2023 – ResüMix

ZUNÄCHST DIE PFLICHT
Schnelle Gedanken,
langsam aufgeschrieben,
damit Kopf und Augen Futter kriegen
mal kurz den Atem zügeln
um die Frage zu stellen,
ob es das schon war
das ganze Jahr?
Es hilft alles nix,
das Jahr wieder mal ein Witz
das wie der Blitz
vorbei geflitzt
oder ruhig gesaust
uns arg zerzaust
in den Regen gestellt,
weil Fragen offen geblieben,
die noch nicht gestellt,
derweil wir nun am Ende,
wenig behende, weil müde,
wieder einen Wechsel vor der Nase haben,
um hernach mit vollem Schub
wieder abzuheben, ohne den Boden erreicht zu haben.
Ist das gut?
Also ein Durchflug ins nächste Jahr?
Zeit zu einem Stop-Over,
für Gedanken der Sonderklasse,
derweil wir uns besinnlich Enten und Gänse
in Teilen einverleiben,
um gesund und munter eine weitere Runde,
als Murmeltier verkleidet,
im Neuen Jahr zu drehen,
ergo davon-zu-schweben …
Wie der Bayer zu sagen pflegt:
Halleluhja – sog´ I
Luhja noch a mol
Jo zumindest!
und schon tragen mich die Eng´lein fort
an einen besseren Ort!
Na hoffentlich!
Immerhin ist nun X-Mas time!

UND DANN DIE KÜR
Am besten fange ich mit den Unterschieden zum Vorjahr an: 2023 war wilder, verdrehter, kontroverser, gleichwohl in Bezug auf die menschlichen Komponenten erholsamer, freundlicher und nochmals kommunikativer. Immerhin 4300 Mails zählt mein Outlook, bevor ich nach ca 90 Tagen den Speicher erlöse, weil ja in der Datenbank sowieso nix verlorengeht, just in case. Hinter jeder Mailadresse steckt ein Mensch, den es zu erkunden gilt, und es dauert hier und dort nur wenige Zeilen, um zum Kern vorzudringen, wenn man das denn will, insbesondere, weil oder wenn´s ums Segeln geht … was ja eine bevorzugte Beschäftigung ist, zumindest, wenn man mich kontaktiert. Wer will, kann es kurz machen: Name, Adresse, Schiff … und schon geht’s los, wenn z.B. die Bordfrau abgehauen ist, derweil der Skipper gerade auf dem Sprung in Panama City sitzt, innerhalb von 24 Std. falls es gerade passt, und mir nix quer im Magen liegt, was ja auch mal passieren kann. Panama geht übrigens am besten über Miami, weil ein Windpilot sonst vom panamesischen Zoll aufgefressen wird, weil Segler in einigen Destinationen offenbar schon mal zum Freiwild zu gehören scheinen. Muss man alles wissen … oder eben zahlen … und die Zähne zusammen beissen, wenn man die noch hat … ergo das noch kann.
Mein Lieblingsspiel heisst Austausch auf Augenhöhe, als Gegensatz zum Verständnis für Kunden als vermeintlichen König, dem man sich vorzugsweise vorsichtig von achtern zu nähern, weil man es ja explizit auf sein Konto abgesehen hätte.
Vermutlich bin ich diesbezüglich als Alien unterwegs, weil ich von meiner Hände Arbeit wundervoll leben kann, weil die Betriebsform eines Familien Unternehmens – ein sich gegenseitig devot ergebenes Ehepaar! – ohne weniger nützliche „Mitesser“, unsere Kosten überschaubar sind, weil keine Umsatzpeitsche knallt, die uns nur schlechte Laune brächte. Denn, nicht wahr, welchen Sinn machten tolle Umsätze, wenn der Ertrag von Mitarbeitern aus der Tür getragen würde? Richtig: das haben wir vor exakt 20 Jahren kapiert, es war der Urknall, als unsere deutsch-polnische Liäson ihren Anfang nahm.
Übrigens zeitgleich der Grund, warum ich in meiner eleganten Lebenspur vermutlich das halbe Jahrhundert noch erreichen werde, falls hier Nachfragen im Raume stehen, die es – insgeheim oder nicht! – wundervoll fänden, wenn ich dereinst „ruhiger“ würde, ohne gleich an Sedieren zu denken … jedenfalls falls es nicht an irgendeiner Ecke plötzlich schmerzt, oder das Lustzentrum in der Birne übermässig lädiert, den Dienst quittiert. Ein Freiheitsgefühl der besonderen Art, wohnt beim Fuck-You-Status um die Ecke.
Kürzlich habe ich von Marlene und Joerg Knoeckel aus Brisbane erfahren, dass die Beiden samt der kompletten Erbengemeinschaft vor ca 30 Jahren ihrer Heimat, dem Allgäu, segelnd den Rücken gekehrt haben. Eine Privilege 465 hat ausgereicht, die ganze Familie nach Australien zu transportieren, obgleich man das Segeln erst hat erlernt müssen, denn Wasser kannte man bis dato noch nicht. Unterwegs sind sie bei meinem langjährigen Freund Guenter Hamacher auf Contadora, einer der Perleninseln eingekehrt, man mochte sich und hat verweilt. Das hat Spuren in Joerg´s Birne hinterlassen, weshalb er mich kürzlich angesprochen hat. Denn Joerg hatte vom Tode von Guenter noch nicht erfahren, sein Leben in Downunder ist einfach ist zu schnell gewesen. Kann passieren, würde Klein Erna sagen.

Nachruf


Mit Guenter verband mich bis zu seinem Tode eine Freundschaft der besonderen Art, weil er sagte, was er dachte und manchmal wenig sachte, sein Gegenüber in die Bredoullie brachte.

Günter S.Hamacher


Es macht schon besonderen Spass, sich mit Menschen auszutauschen, die ihr Leben als Erfahrungsreise begreifen, die zu Schlüssen animiert. Joerg hat mir gestern ein Foto herüber geschoben, das den kompletten Umfang seiner grossen Familie kaum umfassen konnte, inklusive 4 Hunden. Die Geschichte des Inhabers einer grossen Fahrschule im Allgäu, der von den Göttern in Weiss die Kelle gezeigt bekam, hernach Haus und Hof samt Zimmerlinde gegen ein Privilege 465 vertauschte, nach Downunder versegelte und dort eine Eagle Farm errichtete … ist meine Entspannungslektüre … die zwischen den Feiertagen hoffentlich weiter geht? Joerg, Du liesst doch hier mit, oder? Immerhin hast Du das vorgesten versprochen!
Oder der Schnack mit Vince aus Vancouver, dem ich erstmal in den Garten schauen mußte, dummerweise war die Garage verschlossen.
Aber Vince hat mir freiwillig von seinem TR6 berichtet, nachdem er auf meinem Blog meinen damaligen TR7 erkannt hatte. Zwei Petrolheads beim Träumen! Kann passieren! Mir wurde sodann von der Familie Hornsey berichtet, die kürzlich mit der SV Mandolyn und den beiden Kids in New Zealand angekommen sind. Ihr Sinnspruch: Raise the main, raise the kids! hat meine Birne elektrisiert, Zack: gespeichert. Übrigens die WOM Querverbindung, denn Vince war wild entschlossen eine Heckverzierung zu Kaufen, er wollte nicht um einen Dollar raufen.

Sailing from Fiji to New Zealand


Jedenfalls wurde am 12.Dezember 2023 ein windiger Pilot bei Vince vor der Eingangstür abgeliefert. Nun liege ich auf der Mauer auf der Lauer, denn Vince will mit seiner SV Isshoni, einer Vancouver 32 Pilot House Version vermutlich in die Kälte segeln. BBBRRR! Muss man mögen! Meine Fussbodenheizung jedenfalls ist seit 30 Jahren permanent auf 25 Grad eingestellt, und seit 20 Jahren hat meine Frau keinen Zirkus mit der Blase mehr, übrigens gleich nach dem ersten Rendevous. Ob sie deshalb geblieben ist? Bloss nicht drüber nachdenken, das Leben geht weiter und den Spruch von Risiko und Nebenwirkungen kennen wir alle.

SV Walkabout – Frauke + Thomas Müller GER


Apropos Kälte: in Alaska sind kürzlich Frauke und Thomas Müller mit der SV Walkabout um die Ecke gekommen. Im Oktober haben sie die NWP erledigt, das Foto nebenan wurde in Uyak Bay, Larsen Bay, Malina Bay aufgenommen. Die Beiden leben ein ganz besonderes Lebensprogramm: Segeln bis in entfernte Winkel der Welt auf stets sparsamer Budgetflamme …. wandern durch die Wälder und auf die Berge … derweil das Schiff auf Herrchen und Frauchen waaaatet …. neigt sich die Knete gefährlich gegen Null … fliegt Thomas in die Heimat, wo er als Koch der Sonderklasse, die Bordkasse Kasse wieder füllt. Funzt seit unzähligen Jahren, ein Blick auf zufriedene Gesichter beweist den Wahrheitsgehalt dieser kleinen Geschichte. Walkabout … der Schiffsname ist Programm.

Ach ja, und im Frühjahr hat uns Vlado Porvaznik, SV Civetta personalisierte Pralinen vorbeigebracht. Als Inhaber einer Schokoladenfabrik in Bratislava, fühlte er vermutlich, dass dies notwendig sei. Immerhin hatte ich seine Heckverzierung nach 70.000 sm Weltumsegelung inklusive NWP wieder auf Zack gebracht. Alles eine Frage der Balance. Dummerweise haben die Pralinen dann nicht lange gehalten, sogar der Name wurde mitgegessen. Ob Vlado wohl ahnt, wie sehr wir auf Nachschub warten?

Vlado Porvaznik SK


Oder Luisa und Matthias Werb von der SV Sea Pearl, die mir zu einer Verjüngungskur der besonderen Art verholfen haben. Mein Name wurde optimiert war fortan s´Peterle … die Verniedlichung hat nicht geschadet s`Peterle hat gesteuert wie ein ganzer Mann. Die Dufour 455 wurde verkauft … nun lernen die Beiden das harte Leben in Bamberg kennen … sie wollten es nicht anders, wie mir versichert wurde. Ob das wirklich ernst gemeint, oder ob bereits der Kern zur nächsten Reise als veritabler Splitter im Hintern steckt … wird man ggf. sehen, wenn´s nämlich wieder juckt und auf´s Wasser geht.
Yann Cariou aus Plouhinec / Bretagne wird in Kürze verdient pensioniert. Immerhin war er vermutlich einer der wichtigsten Kapitäne unter französischer Flagge. Die HERMIONE war sein Lebensspielplatz der besonderen Art, mit der er als Botschafter seines Landes auch das internationale Parkett zu beherrschen wusste. Nun hat er an seine VIKING, einer HR39 einen Steuersklaven angeschraubt und den Plan, Richtung Westen mal zu überprüfen, ob oder wo die Scheibe ggf. rund oder gar ein Ende hat. Mit sieben Weltumsegelungen im Kielwasser kennt er die Realitäten allerdings zumeist.

Hermione – Peking


Dicht um die Ecke in Sarzeau, ebenfalls mit einer Bretonin zu Gange – neudeutsch verbandelt – leben und arbeiten Wilfried Krusekopf und Thérèse Collet – verbringen seit 20 Jahren ihre Lebenszeit in einem der schönsten Reviere der Welt, wenn man ein paar stürmische Tage subtrahiert, die man vorzugsweise dann im Hafen verbringen sollte anstatt zwischen den vielen Steinen vor der Küste, wo man Höhenunterschiede von 8 Metern in 6 Stunden mental verkraften muss. Wilfried nutzt die Zeit dann elegant zum Schreiben, derweil Thérèse Collet das gleich macht … was den Vorteil hat, dass sie einander stets in der Nähe haben, was ja mannigfaltige Vorteile haben kann … zumindest wenn die Synapsen sich nicht bekämpfen. Tun sie aber nicht, wie mir elektronisch versichert wurde, gerade neulich.

Wilfried Krusekopf

Gehen wir gedanklich die Küste weiter runter: in Nantes hat Lilli Mangat ihre Skorpion an Land gestellt, Knete zu ende, multiple Probleme am alten Schiff, nun muss erstmal Bares angeschafft werden, zeitgleich vielleicht ein Studium … das Leben ist noch lang, die Dame jung.

Aus La Rochelle gäbe es eine Unzahl von Geschichten zu erzählen, fangen fast sämtlich mit einem A wie Alubat an und sind mit O wie Ovni dann nie am Ende. Immerhin habe ich mehr als 500 Ovni´s jeder Konvenienz ausgerüstet, eine der ersten, an der Aventura Troi von Jimmy Cornell habe ich persönlich eine Pacific in Le Havre angeschraubt, das war Mai 1998. Immer wieder neue Abenteuer, neue Eigner, neue Geschichten, auch schon mal grenzwertige dazwischen, bei denen die Fetzen am Ende flogen. Frankreich ist eben Frankreich, besitzt einige Besonderheiten, die für Eigner aus anderen Nationen schon mal Schluckbeschwerden verursachen. Zum Beispiele diese: ich habe seit der Stunde Null der Ausrüstung dieser Aluschüsseln noch niemals die stets erbetenen Fotos nach Montage und Leinenübertragung erhalten, um Korrektheit aller Details zu überprüfen, sogar in französisch! … ist niemals nicht ein einziges Mal passiert. Ich hatte immer devot darauf zu warten, bis mich die Schiffseigner dann kontaktieren, weil sie mich z.B. dann fragen wollten, ob die Werft denn wirklich alles richtig gemacht habe??? Hat sie nämlich vielfach nicht! Mistverständnisse, die ich mit den Eignern im Handumdrehen aufklären konnte. Aber: muss das so sein? Frankreich, da muss man hier und dort tapfer sein! Und als falsch verstandenes Kindermädchen habe ich meine Lebensaufgabe nicht begriffen. Wollte ich nämlich nicht.
Bevor ich hier nun die Küstenlinien weiter verfolge, biege ich beherzt nach Osten ab. Immerhin liegt dort Polen, das Land, das meine Frau hervorgebracht, weshalb ich dort ewige Dankbarkeit verspüre. Allerdings lange acht Jahre nicht, weil dort politisch die falschen Leute ihr Unwesen getrieben haben. Unsere Freunde Angelika und Wlodek haben ihrem Schäferhund Pyza ( Knödel ) im Verlauf des Corona Lockdowns ein Kunststück antrainiert:
Dem Hund wurden Leckerbissen vor die Schnauze gehalten. „Ein Leckerli für Kaczyński oder Duda“ hat der Hund negiert und den Kopf angeekelt zur Seite verdreht. Nur bei Leckerli für Tusk hat er Happs gemacht.
Pädagogik der Extraklasse, in einer Familie mit 9 Kindern ansonsten allerdings eher ungewöhnlich.
Um hier ein wenig zu entlasten, haben wir die jüngsten drei unter unsere Fittiche genommen, was
viel Spass bereitet, vor allem, weil das Wort Konsequenz plötzlich einen Sinn bekommt, den man bis dato ausgelacht hat, weil nix passierte, wenn es krachte.
Rauschende Sommerfeste mit unzähligen Kindern, grosse runde Augen beim Rutschen, Halloween Parties mit Kürbissen und Totenköpfen, es ist so einfach, Kinder glücklich zu machen … und Eltern vom achteren Ende zu erreichen, derweil sie von
vorne manchmal unzugänglich sind. In Blankenese würde man das Ganze als Charity bezeichnen, wir machen einfach unser Ding und freuen uns an der Freude, die in Kinderaugen blinkt.

Ansonsten hier in Hamburg alles klar auf der Andrea Doria, in der inständigen Hoffnung, dass es noch lange so weiter geht, derweil uns der Spass auf der Stirne steht, nachdem wir den Schweiss zwischendurch beseitigt haben.

26.12.2023
Peter Foerthmann

Eine Antwort zu 2023 – ResüMix

  1. NACHRUF GÜNTER HAMACHER
    Lang lang ist’s her, aber Günter bleibt zumindest bei uns unvergessen, seit er uns als „Nr. 145“ im Pacific Island Net anstelle unseres Amateurfunk Rufzeichens eingemeindete. Wir haben Ihn dann Anfang 2000, auf dem Weg von Panama nach Galapagos, auf Contadora besucht. Abgesehen von seiner und Susannes Gastfreundschaft hat er uns einen achtpoligen Stecker für unsere Funke gelötet.
    Danke für die Erinnerung, Peter.
    Christian Uehr
    SV SUBEKI

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert