SV Maselle

Zwischen La Palma und El Hierro fangen wir kurz vor Sonnenuntergang zwei Bonitos.
Beide zusammen wiegen 16kg. Zu viel Fisch für uns allein. Einen Teil essen wir gleich, einen Teil kochen wir ein und den Rest trocknen wir nach dem 3S – Verfahren: Säubern, Säuren (mit Zitronensaft oder Essig), Salzen. Wir haben immer noch viel zu viel Fisch, deshalb organisieren wir ein gemeinsames Essen mit den Seglern an der Hafenmole von Puerto de la Estaca. Den letzten Teil der Fische tauschen wir mit amerikanischen Ärzten gegen „Health Food “ ein, Reis mit Erbsen im Alubeutel. Wir kochen lieber selbst und behalten diese Mahlzeiten in Reserve, falls es mal stürmt.

Nach einer gemütlichen Überfahrt zu den Kapverden ankern wir in Palmeira auf Sal.
Frisches Wasser gibt es nur von der Dorfzisterne. Gabrielle trägt einen Wasserkanister auf dem Kopf. Das bleibt nicht unbemerkt. Beim Einkauf in der Merceria werden wir darauf angesprochen, die Einheimischen haben ihre Freude daran. Die Menschen sind zu Beginn oft etwas scheu, aber immer freundlich. Nach ein paar Tagen werden wir lieb gegrüsst und manchmal ergibt sich ein kurzes Gespräch. Gabrielle behandelt zweimal den Dorfpolizisten, er hat die Halskehre. Wahrscheinlich ist er beim Fernsehen auf dem Posten in einer schrägen Haltung eingeschlafen.
Wir erleben ein europäisches Afrika: Die Preise sind fix und für uns gleich wie für die Kapverden. Die Auswahl ist klein. Vor allem Früchte und Gemüse sind relativ teuer, da alles ausser Fisch importiert werden muss.

Der frische Fang wird im Hafen gleich zerlegt und verkauft, die Abfälle zurück ins Wasser geworfen. Wir warten auf Thomas Tochter Toja. Zum Zeitvertreib und als Training tauchen wir jeden Tag mehrmals der Ankerkette im trüben Wasser entlang. Wir sehen nicht viel, ist auch besser so, denn wer weiss, was alles von den Fischabfällen angelockt wird.

Mit dem Sammeltaxi fahren wir zum Hauptort von Espargos. Abends spielen Knaben Fussball und Jugendliche sitzen vor ihren Laptops, denn hier hat es freies Internet. Am Nachmittag sah es hier noch ganz anders aus. Senegalesen versuchten Sonnenbrillen, Uhren, Schmuck oder Strandtücher zu verkaufen, einheimische Frauen boten Bananen, Papayas, Yams, Tomaten und Peperoni (Paprika) feil. Toja ist da und wir segeln weiter.
Die Kapverdischen Inseln unterscheiden sich stark: Sal, Boavista und Santa Luzia sind karg und kahl, São Nicolau und São Vicente sind fruchtbar und grün. Die Menschen sind überall aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich. In Mindelo bereiten wir uns für die nächste Überfahrt vor: Ein paar kleinere Reparaturen, grosse Wäsche und Grosseinkauf. Gemüse und Früchte kaufen wir bei den Händlerinnen am Strassenrand ein. Teigwaren, Reis, Mehl und Konserven haben wir in Bordeaux ausreichend gebunkert und auf den Kanarischen Inseln sicherheitshalber aufgestockt.

Wir starten am Sonntag, den 5. Dezember 2010, unsere Atlantiküberquerung.
Wir erleben keine klassische Überfahrt mit konstantem Nordostpassat. Die ersten drei Tage kommen wir trotz schwachen nördlichen Winden gut voran, dann kriegen wir schon die ersten Squalls ab, kalte Gewitterzellen ohne Blitz und Donner. Die Ausläufer eines atlantischen Tiefs lassen uns 18 Stunden selbst steuern, da die Kombination von sehr starkem Wind aus Nordost und hohen Wellen aus Nord unsere bisher stets zuverlässige Windsteueranlage überfordert. Toja hat es nicht leicht, sie ist oft seekrank, denn der Wind bleibt nach dem Sturm stark. Die Windsteueranlage übernimmt das Ruder wieder zuverlässig.

Wir fangen keine Fische, beisst doch mal einer an, so reisst er sich mit Köder los oder es ist ein Kugelfisch. Da wir keine Japaner sind, essen wir ihn nicht.

Am 24. Dezember 2010 kommen wir in Scarborough auf Tobago an und klarieren ein.
Wie in der Schweiz wird Weihnachten auch hier mit der Familie privat gefeiert. Es ist schwierig ein Restaurant zu finden. Schliesslich essen wir eine Pizza beim Italiener. Als die Musik so laut abgespielt wird, dass wir nicht mehr miteinander reden können, gehen wir heim zur GatoRali.

Auf der Überfahrt bekamen wir fast jede Nacht Regenschauer ab. Seit wir in der Karibik sind, regnet es sehr oft auch tagsüber. Das ist gut für Deck und Segel, so werden sie vom Salz befreit, weniger toll für uns, weil wir nicht so häufig duschen wollen. Die Flüsse und Bäche führen Hochwasser und spülen viele Trübstoffe ins Meer. Deshalb ist die Sicht unter Wasser schlecht. Die zwei Schwarzspitzen Riffhaie, die sich angeblich in der Store Bay tummeln, sehen wir beim Schnorcheln nicht.
Mit einem Mietauto und zu Fuss erkunden wir Tobago. Wir spazieren im Regenwald und baden unter Wasserfällen. Ein Rastaman offeriert uns eine im Feuer gebackene Brotfrucht, sie schmeckt wie eine Mischung aus Kartoffeln und Marroni, zusammen mit einer Knoblauch-Zwiebel-Peperoni-Sauce hervorragend. Er offeriert uns frische Kakaobohnen, welche von einer weissen, gallertartigen, süssen Paste umgeben sind. Wir lutschen sie wie ein Bonbon, essen kann man sie nicht. Mit seiner Machete schlägt der Rasta von einer wilden Bananenstaude einen grossen Büschel mit unreifen Früchten ab. Wir schälen ein paar grüne unreife Bananen mit öligen Händen, weil sie so klebrig sind und kochen sie wie Kartoffeln, den Rest hängen wir an die Reling. Nach einer Woche essen wir jeden Tag reife Früchte. Toja verlässt uns am 3. Januar 2011. Wir segeln die Nacht durch nach Grenada. In der Prickly Bay treffen wir Shuin und Laurent aus Bordeaux, die auch für ein Jahr mit ihrem Schiff unterwegs sind. Mit ihnen ankern wir in verschiedenen Buchten von Grenada und besuchen die Hauptstadt St. George’s.

Auf Sandy Island erleben wir endlich die Bilderbuch-Karibik.
Das Wasser ist klar und das Schnorcheln ein Genuss. Wir fangen wieder mal einen Fisch, einen Barrakuda. Gegen Wind und Wellen kreuzen wir in Tagesetappen nordwärts nach Martinique um Thomas Sohn Gabriel abzuholen. Auf St. Lucia wollen wir in der Jalousie Bay übernachten. Wir kommen erst in der Dunkelheit an, zum Ankern ist es hier zu tief. Es hat Bojen, doch wo sind sie? Es regnet in Strömen und wir brauchen lange, bis wir endlich die letzte freie Boje entdecken. Dummerweise fehlt an dieser Boje der Belegring. Nach mehreren vergeblichen Versuchen eine Leine gegen den starken Wind um die Boje zu werfen, hilft uns ein Einheimischer, der glücklicherweise gerade zwei Leute mit seinem Dinghy zum Nachbarschiff brachte. Völlig durchnässt geben wir ihm ein paar Dollars und damit er auf dem Heimweg nicht friert, verlangt er noch einen kräftigen Schluck Rum. Die ganze Nacht hindurch rütteln Fallböen an der GatoRali. Am Morgen dann ist es ruhig und die faszinierende Kulisse zwischen den beiden Vulkankegeln, den Pitons, und die reichhaltige Unterwasserwelt entschädigt uns für all die Mühen.

Die Marina Le Marin in Martinique ist übervoll, damit haben wir nicht gerechnet. Zuerst werden wir abgewiesen und ankern neben dem Fahrwasser vor dem Hafen. Wir hören den Hafen-Funkverkehr auf Kanal 09 mit und Gabrielle meldet sich nervensägemässig jede Viertelstunde. Nach fünf Stunden bekommen wir so einen Platz am Steg.
Wir müssen wohl auf manche Segler einen erbarmungswürdigen Eindruck machen. Schon auf den Kapverden schenkte uns eine Chartercrew 70 Liter Wasser in Flaschen und Esswaren, in Grenada erhalten wir einen defekten Aussenborder und in le Marin (Martinique) bekommen wir wiederum von einer Chartercrew 42 Flaschen Wasser, 48 Dosen Bier, 2 Liter Rum, 10 Liter Milch, 2 Flaschen Rotwein, Orangen, Limetten, Grapefruits, Kokosmilch, Toastbrot, Zwieback, 5 Säcke Holzkohle und vieles mehr. Kaum haben wir dieses verspätete Weihnachtsgeschenk verstaut, ist auch schon Gabriel da. Es liegt auf der Hand, dass wir nun einen Holzkohlegrill brauchen, diesen finden wir auf einem Flohmarkt für Bootszubehör. Was jetzt noch fehlt, ist der Fisch, zum Glück nicht lange. Barrakuda mariniert und grilliert schmeckt einfach köstlich. Wir brauchen uns keine Sorgen wegen Ciguatera zu machen, denn südlich von Guadeloupe existiert sie nicht.
FORTSETZUNG FOLGT

SV GATORALI – Teil 2

In Camariñas lassen wir GatoRali an der alten Hafenmauer trocken fallen.
Ein kleines Abenteuer! Wir verlagern möglichst viel Gewicht, wie Wasser- und Dieselkanister, auf die Steuerbordseite, damit sich das Schiff auf dieser Seite an die Mole lehnt. Wir versuchen den Schaden am Ruder zu beheben, was uns leider nicht gelingt. Bei Flut um Mitternacht kommen wir nicht los, der Kiel kommt nicht vom Grund weg. Auch mit Vollgas im Rückwärtsgang geht es nicht. Alle schweren Sachen wandern an Land, Thomas auch. Erst mit einer langen Leine von Land her über die Genuawinsch kann Gabrielle GatoRali rückwarts ins tiefere Wasser ziehen.
Von Muxia segeln wir unter Fock und Grosssegel los, schon bald binden wir das erste Reff ins Gross, dann wechseln wir die Fock gegen eine kleinere aus und reffen das Gross ein weiteres Mal, um es später ganz zu bergen. Das Cabo Finisterre gilt als Starkwindgebiet und ist es auch heute. Nur mit der kleinen Fock gleitet GatoRali auf räumlichem Kurs durch die Wellen, die Delfine freuts. Stundenlang begleiten sie uns und bieten eine Show mit vielen eindrucksvollen Sprüngen neben uns, vor uns und hinter uns.

In Portosin hebt ein Kran unser Schiff aufs Trockendock. Der Hafenmeister ist zwar ausgebucht, doch als er mitbekommt, dass wir Deutsch sprechen, findet er eine Lücke für uns. Er hat jahrelang in Düsseldorf gearbeitet und freut sich, wieder mal Deutsch zu reden: „Pass maa auf, machen wir so.“ Und schon ist GatoRali aus dem Wasser. Die ursprüngliche Fixierung des Skegs ist mangelhaft und hat Spiel. Hier kam das Wasser rein. Wir nehmen es ab und lassen das Schiff trocknen.

Das Hinterland von Galizien riecht gut.
Mit dem Mietauto fahren wir durch Pinien- und Eukalyptuswälder. Leider sehen wir auch jeden Tag Waldbrände. In unserer Bucht holen die Löschflugzeuge Wasser. Wir besichtigen Santiago de Compostela, Finisterre, Muros, Isla d’Arousa, Vigo und vieles mehr.

Portosin gefällt uns sehr: Ein schlichtes Fischerdorf ohne Touristenattraktionen. Jeden Morgen heulen die Sirenen, wenn die Fischer einlaufen, abends essen wir in der einzigen Bodegon Sardinen und weitere Tapas.

Wir bauen das Skeg mit Epoxy und Glasfasermatten neu auf, das dauert. Nach zehn Tagen ist es endlich soweit. Die Reparatur ist fertig, das Ruder wieder montiert. GatoRali bekommt noch einen neuen Unterwasseranstrich von uns und ab gehts wieder ins Wasser. Obwohl wir beide dieses Prozedere schon mehrmals erlebt haben, sind wir nervös. Die Marineiros aber beherrschen ihr Metier und setzen das Schiff sanft zurück ins nasse Element.
Wir haben Glück im Unglück. Die Marina bot uns allen Komfort, wir konnten frei am Schiff arbeiten und jeden Tag am Hausstrand nebenan baden.

In kurzen Tagesetappen gelangen wir der Küste entlang nach Süden.
Im Windschatten der Islas Cies wettern wir gut geschützt eine Kaltfront ab, es pfeifft gewaltig, das Wasser fliegt von den Wellenkämmen hinter uns.

In Baiona finden wir innerhalb einer Stunde alles, was auf unserer maritimen Einkaufsliste steht.

Nur mit dem Echolot als Navigationshilfe suchen wir unseren Weg durch die Sandbänke in den Grenzfluss Foz do Minho. Papierkarten haben wir von dieser Region keine und die elektronischen sind ungenau. Nun verlassen wir Spanien und ankern auf der portugiesischen Seite, wo wir geschützt eine sehr ruhige Nacht verbringen.
Ganz anders geht es im Vorhafen von Leixoes bei Porto zu. Morgens um acht werden wir durch drei Signaltöne geweckt, gefolgt von einem riesigen Knall, der unser Schiff vom Kiel bis in die Mastspitze erzittern lässt. Der Hafen wird für Kreuzfahrtschiffe vertieft, zuerst wird gesprengt und dann ausgebaggert. Wir flüchten vom Lärm und besuchen Porto. Abends machen wir dann Lärm. Alle Segler der hier geankerten Schiffen treffen sich am kleinen Hafenstrand für einen Sundowner. Mit Australiern, Südafrikaner, Belgier, Franzosen trinken wir Bier bis die Polizei auftaucht. Sie kommt nicht wegen des Lärms, sondern weil wir neben einer Gasleitung feiern. Nicht nur die Raucher gucken etwas irritiert und wir verlagern die Party auf das Schiff der Südafrikaner.
Unterwegs nach Nazaré sehen wir Haie an der Wasseroberfläche. Wir spüren gerade keine Lust zum Baden! In Nazaré treffen Tourismus und Tradition aufeinander. In Trachten gekleidete Frauen legen Fische zum Trocknen an der Sonne auf Holzgestelle, während sich ein paar Meter entfernt Badesgäste im Sand räkeln.

Von Lissabon aus setzen wir zur Insel Porto Santo über.
Wir haben ein gutes Wetterfenster. Der Wind nimmt stetig zu. Wir erreichen in den Surfs die Wellen runter mehr als zehn Knoten. Wir sehen kaum Schiffe, dafür fangen wir täglich Fische. In Porto Santo wandern und tauchen wir oder gleichen unseren Schlafmangel aus.
Auf Madeira gönnen wir uns einen Liegeplatz in der Marina von Quinta do Lorde, mieten ein Auto und erkunden die Insel. Wir sind fasziniert von den schroffen Lavaklippen und wandern alten Bewässerungskanälen (Levadas) in den hoch gelegenen Wäldern entlang. Diese Insel ist so gebirgig und steil, dass die Landepiste vom Flughafen auf Betonpfeiler ins Meer hinaus gebaut wurde. Unter dieser breiten Piste befinden sich Fussballfelder, Tennisplätze, Schiffe auf dem Trockenen und Parkplätze.
Auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln stoppen wir bei Selvagem Grande und Selvagem Pequena. Beide Inselchen gehören zu Portugal und sind Naturschutzgebiet. Wir werden vom Parkwächter zu einem Bier und einer Inselbesichtigung eingeladen. Hier gibt es einige endemische Tier- und Pflanzenarten, z.B. Sturmvögel, die nur hier brüten und deren Ruf tönt, wie wenn Kinder in Plastiktröten aus Tischbomben pusten, und Gekkos. Aus den ansässigen Sukkulenten wurde früher Seife gewonnen.

Auf La Graciosa geniessen wir Sonne, Sand und Meer, sonst ist nichts los.
Trotzdem finden wir gerade hier die lange gesuchte Popnietzange in der kleinen Ferreteria.

Immer wieder treffen wir die Segler von Leixoes und auf Lanzarote feiern wir Ewans Geburtstag in einem kleinen Fischrestaurant. Dafür fährt die Besatzung von drei Schiffen mit zwei Beibooten an den Strand. Gabrielle sitzt mit Tony und Oscar im glücklichen Dinghy und isst ihren Zackenbarsch in trockenen Kleidern. Das Geburtstagskind, sein Vater Gerd und Thomas werden beim Anlanden von einer grossen Welle erfasst, das Beiboot überschlägt sich und alle werden getaucht. Zum Glück geht nichts verloren und der Aussenborder springt gleich wieder an. Den Wirt stört es nicht, dass die drei eine Sand-Wasser-Spur durchs Restaurant ziehen. Zum Aufwärmen spendiert die gute Seele nach dem Essen nicht nur ein Gläschen Schnaps, sondern stellt gleich eine ganze Flasche Ron Miel auf unseren Tisch.
Auch auf Lanzarote mieten wir ein Auto und fahren durch die archaisch bizarre vulkanische Landschaft. Obwohl nur 120ml Regen pro Jahr fällt, wird Wein angebaut, dank der porösen Vulkanasche, die den Morgentau speichert.

An der Küste vor Fuerteventura sehen wir Grindwale und fangen einen fetten Bonito.
Auf Gran Canaria ankern wir vor einer Hotelanlage an der berühmten Playa Ingles und trinken im touristischen Puerto Mogan das teuerste Bier unserer Reise. An der felsigen, steilen Nordwestküste sind wir hingegen ganz allein und schnorcheln drei Tage lang mit Nacktschnecken, Zackenbarschen und roten Papageienfischen.

Auf Tenerife durchqueren wir weite Lavafelder und sehen den höchsten Berg Spaniens, El Teide. Juan, den wir auf Selvagem kennengelernt haben, fährt uns ins Landesinnere in die Berge nach La Laguna. Wir sind auf 500 Meter über dem Meeresspiegel, es regnet und wir frieren, auf einen solchen Temperaturunterschied waren wir nicht gefasst. Juan nimmt uns mit in einige der schönsten und stimmungsvollsten Tapaderas. Wir essen kanarische Spezialitäten, wie Queso asado (frittierter Ziegenkäse) und Papas arrugadas (im Meerwasser gekochte Pellkartoffeln).
Im und um den Hafen von Santa Cruz haben wir gute Möglichkeiten uns mit Schiffszubehör einzudecken. Wir kaufen ein AIS und bauen es ein. Alle grossen Schiffe senden permanent ihre Position, Geschwindigkeit, Kurs und Schiffsname über UKW. Auf dem AIS-Bildschirm empfangen und sehen wir Schiffe im Umkreis von 16 Seemeilen. Wir können viel früher reagieren, wenn ein Schiff auf uns zusteuert. Die Nachtwachen werden entspannter, allerdings haben wir dann auf der sechstägigen Überfahrt von den Kanaren zu den Kapverden nur drei Frachter in sicherem Abstand gesehen.

Die Kanaren sind ein Starkwindgebiet. Zwischen den Inseln wird der Wind wie in einer Düse beschleunigt, wir haben Spass und segeln meist gerefft.

Wir lieben die kleinen kanarischen Bananen. Auf La Gomera wachsen sie in Hülle und Fülle und schmecken uns besonders gut. Die Dörfer zwischen den Plantagen setzen sich farbenfroh vom satten Grün ab.
FORTSETZUNG FOLGT

SV GATORALI – WIE ALLES BEGANN – FORTSETZUNGSGESCHICHTE

Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser
2004 kauften wir ein Segelboot in Bordeaux: GatoRali, eine 30 Fuss polyesterverstärkte Sperrholz- Eigenkonstruktion aus dem Jahre 1978, mit Pinnensteuerung, ohne Sprayhood, Bimini, elektrische Ankerwinsch, ohne Rollgenua, dafür drei Vorsegel zum Wechseln.
Mit ihr segelten wir jeden Sommer der atlantischen Küste Frankreichs entlang nach Süden oder Norden, bis La Coruña in Spanien oder über die Scilly Inseln bis nach Plymouth im Süden Englands.
Im Juli 2010 wagten wir den Sprung über den Atlantik, verbrachten den Winter in der Karibik und kamen im August 2011 zurück nach Torrevieja in Spanien im Mittelmeer.
Eigentlich sind wir jetzt, wo wir dieses Vorwort schreiben, an der Arbeit an einem Buch über die Reise mit unserem Segelboot Maselle, welche 2015 in Bordeaux begann und 2020 durch Corona in South Carolina unterbrochen wurde. Aus einer Laune heraus haben wir unsere alten Reiseberichte von 2010/2011 hervorgenommen und fanden, weshalb nicht zuerst daraus ein Büchlein zu gestalten, kurz und knapp, schnell zu lesen, mit Bildern natürlich, die dich träumen lassen und das Fernweh und die Abenteuerlust wecken.
Auch wenn sich in den letzten Jahren vieles verändert hat, die Welt gefühlt enger geworden ist, die Mehrheit der Charterboote in der Karibik Katamarane sind, die Ankerplätze durch Bojenfelder ersetzt wurden, ist dennoch vieles möglich, wenn man denn lossegelt.
Muttenz im März 2021
Gabrielle Heggli Guerra und Thomas Guerra

Den Hafen von Bordeaux zu verlassen ist nicht einfach.
Drei Brücken und zwei Schleusentore müssen geöffnet werden. Über zwei Brücken fährt ein Tram. Nun lässt sich eine Brücke bei Hitze nicht öffnen, da sie sich zu weit ausdehnt oder die Trambetreiber verweigern einen Unterbruch der Tramverbindung oder die Schleusenwärter streiken. Nach fast vier arbeitsreichen Wochen in Bordeaux können wir am Samstag, 24. Juli glücklich die Schleuse passieren, fahren gemütlich die Garonne und Gironde runter. In Pauillac schauen wir den Velorennfahrern der Tour de France zu.
Die Weiterfahrt nach Port Medoc wird mühsam: Zwar segeln wir anfänglich mit gutem Wind, leider dreht dieser zu unseren Ungunsten auf die Nase und wird stärker, so dass wir keinen Meter in Richtung Ziel gutmachen. Wir starten den Motor und stampfen die letzten 12 Meilen durch unangenehme Wellen, bis wir endlich um halb zwei nachts im Hafen anlegen. Nach ein paar Stunden Schlaf und einer guten Hafendusche segeln wir über die Gironde nach Royan und testen unsere Windsteueranlage, die wunderbar funktioniert. Abends besuchen wir mit Freunden aus Bordeaux ein klassisches Konzert am Strand. Am nächsten Morgen in der Früh werfen wir unsere Leinen los und überqueren den Golf von Biskaya. Unser Ziel ist La Coruña.
Das uneingeschränkte Seglerglück an der spanischen Atlantikküste dauert etwas mehr als eine Woche. Wir hatten eine gute Überfahrt nach la Coruña, sahen Meeresleuchten und Delfine. La Coruña präsentiert sich uns als Mischung zwischen Fischereihafen, lebendiger Grossstadt mit Shopping-Meilen und verwinkelter Altstadt, Bade- und Touristenort. Wer frittierte Meeresfrüchte mag, ist in Galizien genau richtig. Leider stellen wir fest, dass vom Ruder her etwas Wasser ins Schiff dringt. Trotzdem machen wir kurze Schläge der galizischen Küste entlang und ankern vor Fischerdörfern. Stets haben wir starken Wind und obwohl das Wasser 15°C kalt ist, baden wir täglich im Meer.

FORTSETZUNG FOLGT

DER WINDPILOT HAT SICH DAS BEIN GEBROCHEN

Nach einem harten Arbeitsleben
hat sich der Windpilot der See ergeben
der Atlantik hatte ihm das Bein gebrochen
am unteren Knochen
Oh Schreck,
denn plötzlich war das Ruder weg.

ARBEITSZEITVEREINBARUNG
Die Steuerzeiten mussten neu vermessen werden
nachdem der Steuerknecht frech den Job geschmissen
die Schweizer hatten fortan selbst steuern
anstatt die Nerven schlafend zu erneuern
eine fette Strafe, jedenfalls, wenn man sich daran gewöhnt,
dass steuern still und automatisch geht,
derweil man sich wohlig in der warmen Koje dreht,
weil der Peter steuert, ohne Schlafen
bis zum Hafen
mindestens!

WER SCHLÄFT, SÜNDIGT NICHT
Weil man auf See an Deck eigentlich nix versäumt
wenn die See dort schäumend das Cockpit räumt,
und der Mond seine einsamen Runden dreht
derweil der Peter macht, wofür er gebaut
und dem Weib nicht Tag und Nacht versaut
sie sich in Ruhe auf den Landgang vorbereiten kann
um sich zur flotten Skipper Biene zu gerieren
für den eigenen Skipper Mann, der ansonsten auf allen Vieren
obwohl er doch fast alles kann
inklusive steuern.

DOKTOR FÖRTHMANN
Die Schadens Diagnose erfolgte online und über Nacht
Peter hatte da nix falsch gemacht,
seinerzeit in seinen wilden jungen Jahren,
denn der Windpilot war bereits im Rentenalter
war mit 40 Jahren kein frischer Falter
zumal er an filigranem Balkongeländer
wenig solide angeschraubt
mit Verlaub!

EIN FRAGE DER EXISTENZ
Wie soll denn ein Hersteller existieren,
wenn seine Produkte so ewig lange leben?
Wie soll er seine Miete leisten
wovon soll er Laster, Luxus und seine Frau bezahlen?
Ist er mit 71 Jahren noch nicht alt genug
für den Ruderbruch?
Es wurde Zeit,
endlich war es soweit:
die Schweiz bezahlt!

Danke Gabrielle – Danke Thomas
es wurde Zeit, dass wir uns kennen zu lernen hatten!

WIESO WARUM WESHALB

Warum das Heck unserer Maselle (Melody 34) eine Pacific von Windpilot ziert.

Als unsere alter Windpilot Atlantic das Bein brach, begann unsere Suche nach einer neuen Windsteueranlage. Am Schluss kamen drei Modelle verschiedener Hersteller in die engere Wahl. 
Jedes hat ihre Pros und Contras. 

Wir haben uns für die Pacific entschieden, weil:
– sie uns empfohlen wurde.
– sie im Internet gut abschneidet.
– Peter Foerthmann umfangreiches Bildmaterial zur Montage auf verschiedene Bootstypen hat.
– Peter nie schläft und auf unsere Emails in gefühlten Sekunden antwortet.
– die Beratung und Betreuung schlichtweg genial sind.
– das Prinzip und die Montage einfach sind. (Geliefert 09h25, montiert 12h36)
– sie innert Tagen geliefert wird.
– der Preis stimmt.
– keine weiteren Steuern und Taxen anfallen.

Danke Peter, du bist immer fröhlich und guter Laune. Wir hatten das Gefühl, du hättest die Pacific am liebsten gleich selber zu uns in die USA gebracht und bei der Montage mitgeholfen. 

Gabrielle und Thomas
SY Maselle
Beaufort NC, USA
2. Mai 2018

Jetzt kannst  du dich endlich schlafen legen, Marzena freut sich sicher.
Die erste Review für deine homepage schicken wir gleich ab, die zweite folgt, wenn wir wieder Wasser unter dem Kiel haben.
Wir gehen nun ans Cockpit.
Herzlichst
Gabrielle und Thomas 

WEITERLESEN

1 Antwort zu SV Maselle

  1. so einen schönen, informativen und auch lyrisch gelungenen Bericht liest man dich gerne besonders wenn man grad die eigene Melody ausrüstet! Weiter so, mit dem Ssegeln und dem Reimen!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.