Petergogik

ANSPRÜCHE UND ERWARTUNGEN VON SEGLERN UND HERSTELLERN

Im Direktmarketing kann das Leben einfach sein, weil der Weg zwischen Hersteller und Segler auf einen Mausklick reduziert, offene Fragen durch Fotos in Windeseile zu klären sind, damit beide Parteien ruhig schlafen können:
Der Segler auf See, wenn oder weil der Steuersklave still funktioniert, und der Hersteller, weil er sicher sein kann, dass der Sklave korrekt montiert justiert, somit auch seinen Job antreten kann, selbst wenn ein Anfänger die Spielregeln noch gar nicht begriffen oder keine Idee hat, welche Zauberei da am Heck vonstatten geht.

Für Härtefälle gibt es Videos, für Menschen mit Neugierde und Lesevermögen sogar Augenfutter in 6 Sprachen … Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Segler statt dessen „banale“ Fragen lieber einfach dem Hersteller elektronisch „vor die Füsse knallen“, um eine Lösung zu erfragen, sie auch schon mal unverblümt zu fordern, sogar am Wochenende. Nach Jahrzehnten auf meinem Stuhl allerdings sind Übergriffe heute selten wie Blauer Enzian, was vermutlich die Folge intensiver kollateraler Lerneffekte innerhalb der Cruising Community geschuldet ist. Oder hat hier mein dauerhaftes Bohren dicker Bretter, meine millionenfach verabreichte Medizin in Form von Büchern in sechs Sprachen die Situation entspannt? Egal, denn nur das Ergebnis zählt, denn nun habe ich hier und dort auch schon mal ruhige Momente.

Allerdings kommen neuerdings über Wolkenfunk schnelle Fragen ohne Punkt und Komma, weil ja jeder Zeilenschlag zu bezahlen ist: Fragen über das Warum und Wieso, weil sich irgendwo „geisterhaft“ ein Knoten oder eine Schraube gelöst habe. Humorvolle Kurzweil für langweilige Wochenenden, die ich allzu gern mit hintergründiger Mokanz beantworte. Spass muss sein, bitte auch auf meiner Seite! Manchmal klemme ich ein freches Cartoon ans Ende, wenn eine Land-Mailadresse mich dazu angestiftet hat.

Es gehört zu meinem täglichen Vaterunser, nach dem Versand eines Steuersklaven dem neuen Capo desselben, die UPS Tracking mit folgendem Spruch „an den Latz zu knallen“:

Bitte senden Sie uns Fotos nach erfolgter Montage, damit wir die korrekte Montage ueberpruefen und ggf. Verbesserungsvorschlaege machen koennen. Bei PACIFIC Montagen bitte auch Fotos der Leinenuebertragung senden!

Wenn ich zudem in meiner Datenbank vermerke „Foto fehlt“ ist dies eine elegante Falle und Methode, hier den Überblick nicht zu verlieren, für den Fall, der mehr als einmal eingetreten ist, dass ein Segler mir aus Kolumbien eine vorwurfsvolle Mail senden sollte, dass er es Monate lang nicht geschafft habe, seine Windpilot Anlage zum Leben zu erwecken – und mir der Blick on the records messerscharf beweist, dass Kontrollfotos niemals angekommen sind. Derzeit übrigens vermerkt meine Datenbank 142 solcher Delinquenten! Nachschub für neue AHA Momente!

So jedenfalls sehen meine Sternstunden aus, wenn ich hernach in Sekundenschnelle durch Foto Beweismittel einen Segler von seinen Steuerqualen erlösen kann, und er fortan auch auf See in Ruhe schlafen kann, der Gute. Zumal dann meine Ehre gerettet ist, verspätet.

Kollateral Vorteil für mich, dass ich meine Datenbank korrigieren kann und fortan manchmal wunderschöne Fotos von noch schöneren Hinterteilen von Yachten beispielhaft vorzeigen kann. Bilder erzählen eine einfache Sprache, viel mehr aus tausend Worte. Für mich sind schöne Fotos auch ein Dankeschön für reibungslosen Ablauf im Dialog mit den Seglern, denn eine bessere Anerkennung gibt es nicht! Halt, ich muss korrigieren: eine persönliche Referenz mit noch persönlicherem Foto steck´ ich mir gern an den Spiegel. Dieser Blog ist voll davon.

Reference links

Der langen Einladung kurzer Sinn: vorgestern hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art:

PETERGOGIK IN MINDELO – DIE GESCHICHTE GING SO:

Eine im Frühjahr ausgelieferte Pacific wurde montiert, anhand spärlicher Detailfotos, Nachbesserungen von Systemausrichtung sowie Leinenübertragung vorgenommen, schöne Schüsse von einer klassischen Schönheit allerdings habe ich nicht ergattern können. Der weisse Schwan verschwand auf See. Im September eine Mail aus dem Franzosenland, dass man Schwierigkeiten mit der Einstellung habe.

Meine Kurzantwort:
Hier ein Video zur Bedienung … eigentlich keine grosse Herausforderung, im Handbuch ist zudem alles nachzulesen …

Physik arbeitet Stoerungs frei … geht nicht, gibt es – eigentlich! – nicht.
gruss
PF

Minuten später die Frage:

Was heißt das? Alles so richtig? Und warum funktioniert es dann nicht?

Nach drei Monaten Sendepause vorgestern eine Mail aus Mindelo mit der Frage, nach der Ursache für die mangelnde Funktion der Windfahnenverstellung. Klärung innerhalb von Minuten: eine unartige Schraube hatte sich offenbar gelöst, ohne den Skipper zeitgleich zu alarmieren.

Ich habe mich getraut, noch einmal nach Fotos vom Schiff zu fragen.


Als Antwort bekam ich kommentarlos obiges Foto, auf Nachfrage dann den Satz:

Am Steg ist kein Internet.

Frage: Aber zum Fotografieren ist kein Netz notwendig.
Antwort:

Sind schon auf See.

Nun, auf dem Hafen Panorama Foto war das Schiff meines langjährigen brasilianischen Freundes Jayme zu erkennen! Nach einer schnellen Mail, habe ich Minuten später von Jayme die ersehnten Fotos erhalten, sowie die Mitteilung, dass der Skipper samt Crew an Land im Pub sitzen, derweil das Schiff verlassen in der Marina schwimmt.

Brasilien als Traum

Ich war hellwach! Minuten später habe ich diese Mail verschickt:

Hallo Herr ….,
ob Sie sich wohl vorstellen können, wieviel Spass es macht, Ihnen seit einigen Monaten stetig Hinweise und Ratschläge zu geben, ohne dass dies zumindest eine Anerkennung findet? Ich betreibe mein Geschäft mit Freude, was im Blog recht einfach nachzulesen ist … es macht wirklich nur wenig Spass, wenn mein immer wieder geäusserter Wunsch nach schönen und aussagefähigen Fotos … stetig missachtet wird …

Wenn also heute, nach erneuter Hilfestellung, dann Worte fallen, „kein Internet im Hafen“ … oder noch besser: „wir sind bereits auf See“ … was glauben Sie, welchen Eindruck es hinterlässt, wenn mir von Nebenliegern soeben mitgeteilt wird, dass Sie an Land auf einen Drink im Pub sind, während ihr Schiff friedlich in der Marina auf seinen Skipper wartet?

Ich sag´s einmal deutlich: Herr …., kann es sein, dass Sie Umgangsweisen unter Seglern nicht richtig verstanden haben?
mit vergleichsweise freundlichem Gruss
Peter Foerthmann

Ich begreife mein Geschäft als eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit, bei der Ausgewogenheit und Respekt sicher stellt, dass beide Seiten am Ende zufrieden sind.

Eine Antwort aus Mindelo habe ich nicht erhalten, vielleicht ist in den Cap Verden das Netz zerbrochen!

Gleichwohl ist die Geschichte erwähnenswert, weil sie ein Verhalten illuminiert, dass in meinem Wasser haltigen Geschäft zum Glück ungewöhnlich ist.

Sonntag 12.01.2020
Peter Foerthmann

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