Wie alles begann

ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG
Hier möchte ich von einer wundervollen Geschichte erzählen, deren Folgen bis ins Heute strahlen … Es ist die Geschichte von Inga Beitz–Svechtarov und Vassil Svechtarov, die ich bislang niemals persönlich getroffen habe, was aber für die Entwicklung einer ganz besonderen Freundschaft mit fruchtbaren Folgen auf beiden Seiten keinen Einfluss hatte. Immerhin haben wir gemeinsam im Verlauf von hunderten Mailwechseln während nunmehr 13 Jahren einen Schatz geschaffen, der zum Augenschmaus und Substanz für den Windpilot Blog avanciert und Teil der Geschichten ist, die hier erzählt wurden und werden. Die Geschichte soll hier von Anfang bis Ende erzählt werden.
Am 28.04.2011 erreichte mich aus Griechenland folgende Mail:

Sehr geehrter Herr Förthmann,
Ihre Hilfsbereitschaft und Kompetenz entnehmen wir diversen Foren, den hervorragenden Ruf Ihrer Windfahnensteuerung aus den begeisterten Mündern unzähliger Seglerkollegen und erlauben uns deshalb um Hilfe und Rat zu bitten:
Wir leben an Bord unserer NIC31 und sind damit seit zwei Jahren unterwegs im Mittelmeer in Vorbereitung auf eine erträumte Weltumseglung. Das Leben besteht aus basteln, sparen, basteln und ab und zu Segeln natürlich. Eine Selbststeuerung haben wir noch nicht, denn das Budget erlaubt es nicht, oder wir hatten halt bis jetzt nicht so viel Glück, eine bezahlbare zu finden. Obwohl das Boot gut ausgetrimmt ist, brauchen wir eine und zwar gute, billige und eine solche, die ich in der Lage sein könnte, auch in den abgelegensten Winkel der Welt selbst zu reparieren. Da wir ein angehängtes Ruder haben ist die Trimmtab- Variante nahe stehend, konnten aber bislang keine verlässliche Angaben über Größe, Form, etc., außer Moitessiers Zeichnungen finden. Bau, oder Reparatur jeder Art, trauen wir uns zu. Auch wenn nur eine sehr begrenzte Zahl Werkzeug zur Verfügung steht, haben wir mit Erfahrung, Kreativität und Durchhaltevermögen unzählige und knifflige Aufgaben gelöst.
Wir sind Ihnen für jeden Rat und Idee im Voraus dankbar, wünschen allzeit eine Handbreit und verbleiben mit freundlichem Gruß,
Inga und Vassil, S/Y OLGALOU
Poros/Gr, Werft

Meine Antwort kam, wer würde das denn wohl anders erwarten … innerhalb von Minuten:

Moin Familie Beitz,
gelesen verstanden, bin zwar unterwegs, daher vorerst die Kurzantwort.

NIC 31 besten bekannt von vorn bis achtern. TrimTab unit unbrauchbar, dann koennen Sie lieber weiter mit Trimm und anderen Tricks versuchen, das Thema WSA zu umschiffen. Nur zur Kenntnis: die Anzahl von Yachties, die jahrelang versucht haben ihre TrimTabs erfolgreich zu verwenden, dann irgendwann darueber muede geworden sind – und heute eine Windpilot Anlage fahren – steigt seit Jahrzehnten… die Entwicklung in Bezug auf WSA ist einfach weitergedonnert, Trim-Tab-Systeme spielen keine keine Rolle mehr, sie sind nahezu vom Markt verschwunden … als Kellerbarschmuck sicherlich dekorativ … aber wer will in der Bar denn wohl segeln?

Die PACIFIC wird mit Ihrem Schiff „schlittenfahren“ – das ist ein Versprechen. Ich habe immer mal wieder Systeme mit Eloxalschaeden / Unregelmaessigkeiten, die ich Seglern mit low budget dann anbiete.
Der Gebraucht markt mit PACIFIC ist voellig ueberhitzt – ich bekomme regelmaessig rote Ohren vor Wut, wenn bei EBAY PACIFIC Systeme aus der ersten Serie <1998, fuer EUR 1400 - 1800 gehandelt werden. Toll fuer die Verkauefer, nicht immer fair fuer die kaeufer. Aber da kann Dr. Foerthmann nix machen. Wenn Sie einen Edelstahl buegel ums Hauptruder selbst organisieren, bauen, werde ich mal schaun., was ich Ihnen anbieten kann - damit Sie endlich steuerfreie Zeiten haben - wenigstens auf See. Es wird Ihr Leben veraendern - versprochen! Und eine Lieferanschrift sollte ich dann auch mal hoeren, damit ich ein Gesamtpaket schnueren kann. Und vielen Dank fuer die netten Worte - macht schon Spass in meinem Beruf mit ueberwiegend freundlichen, witzigen und offenen Menschen umzugehen - was soll ich sagen: DAS ist der Grund, warum mir der Job auch nach so vielen Jahrzehnte immer noch gute Laune macht.

So, und nun haette ich gern ein Foto der Situation von achtern, sowie die Masse der entsprechenden Stufen Abstaenden im Bereich eben unterhalb Decksniveau. Dann sehen wir weiter.

ein schickes Wochenende wuenscht
Peter Foerthmann

Es ist der menschliche Umgang, der mir seit Jahrzehnten den Spass und Freude an meiner Arbeit immer wieder aufs Neue garantiert. In der Folge ergab sich stringent und logisch, dass Inga und Vassil schon bald mit einem windigen Piloten als Steuerknecht am Heck, beim Segeln fortan Steuerfreiheit geniessen konnten und recht flott dem Ausgang des Mittelmeeres Richtung der grausamen offenen See zustreben konnten.

Einige Mail Verkehre später, meine direkten Fragen nach dem woher, wohin, wieso, warum oder warum eben nicht – es formte sich bald ein Bild von zwei Menschen, das mir enorm gefiel. Wobei, halt Stopp: es war das Bild einer freundlichen jungen Dame mit einem Schattenmann, der zwar namentlich benannt, ansonsten aber nicht weiter aufgefallen ist. Es wurde mir allerdings angelegentlich versichert, dass Vassil sich stets an Bord befunden hat. In meinem Kopf entstanden eine Menge Fragezeichen ….

peter

Jedenfalls war es bald nur noch ein kleiner Schritt, zu fragen, ob wir nicht gegenseitig Sinnvolles und Nützliches mit dem Spass verbinden könnten? Die Antwort kam zeichnerisch: das Geschäftsmodell als Flaschengeist war schnell in der Luft. CartoonBär
Das Windpilot Suchbild war Inga´s erster Streich, es ziert meinen Desktop, ist auf allen MacBook Air zuhause … und inspiriert zu ständig neuen Gedankenspielen, Frechheiten und Provokationen. Kurz, hier ergab sich eine famose Gelegenheit, beiden am Start-Up beteiligten Geschäfts Parteien, spielerisch und mit Lust, ein wenig im Leben weiter zu helfen – und kollateral bei Blog Lesern ein Grinsen auf die Gesichter zu zaubern, um trockene Sprache witzig zu unterfüttern.
Cartoon #3. withVergleichbaren Spass habe ich zuletzt mit Karl Heinz Schoenfeld erlebt, einem begnadetem Karikaturisten, der im Kielwasser des Axel Springer Verlags zu Ehren gekommen und heute, d.h. geschätzte 40 Jahre später, als Ex-Berliner nun Wahl Potsdamer immer noch mit spitzer Feder Politik und Wirtschaft ärgert, wenn er prägnante Gesichter zu-erkennt, die den Portraitierten keineswegs immer gefallen müssen. Kurz: ich gestehe, ich war elektrisiert und besessen, mir fürderhin weitere Themen auszudenken, um Inga ans Zeichenbrett zu komplimentieren, was sie mit erkennbarer Lust, emsig und akribisch – immer frecher zu Papier gebracht. Die Geschichte entwickelte eine Eigendynamik, die uns beide – also nunmehr uns drei – beflügelt, und deren Originale – stark vergrössert – bei uns einige Wände zieren.

autARC

Aber: der Hintergrund der Verbindung zwischen Inga und Vassil – blieb weiter im Diffusen: Vassilingalou – ein Name, ein Wortspiel, was versteckte sich dahinter? Inga war im Web zu finden, ihr künstlerischer Background schnell nachzulesen. Aber von Vassil kannte ich nur den Namen und Heimatland: Bulgarien – und klar, die Fotos, auf denen ein prägnanter Mann zu sehen war, der recht offenbar stets Lust zu Unfug und Schelmereien, erkennbar die volle Lebenslust versprühte.

Aber, welche Sprache spricht ein Bulgare an und unter Deck mit einer holden deutschen Dame? Liebe ist bekanntlich grenzenlos – und wo Sprache versagt, helfen Gesten und Gefühle – schon klar! Es ergab sich jedenfalls ein vier-jähriger Dialog mit Inga, in dessen Verlauf ich ein ungewöhnliches Pärchen begleiten und peu à peu kennen lernen durfte. Unser Geschäftsmodell trug Früchte, Inga´s Cartoons haben seither diesen Blog – wie ich es empfinde – liebevoll aufgewertet und verziert.

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Die Segeltour, sowie das Leben an sich, nahm ihren Lauf, die OLGALOU wurde in die Karibik versegelt, die wilde Ehe mit Stempel und Sekt besiegelt. Erst vor wenigen Tagen habe ich von Vassil erfahren, dass Inga nun mit einem Doppelnamen im Schlepp unterwegs. I live and learn, es gibt eben auch Menschen, deren Namen man erst spät erfährt, obgleich man das Bild im Kopf bereits fertig geformt. Aufregendes Leben, immer wieder neu und schick sowieso…Es sollte nicht die letzte Überraschung sein.

papierboot

Donnerwetter, denn Vassil erschien nun erstmals elektronisch in voller Grösse und ich konnte erfahren, welch schillerndes Paar hier zusammen gefunden hatte. Es war der Tag, an dem ich die Beiden fragte, ob sie nicht Lust und Laune hätten, zum Blog ein wenig mehr beizutragen. Eine Mail von Vassil in fliessendem Deutsch, ich war mehr als nur erstaunt. Noch dazu ein Text, aus dessen Zeilen die ganze Lebenlust tropfte.

Hier das Stakkato zweier Lebensläufe:

Inga Beitz 34 Grafikdesignerin und freie Künstlerin mit abgeschlossenem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Maastricht, und Vassil Svechtarov 50, beruflich multibegabt mit willigen Händen und abgeschlossenem Studium an der Akademie für darstellende Künste in Sofia, der mit seinem Theater 25 Jahre in aller Welt herum gekommen ist. Inga und Vassil sind vor 14 Jahren aufeinander geprallt, haben schnell herausgefunden, dass sie als Team für ein Leben in dieser Welt aller bestens prädestiniert. Beiden lag die Liebe zum Meer in den Genen. Der Plan zur gemeinsamen Weltumsegelung war bald geboren: Vassilingalou – aha, soso, endlich erfuhr ich ein wenig mehr … was meinen Hunger allerdings nicht kleiner… hingegen noch grösser werden liess.

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Mein Mini Schritt, die Beiden zu befragen, ob Sie diesen Blog nicht mit eigenen Geschichten befruchten mögen, öffnete einen Spalt in der Tür weiter als erhofft! Vassil erwies sich der deutschen Sprache in einer Form mächtig ist, die mich verblüffte, weil ich so enorm auf dem Holzweg gewesen bin. Seine liebevollen Geschichten rund ums Segeln, werden diesen Blog fortan in Co-Produktion mit Ingas Zeichnungen, verzieren und verschönern.

CIMG6441Auf Los geht’s Los! Oder wie Vassil schnell zu seinem alten Ego beigefügt: „Erst auf Los, du Idiot!“

Vassilingalou zaubern mir ein breites Grinsen im Gesicht, weil ich mich schon jetzt darauf freue, welche Lebensgeschichten hier nun bald zu lesen sind.

„Erst auf Los, du Idiot!“
Peter Foerthmann

FORTSETZUNG FOLGT

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