Status Quo

LEBENSERFAHRUNGEN – REZEPTE – EINSICHTEN
Morphy Blitz, so nannten mich Menschen, die mit mir nix anzufangen wussten. Das war am Beginn meines beruflichen Werdegangs, im Jahre 1964 auf der MS Pisang, einem rasenden Bananendampfer, der die krummen Dinger von Equador nach Japan brachte. Von der Seefahrt habe ich mich selbst entlassen, ich ahnte, dass das Leben an Land Verlockenderes zu bieten hatte. Lehre, Lernen, Studieren, Wissen aufsaugen und mehren, daneben Autos und Schiffe reparieren, importieren, segeln, egal wohin, auch schon mal in Lee unten durch, Hauptsache unterwegs, am liebsten vorne wech! Kaum zu glauben, dass ich es bis dato auf einige Dutzend Schiffe gebracht, inklusive jener Schicksals Yawl, die ich 1976 gegen einen rostigen Schlüssel eingetauscht, der zur Tür eines Pferdestalls in Mölln gepaßt, hinter der sich das Himmelreich verbarg, wie ich Windpilot sofort empfand. Seitdem ist die Banane geschält, und ich unbeirrt auf Kurs, habe 220 Lockdowns in Boat Show Gefängnissen absolviert, dabei meinem Wettbewerb Gänsehaut erzeugt, ihn observiert, bzw. anders herum, und habe auf Gerichten die Reliefs vor ehrwürdigen Richterpodesten inspiziert, weil mein Rechtsverständnis der Lebenspraxis damals nicht angepasst erschien, weil ich Recht damals vertrauensvoll als konsistente Ware angesehen hatte. Wie es scheint, existiert der Konflikt bis heute, aber bin ich deshalb zum Alien geworden? Eine Frage, die ich mir immer gleich beantworte. Man kann Konsistenz auch als Meinungsstärke definieren.

Morphy Blitz

Ich habe die Standards für Windsteuersysteme dreimal durch´s Sieb gerührt, darüber Bücher verdichtet, meine Weisheiten mit Vergnügen den Tasten anvertraut, und mit meiner Hände Arbeit meinen Lebensunterhalt geschraubt, indem ich Seglern ruhigen Schlaf auf See besorge, derweil meine Steuersklaven die Performance übernehmen. Eine Erfolgsgeschichte! Ungelogen!

Ich baue Heckverzierungen und ich mag Menschen. Beides passt zusammen, womit mein Leben umrissen ist, Schlaglöcher inklusive, oder warum wohl wurde Allrad erfunden? Ein Spannungsfeld, bei dem mir Beobachtungen wie Sterntaler vom Himmel fallen. Die schreibe ich auf, genau wie meine Mutter, die lebenslang auf ihre Continental Kofferschreibmaschine eingeschlagen hat. Es könnte endlos so weiter gehen, weil alles einfach ist, solange man sich nicht mit Menschen einlässt, die einfachen Regeln nicht folgen mögen, können, oder wollen. Womit wir beim Schweigen der Lämmer angekommen sind, und den schwarzen Schafen. Eins davon ich! Stimmt aber nicht, denn die Geschichte geht anders herum, wie sogleich erläutert wird.

Es sind die menschlichen Imponderabilien, die mich faszinieren, deren Facetten teils erschüttern, teils erheitern, die mir einen steten Quell neuer Erkenntnisse bescheren, mir, wie bei einer Zwiebel, die Tränen in die Augen treiben – manchmal vor Vergnügen, weil sie mich immer wieder an das Verhalten in einem Kindergarten erinnern, dem wir doch eigentlich entronnen sind! Ganz offenbar aber nicht. Es geht um den Umgang mit Menschen, die für sich selbst neue Regeln erfinden, wenn oder weil sie sich in ihrer Aussendarstellung, als Flaschenhals gerieren, um Einnahmen, quasi als Wegelagerer, möglichst von allen Seiten zu generieren? Chaque un a son gout … dabei könnte man es belassen, aber wir wissen, wie sehr Geld Menschen zu verändern in der Lage ist. Die Gier – oder wollen wir die Kostenpeitsche als böse Verursacherin benennen? – hat im Wasserbusiness früher vorhandene angenehme Umgangsweisen und Strukturen dauerhaft vernichtet. Gone with the wind. Schade drum! Immerhin und jedenfalls: ohne Windsteueranlagen funktionieren – eigentlich! – sämtliche blauen Träume – nicht! Womit meine Existenz gesichert ist.
Welcher Kurs also ist geeignet, zwischen den Interessenlagen und Untiefen selbsternannter Platzhirsche im medialen Wasserbusiness friedlich zu co-existieren? Eine Demarkationslinie – siehe Presse! – immerhin, scheint zu existieren, erinnert ein wenig an das Schweigen der Lämmer oder eine Omertà, die vor allem rückwärts als Anerkennung funktioniert. Denn ganz erkennbar liegen hier und dort schon mal die Nerven blank, wobei dann – pardauz! – die Professionalität über Bord gegangen scheint. Die Operette des Wettlaufs zwischen Igel und Hase wird auf offener Bühne gegeben, sehr zum Wohlgefallen für kluge Segler, die eine eigene Meinung wagen, abgesehen vom Schiff, das ihnen ja auch nicht in den Schoß gefallen ist!

Monetarisierung

Vermutlich bin ich im Wassergeschäft einer der letzten Mohikaner, der sich um das Wohlergehen und Marketing seiner Marke selbst bemüht, was sinnvoll ist, da ich auch den Wertschöpfungsprozess bis zur letzten Schraube selbst vollziehe. Warum also sollte ich für eine Optimierung der Aussendarstellung durch Banner und Inserate Geld ausgeben, zumal PR Kosten in Marktpreise hätten eingearbeitet werden müssen? Wie ein Freelancer, den ich zu einem Bericht ermuntert, ehrlich und trefflich formulierte: „ ich habe die Technik noch nicht ganz verstanden“, aber er wollte sich gleichwohl zunächst Gedanken über die Honorarfrage machen, „ ich müsse das verstehen!“ Ein Dauerspagat, der Schmerzen zwischen den Beinen hinterläßt.

Wenn also Wasserblätter eigene Mitarbeiter oder Freelancer zu einem Bericht über die komplexe Thematik von Heckverzierungen ermuntern, was ja immerhin ein fertiles Thema ist, gerät für mich zur Herausforderung, als „Geist hinter den Kulissen“ auf seriöse Nachfragen helfend zu unterstützen! Denn, nicht wahr, fehlerhafte oder unvollständige Berichte verursachten Schäden, die ich hernach im Dialog wieder auszubügeln hätte, keineswegs meine Lieblingsbeschäftigung. Im Ergebnis wurden und werden seit Jahren Berichte veröffentlicht, bei deren Erstellung ich gerne mitgeholfen habe, da ein redaktionell vorgegebener Zeitrahmen regelmäßig schlafraubend auf den Hacken drückt und sparsame Honorare für Freelancer zudem kaum Raum lassen, zu sorgfältiger Recherche. Wenn allerdings die Thematik von Heckverzierungen komplett ausgeklammert wird – Stichwort: das Schweigen der Lämmer! – droht am Ende der nächste Spagat, der angesichts einer anspruchsvollen Leserschaft, durchaus negative Strahlkraft auf die eigene Aussendarstellung zur Folge haben kann. Das wäre dann die Kugel im eigenen Schuh!

Gänzlich kurios, als ich im August 2020 vonseiten der Redaktion eines Wasserblattes in Cuxhaven kurz und knapp aufgefordert wurde, Zeichnungen, Fotos und Produktionszahlen verkaufter Systeme für eine Gegenüberstellung und Auflistung gängiger Windsteueranlagen bereit zu stellen! Ich vermutete schon Morgenluft in Cuxentown und habe meine Unterstützung zugesichert. Nach einem freundlichen Dankeschön allerdings dann Sendepause – bis heute. Allerdings hat der 1.Vorsitzende jenes Vereins wenige Tage später seinen Job quittiert. Seitdem quält mich der Gedanke: Windpilot immer noch eine klaffende Wunde oder Juckreiz, der chronisch geworden ist? Ich bin jedenfalls verwirrt, denn nahezu zeitgleich hatte auch Wolfgang Quix um Unterstützung gebeten – und erhalten:

Wolfgang Quix

Kürzlich hat mir ein Windpilot Segler und Profi im Beritt der Journaille den Schleier von den Augen gerissen, indem er mit der Axt Journalismus von PR differenzierte, dabei messerscharf Segel-Sport-Journalismus durchgängig als Varianten von PR klassifizierte, wohingegen Journalismus zutage zu fördern trachtet, was Machthaber ( Konzerne, Regierungen, Politik etc. pp) vorzugsweisse vor der Öffentlichkeit zu verstecken trachten. Der Mann geht nun segeln, wie er sagt: 35 Jahre sind genug! Ich bin immer noch ganz benommen, bin ich denn jahrelang einer Fata Morgana hinterher gelaufen? Habe ich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte zu Unrecht einen Anspruch seriöser Leser als Selbstverständlichkeit angenommen und kultiviert, dass man ihnen eine seriöse journalistische Aufarbeitung- z.B. skandalöser Zusammenhänge einer Vereins-Vergangenheit – schuldig sei? Die Fakten glänzen in der Sonne!

Wenn also das Posten und Drucken von Pressemitteilungen als preiswerter Weg zu Content einer journalistischen Aufarbeitung – oder gar Recherche! – vorgezogen wird, geraten wichtige Fakten schon mal aus dem Fokus einer wissbegierigen Leser – und Seglerschaft, was zu bedauern ist. Diesem Trend entgegen zu arbeiten, gerät zum Job für Don Quichotte, der rund um den Kopf von blauen Flecken übersäht, weil er einem Dauerfeuer ausgesetzt, Schwierigkeiten bei der eigenen Aussendarstellung hat. Sarkasmus ist für Siegertypen!

Phyllis Nickel, die Frau von John Harries schrieb mir vor einigen Monaten jenen denkwürdigen Satz, dass sie mit dem Verkauf von Informationen „Ihr Geld zu verdienen hätten“, derweil ich mit Windpilot über ein Produkt verfüge, was eine ungleich bessere Ausgangsposition beinhalte … Ein Stigma fühlt sich ganz ähnlich an!
Nun denn, meine besten Argumente segeln seit 50 Jahren durch die Welt: meine Heckverzierungen tun, wofür sie gedacht: sie steuern, ohne Skipper zu ärgern … eher das Gegenteil, weil sich ihre Zufriedenheit in der Cruising Community herumgesprochen hat … derweil ich auf der Mauer liege … und waaarte, darauf vertrauend, dass es weitergeht. Eine Geschichte aus der ich – eigentlich! – nicht mehr rauskomme … aber will ich das? Kein Geheimnis, eher eine Frage!

Wo es klemmt? An der immer gleichen Stelle: wenn Menschen den Respekt verweigern, mir anstelle von Bezahlung ihren guten Namen unter die Nase zu halten suchen, den sie als Währung zu verwenden trachten. Kurz, wenn Versprechen abgegeben werden, die Bekanntheit meiner Marke in der Welt voranzutreiben! Ein Deal, dessen Einlösung gern hinter dem Horizon verschwindet, dessen Sinn darin besteht, ohne Bezahlung an der Kasse zu entwischen. Denn: die beste Anerkennung für ein Produkt ist stets der Gegenwert am Kassenschrank. Oder krasser: was nix kostet, ist nix wert. Das hat schon mein Opa so formuliert.

Auf der anderen Seite – und das ist die schöne Botschaft, reflektieren tausende Segler ihre Zufriedenheit und bilden den Humus zur weiteren Verbreitung meiner Marke, ein schönes Kissen für einen Mann, der seit 45 Jahren exakt für diese wundervolle Situation gelebt und morgens weiter aus der Koje steigt, obwohl er seine Seefahrt Rente bereits seit 10 Jahren sicher hat.

Wollen wir uns also gegenseitig danken? Fragt sich und Sie?

11.04.2021
Peter Foerthmann

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