlagen unterwegs waren, und die ich mit Ersatzteilen und Ersatzsystemen versorgt habe. Eine Vorsichtsma\u00dfnahme, die sich allerdings als unn\u00f6tig erwies, weil die Reservesysteme s\u00e4mtlich unbenutzt zur\u00fcckkamen, nur die Anlage von Abhilash Tomy liegt samt Schiff auf dem Grund des Indischen Ozeans.<\/p>\n<p>Sein Boot erlitt vier Kenterungen, bei denen der Besan, der Gro\u00dfbaum und schlie\u00dflich der Mast brachen. Er st\u00fcrzte aus dem Rigg und verletzte sich an der Hand und am R\u00fccken, bevor er sich retten lie\u00df.<\/p>\n<p>Seine Anlage hat die Torturen heil \u00fcberstanden. Das Golden Globe war f\u00fcr mich eine Gelegenheit, die Vorz\u00fcge eines modernen Pendelrudersystems gegen\u00fcber traditionellen Vorg\u00e4ngern unter h\u00e4rtesten Praxisbedingungen unter Beweis zu stellen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher, dass Sie jetzt aussteigen wollen. Unsere Nachfrage beim Race Manager hat ergeben, dass es keinerlei Bann gegen irgendeinen Hersteller von Selbststeueranlagen gibt. Windpilot z\u00e4hlt zu den \u201eapproved systems\u201c, wer also damit fahren will, kann dies tun.<\/p>\n<blockquote><p>Der Veranstalter hat angesichts der Erfahrungen der GGR 2018 sein pers\u00f6nliches G\u00fctesiegel als \u201eapproved systems\u201c eingef\u00fchrt, worunter derzeit offenbar Aries, Hydrovane, Monitor und Windpilot benannt werden. Monitor war nach den verheerenden Ereignissen bei Are Wiig und Susie Goodall der Status \u201eapproved\u201c entzogen worden, das System war also \u201ebanned\u201c. Nach Zusagen des Herstellers, sein System zu verst\u00e4rken, ist die Monitor allerdings offenbar wieder zugelassen worden. Eine erneute Zulassung der Beaufort wurde nach dem Bruch aller drei Systeme im GGR verweigert. Dies bezeichne ich als Bann. Seglern mit anderen WSA wird auferlegt, den Veranstalter davon zu \u00fcberzeugen, dass und warum er dem System sein \u201eapproval\u201c geben sollte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man h\u00f6rt, Sie h\u00e4tten mit GGR-Chef Don MacIntyre ein Problem, weil er Hydrovane als Sponsor hat\u2026<\/p>\n<blockquote><p>Keineswegs. Ich h\u00e4tte mir allerdings nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass pers\u00f6nliche Pr\u00e4ferenzen eines Veranstalters seiner Neutralit\u00e4t bei der Durchf\u00fchrung des Rennens im Wege stehen. Ein Irrtum, wie ich in Les Sables erfahren musste, wo ich bereits am zweiten Tag vor laufenden Kameras aufgefordert wurde, die Trade Mark von meinen Windfahnen zu entfernen.<\/p><\/blockquote>\n<p>War das der Beginn oder der H\u00f6hepunkt Ihrer Animosit\u00e4ten?<\/p>\n<blockquote><p>Ich hatte Don McIntyre bereits 2016 kontaktiert. Er schrieb mir, dass er eine Exklusiv-Partnerschaft mit Hydrovane habe und deshalb keinen anderen Partner an Bord nehmen k\u00f6nne. Er w\u00fcnschte mir noch viel Vergn\u00fcgen beim Verfolgen des Rennens und alles Gute\u2026 Als dann noch in etlichen Pressemeldungen der Ruf von \u201eWindpilot\u201c besch\u00e4digt wurde, war f\u00fcr mich eine Grenze \u00fcberschritten und ich begann, \u00fcber diese Veranstaltung fortlaufend zu berichten. Sachlich nat\u00fcrlich, denn es galt, meine Trade Mark zu sch\u00fctzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201ePuffin\u201c-Skipper Istvan Kopar hat behauptet, seine Windpilot-Anlage habe ihn das Rennen gekostet, was vom GGR-Team verbreitet wurde.<\/p>\n<blockquote><p>Istvan hatte eine f\u00fcr das Rennen ungeeignete Ruderanlage, und an die hat er unsere WSA unsachgem\u00e4\u00df angebaut. Trotzdem hat sie ihn und das Rennen \u00fcberlebt. Ich habe in dieser Zeit allerdings gemerkt, welchen Schaden einseitige Pressemeldungen anrichten k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fchlten Sie sich durch das Race Management diskriminiert?<\/p>\n<blockquote><p>Von den Windpilot-Seglern wurde ein Video-Nachweis abverlangt, der Montage und Funktionst\u00fcchtigkeit des SOS-Notruders auf See unter Beweis stellt\u2026<\/p><\/blockquote>\n<p>Gegen den Nachweis, dass ein Notruder auf See tats\u00e4chlich funktioniert, ist wohl nicht viel einzuwenden.<\/p>\n<blockquote><p>Man kann \u00fcber den Sinn eines Notruders an einem Langkieler unterschiedlicher Meinung sein. Wenn aber gleichzeitig den Teilnehmern mit anderen Anlagen eine derartige Verpflichtung nicht auferlegt wird, dann wirft das Fragen auf, auf die ich keine \u00fcberzeugenden Antworten bekommen habe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum haben Sie nicht Ihre Pacific Plus f\u00fcr den Einsatz im GGR empfohlen? Dieses System mit Pendelruder und separatem Spatenruder h\u00e4tte die Notruder-Bedingung bestens erf\u00fcllt.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe davon ausdr\u00fccklich abgeraten, weil Hilfsruder-Systeme jeder Art im Southern Ocean Gefahren ausgesetzt werden, die beim Segeln in normalen Breitengraden kaum vorkommen, wie Querschlagen, Kentern und \u00dcberkopfgehen. Ein Hilfsruder und sein Scherstift tief unten am Heck sind f\u00fcr einen Segler von Deck schlecht oder gar nicht erreichbar, sodass Ersatz oder Reparatur kaum m\u00f6glich ist. Jean Luc Van den Heede hatte an seiner Hydrovane den Scherstift vor dem Rennen durch einen soliden Bolzen ersetzt und auch noch das Ruderblatt gek\u00fcrzt, um die Last unter extremen Bedingungen zu reduzieren. Der Scherbolzen ist dennoch gebrochen! Wenn dieser vorausschauende Segler nicht ein kleines Schlauchboot an Bord gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re seine Reparatur \u2013 das Ersetzen des Scherbolzens \u2013 auf See kaum m\u00f6glich gewesen. Eines Scherstiftes, nebenbei bemerkt, dessen regelm\u00e4\u00dfigen Tausch der Hersteller im Handbuch selbst empfiehlt!<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie haben in Ihrem <a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/golden-globe-race\/windvane-report\/\">\u201eWindvane Report\u201c<\/a>untersucht, warum Windsteueranlagen im Southern Ocean nur bedingt einsetzbar sind\u2026<\/p>\n<blockquote><p>Sie sind ja einsetzbar! Ich habe die Grenzen der Verwendbarkeit aufgezeigt und die Wichtigkeit von Scherbolzen und seitlichem \u00dcberlastungsschutz apostrophiert. Nicht zu vergessen, auch gegen Treibgut jeder Art ist ein Hilfsruder wenig gesch\u00fctzt. Der Bruch eines Scherbolzens bedeutet den Reparaturfall, wie wir bei Jean Luc Van Den Heede gesehen haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum eignet sich eine \u201enormale\u201c Windpilot Pacific, deren Pendelruder aufs Ruder der Yacht wirkt, besser f\u00fcr den Einsatz im Golden Globe Race?<\/p>\n<blockquote><p>Weil dies System konstruktiv \u00fcber einen Schwenkradius von 270 Grad verf\u00fcgt, im Gegensatz zu den 60 bis 70 Grad bei traditionellen Pendelrudersystemen, und weil die Bewegung des Pendelruders bei Kenterung oder Querschlagen nicht durch seitliche Anschl\u00e4ge begrenzt wird. Kein Widerstand, folglich keine Hebelkr\u00e4fte, womit Sollbruchstellen unn\u00f6tig werden. Die Erfahrungen im GGR haben dies best\u00e4tigt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Welle von 100 Metern L\u00e4nge ist rund 25 Knoten schnell, und solche und schnellere Wellen mit Brechern sind im Southern Ocean an der Tagesordnung. Ist es \u00fcberhaupt sinnvoll, mit relativ langsamen Langkielern, die auch im Surf kaum \u00fcber ihre Rumpfgeschwindigkeit hinauskommen, in solche Seegebiete zu fahren?<\/p>\n<blockquote><p>Selbstverst\u00e4ndlich! Allerdings wissen wir nun, dass beim Segeln im Southern Ocean konstruktive Details von Selbststeueranlagen dar\u00fcber entscheiden, ob diese Systeme Kenterungen aushalten k\u00f6nnen oder nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Technisch aushalten ist das eine, aktiv arbeiten das andere. Ab wann l\u00e4sst eine Anlage ihren Skipper im Stich?<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr alle Anlagen gilt gleicherma\u00dfen, dass sie keine Augen haben und brechenden Seen nicht auszuweichen k\u00f6nnen. Das kann nur ein Mensch am Ruder. Dar\u00fcber hinaus sind Entscheidungen des Skippers sind vonn\u00f6ten, um gef\u00e4hrliche Situationen zu \u00fcberleben. Robin Knox-Johnston hat in seiner <a href=\"https:\/\/floatmagazin.de\/orte\/in-roaring-forties-gekentert-golden-globe-race-2018-robin-knox-johnston\/\">Untersuchung \u00fcber Sturmtaktiken im GGR<\/a> die Gefahren und Erfahrungen analysiert. Beidrehen, Treibanker ausbringen, Leinen schleppen, aktiv segeln \u2013 er untersucht eine Reihe von Optionen. Ich hatte angeregt, dass er eine vergleichbare Analyse \u00fcber Windsteueranlagen vornimmt. \u201eWenn ich blo\u00df die Zeit h\u00e4tte\u2026\u201c, meinte er, aber er fand die Idee gut. Am Ende habe ich es selbst versucht und den \u201eWindvane Report\u201c vorgelegt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Welches sind die praktischen Unterschiede bei der Verwendung verschiedener Windfahnensteuerungen im Southern Ocean?<\/p>\n<blockquote><p>Beim Segeln unter extremen Wind- und Wellenbedingungen sind zwei Verhaltensoptionen zu unterscheiden. Erstens: Bei WSA mit eingeschr\u00e4nktem seitlichen Schwenkradius und seitlichen Anschl\u00e4gen, etwa der Aries oder Monitor, empfiehlt es sich, das System rechtzeitig zu deaktivieren, wenn die Gefahr einer Kenterung besteht. Es geht darum, einem Bruch von \u00dcberlastbauteilen vorzubeugen. F\u00fcr die Monitor-Segler Are Wiig und Susie Goodall sind diese gef\u00e4hrlichen Situationen, in denen sie wiederholt zum Steuern von Hand gezwungen waren, vermutlich letztlich Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Abbruch des Rennens beziehungsweise den Verlust des Schiffes gewesen. \u00dcbrigens Grund f\u00fcr den Veranstalter, die Monitor zun\u00e4chst f\u00fcr eine k\u00fcnftige Nutzung im GGR zu verbannen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Susanne Huber-Curphey hat im Verlauf der La Longue Route, der weniger restriktiven Gegenveranstaltung zum Golden Globe, mehrfach schwere St\u00fcrme mit ihrer Aries \u00fcberstanden.<\/p>\n<blockquote><p>Sie hatte ihre Aries deaktiviert, um dann ihr Schiff einem JSD Drogue System anzuvertrauen. Der Hersteller von Aries empfiehlt selbst: \u201eDas Lift-up-Pendelruder ist gut, um es komplett hochzunehmen \u2013 im Hafen, auf See bei Flaute und alter Welle, oder wenn Sie einen Sturm mit ihrem Jordan Series Drogue \u00fcberleben wollen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und die zweite Verhaltensoption?<\/p>\n<blockquote><p>L\u00e4nger aktiv segeln. WSA, die \u00fcber einen weiten Schwenkradius verf\u00fcgen, sind bei extremen Schr\u00e4glagen \u2013 und im Fall der Kenterung \u2013 besser gesch\u00fctzt, weil Sollbruchstellen nicht notwendig sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00fcrden Sie eher zu einem elektronischen Autopiloten raten?<\/p>\n<blockquote><p>Unbedingt als Back-up zur Verbesserung der Sicherheit, um einen Einhandsegler bei einem Schaden an seiner WSA von der Notwendigkeit des Steuerns per Hand zu entlasten. Wir haben im Golden Globe 2018 gesehen, welch verheerende Folgen der vor\u00fcbergehende Ausfall einer Selbststeueranlage haben kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie werfen dem Golden-Globe-Veranstalter vor, elektrische Autopiloten zu verbieten. Aber jeder darf den ja in einer versiegelten Box f\u00fcr den Notfall an Bord haben.<\/p>\n<blockquote><p>Vorwurf nein, Kritik ja! Im GGR 2018 haben nur drei Segler von dieser Regelung Gebrauch gemacht, zu einem Zeitpunkt, als die Erfahrungen der 18 Teilnehmer noch nicht vorlagen und ausgewertet waren. Heute wissen wir mehr, es besteht eine grundlegend ver\u00e4nderte Sicherheitslage f\u00fcr 2022, was unter den k\u00fcnftigen Teilnehmern bereits heftige Diskussionen hervorgerufen hat. Mir ist unverst\u00e4ndlich, warum ein Veranstalter angesichts offenkundiger Schwachstellen fast s\u00e4mtlicher WSA seinen Sch\u00fctzlingen eine regelkonforme Redundanz durch einen Pinnenpilot verweigert, indem er dessen Einsatz durch Herabstufung in die Chichester Class bestraft. F\u00fcr mich ein Spiel mit dem Feuer, das einem Einhandsegler die Entscheidung \u00fcber die eigene Sicherheitslage aufzwingt: will er aufgeben oder nicht! Nebenbei bemerkt: bei der \u201eLongue Route\u201c hat es keine Restriktionen gegen den Einsatz von Autopiloten gegeben \u2013 und keine Schiffsverluste.<\/p><\/blockquote>\n<p>Knox-Johnston hatte 1968 auch keinen Pinnenpiloten.<\/p>\n<blockquote><p>Nur weil diese Systeme, ebenso wie alle heutigen WSA, noch gar nicht auf dem Markt waren. Genau genommen, sind laut GGR-Regeln auch moderne WSA nicht erlaubt. Knox-Johnston hat damals \u00fcber weite Strecken von Hand gesteuert, weil sein Trim-Tab-System nur einen Bruchteil der Kraft hatte, die heutige WSA aufbringen. Es war vorteilhaft, dass er seine Suaheli bei ausgewogenem Trimm sich recht gut selbst \u00fcberlassen konnte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf welche Reparaturen muss sich heute ein Einhandsegler vorbereiten?<\/p>\n<blockquote><p>Bei Antoine Cousot hatte sich eine M-6-Mutter an seiner Windpilot-Anlage gel\u00f6st. Bei Tapio Lehtinens Windpilot setzte das Ruderblatt Muscheln \u201egro\u00df wie ein M\u00e4nnerkopf\u201c an, weil er zu wenig Platz am Heck hatte und deshalb das Ruderblatt seiner Anlage nicht hochschwenken konnte. Er musste es komplett austauschen. Are Wiig hat viermal die \u00dcberlasth\u00fclse seiner Monitor auf See ersetzen m\u00fcssen. Bei Susie Goodall sind sogar die Kegelr\u00e4der ihrer Monitor mehrfach durch harte Schl\u00e4ge gegen die seitlichen Anschl\u00e4ge \u00fcbergesprungen. Beide mussten \u00fcber weite Strecken von Hand steuern, f\u00fcr beide bedeutete der Ausfall ihrer Anlage das Ende des Rennens. Susie konnte, im ruhigen Wasser in Hobart vor Anker, die Kegelr\u00e4der ihrer Monitor wieder in die korrekte Position setzen. Der gleiche Schaden ist sp\u00e4ter noch einmal aufgetreten. Bei Mark Slats, der das Rennen als Zweiter beendete, haben Schl\u00e4ge seiner Aries gegen die seitlichen Anschl\u00e4ge die solide Systembefestigung am Spiegel nahezu zerst\u00f6rt, er konnte mit Bauteilen aus der Inneneinrichtung seines Schiffes und viel Sikaflex den Verlust des Systems verhindern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Worin besteht die Unterschiede im praktischen Betrieb einer WSA beim GGR gegen\u00fcber normalen Blauwasserreisen?\u2028<\/p>\n<blockquote><p>WSA wurden f\u00fcr das Segeln in moderaten Breitengraden entworfen, im GGR wurden sie erstmals in einer Umgebung eingesetzt, f\u00fcr die sie weder gedacht noch konstruiert worden sind. WSA k\u00f6nnen immer nur einen dezidierten Gegenruderwinkel verstellen. Trimm, Balance und vern\u00fcnftige Seemannschaft sind dem Skipper \u00fcberlassen. F\u00fcr Segler im Regattastress ein Ritt auf der Rasierklinge, weil st\u00e4ndig der Feind im Nacken oder vor der Nase sitzt. Knox-Johnstons Analyse offenbart, dass sie sogar z\u00f6gerlich bei der Verwendung von Drogue-Systemen gewesen sind, vermutlich weil sie dies viel Zeit gekostet h\u00e4tte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Knox-Johnston beschreibt es auch als extrem kraftraubend. Gibt es belastbare Zahlen \u00fcber die tats\u00e4chliche Verwendung der WSA im GGR?<\/p>\n<blockquote><p>Nein, man wird von den Seglern kaum erfahren, wieviel Prozent der Zeit ihre mechanischen Steuersklaven gearbeitet haben. Aber alle GGR-Athleten haben immens viel Zeit am Ruder ihrer Schiffe verbracht, weil ihre Anlagen regelm\u00e4\u00dfig an ihre nat\u00fcrliche Grenze geraten sind. Das Golden Globe Race hat schonungslos offenbart, dass WSA in Bezug auf Verf\u00fcgbarkeit und Reparaturanf\u00e4lligkeit keineswegs problemlos einzusetzen sind. Eine Tatsache, die im Kopf des Veranstalters offenbar noch nicht angekommen ist, denn sonst h\u00e4tte er sicherlich Redundanz zur Verbesserung der Sicherheit seiner Sch\u00fctzlinge zugelassen. Das \u201eapproval\u201c eines Veranstalters gaukelt eine Sicherheit vor, die keineswegs vorhanden ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Herr Foerthmann, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Interview: <a href=\"https:\/\/www.schack-wordshop.de\">Hans-Harald Schack<\/a><\/p>\n<p>Hans-Harald Schack (65) ist Journalist und segelt. Er schreibt Magazin-Reportagen und B\u00fccher. 2014 nahm er am Clipper Round The World Race teil. Die Reise f\u00fchrte von China  nach San Francisco und durch den Panama-Kanal in den Atlantik. <\/p>\n<p><strong>SCHADENSBILANZ ALLER IM GGR EINGESETZTEN WSA <\/strong><br \/>\n<strong>IM ZIEL ANGEKOMMEN<\/strong><br \/>\nJean-Luc van der Heede, Hydrovane, 1. Platz, Bruch des Scherbolzens<br \/>\nMark Slats, Aries, 2. Platz, Bruch an der Systemaufh\u00e4ngung<br \/>\nUku Randmaa, Hydrovane, Monitor, 3. Platz<br \/>\nIstvan Kopar, Windpilot, 4. Platz. 12 St\u00fcrme >50kn, 3 Kenterungen, WSA intakt<br \/>\nTapio Lehtinen, Windpilot, 5. Platz, WSA intakt<\/p>\n<p><strong>ABBRUCH DER REGATTA<\/strong><br \/>\nNabil Amra, Beaufort, Bruch der WSA, Abbruch der Reise<br \/>\nErtan Beskardes, Hydrovane, Abbruch der Reise<br \/>\nFrancesco Cappelletti, Beaufort, Bruch der WSA, Abbruch der Reise<br \/>\nAntoine Cousot, Windpilot, Abbruch der Reise, WSA intakt<br \/>\nKevin Farebrother, Hydrovane, Abbruch der Reise<br \/>\nSusie Goodall, Monitor, mehrfach Bruch \u00dcberlastschutz, Kenterung, Aufgabe<br \/>\nGregor McGucking, Hydrovane, Kenterung, Abbruch der Reise<br \/>\nLo\u00efc Lepage, Hydrovane, Bruch Scherbolzen, Kenterung, Abbruch der Reise<br \/>\nPhilippe P\u00e9che, Beaufort, Bruch der WSA, Abbruch der Reise<br \/>\nMark John Sinclair, Aries, keine Sch\u00e4den, Abbruch der Reise in Australien<br \/>\nAbilash Tomy, Windpilot, 4 Kenterungen, Masten verloren, verletzt, Aufgabe. WSA intakt<br \/>\nAre Wiig, Monitor, 4x Bruch \u00dcberlastschutz, Kenterung, Aufgabe<br \/>\nIgor Zeretskiy, Windpilot, Abbruch der Reise, WSA intakt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER RITT AUF DER RASIERKLINGE &#8211; WARUM MR WINDPILOT DIE BREMSE ZOG Das Golden Globe Race 2022\/23 nimmt Fahrt auf, wieder soll es auf der Route von Robin Knox-Johnston stattfinden, der 1968\/69 als Erster einhand nonstop um die Welt segelte. &hellip; <a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/columns\/peter-der-markt\/windvane-politics-2\/ggr-interview\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":21073,"menu_order":-4,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-21447","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21447","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21447"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21447\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21626,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21447\/revisions\/21626"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21447"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}