{"id":7587,"date":"2012-12-04T22:30:58","date_gmt":"2012-12-05T05:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/?page_id=7587"},"modified":"2012-12-04T22:33:31","modified_gmt":"2012-12-05T05:33:31","slug":"deutsch-interview-sv-drifter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/trans-ocean-news\/deutsch-drifter\/deutsch-interview-sv-drifter\/","title":{"rendered":"Interview SV Drifter"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SV-Drifter-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7131\" title=\"SV Drifter gr\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SV-Drifter-gr-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SV-Drifter-gr-300x225.jpg 300w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SV-Drifter-gr-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SV-Drifter-gr.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Fiji, Nabouwalu Bay, Insel Ono, Position : 18\u00b053.2 S\u00fcd, 178\u00b027,8 Ost, Mittwoch 26.09.2012<\/p>\n<p><strong>Arnold und Coby Lelijveld, SY Drifter zu Gast auf der SY Kira von Celle<\/strong><\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Wir haben \u00fcber Euch in den letzten Jahren immer mal wieder etwas geh\u00f6rt. Stets ging es um Cobys Krankheit und Eure Not. Was ist in Panama geschehen?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Ich m\u00f6chte das Gespr\u00e4ch mit Dir f\u00fchren, Coby ist dazu nicht in der Lage. Wir hatten gerade den Panamakanal passiert und lagen vor Anker in La Plaita. Coby joggte t\u00e4glich \u00fcber den Damm nach Panama City und zur\u00fcck, wir waren gl\u00fccklich den Pacific vor uns zu haben. Dann klagte Coby \u00fcber Schmerzen in der Brust und Magengegend und die Schmerzen nahmen zu. Eines Abends war es so schlimm, dass wir in ein Krankenhaus fuhren. Coby wurde als Notfall aufgenommen.<\/p>\n<p>Die Diagnose: Gallensteine. N\u00e4here Untersuchungen ergeben, das Coby Wasser in der Lunge hatte und eine Entz\u00fcndung der Bauchspeicheldr\u00fcse. Eine Operation der Gallenblase war in diesem Zustand nicht zu verantworten. Coby ging es immer schlechter, sie wurde auf die Intensivstation verlegt. Ich blieb praktisch Tag und Nacht bei ihr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Lelijveid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7132\" title=\"Lelijveid\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Lelijveid.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Lelijveid.jpg 640w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Lelijveid-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><strong>Detlev<\/strong>: Gute medizinische Versorgung gibt es in Panama nur in Privatkliniken, bei wem wart ihr Krankenversichert?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Wir sind 2003 in den TO eingetreten und waren dort in einem Gruppenvertrag ab 2004 krankenversichert. 2006 erfuhren wir von einem Wechsel des Versicherers und erhielten eine Police der &#8222;W\u00fcrtembergischen&#8220;. Die Zahlungen haben wir j\u00e4hrlich im Voraus an den TO geleistet, so wie es auf der Internetseite gestanden hat. Wir haben sogar immer zeitgleich mit der Zahlung ein mail an die Gesch\u00e4ftsstelle in Cuxhaven geschickt. Ich habe sofort nach Cobys Einweisung Unterst\u00fctzung von guten \u00f6sterreichischen Seglerfreunden erhalten, die sich auch sofort mit der W\u00fcrtembergischen in Verbindung gesetzt haben.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war ein S c h o c k. Die W\u00fcrtembergische teilte telefonisch mit, dass der Gruppenvertrag l\u00e4ngst aufgel\u00f6st sei und wir nicht bei ihnen versichert seien. Unsere Freunde waren nun tagelang auf Achse, am PC und am Telefon. W\u00fcrtembergische, TO, wieder W\u00fcrtembergische, wieder TO. Dann war Herr Luetgebrune am Telefon. Meine Freunde erkl\u00e4rten, dass wir doch auch f\u00fcr 2008 die Pr\u00e4mie an den TO \u00fcberwiesen haben und nicht informiert worden sind \u00fcber die Aufl\u00f6sung unserer Krankenversicherung. Herr Luetgebrune betitelte uns in dem Gespr\u00e4ch nun als L\u00fcgner. Ich m\u00f6chte noch dazu sagen, dass wir nun auch erfuhren, das eine uns bislang unbekannte Gesellschaft als Versicherungsvermittler auftrat, eine Fa. Cux Enterprises, Frau Kluth. Der Sitz der Gesellschaft war im Haus der Gesch\u00e4ftsstelle des TO.<\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Hast Du Coby davon erz\u00e4hlt?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Nein, nein, das h\u00e4tte sie wohl umgebracht, es ging Ihr immer schlechter, das Wasser in der Lunge, die Apparate, die sie am Leben hielten. Ich war, wenn ich nicht bei ihr war, mit der Geldbeschaffung ausgelastet. Die Verwaltung des Krankenhauses war behilflich, ich musste alles im Voraus zahlen. Die \u00dcberweisungen gingen von unserer Bank in Holland nach New York, von da zu einer Bank in Panama und dann an das Krankenhaus. Ich konnte gar nicht schnell genug Geld herbeischaffen, am Ende waren es \u00fcber 100.000,&#8211; US Dollar. Es wurde auch immer teurer, weil die \u00c4rzte Coby in ein k\u00fcnstliches Koma versetzen mussten. Unsere Kinder aus Holland flogen ein um Abschied von ihrer Mutter zu nehmen. Coby lag im Sterben. Doch das k\u00fcnstliche Koma sollte ja auch der Vorbereitung auf die Operation dienen und so haben die \u00c4rzte es gewagt. Coby ist eine K\u00e4mpfernatur sie hat \u00fcberlebt, die Gallenblase soll vor Steinen regelrecht explodiert sein.<\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Wie lange war Coby im Krankenhaus?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: 6 Wochen insgesamt und etliche Nachuntersuchungen. Erst im Juli konnten wir weiter segeln nach Ecuador. Ein Jahr verging bis Coby genesen war. Ab August waren wir in Holland und fanden eine holl\u00e4ndische Rechtsanw\u00e4ltin in Deutschland, die f\u00fcr uns t\u00e4tig wurde. In dieser Zeit hat der TO die f\u00fcr 2007 und 2008 entrichteten Versicherungspr\u00e4mien zur\u00fcckgezahlt. Die Anw\u00e4ltin machte uns darauf aufmerksam, dass es ein Prozessrisiko g\u00e4be. Wir waren nicht mehr in der Lage ihre Rechnungen zu bezahlen, geschweige denn einen Prozess wom\u00f6glich in mehreren Instanzen finanziell durchzustehen.<\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Wie hattet ihr eure Segelreise finanziell abgesichert?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Coby und ich waren Sozialarbeiter von Beruf. Da wird man nicht reich. Wir haben in Holland alles verkauft um das Schiff zu bezahlen und hatten Ersparnisse in der H\u00f6he der Krankenhauskosten, das wars. Heute leben wir von einer vorgezogenen Rente, die daf\u00fcr erheblich geringer ausf\u00e4llt. Unsere Ersparnisse sollten bis zum 65zigsten Lebensjahr reichen, dann sollte die regul\u00e4re Rente einsetzen. Wir waren seri\u00f6s finanziert, heute sind wir low Budget Segler, k\u00f6nnen uns nichts mehr leisten, m\u00fcssen Anschaffungen zum Erhalt des Schiffes zur\u00fcckstellen, bzw. darauf verzichten. Wir halten uns nur noch in L\u00e4ndern auf, die billig sind.<\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Habt ihr noch einmal etwas vom TO geh\u00f6rt?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Das letzte Schreiben war sehr aufschlussreich! Es ist vom 25.6. 2008, unterzeichnet von Herrn Luetgebrune. Darin steht, das bereits der Versicherungsbeitrag f\u00fcr das Jahr 2007, das Jahr, in dem die Versicherung noch bestand, sie wurde ja erst zum 31.12.2007 gek\u00fcndigt, von der Fa. Cux-Enterprises, sie wird jetzt als Agentur Kluth bezeichnet, n i c h t an die W\u00fcrtembergische weitergeleitet worden ist. Weiter schreibt Herr Luetgebrune, ich zitiere w\u00f6rtlich:&#8220; Die Probleme ergeben sich letztlich aus dem offensichtlich unprofessionellen Handling durch die Agentur Kluth, was uns nicht sofort aufgefallen ist. Dass das Konto \u00fcber &#8222;Trans-Ocean&#8220; lief, bedeutet lediglich, dass die Agentur Kluth hinsichtlich der Zahlungsabwicklung kontrolliert werden sollte, nicht, dass Trans &#8211; Ocean selbst die Versicherungsmeldung vornehmen musste.&#8220; Zitat Ende. Wir haben uns die Internetseite genau angesehen, sie ist sehr un\u00fcbersichtlich. Die Startseite war noch am 19.04 2008 unver\u00e4ndert, wir haben einen Ausdruck gemacht am 19.04 2008. Immer noch wurde auf die Zahlungspflicht an den TO aufmerksam gemacht, obwohl es Ende 2007 eine Mitteilung auf der Internetseite gegeben haben soll, in der die K\u00fcndigung des Vertrages von Seiten der W\u00fcrtembergischen bekannt gegeben wurde. Nur bekommen wir das auf See doch nicht mit. Und wir haben weder einen Anruf zu Hause bei meinem Bruder, noch ein Schreiben an unsere Adresse in Holland, noch eine e-mail auf pactor bekommen.<\/p>\n<p>Erst als wir beim TO diesbez\u00fcglich anfragten, war am n\u00e4chsten Tag die gesamte Seite gel\u00f6scht.<\/p>\n<p><strong>Detlev<\/strong>: Daraus ergeben sich Fragen, wer ist die Cux Enterprises, wer die Agentur Kluth , war das \u00fcberhaupt mit der W\u00fcrtembergischen noch ein Gruppenvertrag. Konnte der TO die Informationspflicht delegieren und wenn ja, h\u00e4tte er dann nicht trotzdem weiter in der Verantwortung zu seinen Versicherten gestanden? Die von Herrn Luetgebrune zugegebene Tatsache, das bereits die Versicherungspr\u00e4mie f\u00fcr 2007 nicht weitergeleitet wurde von der &#8222;Agentur Kluth&#8220; stellt nichts anderes als eine Unterschlagung dar. Wer ist diese Frau Kluth, wer steht hinter Ihr, W E R ? Wie seid Ihr damit umgegangen?<\/p>\n<p><strong>Arnold<\/strong>: Wir haben das Buch zugeschlagen. Ohne Geld, ohne Freunde in Cuxhaven, was h\u00e4tten wir machen sollen, und nervlich w\u00e4re es f\u00fcr Coby ohnehin nicht durchzuhalten gewesen. Aber vom TO haben wir vor ein paar Monaten etwas geh\u00f6rt. Herr Uwe R\u00f6ttgering will unseren Fall im November auf der Hauptversammlung vortragen. Er hat von Verj\u00e4hrungsfristen geschrieben und das wir diese Frau Kluth h\u00e4tten verklagen sollen. F\u00fcr uns war und ist es immer der TO, mit dem wir zu tun hatten und wenn wir heute erfahren, das wir keine Rechte gegen den TO haben, na sch\u00f6n wir haben sowieso kein Geld um zu klagen. Aber Herr R\u00f6ttgering hat auch von Moral gesprochen, einer moralischen Verpflichtung des TO. Ich denke, er meint damit, dass die Sache aufgekl\u00e4rt wird und unser Leben wieder leichter wird.<\/p>\n<p>Nie sind wir ein Vertragsverh\u00e4ltnis mit Cux Enterprises oder einer Agentur Kluth eingegangen. Wir sind wehrlose Segler und deshalb fanden wir den TO gut. Wir sind nie aus dem TO ausgetreten, wir haben den Verein einfach ignoriert und keine Beitr\u00e4ge mehr bezahlt. Wir wollte nur in Ruhe gelassen werden. Am 17.2.2010 wurden wir von dem 2. Vorsitzenden, Herrn Andreas Huelsenberg aufgefordert unsere Beitr\u00e4ge zu bezahlen. Wir haben einen Monat sp\u00e4ter zur\u00fcckgeschrieben und Herrn Andreas Huelsenberg unsere Geschichte erz\u00e4hlt, womit wenigstens ein weiterer Offizieller des TO informiert war.<\/p>\n<p><strong>Beate<\/strong>: Coby, wie kommst Du mit der Sache heute zurecht?<\/p>\n<p><strong>Coby<\/strong>: Ich w\u00fcnsche mir vor Allem, das so etwas nie wieder passiert, nie wieder sollen Menschen im TO in Ihren schwersten Stunden so im Stich gelassen werden und nie wieder sollen solche Machenschaften mit uns Seglern aus diesem Verein heraus passieren. Weiter w\u00fcnsche ich mir, dass die Menschen, die das angerichtet haben zur Rechenschaft gezogen werden, damit es nicht wieder vorkommt. Wir f\u00fchren jetzt ein anderes Leben als vor meiner Krankheit, meine Krankheit konnte ich besiegen und bin gest\u00e4rkt daraus hervorgegangen. Die Ungerechtigkeit die uns widerfahren ist habe ich nicht abgearbeitet. Jedes mal wenn wir daran denken, ist alles so, als wenn es erst gestern geschehen w\u00e4re, ist es so, als wenn wir unsere Ersparnisse erneut verloren h\u00e4tten, das ist f\u00fcr mich bis heute unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p><strong>Beate<\/strong>: Coby hat nicht viel gesagt, in den letzten drei Stunden, sie hat nur viel geweint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fiji, Nabouwalu Bay, Insel Ono, Position : 18\u00b053.2 S\u00fcd, 178\u00b027,8 Ost, Mittwoch 26.09.2012 Arnold und Coby Lelijveld, SY Drifter zu Gast auf der SY Kira von Celle Detlev: Wir haben \u00fcber Euch in den letzten Jahren immer mal wieder etwas &hellip; <a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/trans-ocean-news\/deutsch-drifter\/deutsch-interview-sv-drifter\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":7538,"menu_order":1,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7587","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7587"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7587\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}