Servicewüste GER

FREMDFIRMEN TAGESPAUSCHALE GETARNT ALS FALLE

Wenn ich nach 43 Jahren in meiner windigen Pilotenfurche, schon erheblich ergraut, nicht nur in den Haaren, sondern auch an Erfahrungen, im Verlauf der Jahre viele witzige, humorvolle Geschichten verdichtet und aufgeschrieben habe, mir dadurch Lebenserfahrungen Haufen weise zusammen gekehrt bzw. gesammelt habe, so sind es stets menschliche Geschichten, die als Mistverständnisse getarnt, unterschiedliche Meinungen offenlegen, derweil sie als spitze Ellenbogen plötzlich vor der Nase liegen. Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt, dieser Spruch ist Oma´s Kaffeesatz, wenn es mal wieder kracht und keiner lacht, weil der Humor wieder mal keine Überstunden macht.

Bei Frauen werde ich schwach. Das war gestern, denn seit jener Schicksals vollen Begebenheit auf den Stegen in Las Palmas, als mich die englische Skipperin einer veritablen Yacht, mit dem Glas Champagner in Obacht, mich angelegentlich und in ssteiffem English distinguiert aufgefordert hatte, unter Deck doch bitte auch nochmal den Motorölstand zu kontrollieren, derweil ich am Heck nur an der Heckverzierung schrauben wollte, hat es in meinem Kopf KRAWUMMM gemacht! Respektvoller Umgang rückt seither zunehmend immer mehr in meine Lebensmitte, wird er verweigert, werde ich störrisch … ganz wie der Esel … ohne Worte. IAAAA!

Nein, ein Prinzipienreiter bin ich nicht, ich kenne meine Pflichten, versuche mein eigenes Regelwerk zu finden, ohne mich daran sklavisch zu binden, um mein schlingerndes Lebensschiff nicht auf das nächste Menschen Riff zu setzen. Meine Kolumnen Peter und der Markt sind voller selbsterlebter Geschichten, die ich heute selber kaum glauben mag, obgleich ich sie erlebt, bezahlt und Analyse technisch verdaut und verarbeitet habe, ganz ohne in Stundensätzen an der Kasse zu bezahlen. MERKE: In einer guten Partnerschaft – muss ja nicht gleich zwingend die Ehe sein – ist Püschoanalüse ein Kollateral Bonbon, den man als laufendes Autoupdate auf zwei entzückenden Beinen immer an der Seite haben kann – zumindest wenn das Paar paarweise funktioniert. Der Blick wird dann zwingend stetig schärfer, ergo die Sicht auf den Horizont freier, weil nicht mehr so viele Menschen quer im Wege stehen. Eine Lebensweisheit, bei der falsche Freunde schnell im Regen stehen, weil sie gescannt, enttarnt, ihren Sand fürderhin nur noch ins eigene Lebens Getriebe zu streuen, in der Lage sind. Lebensweisheit, selbst entdeckt!

Wobei meine Frau und ich gemeinsam jederzeit unsere Regeln über den Haufen werfen, wenn uns danach ist. Zwei Beispiele kommen mir dabei sofort in den Sinn. Beide Male haben Damen unser System korrumpiert.

Die spannende Geschichte der rothaarigen Pistenlilli aus Tirol, Stephanie Seifert AT, die auf dem Wasser ganz besondere Erfahrung machen wollte, ist in diesem Blog nachzulesen. Stephanie kam zu uns, sah´ und besiegte unsere Herzen im Handumdrehen, wir haben am gleichen Tag das Heck ihrer Makaio zu Dritt perforiert. Ihre Erlebnisse wurden kürzlich zu einem Bestseller verdichtet, der in Talkshows von der grossen Blonden mit den weit aufgerissenen Augen beworben wurde. Allerdings wurden Namen im Buch ganz konsequent ausgewechselt, nur der Name der Windsteueranlage nicht. Im Buch heisse ich darum Jörn und meine Frau Carlotta.

Mit Astrid Lingnau lag die Sache ähnlich, wenngleich ohne Bestseller, wobei der weitere Verlauf sich enorm unterscheiden sollte. Auch Astrid ist auf unseren Hof gefahren, hat unsere Menschlichkeit erobert und gekobert, sodass wir uns entschlossen haben, mit ihr gemeinsam die vier Angst erregenden Löcher in ihren Achtersteven zu bohren, den vom Schiff natürlich, falls hier jemand eingeschlafen sein sollte.

Ein kleiner Ausflug an die Küste ist Zucker für die Seele, vor allem, wenn man nach einem langen Winter die grausame See lange nicht mehr gesehen hat. Wer hätte denn ahnen können, dass der Schnee waagerecht zwischen den Schiffen flitzen sollte? Zum Glück brauchte es nur wenige Minuten, um vier Löcher zu bohren und so konnten wir uns schnell wieder ins warme Auto flüchten.

Unser Freundschaftsdienst allerdings bekam eine besondere Würze, als wir Tage später, eine Rechnung über € 200,00 zzgl. Mwst erhielten, wir somit für das Bohren pro Loch € 50,00 als sog. Fremdfirmen Tagespauschale bezahlen sollten, wohlgemerkt für einen privaten Besuch, der dem Hafenmeister angekündigt wurde.

Es entwickelte sich ein vergnüglicher Schriftwechsel, dessen Inhalt aus Gründen der Rücksichtnahme auf lebendige Homunkulusse hier anonymisiert wiedergegeben wird, was die Lektüre hoffentlich nicht schmälert.

AUS DER SERVICEWÜSTE DEUTSCHE KÜSTE

Peter Foerthmann:

Geehrte Werftleitung,
Ihre Rechnung empfand ich bereits als verwunderlich, weil sie weder sachlich noch inhaltlich zutreffend ist. Ihre Mahnung empfinde ich gar als Chuzpe … und ist Grund für diese Zeilen.

Zur Klarstellung: wenn Sie eine private freundschaftliche Geste als Grund zur Rechnung Stellung einer Fremdfirmen Tagespauschale verwenden, wäre ein entsprechender Hinweis Ihres Hafenmeister sinnvoll gewesen, zumal er vor Ort gewesen ist, um Ratschläge zu geben.

So jedenfalls wird die Werbe Etikette von Segler´s Freunden zur Farce. Der Rechnung Stellung wird hiermit widersprochen.

mit leicht irritiertem Gruss
Peter Foerthmann

Die Replik erfolgte stantepede:

Sehr geehrter Herr Foerthmann,
vielen Dank für Ihre freundlichen Zeilen.
Sie haben unser privates Werft Gelände betreten und um dort arbeiten aus zu führen. Wie es allgemein üblich ist, meldet man sich in solchen fällen persönlich an.
Wie Sie unserem Namen entnehmen können beschäftigen wir uns als Werft mit allen Angelegenheiten rund ums Boot. So auch mit der Montage von Windfahnensteuerungen.
Verständlicher Weise leben wir nicht von Fremdfirmen, die auf unserem Grund und Boden Montagen vor nehmen.
Da Ihnen vorher bewusst war, dass Sie zu uns kommen werden, wäre es Ihre Plicht gewesen uns in Kenntnis zu setzen und sich nach den örtlichen Gepflogenheiten zu erkundigen. Dies ist unabhängig davon, ob Sie von einem meiner Mitarbeiter am Tag der Montage gesehen worden sind. Schon gar nicht entbindet Sie das von der Verpflichtung sich an zu melden.
Was würden Sie davon halten, wenn ich in Ihrem Vorgarten meinen Limonadenverkaufswagen aufstelle und Limonade verkaufe. Dann würden Sie mit Sicherheit das Argument, Ihre Frau hat doch gesehen, wie wir aufgebaut haben, wieso schreiben Sie mir jetzt eine Rechnung?
Bitte verstehen Sie uns nicht falsch, aber wir müssen die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter schützen. Des Weiteren arbeiten wir in vielen Bereichen, sehr erfolgreich mit Fremdfirmen zusammen.

Wenn wir zum Beispiel in der Ancora Marina oder in der Baltic Bay arbeiten, müssen wir uns jedes Mal anmelden und auch dort eine Pauschale entrichten.

Zur Farce wurde das Ganze, nach dem wir die Anlage bei Ihnen angefragt hatten und Sie dann anschließend die Windfahne direkt an den Endverbraucher verkauften.

Da Ihnen diese branchenüblichen Umgangsformen nicht geläufig scheinen, sollten Sie sich hier besser vorab informieren. Sollten Sie wieder einmal die Absicht haben, auf unserem Gelände Montage vor zu nehmen, möchte ich Sie bitten, sich persönlich mit ausreichend Vorlauf bei uns an zu melden.

Die Rechnung hat Bestand und ist umgehend zu bezahlen. Ihnen einen schönen Wochenstart.

Mit freundlichen Grüßen
yours sincerely
Werftleitung Unterschrift

Die Korrespondenz entwickelte sich stetig weiter:

Moin Herr ….,
ich erkenne, dass wir auf unterschiedlichen Verständnis Inseln leben, alternativ Ihr Schreibtisch zu weit entfernt ist von den Gegebenheiten auf Ihrem Hafengelände, darum in Stichworten:

Frau L… hatte beim Hafenmeister das Kommen von Freunden angekündigt – das waren meine Frau und ich.

Ein Lieferanfrage für eine N…. haben wir nicht erhalten, statt einer Farce also eine Fata Morgana?

Wenn Ihr Hafenchef uns dann aufklärt, dass er das System NEBEN die Badeleiter, anstatt mittig montiert hätte …. kann man die Eignerin nur beglückwünschen, dass sie Freunde hatte, die dies verhindert haben.

Das Ganze hat weder mit Limonade noch mit branchenüblichen Umgangsformen zu tun, es ist, mit Verlaub, ein Offenbarungseid den Seglern und Kunden gegenüber, die hier in die Fänge von Service Unternehmen geraten, die die Bezeíchnung von Seglers Freunden irgendwie Mist verstanden haben.

mit freundlichem Gruss
Peter Foerthmann

Gefolgt von einem Hausverbot als drakonische Strafe:

Sehr geehrter Herr Foerthmann,
zwischen uns liegen Welten. Wir versuchen Ihnen sachlich zu erklären, warum wir mit fremden Firmen (freunde haben wir auch überall) so verfahren. Kommen Sie einfach nicht zu uns, dann müssen Sie sich auch nicht an unsere Regeln halten. Sie sind zu uns gekommen.
Ihre persönlichen und unqualifizierten Bemerkungen senken höchsten Ihr Niveau ändern aber nichts an den Tatschen.

Sie können doch gern bei Ihrem Standpunkt bleiben und die Rechnung, die Sie ja nun zweifelsfrei erhalten haben, nicht bezahlen. Diese durchläuft bei uns einen Automatismus und landet am Ende in der Rechtsabteilung.

Wir möchten Sie noch bitten davon Abstand zu nehmen unser Firmengelände erneut zu betreten. Ich erteile Ihnen hiermit Hausverbot.

Mit freundlichen Grüßen
yours sincerely
Werftleitung Unterschrift

Am Ende Ratlosigkeit, Resignation und Verzweiflung:

Verehrte Werftleitung,
ein Schriftwechsel mit Unterhaltungswert, weil ein Werftinhaber sich hier coram publico blamiert und mit stolz geschwellter Brust – allerdings ohne es selbst zu merken – seinen Limonadenwagen auf´s Abstellgleis laviert – weil ihm Begriffe wie Nivau vermutlich fremd – Vorsicht: kein Schreibfehler! – er sich am Ende ohne Hemd, Hose oder Ehre, in seinem Hafen voller Leere, wieder findet, um zu erkennen, dass „Seglers Freunde“ nur eine Camouflage gewesen ist, derweil kluge Segler reihenweise abgehauen sind, bevor sie infolge von Automatismus Ihrer Rechtsabteilung als Futter zum Fraße vorgeworfen werden.

Nee Herr …: so ward´ dat nix!

Habe die Ehre – lieber nicht – so bleibt mir am Ende nur, Ihre Rechnung in der Anlage zur Entlastung zurück zu senden, und in Zukunft ein toxisches Hafen Gelände zu umfahren …

yours sincerely, allerdings nur, um Ihren Zynismus zu zitieren …
Peter Foerthmann

Nun bleibt mir am Ende nur, den Leuten von TOM TOM den dezenten Hinweis zu geben, das betreffende Hafengelände bitte als Sperrzone für freundliche Besuche unter Seglern zu schraffieren, weil man dort ansonsten nolens volens virtuell in Ketten gelegt oder von Rechnungen verfolgt wird, wenn man zufällig in der falschen Branche sein Geld verdient.

Eine X-Mas Geschichte der besonderen Art, aufgeschrieben von
Peter Foerthmann

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