Ivalu

IVALU SEIT JAHRZEHNTEN UNTER WINDPILOT UNTERWEGS

Die IVALU begleitet mich seit fast 50 Jahren, okay, ich sollte das hier präzisieren: ich habe 4 Ivalu´s im Kopf, die eng mit einer Familiengeschichte verwoben, die rund um mein eigenes Leben stattgefunden hat. An den Hecks von drei Ivalu´s jedenfalls waren Windpilot Systeme verschraubt.

Eine komplizierte Geschichte um einen wundervollen Schiffsnamen, der in einigen Familien Entsetzen und Aufregungen verursacht hat, weil der Name anlässlich einer Ehescheidung einter Zellteilung unterzogen wurde. Fortan pflügten zwei Schiffe gleichen Namens durch die Meere.

Namensgeberin die Mutter von Barbara Kruse, geb.Mensing, einer überaus engagierten – ehrgeizigen trifft es wohl besser! – Dame aus Oelixdorf, die ihren Segel Enthusiasmus an ihre Tochter gentechnisch transferierte – oder war das eine App? Im JKN in Wedel jedenfalls hatten sich altgediente SeglerMännerHasen daran zu gewöhnen, dass auf der Ivalu stets die Dame das Ruder in der Hand, wohingegen die männliche Besatzung mit den Leinen klar zu kommen hatte. Was auch gelang, wenngleich hier und dort gegrinst wurde, weil der maskuline Blick auf die ganze SegelChose irgendwie einen Knacks erlitten hatte. Passte den Herren erkennbar nicht! Segeln paradox hiess das Spiel, wobei Barbara auch in Regatten jeden Schneid besass, männliche Kreaturen beim Tonnenmanöver zu blamieren. Die Kerle standen reihenweise im Regen oder Unterhemd, entsprechend verklemmt geriet ihr dennoch Grinsen. Hafenkino pur – Kerle stur!

Schiffswechsel zu Beginn der 70 ger Jahre: das Folkeboot wurde durch eine Sparkman & Stevens Aqua 30 ersetzt, erworben von einem Nerzzüchter in Maasholm, Lloyd 2-Takter Maschine mit Start Tuberkulose mitten unter dem Salontisch, weshalb dort jedermann nur mit vornehm zur Seite verdrehten Beinen Platz nehmen konnte, mit Rock ging das am besten.

Ungewöhnlich, aber Dieter Schäfer, viele Jahre der Ehemann von Barbara, hat sich offenbar daran gewöhnt, denn er ist diesem Schiff seit bald 50 Jahren treu, beide sind also auch nicht mehr ganz neu, wenngleich sportlich und spritzig bestens in Schuss und mit einem zeitlos schönen Schiff immer noch unterwegs.

Der Konflikt und die Zellteilung um den Schiffsnamen hat in den 80ger Jahren stattgefunden. Diesmal allerdings kein Schiffs, sondern ein Männerwechsel. Barbara wollte die Scheidung und den Schiffsnamen, Dieter hat allerdings diesen letzten Kampf für sich entscheiden können. Wenig später lagen dann zwei Ivalu im Hafen: Eine knallrote Wauquiez Chance 37, genannt auch „die rote Sau“, hat in den dann folgenden Regatten nahezu jeden plattgemacht, egal ob in Luv oder Lee, Barbara am Rad, Gernot an Winschen und Tütelbändern. Wer mit Barbara segeln wollte, hatte die Bordordnung – zumindest im Stillen! – zu akzeptieren, ein Gesetz das vermutlich nirgends aufgeschrieben stand, und #Hashtags waren damals unbekannt. Gernot hat das einige Jahre tapfer ausgehalten.

Es wurde in der Folgezeit dann ein wenig unübersichtlich, denn wir hatten seit Jahrzehnten ein weiteres rotes Schiff im Verein, dessen Skipper der Ivalu in jeder Hinsicht das Wasser reichen konnte. Sein Schiff Najade, Optimist Eintonner GFK Nachbau aus Hamburg, ein Schnellboot der Extraklasse, er selbst wortkarger Singlehander, von Beruf langjähriger Oberindianer des Germanischen Lloyds, und – keiner konnte sich das bei diesem attraktiven Mann erklären! – Junggeselle!

Es hat jedenfalls irgendwie eine Kollision gegeben, der Verein hatte was zu betuscheln. Robert, beruflich bereits in Freiheit gesetzt, Barbara hingegen, als gestrenge Paukerin noch nicht ganz dienstfertig, haben ein Sabbatjahr genutzt, um sich an Bord „der roten Sau“ gemeinsam noch weiter auf die Pelle zu rücken, diesmal auf der grausamen See. Zunächst war noch eine Windpilot Atlantik IV am schlanken Heck, die allerdings vor der grossen Reise durch eine Pacific ersetzt wurde. Es ging Richtung Patagonien … und zurück.

In kurzer Folge war dann wieder ein Schiffswechsel fällig. Der Name Ivalu wurde sodann an dem Axel Mohnhaupt 42 Design angemalt, einem Einzelbau in Aluminium, dem kurze Zeit später eine neue Pacific am Heck montiert wurde.

Der Name wurde erst in die Freiheit entlassen, als das Schiff nach Austria verkauft wurde. Corinna und Martin haben mit der Ivalu eine Weltumsegelung vollzogen, die im obigen Video zu betrachten ist.

Ein Schiff übrigens, dass obgleich seit Jahrzehnten im Einsatz, in Bezug auf Konzeption und Bauweise noch heute beweist, welche Kenner und Könner hier unterwegs gewesen sind, eine ideale Blauwasseryacht zu entwerfen, und zu bauen, die jederzeit klar für die nächste Challenge ist.

Hamburg 12.07.2020
Peter Foerthmann

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