Krzysztof Baranowski

ZWEI LEGENDEN UNTERWEGS – NEIN DREI!
Vor wenigen Wochen erreichte mich ein Hilferuf aus Polen, ob ich wohl bitte – selbstverständlich gegen Berechnung von Zeit und Kilometern! – einmal zum Marina Club 70-800 Szczecin kommen könne! Man habe bei der Montage einer Windpilot Anlage an der SV Polonez einige Fragen und Probleme, die man gern gemeinsam mit dem Hersteller erörtern möchte. 800 km Fahrt, mitten im Hochsommer? Ich war neugierig und habe zunächst versucht, den Grund für meine Konsultation in Erfahrung zu bringen. Schwierig! Immerhin ungewöhnlich, weil Beratungen vor Ort in Polen selten, weil technische Zusammenhänge recht einfach elektronisch zu klären sind. Zudem: ich hatte keinerlei Fotos der Montage erhalten, was mich ansonsten stets zum sofortigen Kommentar veranlasst hätte. Ganz offensichtlich also Klärungsbedarf!
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: die Polonez, in den siebziger Jahren in Sperrholz formverleimt gebaut, erreichte in Polen Kultstatus, nachdem Krzysztof Baranowski im Jahre 1972 bei der OSTAR teilgenommen und nach der Ankunft in Newport R.I. sogleich weitergesegelt ist, um seine erste Weltumsegelung am 24.06.1973 in Polen zu vollenden. Damals eine Sensation, die durchs Land gegangen ist.
Nach einem aufregenden Leben mit unzähligen Ausbildungstörns für den polnischen Segelnachwuchs landete die Polonez, sichtbar erschöpft als bedauerliche Hulk, in einer Hafenecke von Szczecin, wo sie zur Versteigerung ausgerufen war.
Was vermutlich nur wenige geglaubt haben, aber das Wunder wurde Wirklichkeit: ein polnischer Investor hat der Polonez zur Wiederauferstehung verholfen, er hat auf der Versteigerung zugeschlagen.
Danach wurde sie komplett revidiert und bis zu den Mastspitzen auf´s modernste aufgerüstet, Waschmaschine, Eismaschine, Innensteuerstand inklusive, Rigg und Gardinen, neue Techniksysteme sowieso. Das prachtvolle Ergebnis war bereit für ein neues Leben, die Polonez wurde im Mai 2021 den Fernsehkameras und der Öffentlichkeit vorgeführt: ein Schiff im Neuzustand, über die Toppen geflaggt, viele uniformierte Würdenträger mit Messingknöpfen und weissen Mützen, ein bewundernswertes Investment, das allseits Ehrfurcht volles Erstaunen hervorgerufen hat.
Im Februar 2019 hatte mich die ausführenden Werft in Szczecin kontaktiert, als für die Bauüberwachung zuständig wurde Krzysztof Baranowski (geb. 1938) benannt, nationale Legende mit schillerndem Lebenslauf. Krzysztof, zweifacher Solo Weltumsegler hat in seinem Leben etliche Rahsegler gebaut und in Fahrt gebracht, als Kapitän unzählige Landsleute von jung bis alt für das Segeln begeistert.
Ich hatte Krzysztof zuletzt vor 20 Jahren in Brunsbüttel getroffen, als er zu seiner zweiten Einhand Weltumsegelung ( Oktober 1999 – August 2000 ) mit der Lady B aufbrechen wollte, und wir im Schleusenhafen eine Windpilot Anlage montierten.

An der Polonez war seinerzeit eine Aries montiert, die auf die Pinne arbeitete. Darum war mein erster Rat, hier eine Pacific einzusetzen, die auch für mechanische Radsteuerung bestens verwendbar wäre. Allerdings wurde vom neuen Eigner dann eine Pacific Plus favorisiert, geordert und geliefert. Es folgte Funkstille bis zu jenem Tag, im Juni 2021, als ich gebeten wurde, vor Ort in Polen meine Ratschläge zu erteilen. Ein paar schnelle Nachfragen später war zu erfahren, dass man sich im Baufortgang für eine hydraulische Steuerung entschieden hatte, vermutlich, weil man einen inneren Steuerstand als wichtig befunden hatte. Für das Funktionieren einer Windpilot Anlage eine komplett andere Situation, deren Details ich an anderer Stelle beschrieben habe. Und erkennbar der Grund für einen Konflikt.

Vermutlich ist es mangelnder Kommunikation geschuldet, dass hier seitens der Bauausführung der Werft, die den Anforderungen und Wünschen eines Eigner a priori folge zu leisten hatte, keine weitere Rücksprache mit dem Hersteller der Heckverzierung gegeben hat. Jedenfalls wurde die Polonez vor laufenden TV Kameras an den Eigner übergeben, um anschliessend von Krzysztof Baranowski und einer Crew erfahrener Segler zu den Kanaren überführt zu werden. Allerdings hatte man scheinbar ein Problem, die Heckverzierung in Betrieb zu setzen! Wir haben dann vereinbart, die Probleme in Kiel Holtenau zu besprechen.

Es wurde ein Treffen der ganz besonderen Art, denn immerhin befindet sich die Firma Windpilot seit vielen Jahren anteilig in den Händen einer polnischen Eigentümerin, die zudem über das Leben und Wirken der berühmten Segler Legende Krzysztof Baranowski aller bestens informiert, bereits viele seiner Bücher gelesen hatte ( Krzysztof Baranowski ist Autor von 20 Büchern, darunter etliche Fachbücher über Rahsegler ). Auch in den polnischen Medien war und ist Krzysztof seit Jahrzehnten überaus präsent, zumal er als Segelhero, Journalist und überaus attraktiver Mann an der Seite einer bekannten Fernsehjournalistin auch gesellschaftlich im Fokus der Öffentlichkeit gestanden hat.

Polonez und Krzysztof, zwei Legenden, die wir einträchtig in Holtenau im Schleusenhafen angetroffen haben. Was für ein Gespann! Ein wundervolles Schiff, solide und stark für alle Wetter gebaut, im Neuzustand ausgerüstet … und ein Skipper im Alter von 83 Jahren, der sich mit federndem Schritt behende wie ein junger Mann an Bord bewegte, der in sich ruhend, sein Gegenüber aufmerksam beobachtet … bevor er mit leiser Stimme das Wort erhebt.
Die dritte Legende sollten wir kennenlernen: Krzysztof´s lebenslanger Freund Oberstleutnant Maciej Ostrowski, bekannter Flug- und Segelmeteorologe, Verfasser von Lehrbüchern und Experte für Flugunfalluntersuchungen.
Ein starkes Trio, noch verstärkt um zwei Deckshände, der Plan: man wollte das Schiff recht schnell nach Teneriffa überführen, dem Starthafen für weitere Reisen … allerdings bislang unbestimmten Zielen.
Was war mit der Heckverzierung passiert? Wie Krzysztof vermerkte: die steuert stets nur nach Stb Seite, worauf man sich ja einrichten könne, aber es wäre doch bequemer, wenn das System einen ausgewogenen Kurs zu steuern in der Lage sei! Ein schneller Blick meiner Frau brachte die frappierende Erkenntnis: irgend ein Neugieriger hatte das System demontiert und hernach die Kardanteile falsch montiert. System demontieren, Schubstange korrigieren, Kardanteile neu justieren … der Job war in 10 Minuten getan … man hätte das nicht per email erledigen können, denn man hätte die Ursache weder wissen noch glauben wollen. Es waren offenbar neugierige Hände an Bord gewesen, die sich eine Windpilot Anlage einmal ganz aus der Nähe haben ansehen wollen! Hätten sie nur nicht ihr Werkzeug dabei aus der Tasche geholt!

Die Nutzung der vorhandenen Hydraulik wurde in wenigen Sätzen abgehandelt: die Notpinne erwies sich als nicht verwendbar.

Hydrauliksteuerung


Dem hydraulischen System wird ab einer gewissen Seegangshöhe der elektrische Autopilot zur Seite gestellt, der solange auf Stand By gefahren wird, bis die Kursabweichung bestimmte Parameter überschreitet … sodann kraftvoll Gegenruder gibt, bis der gewünschte Kurs wieder vor der Nase liegt.

Es folgte eine Innenbesichtigung der Polonez, die offenbarte, dass der Eigner an nichts gespart, sodann wurde der Champagner geköpft und dieser Tag würdig begossen, gegenseitig Bücher signiert und die Vereinbarung getroffen, dass wir uns nicht erst in 20 Jahren wiedertreffen würden … zumal die Firma Windpilot ja nun bereits zur Hälfte in Polen zuhause sei.
Zwischenzeitlich liegt die Polonez in Teneriffa und zerrt dort ungeduldig an den Leinen, weil sie für das Segeln und nicht für das Liegen im Hafen gebaut worden ist. Das jedenfalls steht in ihren Genen. Und Krzysztof wird noch viele Meilen an Bord sein, das jedenfalls ist der Plan.

Für meine Frau und mich zählen diese Zusammentreffen zu unseren Highlights, wenngleich sie zeitgleich signalisieren, wie schnell die Jahre zerrinnen. Gleichwohl bei ringsum bester Gesundheit – bereuen wird NIX.

Sonntag 06.09.2021
Peter Foerthmann

1 Antwort zu Krzysztof Baranowski

  1. Dear Peter and Marzena
    This was the meeting to remember. I still have some sweets provided by Marzena, thanks a lot.
    Thank you also for good word about POLONEZ and me. You have nade a big story.
    On the way to Tenerife we had some trouble with electric system while Windpilot selfsteering gear worked perfectly.

    I have frienf in Szczecin named Marek Kudlinski. He intends to start in TWOSTAR next year.I advised him to buy one of your PILOTS.Don’t be surprised.
    Soon I am flying back to Tenerife for some training on POLONEZ.
    All the best for you and Marzena

    Chris

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