VIA 42

EIN BESONDERES SCHIFF MIT GESCHICHTE

Die Welt ist gross, die der Schiffe dagegen winzig klein. Ich habe in meiner Agenda ca 3.850 verschiedene Schiffstypen abgespeichert, deren Daten, Masse, Fotos in Form eines Systemcodes plietsch erfasst, die mir die tägliche Arbeit erleichtern helfen, wobei wiederkehrende Schiffsdamen, ohne gross zu suchen, bereits in meiner durchbluteten Festplatte abgespeichert sind – kuck ich schon gar nicht mehr hin. Darunter die ganze Range weltweit bekannter Werften, deren Serienbauten – zunehmend – mit eleganten Heckverzierungen ausgestattet werden, womit mein Erwerbsmodell aufrecht erhalten wird – meine derzeitige Rente von € 166,00 aufgestockt und mein Lebensunterhalt gesichert wird, weil geräuschlose Steuerautomaten – ganz ohne die Umwelt durch Feinstaub oder Stickoxyde zu verpesten – Ressourcen schonend – zudem nahezu endlos haltbar, immer besser unserem Zeitgeist zu entsprechen scheinen. Ich wundere mich schon lange, dass mir noch nie eine goldene Umweltschutz Plakette verliehen worden ist, aber ich weiss natürlich, dass Politiker in einer pups-kleinen Hinterhof Schrauber Werkstatt nicht mit ihre Dienstlimousinen unter Kamera Gewitter einfahren könnten, weil sie mit den Spiegeln in der Einfahrt hängenbleiben würden, zumal die Bodyguards sich seitlich an den Fliesen vorbeizuschieben hättn. Es gibt einfach Situationen im Leben, da muss man tapfer sein und in Ruhe und Gelassenheit sein Schattendasein weiter führen, eine sehr besondere weltweite Cruising Community abseits der breiten und lauten Öffentlichkeit – einer stetig Atem losen Presse – oder der Daumen drehenden Social Sofa Community – mit Steuersklaven zu versorgen … und sich darüber seines Lebens zu erfreuen. So wie ich.

Quo vadis Bootsbau

Es hat sich, auch das ist kein Geheimnis, herumgesprochen, dass ich im Verlauf von Jahrzehnten viele Schiffe näher kennenlernen konnte, manchmal musste. Dies nicht nur durch meine eigenen 46 Schiffe, die ich teils selbst gebaut, vielfach, auch schon mal der Knete wegen, während meines Studiums, aufgefixt oder restauriert, verschiedene andere dagegen importiert, überführt, beim Zoll artig meinen Diener machend, um sie am Ende wieder – frisch gewaschen, gebügelt und gefönt – auf dem Markt anzubieten … ach ja, auch gesegelt habe. In meinem Leben galt der Normalzustand, dass ich zumindest zwei Schiffe zeitzeitig besessen habe, ganz ohne dabei nervös zu werden, weil der Zustand als Reeder für Segler doch ansonsten auf der Seele drückt, wenn sie einen Altschwan nicht subito haben verkaufen können. Bei mir war das Gegenteil der Fall, vermutlich mag manch einer gedacht haben wird, dass Schiffe für mich als Phall kompensatorisch für anderweitige Persönlichkeits Störungen herhalten mussten. Ich darf an dieser Stelle an Meineides statt versichern, dass Schiffe für mich schlicht einfach nur weiblich sind, ganz ohne Hintergedanken.

Die berufliche Beschäftigung mit Schiffen jeder Couleur, hat in meinem Kopf Spuren hinterlassen, deren Auswüchse – oder Ergüsse? – hier im Blog nachzulesen sind. Eine deutliche Meinung als Ergebnis Jahrzehnte langer Erfahrungen, die schon mal polarisieren kann, was ja der Sinn und Zweck der Übung ist. Denn der laute Mainstream verspricht durch Print und Online als Posaune, dass die Entwicklung in Bezug auf Schiffe von morgen … weiter geht, natürlich gänzlich ohne kommerzielle Hintergedanken. Vorsicht Sarkasmus, nur für den Fall, dass hier ansonsten allzu leicht ein Mistverständnis um die Ecke schielte.

Jedenfalls hat sich ganz still und leise ein Bodensatz in Bezug auf schwimmende Schwäne in meinem bald weissen Kopf versammelt, den ich mit Wonne artikuliert, der im Verlauf etlicher Jahre viele Segler weltweit begeistert hat. Erst kürzlich wurde meine Analyse weltweiter Trend Yachten vom vierfachen Weltumsegler Paar Veronika und Wolfgang Wappl AT als PURES GOLD bezeichnet. Ist es schon verdächtig, so etwas hier zu äussern?

SV Imagine – Veronika + Wolfgang Wappl AT

Ich schleiche mich ans Thema ran: die besonderen Schiffe, die gestern und heute noch begeistern, weil sie zeitlos, solide, für härtesten Einsatz selbst nach Jahrzehnten noch für neue Abenteuer bereit, uneingeschränkt seetüchtig sind.

So bin ich seit kurzem mit Antonin Barrier in Verbindung, der vor wenigen Jahren ein in Deutschland recht bekanntes Schiff aus dem Dornröschenschlaf an der Französischen Reviere erweckt, und seither ein Atem beraubendes Refit im DIY Verfahren auf die Beine stellt, das er auf seinem YouTube Channel online stellt.

Die SV Mirabelle, eine unerhört solide Aluminium VIA 42, einer vor 35 Jahren in Frankreich als Rundspant gebauten Kielschwert Yacht aus einer Werft, die vermutlich infolge ihrer soliden Bauweise am Ende den Kampf gegen eine übermächtige Konkurrenz preislich verloren hat.

Das Schiff wurde für mich zum Deja Vu, weil ich vor 30 Jahren eine Pacific für die damals noch unter dem Namen SV Octopus bekannte Yacht meiner Freunde Astrid und Wilhelm Greiff ausgerüstet habe. Die beiden haben im Rahmen der Europa 92 mit Jimmy Cornell die Welt umsegelt, beide sind seither der Firma World Cruising treu geblieben, deren deutsche Vertreter sie bis heute sind.

Die SV Octopus wurde als Kasko erworben und im DIY Verfahren anschliessend ausgebaut. Mit Astrid und Wilhelm habe ich nach ihrer Rückkehr in Deutschland die Blauwasser Seminare ein- und 7 Jahre durchgeführt. Zu jener Zeit ist sogar Wilhelms Jagdhund bei kalte Temperaturen im Windpilot T-Shirt an der Loreley durch die Felder gelaufen.

Blauwasser Seminare

Unter ihrem neuen Eigner Antonin wird das Schiff unser seinem neuen Namen SV Mirabelle – ja hier kommt die Marmelade ins Spiel – im Mai 2019 Kurs auf die Nordwest Passage nehmen, weshalb sie komplett entkernt und sodann isoliert und für kalte Regionen vorbereitet wird.

Die alte Pacific liegt derzeit auf dem Wohnzimmertisch, wurde seziert, mit neuen Lagern versehen, und für die kommenden Herausforderungen vorbereitet. Immerhin hat das System im Verlauf seiner bisherigen Lebenszeit ca 150.000 sm aktiv zum Segelvergnügen – oder geruhsamem Schlaf seiner Besatzung – beigetragen.

Die VIA wurde in verschiedenen Grössen gebaut, viele davon sind unter Windpilot Systemen unterwegs … bis heute, obgleich die Werft bereits seit Jahrzehnten nicht kehr existiert.

Diese Schiffe zählen zu den gesuchten Schätzen am Gebrauchtmarkt, wobei man sich an den meist im DIY Verfahren möblierten Schiffen nicht stören sollte. Ein auf Rundspant gebautes Schiff solidester Bauart ist heute immer noch ein Leckerbissen.

Peter Foerthmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.