2022 – ResüMix

MURMELTIERJAHR – NACHDENKLICHKEITEN – AUGENFUTTER
Schnelle Gedanken,
langsam aufgeschrieben,
damit Kopf und Augen Futter kriegen
mal kurz den Atem zügeln
um die Frage zu stellen,
ob es das schon war
das ganze Jahr?
Es hilft alles nix,
das Jahr wieder mal ein Witz
das wie der Blitz
vorbei geflitzt
oder ruhig gesaust
uns arg zerzaust
in den Regen gestellt,
weil Fragen offen geblieben,
die noch nicht gestellt,
derweil wir nun am Ende,
wenig behende, weil müde,
wieder einen Wechsel vor der Nase haben,
um hernach mit vollem Schub
wieder abzuheben, ohne den Boden erreicht zu haben.
Ist das gut?
Also ein Durchflug ins nächste Jahr?
Zeit zu einem Stop-Over,
für Gedanken der Sonderklasse,
derweil wir uns besinnlich Enten und Gänse
in Teilen einverleiben,
um gesund und munter eine weitere Runde,
als Murmeltier verkleidet,
im Neuen Jahr zu drehen,
ergo davon-zu-schweben …
Wie der Bayer zu sagen pflegt:
Halleluhja – sog´ I
Luhja noch a mol
Jo zumindest!
und schon tragen mich die Eng´lein fort
an einen besseren Ort!
Na hoffentlich!
Immerhin ist nun X-Mas time!

Und hier folgt –
die besinnliche Bildgeschichte!
Wenn ich früher immer dachte, mein Leben sei mit fünf Lebenssäulen hinreichend umschrieben, ertappe ich mich zusehends dabei, dass ich mich eher als in einem Lebenslabyrinth stehend zu befinden glaube, weil die Wichtigkeiten sich verschoben, und Herzensangelegenheiten immer mehr quer vor der eigenen Nase Platz genommen haben. Keine Chance, diesen Gedanken auszuweichen, weil hier mein Herz – und das meiner Frau! – die Regie übernommen hat, wir einem untrüglichen Rhythmus folgen, der nicht aus der Ruhe zu bringen ist: es ist die Verantwortung für das eigene Tun und Lassen, bzw. deren Auswirkungen auf Menschen, die uns etwas bedeuten, was keinesfalls einen Bezug zu Blutsbanden hat, weil wir beide erkannt haben, dass familiäre Bande zunehmend in diesem Kontext nix zu sagen haben. Wir haben uns unsere Neugierde auf Menschen bewahrt, auch wenn wir wieder und wieder Enttäuschungen haben erleben müssen, alle beide. 20 Jahre engen Zusammenlebens haben uns zu einer Einheit schmelzen lassen, die als Schutz gegen unschöne Lebenseinwirkungen wundervoll funktioniert, zumal zwei Köpfe besser als einer funktionieren. Haben wir alles schon lange gewusst, aber gefunden hatten wir uns damals noch nicht! Glück gehabt? Nein, aufgepasst!
Es ist der Umgang mit Menschen, der uns wichtig ist, der zum Roten Faden unser beider Leben geworden ist, der uns hilft, unser Lebensschiff auf Kurs zu halten, derweil das Schicksal rüttelt und schüttelt und manch einer uns vermittelt, dass wir uns mehr am Zeitgeist auszurichten hätten, will sagen, dass wir uns besser anzupassen hätten, sprich den Forderungen von neidgeplagten Menschen unterzuordnen hätten. Bemerkungen, die wir negieren, die uns am Achtersteven vorbeigehen, weil wir in unseren Vorstellungen sozialen Umgangs einem Nordstern folgen, den wir als für uns richtig befunden haben. Authentizität muss man sich leisten können, diese Regel haben wir nicht erfunden, aber sie gefällt besonders, zumal man schneller zum Ziel kommen kann, ganz ohne zu zögern oder zu eiern.

Unser Beruf nährt uns redlich, auch wenn einer von uns jenseits aller Altersgrenzen weiter arbeitet und schafft, wie er es seit 50 Jahren macht, was er nicht gedacht, was allerdings möglich ist, weil der Beruf viel Freude und Freunde bringt, die die Tage erheitern und den Blick erweitern. Gar nicht schlecht!
Unser Leben in zwei Ländern ist aufregend, abgesehen davon, dass es anstrengend ist, zeitgleich an zwei Orten stattzufinden, aber wir haben uns vor 20 Jahren für dieses Leben entschieden – mit vier Beinen in zwei Ländern! – und bedauern unseren Entschluss nicht eine Minute. Wir leben 24 Std 365 Tage gemeinsam, ohne Urlaub, was kaum einer glauben mag. Macht aber nix, weil für Urlaub einfach keine Zeit bleibt, weil wir stets und ständig darum kämpfen, all unsere Aufgaben zu bewältigen. Wie wir das schaffen? Keine Ahnung, aber es klappt, macht Freude und Freunde, die uns bestätigen, helfen und bewundern, weil wir die Regeln ausgewogenen Umgangs im Herzen tragen und unseren Platz in unserem sozialen Umfeld mit Freude füllen, was den Spass macht, der hier zwischen den Zeilen blitzt. Beispiele gefällig? Der Grund für diese Zeilen!
Es sind die Alten und die Jungen, denen unser Herz gehört, deren Wünsche wir gern erfüllen, für die wir ein Ohr haben, nicht nur, wenn es brennt. Über glänzende Kinderaugen sind auch Eltern zu erweichen, für ihre Kleinen ein wenig mehr zu leisten, als lediglich ein Bett, ein Schuh und eine Scheibe Brot dazu, wie in zu vielen Familien üblich. Rechenaufgaben, Schnürsenkel binden und Lebensnotwendigkeiten vermitteln, ist auch über Facetime zu organisieren, wenn man die uneingeschränkte Aufmerksamkeit erst Mal erreicht, und fairen Respekt sichergestellt. So lernen auch 4 jährige Dreikäsehochs, wie das Leben funktioniert, wenn man ihnen mit Konsequenz begegnet und die Mäuselöcher verstopft, durch die sie entwischen können, falls das Gegenüber als zu anstrengend befunden wird, oder man als kleiner Mensch seinen dicken Kopf probiert, um gegen eine Mauer anzurennen, die Nerven des Gegenübers auszutesten. Konsequenz ist eine Herausforderung … für Eltern … weil sie die Folgen selbst auszubaden haben. Daumenkino daddeln am Handy der bequemere Weg, weil man – aus Bequemlichkeit? – mehr Ruhe vor der eigenen Hinterlassenschaft erhält. Wie mein Freund Wilfried mal vermerkte: Eltern sind nicht nur erziehungsberechtigt sondern erziehungsverpflichtet, weil ohne sie, die ganze Bildung in den Orkus geht.
Unsere Tage in Polen beginnen früh, denn es beginnt mit Winken an der Strasse vor dem Haus, wenn die Kinder aus den Dörfern mit dem Schulbus heran gekarrt werden, und alle Nasen an den beschlagenen Bus Fenstern kleben, um der Ciocha Marzena ( Tante Marzena ) im Vorbeifahren zu winken … die sie dann Stunden später vor der Schule abholen wird, gleich um die Ecke. Das Herz von Kindern zu gewinnen ist ein Kinderspiel … Aufmerksamkeit ist so einfach, die in kinderreichen Familien manchmal fehlt. Schon verständlich, dass in 11 köpfigen Familien kaum genügend Zeit für jeden Einzelnen verbleibt, weshalb wir solche Lücken gerne füllen und uns einbringen, wo immer es geht. Kaum zu glauben, dass unter Corona Bedingungen nicht einmal die eigenen Nachbarn bereit gewesen sind, sich gegenseitig mit Lebensmitteln zu versorgen. So sind wir schon mal nach Polen gefahren, um solche Dienste zu leisten.

Es sind unsere offenen Arme und freundliche Gesichter, die dazu beitragen, dass so viele Menschen zu uns kommen.
So haben wir Franek kennengelernt, der heute einen festen Platz in unserem Herzen hat, der seit vielen Jahren für uns die wundervollsten Skulpturen mit seinen Zauberhänden erschafft, vom Bären, der 500kg wiegt und 2 m hoch in unserem Eingang steht, über ein Walross namens „Don“, der vor unserem Kamin Platz genommen hat, zwei veritablen Löwen in der Werkstatt, die demnächst einen dritten neben sich erdulden werden müssen,
bis zu den unzähligen Präziösen, deren Gesichtszüge nur mit der Lupe zu erkennen sind. Franek ist unser Held, dem unsere Herzen zu Füssen liegen, weshalb wir ohne zu zögern, seine Wünsche und Vorstellungen erfüllen, was uns eine Freude ist. Ein neues Dach über dem Kopf, ein Quad für den Wald und ein neues Auto hat er schon verdient. Sein Hund heisst Skoda, womit die Wahl des Wagens einfach wurde.
Sogar das Rauchen hat er eingestellt, weil ihm zunehmend die Luft knapp wurde, sein Kopf ist klar, wenn es danach geht. Ein Genius mit begnadeten Händen in einem kleinen Dorf, mitten im Wald, umgeben von Menschen, die mit seiner Begabung nix anzufangen wissen, dessen Skulpturen bei Pfarrern im Kofferraum verschwanden, die ihm sodann, anstelle einer Bezahlung, auf die Güte des Herren verwiesen haben,
der ihm sicherlich danken werde. Von kostenlosen sakralen Motiven ohne Gegenwert nunmehr befreit, hat Franek ein wahres Feuerwerk an Kunstwerken entfacht. Alleiniger Engpass stets: genügend Baumstämme in sinnvollen Stücken zu beschaffen, einer Herausforderung besonderer Art, weil Holz in Polen gemeinhin an Ort und Stelle zu Brennholz zerkleinert wird. Ein atemberaubender Vorgang, mit anzusehen,
wie ein Baumstamm gewaltiger Grösse am Ende zu einer Skulptur reduziert mutiert, inmitten gewaltiger Berge von Säge-, Hobel-, Raspel- und Schleifspänen, die sodann verfeuert werden, um es warm zu haben. Eine Brennholzbeschaffung besonderer Art, unter Hinterlassung von Kunst, die für Ewigkeiten zu bewundern ist. Unser Leben findet also gewissermassen seit Jahren zwischen Brennholz statt,
von dem die Skulpturen zuvor befreit worden sind. Man muss sich die Dinge nur lange genug hin relativieren, bis man wieder Grinsen kann. Tja, und nun steht Franek vor seiner grössten Herausforderung: Marzena in Lebensgrösse. Es wird wohl wieder viele Monate dauern, denn der Mann liebt es, uns auf die Folter zu spannen, damit wir dann, möglichst auf Knopfdruck! – bei ihm um die Ecke kommen. Freuen tun wir uns schon heute.
Hustensaft aus Deutschland, Hämorrhoidensalbe für alte Damen, Schuhe für die Kids, Schneeanzüge für den Schnee … ach ja, Ciocha, hast du für mich auch so einen Mantel, wie du ihn trägst? Wir haben schon immer ein grosses Auto gebraucht, weil unsere Komplexe nämlich in einem kleinen Wagen keinen Platz gefunden hätten. Nein Quatsch. Wenn´s Richtung Osten geht, ist unser Wagen voll bis zum
Dach beladen. Wir haben vermutlich viel zu
spät gemerkt, dass grosszügige Geschenke hier und dort über ebay weiterverkauft worden sind. Ein stetiger Balanceakt, den zu bestehen, man sich manchmal an den Riemen zu reissen hat. Schwund ist überall, aber die Menschenkenntnis wächst im Quadrat, weshalb am Ende der Schaden sodann geringer wird. Heute können wir Menschen schon aus Entfernung erkennen, differenzieren und uns distanzieren, sie schon mal zur Haustür hinaus komplimentieren, wenn´s uns zu doll wird, mit den Übergriffen, die unser aller Alltag sind. Die Frage steht im Raume: wo ziehen wir die Grenze? Das jedenfalls mussten und haben wir gelernt, von Tag zu Tag sammeln wir neue Erfahrungen mit Kohlenschaufeln … und haben unseren Spass dabei, Verhaltensweisen zu analysieren oder gar zu
sezieren … Hauptsache stets, bitte nicht auf allen Vieren!
Die Halloween Party in unserem Haus und Garten platzt stetig weiter aus allen Ritzen, weil die Augen nicht nur der Kleinen blitzen … auch die Eltern kommen neugierig um die Ecke, um zu sehen, wieviele Gruselköpfe bei Ciocha Marzena dieses Mal in den Ecken hängen … zum Erschrecken!
Ja, und nochmal Holz, der Werkstoff, der ganz Polen heizt, wo man nur in den Wald gehen muss, um es aufzusammeln, zu zersägen, zu verheizen. Unser Herz schlägt für Holz, da war es nur noch ein Wimpernschlag, Künstlern aus der Ukraine mit dem Bau von Holzhäusern der besonderen Art, Arbeit zu verschaffen. Sie sind zu unseren Freunden geworden. Und so ist ein verwunschenes Dorf entstanden, das nicht nur auf die Kinder in den umliegenden Dörfern eine magische Anziehungskraft besitzt. Sie strömen in Scharen, um die Häuser aus den Märchenbüchern zu sehen, die auch in unseren Köpfen lebendig sind, um darin zu spielen. Bewundernswert, welch handwerkliches Geschick diese Holzkünstlern beherrschen, weshalb das Dorf nun stetig wächst, auch um den Männern weiter Arbeit zu verschaffen. Derzeit haben nun acht Hexen ein Zuhause. Keine Ahnung,
wo das hinführt … gerade eben haben wir neues Augenfutter bekommen, einen Pfau zu Weihnachten und Ansichten für das nächste Knusperhaus, ein Augenschmaus!
Ach ja, und die Landwirtschaft. Ein ganz besonderes Thema, wenn man auf Menschen angewiesen ist, die unsere Felder und Wiesen bewirtschaften ( sollen ), wo die Arbeit manchmal von den Kosten überholt und am Ende die Ernte durch Dürre oder Sturm geringer ausgefallen ist, als erhofft. Zumal der menschliche Faktor auch hier in den Brennpunkt gerät, ob am fraglichen, idealen Erntetag, der Erntehelfer gerade seinen Rausch
ausschläft, alternativ der Trecker einen Platten hat, oder die Ernte mangels vernünftiger Düngung mager, weil der Dünger lieber auf anderen Feldern eingesetzt, wo dann eine bessere Ernte eingefahren werden kann … für die eigene Scheune. Ein ständiger Balanceakt, allerdings immer ein erhabener Anblick über die Latifundien, der die Brust stolz schwellen lässt, wenn man kurzzeitig buchhalterische Überlegungen beiseite schiebt.
Ja, meine Frau ist Landwirtin mit Herz und Seele, was man daran erkennt, dass in unseren Lebensquartieren Blumen und Pflanzen aus allen Löchern spriessen, ansonsten, falls unartig, ausgerissen und durch artigere Setzlinge getauscht werden, die dann hoffentlich tun, wofür sie angeschafft. Auf unseren Fahrten zwischen Polen und Deutschland besteht reger Verkehr von Samenkörnern, Pflanzen und Ablegern, die infolge Urlaubs
oder Luftveränderungen ihren Platz in der Landeserde wechseln. Im Herbst steht immer eine grosse Tüte offen, in der dann Samen und trockene Blumen gelagert werden … um später wieder vergraben zu werden … im Ausland. Schon komisch, dass wir aus Polen kommend, neben einem leeren Wagen nur schmutzige Wäsche zu transportieren haben! Grenzpolizisten schütteln da schon mal mit dem Kopf.
Auf dem Land jedenfalls kann ich nicht verloren gehen, wenn ich meine Runden drehe, weil jeder Nachbar sofort weiterträgt, wo er mich gerade gesehen hat, weshalb im Dorf ein jeder weiss, wer bei uns im Haus oder unterwegs … was bei meiner Frau recht einfach ist, weil man ihre Stimme am Dorfende bereits hören kann, wenn sie am Dorfeingang gerade vorbeigekommen ist. Telefonieren ist kontrapunktiv, laut rufen genügt … und schon kommt sie angesaust, weil sie von einer Präsenz ist, die mich still und stumm werden lässt, was schon ungewöhnlich ist. Altersweisheit? Grund jedenfalls, warum ich mit Freuden in ihrer Heimat weile, die nun auch zu der meinen geworden ist. Hätte ich gar nicht gedacht! Hat aber garnicht weh´getan!

Zu Weihnachten aufgeschrieben mit Freude.
23.12.2022
Peter Foerthmann

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