{"id":9722,"date":"2014-03-31T05:50:16","date_gmt":"2014-03-31T12:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/?page_id=9722"},"modified":"2025-12-09T19:41:34","modified_gmt":"2025-12-10T02:41:34","slug":"deutsch-windpilot-die-englischen-wurzeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/columns\/peter-der-markt\/windpilot\/deutsch-windpilot-die-englischen-wurzeln\/","title":{"rendered":"1976 &#8211; The roots"},"content":{"rendered":"<p><strong>WINDPILOT &#8211; DIE ENGLISCHEN WURZELN<\/strong><br \/>\nDie Geschichte der Firma Windpilot seit dem Eigent\u00fcmerwechsel im Jahre 1976 ist hinl\u00e4nglich bekannt, auch weil die Umst\u00e4nde ungew\u00f6hnlich gewesen sind, denn der kurzentschlossene Tausch einer veritablen Segelyacht bei einem Segelt\u00f6rn, gegen den Inhalt einer dunklen Werkstatt auf einem Reiterhof in der Waldstadt M\u00f6lln, hat erheblichen Unglauben hervorgerufen, vor allem an meinem Geisteszustand. Wenn eine \u00e4ngstliche Ehefrau den Mut des Angetrauten in Zweifel zieht, weil ihr ein weniger aufregendes Leben mit mehr Sicherheiten wichtiger gewesen w\u00e4re, tun sich Gr\u00e4ben auf, die am Ende nicht mehr zuzusch\u00fctten sind. Die Dinge nahmen also ihren stringenten Lauf. Manchmal gen\u00fcgt im Leben eine Weichenstellung, um eine Entscheidung zu f\u00e4llen, deren Eigendynamik sprachlos macht &#8211; weil es pl\u00f6tzlich nix mehr zu tun gibt, weil der Erdrutsch bereits im Gange ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Lilofee-Besanstag-988x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Lilofee-Besanstag-988x1024.jpg\" alt=\"Lilofee-Besanstag-988x1024\" width=\"988\" height=\"1024\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9729\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Lilofee-Besanstag-988x1024.jpg 988w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Lilofee-Besanstag-988x1024-289x300.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 988px) 100vw, 988px\" \/><\/a><\/p>\n<p>So gesehen ein Deal mit Kolateraleffekten, die ich auch 38 Jahre sp\u00e4ter niemals bereute, weil diese ONE OFF Firma f\u00fcr mich zum Schicksal und Lebensinhalt geworden ist. One Off f\u00fcr einen Nonkonformisten, der ich wohl bereits vorher gewesen und nun erst recht geworden bin.<\/p>\n<p><strong>JOHN ADAM <\/strong>hatte diese Firma im Jahre 1968 gegr\u00fcndet. Auch wenn der Name einen Ursprung in England vermuten lassen k\u00f6nnte, so handelte es sich um eine deutsche Familie, die u.a den legend\u00e4ren deutschen Rudertrainer <strong>KARL ADAM<\/strong> hervorgebracht, Mitbegr\u00fcnder des Ratzeburger Rudervereins, dessen ACHTER jahrelang die internationale Konkurrenz dominierte und der in Rom 1960 die olympische Goldmedaille erringen konnte. Karl Adam war der Onkel von John Adam.<\/p>\n<p>Johns atemberaubende Geschichte einer Atlantik \u00dcberquerung mit einer LEISURE 17 im Jahre 1967 \/ 68 hat in Deutschland die Presse besch\u00e4ftigt, da sie in einer Form spektakul\u00e4r, zudem politisch brisant gewesen ist, dass der Mann einige Ber\u00fchmheit erlangte.<\/p>\n<p>Weniger bekannt ist der englische Part dieser Geschichte, die ich zwar in Bruchst\u00fccken kannte, deren zeitliche Reihenfolge &#8211; und Wucht &#8211; ich erst vor wenigen Tagen kennenlernen durfte. Am <strong>27.M\u00e4rz 2014<\/strong> erhielt ich auf mein Blog zu meiner Biographie den folgenden Kommentar:<\/p>\n<blockquote><p>Hello Peter: So the tale about swapping your boat with John Adam is true!<br \/>\nJohn Adam crossed the Atlantic in a Leisure 17 and I have relayed the story on the <a href=\"http:\/\/www.leisureowners.org.uk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leisure Association website<\/a>. <\/p>\n<p>Hope both you and John are keeping well.<br \/>\nBest wishes<br \/>\nKevin Gilroy<\/p><\/blockquote>\n<p>Klar kannte ich Kevin von der Leisureowner Association als Kunden \/ K\u00e4ufer einer Pacific auf meinem Stand bei der London Boat Show, kannte auch <strong>BRIAN MEERLOO <\/strong>Gr\u00fcnder und Owner von <strong>COBRAMOLD Ltd.<\/strong> und <strong>LEISURE YACHTS<\/strong>, war in seinem Haus zu Gast, habe ihn verschiedentlich auf den Canaren getroffen. Die besonderen Zusammenh\u00e4nge und Verkn\u00fcpfungen der fr\u00fchen Jahre von <strong>BRIAN MEERLOO<\/strong> und <strong>JOHN ADAM<\/strong>, waren mir bis vor wenigen Tagen vergleichsweise unbekannt, denn auch John hat mir diese Details niemals in G\u00e4nze offenbart, obwohl wir uns seit Jahrzehnten kennen. Ich kannte nur die Kurzgeschichte seiner Atlantik \u00dcberquerung in einer Leisure 17 Nussschale, die im Gef\u00e4ngnis in Cuba zu Ende ging, sowie die anschliessende Gr\u00fcndung der Firma Windpilot.<\/p>\n<p>Darum sei hier der Bericht von BRIAN MEERLOO wiedergeben, den Kevin Gilroy anl\u00e4\u00dflich einer Reihe von Interviews, niedergeschrieben und in der <a href=\"http:\/\/leisureowners.memberlodge.org\/Resources\/Saltings\/sep_13.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leisureowners website<\/a> gepostet hat.<\/p>\n<p>Brian Meerloo, Cobramold und Leisure Yachts &#8211; in den fr\u00fchen Jahre von 1960 &#8211; 1967<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 2012 hat Brian Meerloo, Gr\u00fcnder von COBRAMOLD und Produzent von LEISURE YACHTS in verschiedenen Interviews die Geschichte seiner beiden Firmen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Debut der LEISURE 17 als erstes GFK Serienschiff der Firma COBRAMOLD auf der Messe in EARL COURT \/ London 1967<\/p>\n<p>Auf dem Nachbarstand <strong>PETER LEWIN<\/strong> vom <strong>YACHTS and YACHTING<\/strong> Magazin, der h\u00f6chst interessiert an dem neuen Pocketcruiser gewesen, der f\u00fcr einen Einf\u00fchrungspreis von Pound Sterling 495,&#8211; angeboten worden ist, \u00fcbrigens dem gleichen Preis eines legend\u00e4ren BMC Mini. Peter war der Verfasser eines vorteilhaften Pressebericht, der in YACHTS and YACHTING im Anschluss an die London Boat Show zu lesen gewesen ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/B.-6-John-Adam-1968-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2759\" alt=\"B. 6 John Adam 1968 Kopie\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/B.-6-John-Adam-1968-Kopie.jpg\" width=\"768\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/B.-6-John-Adam-1968-Kopie.jpg 768w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/B.-6-John-Adam-1968-Kopie-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eKann ich mit einer LEISURE 17 \u00fcber den Atlantik segeln?\u201c<br \/>\nDiesen Anruf und Frage erhielt Brian im Anschluss an eine h\u00f6chst erfolgreiche Boat Show Premiere aus Deutschland. Der Anrufer: JOHN ADAM, der den Vorschlag machte, eine Leisure 17 single hand \u00fcber den Atlantik zu segeln und rechtzeitig zur Er\u00f6ffnung der <strong>NEW YORK BOAT SHOW<\/strong> im Januar 1968 dort abzuliefern. F\u00fcr Brian ein h\u00f6chst verlockender Vorschlag &#8211; eine tolle Publicity f\u00fcr die neue Firma und f\u00fcr ein so kleines Boot.<\/p>\n<p>John Adam, 28 Jahre alt, war kein Spinner oder Neuling, sondern ein erfahrener Seemann, der als Navigations Offizier bei der Reederei Hapag-Lloyd unter Vertrag, \u00fcber viel praktische Segelerfahrungen verf\u00fcgte und in M\u00f6lln bei Hamburg lebte.<\/p>\n<p>John hatte drei \u00c4nderungsw\u00fcnsche:<br \/>\n&#8211; Die Leisure 17 sollte verst\u00e4rkte Fensterrahmen erhalten<br \/>\n&#8211; der Ankerkasten sollte geschlossen und mit Schaum verf\u00fcllt zu einem wasserfesten Compartment mit Auftriebsreserve werden<br \/>\n&#8211; zudem wurde eine Windsteueranlage als Bedingung formuliert.<br \/>\nAnsonsten sollte das Boot serienm\u00e4\u00dfig ausgef\u00fchrt sein.<\/p>\n<p>Die 60ger Jahre in England strahlen als die legend\u00e4re \u00c4ra der single hand Segler bis in unsere heutige Zeit. Das <strong>OSTAR<\/strong> ( Observer Single Hand Atlantic Race ) wurde durch die Zeitung <strong>The Observer<\/strong> ausgerufen und der Atlantik wurde zum Tummelplatz vieler Pocketcruiser, nahezu s\u00e4mtlich Engl\u00e4nder. Es war die Zeit zu der <strong>Blondie Hasler<\/strong>, <strong>Francis Chichester<\/strong> und andere legend\u00e4ren Namen bekannt geworden sind, allesamt Segler mit kleinen Schiffen, alle mit selbstgebauten Windsteueranlagen, denn elektrische Autopiloten waren damals noch unbekannt und somit regelrecht verboten. 1965 hatte <strong>Robert Manry<\/strong> den Atlantik von West nach Ost mit einer 14 ft Tinkerbelle \u00fcberquert. So schien Johns Vorschlag jedenfalls also garnicht weit hergeholt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/j_adam_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/j_adam_2.png\" alt=\"j_adam_2\" width=\"410\" height=\"319\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9738\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/j_adam_2.png 410w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/j_adam_2-300x233.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><br \/>\nJohn verbrachte den Sommer 1967 in England, wohnte bei Carole und Brian zu Hause und half bei der Fertigstellung der <strong>SY EVE<\/strong> bei Cobramold, ein Name als Wortspiel zu Johns Familiennamen. Brian und John haben gemeinsam ein Windsteuersystem entworfen und gebaut, das bei der EVE am Heck montiert. Es handelte sich um eine NUR-WIND-FAHNE, die \u00fcber Leinen direkt mit der Pinne verbunden gewesen ist, eine Systemart, die noch heute bei Modellsegelbooten Verwendung findet.<\/p>\n<p><strong>Im September 1967<\/strong> setzte John in Weymouth die Segel zur grossen Reise. Die nationalen Zeitungen berichteten von einem 28-j\u00e4hrigen Deutschen Marine Offizier, der am 13.September den Atlantik bezwingen und dessen Ziel New York sein sollte, F\u00fcr die 5.000 sm Reise waren 5 Monate eingeplant.<\/p>\n<p>John hatte diese Reise 3 Jahre lang geplant. Die Reise sollte \u00fcber Spanien und die Canarischen Inseln f\u00fchren und nach den 2.700 sm trip nach Florida, sollte die Reise anschliessend an der US K\u00fcste entlang nach Norfolk Virginia f\u00fchren.<\/p>\n<blockquote><p>ich habe diese Reise sorgf\u00e4ltig geplant, allerdings lange Zeit kein geeignetes Boot gefunden. Als ich den Testreport der LEISURE 17 gelesen und eigene Segeltests durchgef\u00fchrt hatte, fiel meine Entscheidung: dieses Schiff sollte es sein. Zusatzausr\u00fcstung f\u00fcr die Navigation, Echolot und Schlepplog sowie andere Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, zudem Lebensmittel, 10 Pfund Macaroni, die ich zu selbstgefangenen Makrelen essen wollte, 20 Gallonen Wasser und 30 pins haltbarer Milch! Es sollte keine Schlemmerpartie werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Allen Bedenken zum Trotz, segelte John dann los und es gab f\u00fcr eine Weile keine Neuigkeiten zu berichten. Bis zu jenem Tage, an dem Brian einen Anruf aus La Rochelle erhielt und John von seinen Bedenken berichtete, dass einer der Twin Kiele sich durch harten Seegang offenbar gel\u00f6st haben k\u00f6nnte. Jedenfalls flog Brian sofort nach La Rochelle und inspizierte mit John gemeinsam das Unterwasserschiff. Es war jedoch nichts zu entdecken, Kiele und Ruder sassen bombenfest, offenbar waren bei hartem Seegang Luftblasen zwischen den Kielen urs\u00e4chlich f\u00fcr die beuruhigenden Ger\u00e4usche.<\/p>\n<p>Die Reise ging also weiter \u00fcber Vigo nach Las Palmas, w\u00e4hrend John sich an den Kurzzeit Schlaf Rythmus zu gew\u00f6hnen begann.<\/p>\n<p>Die Atlantik \u00dcberquerung nach Antigua gelang in nur 32 Tagen, der Landfall erfolgte im Dezember 1967.<\/p>\n<p>In Antigua traf John einen amerikanischen Segler, der ihm einen Spinnaker \u00fcberliess. Vermutlich war der kleine Spi auf der Atlantik \u00dcberquerung aus den Lieken geflogen. Jedenfalls bekam John Ratschl\u00e4ge f\u00fcr den weiteren T\u00f6rn nach Miami. Denn die Zeit wurde langsam knapp, die Er\u00f6ffnung der <strong>NEW YORK BOAT SHOW<\/strong> war nur noch 25 Tage entfernt. Nach Tagen der Sorge ohne Informationen \u00fcber Johns Standort, fasste Brian den Entschluss, nach Miami zu fliegen, um notfalls das Boot mit dem Trailer auf dem Landweg nach NY zu bringen. Aber es gab keinerlei Zeichen von John, nichts seit seiner Abreise von Antigua. Zudem waren die Wetterberichte furchterregend, die US Coast Guard hielt es damals f\u00fcr ausgeschlossen, dass ein so kleines Boot die derzeitigen St\u00fcrme in der Karibik w\u00fcrde \u00fcberstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>JOHN BLIEB VERSCHWUNDEN<\/strong><br \/>\nNach einer entt\u00e4uschenden NY Boat Show kehrte Brian nach London zur\u00fcck, wo er den Kontakt zur Admirality der Royal Navy aufnahm, die einen Flugzeugtr\u00e4ger im Seegebiet vor Cuba stationiert, in dem John vermutlich unterwegs gewesen ist. Widerum schlechte Nachricht: Vorhersage weiterer schwerer St\u00fcrme, das \u00dcberleben eines kleinen Schiffes galt den Fachleuten als unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Es folgt eine tragische Verkettung ung\u00fcnstiger Umst\u00e4nde, als Brian das Deutsche Konsulat anschlie\u00dfend um Unterst\u00fctzung bat. Das Botschaftspersonal forderte n\u00e4mlich schriftliche Beweise f\u00fcr Brians schier unglaubliche Geschichte, Beweise, die es nicht geben konnte, weil Brian und John alle Vereinbarungen nur m\u00fcndlich und mit Handschlag geschlossen hatten. Brian war damals sprachlos und w\u00fctend angesichts der sturen Ignoranz und Unt\u00e4tigkeit der deutschen B\u00fcrokraten.<\/p>\n<p>Brian flog anschlie\u00dfend nach Hamburg, wo die damalige Hamburger Bootsausstellung noch im Fr\u00fchjahr stattgefunden hat. Und er besuchte Johns Mutter in M\u00f6lln, ein sehr bewegendes Treffen, weil von John nunmehr seit einigen Monaten immer noch kein Lebenszeichen existierte.<\/p>\n<p><strong>ZUFALLSTREFFEN BRINGT HOFFNUNG<\/strong><br \/>\nN\u00e4chste Messe <strong>GENUA<\/strong>. Auf dem Flug nach Genua war Brian gerade dabei, sich handschriftliche Notizen und Kaufpreise auf dem Verkaufsprospekt f\u00fcr die LEISURE 17 zu verzeichnen, als er von seiner Sitzplatz Nachbarin interessiert nach dem Prospekt gefragt wurde. Brian stellte sich als der Hersteller der LEISURE 17 vor, worauf die Dame sich als <strong>Mrs. Giethere<\/strong>, Journalistin von <strong>REUTERS<\/strong> vorstellte, die sich auf ihrem R\u00fcckweg vom Europa Urlaub nach Amerika befand. Kurz vor dem Verlassen der Maschine erw\u00e4hnte Mrs. Giethere, dass sie in den USA einen Bericht gelesen habe, der von einem Schiffbruch eines Single Hand Sailors an der K\u00fcste von Cuba berichtete. Der Mann sei mit einem \u00e4hnlich aussehenden kleinen Boot unterwegs gewesen und unter Spionageverdacht in Cuba ins Gef\u00e4ngnis gekommen. Mrs. Giethere\u00b4s Erinnerungen waren unvollst\u00e4ndig, aber sie liess sich von Brian einen Prospekt der Leisure 17 geben und versprach, sich nach ihrer R\u00fcckkehr in die USA zu melden.<\/p>\n<p>Der Anruf von REUTERS erfolgte innerhalb von 24 Std und die Geschichte wurde best\u00e4tigt. Die Cubaner waren offensichtlich besonders misstrauisch, weil der in Arrest genommene Segler zwar einen deutschen Pass besass aber perfekt englisch sprach, weshalb man einen CIA Spion vermutete. Dies Detail von einem Deutschen, der die englische Sprache perfekt beherrschte, r\u00e4umte bei Brian jeden Zweifel zur Seite: es musste John Adam sein.<\/p>\n<p>Bei einem erneuten Kontakt des deutschen Konsulats, wurde die Sache nun ernster genommen und ein direkter Kontakt zu den cubanischen Beh\u00f6rdern hergestellt.<\/p>\n<p>Der Bootsausstellungs Wanderzirkus war zwischenzeitlich in D\u00fcsseldorf angekommen. Brian erhielt am LEISURE Stand Besuch von der internationalen Polizei, die Johns Unversehrtheit und Gefangennahme in einem Gef\u00e4ngnis in Cuba best\u00e4tigte. Man zeigte sich zuversichtlich, dass John alsbald freigelassen werden sollte. Die Cubaner erbaten allerdings um Kostenerstattung f\u00fcr den Gef\u00e4ngnisaufenthalt und R\u00fcckflugticket in einer H\u00f6he, die nach heutiger Rechnung Pound Sterling 20.000 &#8211; ausmachte &#8211; und Brian wartete weiter auf den Gang der Dinge.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/John-Adam-Die-Zeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/John-Adam-Die-Zeit.jpg\" alt=\"John Adam Die Zeit\" width=\"576\" height=\"764\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6153\" srcset=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/John-Adam-Die-Zeit.jpg 576w, https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/John-Adam-Die-Zeit-226x300.jpg 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><strong>JOHNS FREILASSUNG UND HEIMKEHR<\/strong><br \/>\nWenige Tage sp\u00e4ter, Brian war immer noch in D\u00fcsseldorf auf der Messe, erhielt er von seinem Bruder Peter telefonisch die Nachricht von Johns Freilassung und Heimkehr nach Hause. Brian flog nach Hamburg und man feierte Johns gl\u00fcckliche R\u00fcckkehr im Familienkreis unter breiter Aufmerksamkeit der deutschen Presse und TV.<\/p>\n<p>Nach den Ursachen f\u00fcr den erlittenen Schiffbruch befragt, berichtete John von aussergew\u00f6hnlichem Seegang, der ihn veranlasst hatte, unter Deck auf Wetterbesserung zu warten. Als eine gewaltige Welle das Schiff mehrfach durchkentern liess und der Mast verloren ging, war das Ende der Reise besiegelt. Der Seegang trieb das Wrack \u00fcber ein cubanisches Riff in eine ruhigere Lagune, wo John anschliessend an Land waten konnte und direkt von der cubanischen Polizei in Empfang genommen wurde, die den Segler in Gefangenschaft nahm.<\/p>\n<p><strong>LOGBUCH STENO BEST\u00c4RKT SPIONAGE VERDACHT<\/strong><br \/>\nDen Cubanern war h\u00f6chst verd\u00e4chtig, dass ein Mann mit deutschem Pass derart perfekt Englisch sprechen konnte und zudem ein Logbuch vorzeigte, dass nur stenographische Kurzschrift vermerkte. Alle Versuche Johns, die Gegenseite davon zu \u00fcberzeugen, dass PITMAN SHORTHAND Steno die wohl einzige M\u00f6glichkeit sei, auf einem kleinen Schiff \u00fcberhaupt ordnungsgem\u00e4\u00df Logbuch zu f\u00fchren, erwiesen sich als hoffnungslos. Er hatte diese Schrift w\u00e4hrend seines Aufenthaltes bei der Meerloo Familie in England gelernt.<\/p>\n<p>Die Story ist hier noch nicht ganz zuende: Einige Jahre sp\u00e4ter erhielt Cobramold eine Nachfrage zur Lieferung eines Skegs, eines Ruders und zweier Oberlichter f\u00fcr eine LEISURE 17. Offenbar sollte die SY EVE fortan als Trainings Boot f\u00fcr cubanische Marine Kadetten Verwendung finden. Eine Wiederauferstehung der besonderen Art, SY Eve lebt vielleicht heute noch.<\/p>\n<p><strong>JOHN ADAM 20 JAHRE SP\u00c4TER<\/strong><br \/>\nwas es sonst noch zu berichten gibt: Im Jahre 1987 hat das YACHT MAGAZIN in Deutschland die Leserschaft nach dem idealen Einsteigerschiff befragt. Als erster Preis wurde eine LEISURE 17 ausgelobt, die von Inserenten der YACHT refitted worden war.<\/p>\n<p>Brian und seine Frau Carole wurden gebeten, den Preis im Rahmen der Hamburger Bootsausstellung 1987 zu \u00fcbergeben. Die YACHT fand heraus, dass John zu jener Zeit, Holzspielzeug produzierte. Er war im Rahmen seines Trainings zur EUROPEAN IRON MAN CHAMPIONSHIP in einen tragischen Unfall verwickelt worden: er wurde beim Radfahren auf einem Feldweg von einem QUAD erheblich verletzt, beide Arme und Beine wurden gebrochen. Gerade rechtzeitig zur Preisverleihung der YACHT, war John jedoch wieder genesen.<\/p>\n<p><strong>DER ERSTE WINDPILOT WURDE IN ENGLAND GEBAUT<\/strong><br \/>\nDer erste Windpilot wurde von Brian und John gemeinsam in England fertig gestellt, beide M\u00e4nner haben ganze Wochen mit Konstruktion und Bau verbracht. Das Ergebnis war die NUR-WIND-FAHNE, die sp\u00e4ter als NORTHSEA I, benannt, die die SY EVE erfolgreich \u00fcber den Atlantik steuerte. Nach seiner R\u00fcckkehr in die Heimat hat John dies System verfeinert und erg\u00e4nzt, sodann die Serienproduktion aufgenommen und unter der Trademark WINDPILOT auf den Markt gebracht. John hat seinen Betrieb 8 Jahre sp\u00e4ter an Peter Foerthmann \u201everkauft\u201c.<\/p>\n<p>14 Jahre sp\u00e4ter habe ich f\u00fcr meine eigene LEISURE 27 einen Windpilot von Peter auf der LONDON BOAT SHOW gekauft. Bis heute hatte ich keine Idee \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge zwischen WINDPILOT und LEISURE &#8230; aber jetzt kenne ich die Geschichte.<\/p>\n<p>Footnote:<br \/>\nJohn Adam\u00b4s 5.190 sm Reise<br \/>\n1.600 Weymouth to Las Palmas<br \/>\n2.590 Las Palmas to Antigua<br \/>\n1.000 Antigua to Cuba<\/p>\n<p><strong>WO IST JOHN ADAM HEUTE?<\/strong><br \/>\nJohn lebt in einer kleinen Stadt nord\u00f6stlich von Hamburg.<\/p>\n<p>Kevin Gilroy, Leisure Association UK<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>EPILOG von PETER FOERTHMANN<\/strong><br \/>\nUnd so zeigt sich, dass die Wurzeln der Firma WINDPILOT ihren Ursprung und Bezug in England haben. Die Besonderheit einer Trademark WINDPILOT kann als ein Gl\u00fccksfall der Geschichte aufgefasst werden, denn diese TM hat beim Deutschen Patentamt wohl nur eingetragen werden k\u00f6nnen, weil ein dort besch\u00e4ftigter Beamter der englischen Sprache nicht m\u00e4chtig gewesen ist. Denn ansonsten h\u00e4tte er erkennen m\u00fcssen, dass eine \u201ebeschreibende\u201c Marke kaum zul\u00e4ssig gewesen w\u00e4re, ganz \u00e4hnlich wie Fahrrad oder Motorrad, beschreibt Windpilot lediglich, dass der Wind steuert.<br \/>\nDumm &#8211; nein perfekt gelaufen &#8211; eine bessere TM f\u00fcr ein Windsteuersystem ist weltweit nicht denkbar, weil die Seglerwelt eine anglophile Welt ist, in der Deutschland nur eine Randerscheinung ist.<\/p>\n<p>In einem weltweiten Markt kann eine derartige Marke enorm vorteilhaft sein, weil sie im Kopf der Segler einen Sonderplatz inneh\u00e4lt. So hat z.B. Taru Tuomi, die mit ihrem Partner Alex auf Blauwassertour unterwegs, ihre <strong>SAILOMAT<\/strong> Anlage lange Zeit als WINDPILOT tituliert, bis ich sie am Ende dezent darauf verwiesen habe, dass dies ihrem Sponsor &#8211; meinem Marktbegleiter &#8211; sicherlich nicht besonders gefallen werde, zumal ich zuvor ihr Sponsering Ersuchen abgelehnt hatte.<\/p>\n<p>Und so schlie\u00dft sich der Kreis f\u00fcr eine bescheidene Erfolgsgeschichte eines international agierendes Unternehmens, das ein Familienunternehmen geblieben ist. Dies ist einem besonderen Wirtschaftsgut geschuldet, das stets nur ein einziges Mal zu verkaufen ist, weil es danach durchaus lebenslang seinen Dienst verrichten kann &#8211; ausser, es wird bei einem kernigen Man\u00f6ver r\u00fcckw\u00e4rts von einer Hafenmauer in Mitleidenschaft gezogen, oder von einem portugisischen Fischer frech gerammt. So sind die ATLANTIK Hilfsrudersysteme der siebziger Jahre fast ausnahmslos auch heute noch im Einsatz und werden zu Preisen am Gebrauchtmarkt gehandelt, die den damaligen Neupreis immer wieder \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Bleibt am Schluss der Geschichte nur noch zu berichten, dass der Deal Schiff gegen Firma  zwischen John und mir ebenfalls nur m\u00fcndlich und mit Handschlag geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Peter Foerthmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WINDPILOT &#8211; DIE ENGLISCHEN WURZELN Die Geschichte der Firma Windpilot seit dem Eigent\u00fcmerwechsel im Jahre 1976 ist hinl\u00e4nglich bekannt, auch weil die Umst\u00e4nde ungew\u00f6hnlich gewesen sind, denn der kurzentschlossene Tausch einer veritablen Segelyacht bei einem Segelt\u00f6rn, gegen den Inhalt einer &hellip; <a href=\"https:\/\/windpilot.com\/blog\/columns\/peter-der-markt\/windpilot\/deutsch-windpilot-die-englischen-wurzeln\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":21060,"menu_order":-10,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9722","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9722"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9722\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33874,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9722\/revisions\/33874"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/windpilot.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}