Hauptgewinn

EIN PLATZ AUF DEM FLIEGENDEN TEPPICH
Es ist 17 schnelle Jahre her, dass ich das Fliegen lernte, allerdings ohne Flügel, wie seinerzeit in Florida, als ich noch in einem anderen Leben weilte, derweil das verpeilte eigene, enteilte. Stets in Eile, habe ich erst spät erkannt, wie der Hase läuft und rennt, dass nämlich, wenn Meister Lampe sich nicht bewegt, das Leben in toto auf der Stelle steht, selbst wenn man verzweifelt Pirouetten dreht. Es ist das alte Lied von Dolores, die bei Dollares um die Ecke wohnt, jenem allseits bekannten Kreisverkehr von Mist verstandenem Zusammenleben, bei dem Regeln immer wieder einseitig verbogen oder missachtet werden, in jeder Art von Verkehr, in dem nur weiterkommt, wer die Ausfahrt nimmt, bevor er im Vorwurfsverschiebebahnhof Staub ansetzt, sodann versauert und die Lebenslust verliert. Ein soziales Gesellschaftsspiel, bei dem verliert, wer nicht die Beine in die Hände nimmt. Es soll Menschen geben, die den langen Lebensrest anschliessend damit verbringen, Vorwürfe in die Höhe zu stapeln … bis sie unter denselben begraben werden. Seifenblasenmenschen oder Menschenbenutzer?
Das Gesellschaftsspiel hat mich viermal am Standesamt zur Unterschrift gebracht, mich unzählige Male mit zusammen gebissenen Beisswerkzeugen die Konsequenzen erdulden lassen, weil meine Grundhoffnung auf Verbesserung einer Beziehung nie verloren gegangen ist, einem Wesenszug von Sanguinikern, der lebenserhaltend ist, wenn oder weil man sich niemals aufgegeben hat. Welchen Sinn macht eine gemeinsame Sprache, wenn man sein Gegenüber nicht zu verstehen bereit und in der Lage ist? Das Schlüsselwort stets: Respekt.

Anamnese


Meine Lebensheldin, meine Mutter, hat ihr Leben allein verbracht, weil es ihr nicht vergönnt gewesen ist, einen Partner auf Augenhöhe auszumachen. Sie hat ihr rasantes Leben stringent nach ihren Begabungen ausgerichtet, von denen ich einige in mir selbst entdecke. So ist sie für mich unsterblich geworden. In schweren Nachkriegsjahren alleinerziehend zwei Jungs zu erziehen, Begabungen zu fördern und alle Lebenstüren zu öffnen, sie sodann mit ruhigem Grundvertrauen ins eigene Leben zu entlassen, ganz ohne mütterliches Klammern oder Besserwissen … ist für mich eine Leistung, die meinen tiefsten Respekt besitzt, die als roter Faden meinem eigenen Leben eingebettet, ihm Sinn verleiht. Altruismus ist eine seltene Gabe, die mit Resilienz als Zwilling durch mein Leben geht, bei Mutter und Sohn … und nun auf dem fliegenden Teppich bei einem Menschen, mit dem ich seit 17 Jahren jede Minute meines Lebens teile, fängt morgens mit der Flüsterfrage an: Bist Du schon wach – spielst Du mit mir? gefolgt von der immer gleichen Antwort: nein! – aber erzähl, was gibt es Neues in der Welt? Und endet gegen 24:00 mit den Worten: bis später dann!
Was dazwischen liegt, sind atemlos rasende Tage voll bis zum Dach, in denen jeder mit Freude seine Arbeit macht, überkreuz den anderen piesackt und korreliert, wobei meine bezaubernde feminine Regierungszentrale liebend gern virtuos Violine auf meinen Nerven spielt, um zwischendurch hintergründig, gleichwohl zuckersüss, nachzufragen: nerv´ ich dich schon? Oder soll ich weitermachen? Lieblingsfrage: Willst Du mit mir diskutieren? Ich lieg´ schon quer!

Dies als Kurzgeschichte, die schon 17 lange Jahre währt, die beschreibt, wie mein Leben plötzlich das Fliegen gelernt, derweil ich auf einem Teppich Platz genommen, mich nur noch festzuhalten hatte, um in Kurven nicht vom selben zu fliegen. Ich bin auf mein Alter Ego getroffen, was aufmerksamen Lesern vermutlich nicht entgangen ist.
Ich schreibe diese Zeilen, um das Schwergewicht meiner Lebensleistung ein wenig zu korrigieren, zu verschieben, zu sortieren, denn der Mann, der ich heute bin, ist das Ergebnis eines symbiotischen Zusammenlebens von zwei Menschen, die vor vielen Jahren beschlossen haben, den Sprung ins Eiswasser zu wagen, ihren Lebensweg zu vereinen, daran zu wachsen, um sodann zu entdecken, dass die Saat aufgegangen ist, was unser Bewusstsein seit Jahren okkupiert. Das Leben läuft wie im Schnellwaschgang, obgleich es alles andere als einfach gewesen ist, in feindlicher Umgebung, die richtigen Schritte zu wählen und sodann, Seite an Seite mit Entschlossenheit, vorzugehen.

Trotz gewaltiger Divergenzen in unser beider wildem Leben, es ist der Altruismus, der uns eint, der ohne Worte verbindet, der uns nach aussen als geschlossene Einheit erscheinen und zur Festung werden lässt – Garantie auf Harmonie!

4 Beine in 2 Ländern


Schicksalhaft, wenn Menschen zusammen kommen, die einander nahe gewesen sind, bevor sie sich getroffen haben, wenn oder weil zwei Seelen ein kongruentes Verständnis von sozialem Umgang, Emphase und Respekt besitzen – bei denen auch das soziale Tiefolot wundervoll funktioniert.

Der Mann, der ich heute bin, ist die Symbiose von zwei Seelen, die jeder für sich jahrzehntelang alleine funktioniert haben, denen bewusst ist, was sie einander verdanken, sich dafür danken.

Weihnachten 26.12.2020
Peter Foerthmann

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