SV Blue Horizon

SV Blue Horizon – Leonie Massmann + Thilo Ernst + Jonas Manke GER

ANFENGERBERATUNG – GEGEN DIE WAND
Am 1. März nun also der zweite Aprilscherz innerhalb von vier Wochen, denn der Mastbruch war ja eigentlich bereits im Januar avisiert. Dabei steht der Mast heute ganz offenbar immer noch! Meine Spannung hingegen ist wochenlang nahezu unerträglich gewachsen, weiss ich doch seit gestern endlich, dass jetzt auch eine Windsteueranlage zu Schaden gekommen sein soll! Ich war vollends elektrisiert! Denn, nicht wahr, im Dezember wurde eine in Lagos installierte Heckverzierung, lediglich vage nur als Autopilot benannt, wird im neuesten Video immerhin, nun bereits sachverständig, als Windsteueranlage erkannt – zu meinem enormen Glück wurde die Marke bislang verschwiegen, womit der Schaden für meine Marke endlich, weil nur wirklich Eingeweihte den besonderen Zusammenhang zwischen den Two-and-a-half-Segelakrobaten und dem Hersteller ihrer Heckverzierung erahnen können oder werden!
Das Ratespiel ist also nun final zu ende: eine Windpilot Pacific krönt das Schiffsende dieser nun vermutlich bald legendären Segelyacht, auf der drei junge selbst erklärte Segelanfenger möglichst viele Fehler machen, um sie geschickt in Videos zu verpacken und sodann per click im Lockdown County zu verkaufen. Sei´s drum, wir haben nun gelernt, der Zuschauer bleibt möglichst dumm, damit das eigene Dreigestirn, im dunklen Merch-Marken-Pullover, dessen Qualität man sich selbstverständlich angelegentlich versichert hat, darum den Kauf warm empfiehlt, umso heller strahlen kann. Denn nicht wahr: man ist hier nämlich möglichst barfuss chillend unterwegs, um Erfahrungen wie Ostereier zu sammeln! Die Medien haben das begriffen und angebissen! Allerdings vielleicht vorschnell, denn der WDR scheint bereits wieder ausgestiegen, weil er vermutlich Kollateralschaden für die eigene Marke – oder gar kalte Füsse? – zu fürchten begonnen hat, oder aber in den Kanaren seine Stunde Null hat erleben dürfen oder müssen, falls das Glück von seinem Platz auf dem Sozius ins Wasser fallen sollte … in Brasilien ja nun wirklich keine so völlig abwegige Sorge …
Für alle anderen sei hier eine kleine Geschichte verdichtet und wiedergeben, die zu erzählen ein wenig mehr über Verhaltens und Vorgehensweise von drei junge Menschen erkennen lässt, die ihre besonderen Findungen von Lebenserfahrungen gegen Entgelt zu verkaufen trachten, gleichwohl ohne selbst Schlüsse daraus zu ziehen, ganz wie der Suppenkasper bei Wilhelm Busch: „Nein, meine Suppe ess´ ich nicht!“

Ich erinnere mich an den ersten Anruf am 08.09.2020, der ging in etwa so:

„Hier ist die SY Blue Horizon, wir befinden uns in Cherbourg und brauchen eine Windsteueranlage“

Meine schnellen Fragen in Bezug auf technische Gegebenheiten auf der Bruce Roberts 38 konnten sämtlich nicht beantwortet werden, darum habe ich schriftlich um Erledigung einiger „Hausarbeiten“ gebeten. Die erste und wichtigste Frage der Gegenseite, wurde bereits am Anfang deutlich beschieden: „Nein, ich war nicht bereit, die Lieferung einer Windpilot Anlage durch Produkterwähnung in Videos bezahlen zu lassen!“
Die elementare Frage nach Vorhandensein einer mechanischen oder hydraulischen Steueranlage wurden mit der klaren Feststellung beantwortet, dass ein hydraulisches System vorhanden sei. Schlussfolgerungen und Konsequenzen wurden sodann sowohl mündlich als auch in ca 20 Mails dezidiert begründet und ausgeführt. Ich habe schliesslich um Fotos der hydraulischen Radsteueranlage gebeten … um am 26.09.2020 dann erstaunt festzustellen, dass die Sachlage eine ganz andere gewesen ist:
es war nämlich eine mechanische Radsteueranlage vorhanden, mit sehr ungewöhnlichen Komponenten: ein ehedem von ZF für BMW produziertes Lenkgetriebe war hier offenbar zweckentfremdet verwendet und montiert worden.
Die folglich ungewöhnlichen Übertragungsverhältnisse mit 5,5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag – sind ausserhalb jeder Norm, mit einer Pendelanlage nur unter Berücksichtigung besonderer Übertragungsverhältnisse zu betreiben, worüber noch Beratungsbedarf bestünde. Die Details sind allerdings nicht weiter erörtert worden, weil nunmehr die Wahl der Pacific möglich wurde … und die Ereignisse sich plötzlich überschlagen sollten. Denn die Dame und die Herren waren zwischenzeitlich nach Lagos PT gesegelt. Die Zeit drängte. Am 26.09.2020 ging es Schlag auf Schlag:
Die Lieferung einer Pacific sollte innerhalb von zwei Tagen erfolgen, die Vereinbarung: Zahlungseingang zuverlässig am Montag den 28.09.2020, dann Übergabe an UPS. Ich habe also am Sonntag einen Arbeitstag eingelegt, das System vorbereitet und eine Montageplatte zur Montage des Radadapters auf einer ungewöhnlichen Radsteueranlage angefertigt – übrigens, ohne dies gesondert zu berechnen. Darf man ja wohl mal sagen!
Das System wurde am 28.09.2020 an UPS übergeben, obgleich der Betrag nicht eingegangen war. Er wurde erst nach Mahnung eine Woche später in Gänze überwiesen. Die Windpilot Anlage wurde in der Folge zweimal durch Europa transportiert, denn ich wurde abrupt aufgefordert, das System unter Erstattung des vollen Kaufpreises zurückzunehmen, weil man vor Ort ein günstigeres System gefunden hatte. Mein Antwort:

Guten Morgen,
in einer Welt, in der Respekt wenig zählt, in der hingegen stets und immer wieder nur die eigene Sache wichtig ist, darüber sogar Umgangsformen vergessen werden, macht es Sinn, eine Geschäftsbeziehung zu lösen, bevor sie angefangen hat. Dummerweise musste dazu ein Windpilot System zunaechst nach Portugal und zurück reisen, um zu erfahren, dass mein Verhalten … nicht einmal eines Dankeschön´s gewuerdigt wird. Eine Erfahrung der Sonderklasse!

Vermutlich wird Ihnen nicht verborgen geblieben sein, was Sie ihrem Gegenüber abverlangt haben! Der Grund fuer diese Mail!

Ich sag´ es deutlich: ich bin seit einem halben Jahrhundert im Wasserbusiness sehr gern zu hause, weil ich mich innerhalb der weltweiten cruising community wie ein Fisch im Wasser fühle. Mir ist gegenseitiger Respekt lebenswichtig, denn, nicht wahr, auf See hat ein Kindergarten nix zu suchen!!

Ich kann Ihnen nur viel Glück wuenschen und gute Entscheidungen auf See, insbesondere eine möglichst steile Lernkurve, damit auf Ihrer Reise nix in die Hose geht … und vor Anker immer genuegend Wasser unter dem Kiel verbleibt, damit die Crew in der Koje nicht in die grausame See rein kippt.

Ich habe € 3.650,00 angewiesen.

Good Luck aus Hamburg
Peter Foerthmann

Gegen den Einbehalt von € 200,00 für Verpackung und UPS wurde erbittert protestiert,

Hallo Herr Foerthmann,
ich wollte ein erneutes mal nachfragen, ob Sie uns erklären könnten, aus welchem Grund Sie ….. ohne Erklärung 200 Euro von den Erstattungskosten abgezogen haben. …
Gerne bezahlen wir 100 Euro … wüssten aber trotzdem gerne wo die übrigen 100 Euro verblieben sind.
LG

Meine Antwort:

Werte Frau Maßmann,
wenn meine Mail vom 27.10.20 Ihr Verständnis nicht erreichen konnte, hier die Aufklärung des Rätsels:

Entgegen Ihrer Auffassung, wurde ein für Ihr Schiff auf Mass gefertigtes System gebaut und geliefert, dessen Rückgabe Herr Manke telefonisch bei mir angefragt hatte, weil er „ein anderes Windsteuersystem“ vor Ort günstig hat erwerben können. Ich habe telefonisch auf die Besonderheiten dieses Auftrags hingewiesen und zugesichert, dass ich über eine Lösung nachdenken werde. Die entsprechende Mail vom gleichen Tag – 09.10.2020 – liegt Ihnen vor.

Wenn ich für die Retournierung € 200,00 fuer Verpackung und Fracht einbehalten habe, empfinde ich dies als Entgegenkommen. Es ist schon bemerkenswert, dass Sie nun offenbar selbst darüber bestimmen möchten, in welcher Höhe auf unserer Seite Kosten für Verpackung und Fracht statt gefunden haben.

Vermutlich eine Erfahrung, die Sie machen müssen.

mit vergleichsweise freundlichem Gruss
Peter Foerthmann

Und so wurde ich unvermittelt zum stillen Beobachter einer weiteren Entwicklung degradiert, wie die drei tapferen Protagonisten ihre weitere Reise bewältigt haben.

Was ich gesehen habe, verursacht Kopfschütteln, weil nahezu jeder Fehler gemacht wurden, dessen Vermeidung im Handbuch sowie meiner Beratung nachzulesen gewesen wäre. Warum sollte ich mein Wissen für mich behalten?

Die Schubstange ist nicht fixiert. Auf Seite 1. des Handbuchs ist deutlich beschrieben: Mutter #156 festziehen und danach ¼ Umdrehung lösen, damit jedes Signal sofort aufs Ruder übertragen wird. Derzeit findet eine Signalübertragung nur ungenügend statt, wie auf nunmehr 2 Videos zu erkennen ist.

Die Leinenübertragung sollte gespannt sein, insbesondere bei langen Übertragungswegen – auf der Blue Horizon liegt eine Leine stets lose an Deck, was auf obigem Video zu sehen ist.

Die Übertragungsblöcke sollten am Schiff fixiert werden, keinesfalls in dünnen Wanten, die den Besanmast halten – weitere Lose ist die Folge!

Die Leinenübertragung zum Rad sollte im Verhältnis 2:1 geschoren werden, damit genügend Drehung am Rad vorhanden ist – derzeit existiert nur 50% der notwendigen Leinenzuglänge – mit nochmals schlechteren Steuerergebnissen.

Wie der Norddeutsche zu sagen pflegt: so … ward´dat nix!

Und nun lege ich mich gespannt wieder auf die Mauer auf die Lauer … und warte auf den Moment, wo im Kopf dieser jungen Menschen die Erkenntnislampe zu leuchten beginnt, sie sich vielleicht selbst einmal im Spiegel fragen werden, ob es sich nicht lohnte, tatsächlich mal auf ernste Ratschläge einzugehen, einen Lernprozess zu durchleben … um am Ende vielleicht sogar festzustellen, dass man des Nachts besser schlafen kann, derweil die Windsteueranlage den Job am Ruder besser erledigen in der Lage ist.

Vielleicht werden sie sich dann plötzlich wieder an die Marke erinnern, die sie infolge unartigen Verhaltens des Herstellers – der Bösewicht hat doch tatsächlich € 100,00 unberechtigt einbehalten! – aus ihren Köpfen verbannt haben … und ihn darob nun schon wieder in Spannung versetzen, indem sie bereits angekündigt haben, dass die Windsteueranlage nun kaputt gegangen sei …

Ich hoffe nach dem zweiten Mastbruch, dass es sich um einen weiteren Aprilscherz handeln möge … Jedenfalls eine Lebenserfahrung der Sonderklasse, die mir in meiner Sammlung bislang fehlte!

01.03.2021
Peter Foerthmann

14 Antworten zu SV Blue Horizon

  1. Thomas SV Carmina sagt:

    Wahnsinn diese Arroganz und Unverfrorenheit dieser Green-Hörner. Sowas ist auch auf dem Wasser und den Ankerplätzen gemeingefährlich. Aber oftmals haben Dummköpfe mehr Glück als Verstand. Mensch Peter, hast Du Nervenstärke!

  2. Hubert Hauer sagt:

    Herr Foerthmann,

    nicht Sie sind der „Buuh“ Mann… sondern die schlichtweg inkompetenten jungen „Burschen“ und „Gören“ welche keinerlei Lebens- oder Geschäftserfahrung besitzen. Wir wünschen diesen jungen Menschen viel Glück auf Ihrer Reise, aber diese Naivität und Blindheit, lässt zu denken…

    Besten Dank für Ihre Berichterstattung… Selbst bin ich begeisterter Segler und werde, sollte es dann nun mal soweit sein, auf Sie zurückkommen, wenn ich meine Ketch für eine Circum gefunden habe.

    Mit besten Grüssen aus dem Süden Deutschlands

    Hubert

  3. UK sagt:

    Verehrter Herr Förthmann,

    durch die Veröffentlichung der Email der Protagonistin Leonie machen Sie sich möglicherweise nach § 206 StGB strafbar und setzen sich ebenso möglicherweise nach den §§ 823, 1004 BGB Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen aus.

    Bitte verstehen Sie dies als gut gemeinten Rat.

    Beste Grüße,

    UK

  4. Thomas SV Carmina sagt:

    @ UK: „Möglicherweise“, vielleicht, ja.
    Aber die entsprechende Jurisprudenz zu § 206 StGB gibt für diesen Fall wenig bis gar nichts her. Und zudem legt auch Peter Teile seiner Korrespondenz offen. Ich hätte das Null Bedenken und würde einer Reaktion völlig gelassen entgegen sehen. Aber wir sollten diese „Möglichkeit“ hier nich eskalieren, denn denen wäre es zu zutrauen, dass sie sich gerade dazu ermutigt fühlen könnten. Bei deren Psychohaushalt nicht unwahrscheinlich.

  5. UK sagt:

    @ Thomas SV Carmina:

    Die Zahl 206 beruht auf einem Tippfehler. Aber ich unterstütze deinen Vorschlag und werde ihn daher nicht korrigieren

  6. Jens Borner sagt:

    Eigentlich ist es doch weniger erheblich, ob durch Veröffentlichung von Korrespondenz einige Paragrafen des StGB oder des BGB verletzt werden, als dass die vernachlässigte, oder besser, nicht vorhandene, videodokumentierte Seemannschaft eine Gefahr für Leib und Leben hervorruft. Auf den Weiten des Atlantik vielleicht nur beschränkt auf das Leben der drei Protagonisten, aber auch deren Leben zählt.

    Ist nicht jeder Segler, Seemann, Besserwissende in direktem Kontakt mit dem Schiff und der Crew aufgefordert zu warnen, zu beraten um Schlimmeres abzuwenden?

    Auch ich habe mehrfach als Konsument der YT Videos überlegt einzuschreiten, da auf dem Weg von der Unwissenheit und Naivität (eigene Feststellung der Crew in einem der Videos) zur Fahrlässigkeit die Stufe des Leichtsinns einfach ausgelassen wurde. Einschreiten wie? Mit einem der immer wieder eingeforderten Kommentare unter den Videos? „Habt ihr Tips? Immer unten reinschreiben“. Um als einzige Reaktionen im Shitstorm der am Rande stehenden, johlenden Fangemeinde gekreuzigt zu werden und im nächsten Video dann die Ansage zu bekommen, die Filme dann doch besser nicht zu schauen, wenn man nicht einverstanden ist?

    Einzelne Hinweise gab es ja bereits, z.B in Bezug auf die Fußbekleidung auf einer Segelyacht, die dann aber in Gegenkommentaren relativiert wurden mit dem Recht auf eigene Erfahrungen. Wobei man in Videos von anderen Jungs auf der anderen Seite des Panamakanals bewundern konnte wie es ist, wenn man sich barfuß an Deck einen Zeh fast abreißt und in einem mexikanischen Krankenhaus wieder annähen lassen muss. Die an Deck gefilmte Blutspur erhöht die vom Publikum erwartete Dramatik. “ Gut gemacht, ihr schafft das schon“. Auf der Blue Horizon wird gefilmt wie blauäugig die Kette beim Ankermanöver durch die Hand geführt wird. Zum Glück ist die Hand dran geblieben, nur die Strandung aufgrund zu geringer Kenntnis zum Ankern war die zu machende Erfahrung in Portugal. Aber deswegen ist man ja unterwegs. Wichtiger noch wird gewarnt, doch bitte nicht ohne Rettungsweste oder Lifebelt an Deck zu arbeiten. Müßig, dieses hier auszuführen.

    Ich kommentiere hier aus der Deckung dieses Blogs und nicht direkt bei YT. Der Klartext von Peter Foerthmann hat mich aber animiert auf diesem Portal meine Gedanken spontan in Worte zu fassen. Obwohl der Mastbruch und der Kurswechsel auf die Kapverden bereits bekannt war, wird auch auf Online-Veranstaltungen des TO die unerfahrene Crew und ihr Mastbruchschicksal als erfahrenswert erwähnt, aber niemand der geballten Kompetenz der versammelten Weltumseglerschaft tritt hervor und empfiehlt dem Unternehmen Einhalt. Ich auch nicht. Weil man die drei bereits als beratungsresistent erkannt hat? Kann man sie, alle volljährig, ihrer eigenen Verantwortung so überlassen? Wer einmal Seeunfallberichte gelesen hat, weiß welche Massstäbe anzusetzen sind. Da sind wir Ostseesegler und auch Atlantiküberquerer auf unseren Freizeitbooten fast immer weit davon entfernt diese zu erfüllen. Diese Crew hier hat aber Seemannschaft nicht auf ihrem blauen Horizont. Eine Ozeanpassage ist kein Dschungelcamp, bei dem die Glastür geöffnet werden und man heraustreten kann, wenn man es dort drinnen nicht mehr erträgt. Eine Rettung für Anfänger ist auf dem Ozean nicht verfügbar, auch nicht, wenn man als Gegenleistung eine Erwähnung in einem Video anbieten würde.

    Ich hoffe, dass es Gelegenheit geben wird, das finale Video der Rückkehr ansehen zu können und bis dahin nicht alles dem Glück überlassen werden muß, dass eine Rückkehr stattfindet. Sich aufs Leben vorzubereiten heisst auch Verantwortung zu tragen. Und wenn man die noch nicht einmal für sich selbst übernehmen kann, wie dann für Andere oder Anderes?

    So eben sehe ich in den Kommentaren unter dem You Tube Video, dass eine polarisierte unsachliche Wortschlacht entstanden ist. Ein Link auf diesen Artikel im Windpilotblog ist ebenfalls geschaltet. Und es geht das Gerücht unter den Kommentierern, dass unbequeme Wortmeldungen gelöscht werden. Das wird in diesem Blog nicht passieren, da bin ich mir sicher.

    Hut ab vorm WDR, der wegen Sicherheitsbedenken die weitere Dokumentation abgebrochen hat.

    Danke Herr Foerthmann, für die immer offene Ansprache von Dingen, die nicht richtig laufen.
    Jens Borner, SY Skokie

  7. Peer Schmidt, Stockholm sagt:

    Ob die Ankunft in Brasilien nun auch mit einer Ankunft in der Realität gleichzusetzen ist, wird die Zeit zeigen, immerhin wurde vor wenigen Stunden als YT Kommentar das Kind beim Namen genannt:
    Michael schreibt: Dass eure Lernkurve nicht sonderlich steil ist, und dass ihr dadurch eventuelle Nachahmer gefährdet, ist in den Kommentaren ja nun oft genug erwähnt und belegt worden. Spätestens aber wenn ihr abgeborgen werden solltet, oder eine breit angelegte Suchaktion auf hoher See, mit Flugzeugen und umgelenkter Berufsschifffahrt (z.B. Frachtschiffe in der Nähe) starten sollte, tretet ihr eine riesige und unglaublich teure Maschinerie los, die eine Menge anderer Menschen unnötig gefährdet. (Im Seerecht gibt es da Verpflichtungen zur Rettung.) Da ihr eure mangelnde Seemannschaft aber in euren Filmen so treffend dokumentiert, wird es dem zuständigen Seegericht ein Leichtes den Skipper zur Rechenschaft zu ziehen und entsprechend scharf zu verurteilen. Natürlich wünsche ich euch nichts dergleichen, finde aber dass dieser Aspekt hier erwähnt werden muss. Bitte diesen Kommentar nicht wieder gleich löschen weil er an euch Kritik übt…

  8. Norbert Schmidt sagt:

    Hallo Herr Foerthmann,

    ich gebe Ihnen recht in der Aufbereitung der Unsäglichkeit mit den Dreien.

    Ich habe bisher eigentlich nur Positives von den Windpilot-Anlagen gehört. Auch unserer Najad 320 werden wir in den nächsten 3 oder 4 Jahren eine solche Anlage spendieren, bevor wir damit auf längere Fahrt gehen.
    Einer elektrisch/elektronischen Alternative traue ich keine jahrelange Stör-Unanfälligkeit zu. Ihre Geräte haben das hingegen oft genug bewiesen.

    Beste Grüße
    Norbert und Raya Schmidt
    SY Selene

  9. Hans L. sagt:

    Lieber Herr Förthmann,
    das ganze erinnert mich irgendwie an die Geschichte von einem mittlerweile verstorbenen Freund. Er wurde als 14-jähriger zum Volkssturm eingezogen und von einem alten, weisen Korporal trainiert. Da sie schon zwei Jahre in einem Internat evakuiert gewesen waren, machten sie begeistert am Training mit. Sie waren alle sportlich, der nette Korporal war ein lange vermisster Vaterersatz und mit ungeladener Waffe Räuber und Gendarm zu spielen mangels echter Erfahrung spannend. Dass der Korporal alle erlaubten und unerlaubten Mittel einsetzte, um einen Fronteinsatz für die Kinder zu verhindern, wussten sie nicht.

    Eines Tages sahen sie in der Entfernung Truppen in ihre Richtung ziehen. Als sie den Korporal ihre Entdeckung meldeten und fragten, ob sie sich jetzt, wie trainiert, zum Angriff formieren sollten, sagte dieser nur: “Buben, jetzt wird’s gefährlich, jetzt geht’s heim”. Zog eine Landkarte heraus, verteilte die letzten Lebensmittel, machte sicher, dass alle das notwendige in den Rucksäcken hatte und teilte sie nach Zielort in Paare ein, damit sie mit höherer Wahrscheinlichkeit gut heimkommen mögen. Das sind sie auch alle.

    Ignoranz ist selten eine Tugend, und ignorant mit einem Boot, das man nicht gut kennt und das möglicherweise dafür nicht vorbereitet ist, auf hohe See zu gehen, selbst wenn es “nur” die “einfache” Barfussroute ist, potentiell suicidal.  Je nach Zynismus- oder Sarkasmusniveau ist das traurig bis ein Versuch den Darwin Award zu erwerben, aber wie schon beschrieben, wenn sich drei Volljährige möglicherweise auf YouTube umbringen, primär ihre Sache. Wenn es dann aber Nachahmer gibt, dann sind die anderen kommerziellen Betreiber (und auch sie selbst als Nutznießer) in der Pflicht, und jeder Segelverein bzw. jede Segelpublikation, die so etwas unterstützt wäre gut beraten, ob selbige mit den Statuten, den Zielen zu vereinbaren ist. Wenn der finanzielle Gewinn dann noch immer den Ausschlag gibt, dann wäre es vielleicht auch noch gut, das mit der Haftpflichtversicherung zu besprechen, weil die könnte sicher Gründe finden, nicht zu zahlen.

    Was aber ganz und gar nicht geht (wurde schon erwähnt), die Verpflichtung, bei Seenot zu helfen, selbst wenn diese grob fahrlässigst verschuldet wurde, kann dazu führen, dass unsere Protagonisten eine weiter YouTube-wirksame Erfahrung machen können, während jemand anderer beim Versuch, sie zu retten, ums Leben kommt. Selbst wenn unsere Protagonisten dafür langjährige Gefängnisstrafen ausfassen, macht das die anderen auch nicht wieder lebendig. Solch menschenverachtendes Verhalten der Protagonisten und ihrer Unterstützer kann man nur ablehnen.
     
    Zum Abschluss noch das Zitat eines englischen Freundes, der lange Yachtmaster Examiner gewesen ist: Das wichtigste  Kriterium bei der RYA Yachtmaster Prüfung ist, ob der Prüfer seinen/ihren Ehepartner oder Kinder beruhigt mit dem Prüfling auf eine Passage schicken würde. Das ist das Niveau, das von einem kommerziellen Skipper erwartet wird und das ist das Niveau, das jemand, der gerne lebt, für sich selbst erreichen sollte, bevor er/sie auf die grosse Fahrt geht.

    Ist ja gut, wenn man Erfahrungen sammelt, aber die richtig schlauen Leute lernen von den Erfahrungen anderer. Je mehr man vorher liest, lernt, Kurse macht, mit kompetenten Leuten spricht und mit erfahrenen Seglern mitfährt, umso schmerzloser wird es. Aber Masochismus ist o.k. solange einem das eigene Leben nicht viel wert ist und solange man keine anderen Menschen durch sein Tun gefährdet.
    Habe die Ehre – und beste Grüsse aus St. Petersburg
    Hans

  10. Peter Foerthmann sagt:

    Koinzidenz, dass Mindelo innerhalb von nur 2 Jahren erneut in den Fokus rückt, denn damals war es ein ungarisch amerikanischer GGR Segler, dessen Namen mir gerade entfallen ist (!), der von Mindelo unter Zuhilfenahme einer erkennbar wohlfeilen weltweiten Presse einen beispiellosen Krieg gegen meine Marke begonnen hatte … weil ihm ganz offenbar der Schneid gefehlt, eigene Versäumnisse bei der Wahl seines Schiffs … zuzugeben. Schon ärgerlich, in der Folge dann zu erfahren, dass weltweite Presseberichte erkennbar lediglich die vom Veranstalter entworfenen Presseberichte mit copy und paste verbreitet haben …. Und die Richtigstellungen eines Hersteller …. Zumindest in Deutschland keinerlei Gehör zu finden schienen. Eine Erfahrung, die fürs Leben prägt und Konsequenzen nach sich zieht. Für mich der Startschuss, mich fortan mit harten Bandagen zur Wehr zu setzen. Wo ginge das besser als im Netz? Unter den 18 verfassten GGR Blogs, die zweisprachig hunderttausendfach gelesen wurden … gehört der folgende Beitrag zu den eindrucksvollsten:

    https://windpilot.com/blog/golden-globe-race/die-segler/istvan-kopar/istvan-kopar-alias-pinocchio/

    Und nun wird mit einer Bugwelle von 35.000 views innerhalb 72 Std die Video Botschaft ins Netz gestellt: Ankunft in Mindelo: Windsteueranlage kaputt!

    Wenn, ob zufällig oder nicht, nahezu zeitgleich die Protagonisten Anerkennung und Reichweite in der Yacht erfahren, sei die Frage nach verantwortlicher Arbeitsweise von Journalisten an eben diese hier nun ebenfalls weitergeleitet, denn recht offenbar hat die Güterabwägung der Gleichung „Content um jeden Preis“ kontra Verantwortung für Inhalte und Auswirkungen in der Leserschaft… das Qualitätsbewußtsein der Blattmacher vermutlich einen Herzstillstand erlitten.

    Der Umgang mit Menschen besonderer Couleur erfordert flexible Vorgehensweisen: ich habe mich innerhalb weniger Minuten zur geforderten Rücknahme der Pacific entschlossen, weil ich nach 6 Wochen intensiver Kontakte ein recht genaues Bild der drei Abenteurer habe gewinnen können. Unschwer zu erkennen, und im Verlauf verschiedener Videos mehrfach artikuliert, soll hier vermutlich eine Situation angedeutet werden, bei der man eigenes Unvermögen am Ende einer Heckverzierung in die Schuhe schieben könnte … um sich eigener Verantwortung, vergleichsweise elegant … zu entziehen? Ein Muster, das keineswegs neu, siehe oben.

    Denn, nicht wahr, es hat sich in der Szenerie herumgesprochen, dass ich auch Segler zu beraten pflege, die eben nicht bei mir gekauft haben, mich gleichwohl gern zu Rate ziehen, wenn es um technische Fragen geht.

    Wenn ich also in meinem Blog dennoch deutlich die Fehler bei Installation und Leinenübertragung adressiere, so erfolgt dies zum Schutz meiner Marke, denn für die Vorgänge und Fehler an Bord der Blue Horizon kann und will ich keinesfalls Verantwortung übernehmen.

    Meine Art von Petergogik!

    Peter Foerthmann

  11. Zum Kommentar von Jens Borner kann man nur noch hinzufügen:

    AMEN!

  12. Markus E. sagt:

    Hallo zusammen,

    bzgl. des Postings von Hr. Jens Borner noch einen kleinen Zusatz:
    Ich war während der Löschungen bei YT online und habe die entsprechenden Beiträge gesehen, bevor sie gelöscht wurden.

    Es war so, dass der Link zu diesem Blog hier innerhalb kürzester Zeit mehrfach von verschiedenen Lesern gepostet und dann (von BH) gelöscht worden ist. Irgendwann haben die anscheinend gemerkt, dass sie nicht dagegen ankommen und waren somit praktisch gezwungen, den Link drinzulassen, da es schon einige Unmutbezeugungen bzgl. der Löschungen gab. Die nächsten Löschungen gab es dann innerhalb der folgenden Kommentare, was im weiteren Verlauf ebenfalls gelassen wurde. Wenn ich Kommentare zulasse, muss ich damit leben, wenn auch Kritik kommt. Kommentare zu löschen, die mir nicht passen, funktioniert in Netz nicht so gut.

    Augenscheinlich wird deutlich mehr Wert auf die Kommentare gelegt, als auf eine Verbesserung der Seemannschaft. Ich frage mich inzwischen nicht mehr ob, sondern wann und wie das Ding an die Wand gefahren wird.

    Klar geht immer mal etwas kaputt (gerade bei längeren Schlägen). Das sind aber in der Regel Schäden, die nicht oder kaum durch vorherige Wartung und Vorbereitung auszuschließen sind. Kommt so etwas alleine, kann man meistens noch etwas tun. Wenn zu diesen Schäden dann noch Unvermögen, Besserwisserei und Beratungsresistenz hinzukommt, wird es halt irgendwann eng und geht schief.

    Schönen Gruß
    Markus

  13. Ein paar Gedanken, die über die rein seemännisch zu kritisierenden Dinge hinausgehen und die gesellschaftlich-erzieherischen Ursachen dieses Fehlverhaltens beleuchten sollen:

    Diese drei jungen Seefahrer auf der BLUE HORIZON zeigen mit dem enttäuschenden Ergebnis ihrer Seefahrt einmal mehr, was dabei rauskommt, wenn in einer jugendorientierten Gesellschaft mehrere Jahrzehnte lang beim Heranziehen des Nachwuchses darauf verzichtet wird, langfristig angesetztes Lernen und selbstkritisches Denken als eine absolute Notwendigkeit zu betonen. Ozeansegeln lernt man nicht mal nebenbei an ein paar Wochenenden wie Kitesurfen.
    Hinzu kommt, dass viele – vielleicht die meisten – unserer Nachwachsenden in einem Cocon aufgewachsen sind, in dem um Himmels willen möglichst selten Kritik am Fehlverhalten der Heranzuziehenden formuliert werden durfte/darf. Und wenn, dann nur mit Samthandschuhen. Denn sonst könnte ja die Entwicklung der Selbstfindung und des Selbstbewusstseins behindert werden. Die Konsequenz: Wir werden mit einer wachsenden Zahl von jungen Leuten konfrontiert, deren Wissen, Sachkompetenz, Fähigkeit zur Selbstkritik und Achtung vor verdienten Mitmenschen zwar oft nur schwach bis mittelmäßig entwickelt ist, die aber mit umso größerer Selbstsicherheit massive, meist unsachliche Kritik und oft unverschämte Forderungen gegenüber denen formulieren, die – wie sie meinen – „die Karre in den Dreck gefahren haben“. Schuld sind immer die anderen…

    1968 (Kennen unsere jungen Leute überhaupt die Umwälzungen und deren Ursachen, die damals unsere Gesellschaft veränderten?) war gesellschaftlich ohne Zweifel notwendig, um verkrustete Autoritätsstrukturen, die oft nicht auf Kompetenz beruhten, sondern auf manchmal willkürlich ausgeübter Macht und Amt, zu beseitigen. Aber der entscheidende pädagogische Fehler war es, zu vergessen bzw. nicht wahrhaben zu wollen, dass erfolgreiches Lernen, menschlich genauso wie sachlich-kognitiv, dann am besten funktioniert, wenn die Lehrenden/Erziehenden einen Erziehungsstil anwenden, der sicherlich auf feinfühliger Mitmenschlichkeit und gegenseitigem Verständnis und Achtung, aber auch auf überlegenem Sachverstand und dadurch anzuerkennender und zu praktizierender Autorität beruht.

    Oder um es kürzer zu formulieren: Seit etwa einem halben Jahrhundert gibt es viel zu viele „Eltern“ und Lehrer, die erzieherisch konfliktscheu und/oder einfach nachlässig sind.
    Man sollte nicht von Erziehungsberechtigten sprechen, sondern von Erziehungsverpflichteten.
    Nein, das sind nicht die Stammtischparolen eines Weißhaarigen, dessen Denken seit Jahrzehnten verkrustet ist, sondern der Extrakt von 40 Jahren lebendiger Erfahrung als Erzieher und ebenso langem Fahrtensegeln mit mehr als 150.000 Meilen im Kielwasser zwischen Cuxhaven, Stornoway, Gibraltar und Havanna als Skipper.

  14. Martin Trockels sagt:

    Lieber Herr Förthmann,
    Mit viel Sympathie denke ich an unseren Austausch und Ihre Sicht der Dinge zum Thema „Monetarisierung des Segelsports“ – es wird immer schlimmer. Meine Frau ist häufiger digital unterwegs und verfolgt auch gelegentlich Ihren Blog.

    War bereits die Anfrage der SY Blue Horizon, sagen wir mal „keck“, so entwickelt sich die Geschichte dann erwartungsgemäß. Sie, lieber Herr Förthmann, haben vermutlich die größten finanziellen Sorgen hinter sich und sicher haben Sie ein großes Herz für Segler. Auch für Segler und Seglerinnen mit eingeschränktem Budget. Auch für Anfängerinnen und Anfänger. Viele „große“ Segler haben so angefangen, Lehrgeld bezahlt und nun eine eindrucksvolle seglerische Vita. Wenn sich aber dumm zu dreist gesellt, so können einem diese Menschen eigentlich nur Leid tun – nein, auch das nicht. Und diese Tendenzen treten ja nicht nur bei YouTube auf, wir sprachen auch über bekanntere Personen, Organisationen und Verlage. Diese Tendenzen mehren sich überall.

    Hier handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem und ich finde es wohltuend, dass Menschen wie Sie aus einer souveränen Position heraus eine klare Meinung dazu positionieren.

    In die allgemeine Kommunikation im Rahmen der YT Kommentare möchte ich mich nicht einbringen, dazu ist mein Leben zu kurz. Mein Vater sagte immer „Versuch nicht einem Doofen zu erklären, dass er doof ist“ – das hilft mir noch oft.

    Ich möchte einfach die Gelegenheit nutzen, um mich nach nunmehr einem halben Jahr bei Ihnen zu bedanken. Sie haben mit Ihrem Unternehmen sicher keine „Billigbude“. Wir sind jedoch mit Preis und Leistung zufrieden und uns im Fall der Fälle Ihrer Hilfe gewiß. Vielleicht wende ich mich auch mal mit Bitten um diesen oder jenen Tip an Sie, mag schon passieren. Ansonsten denke ich, dass es läuft, oft hilft auch gucken und denken….

    Ihnen und Ihrer Frau beste Grüße und do widzenia, bald auch wieder von Bord. Dann, nach dem vergangenen Jahr in Dänemark, Schweden und Polen, hoffentlich endlich auf Kurs Süd

    Helena und Martin Trockels

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