SV Atanga

PAPEETE – HAMBURG – NICHT GERADE UM DIE ECKE
Wir haben uns daran gewöhnt, unsere Heckverzierungen nach dem Verpacken, zum Airport zu karren, dort einen Schnack mit dem Luftfrachtagentenbodenpersonal zu machen, vielleicht einen Kaffee oder eine Bockwurst zu geniessen, zumindest einen Bonbon zu lutschen, um hernach erleichtern und bestens gelaunt wieder in die Fabrik zu flitzen, einem Arbeitsplatz, der aus den Nähten platzt, weil wir dort leben, arbeiten und sonst wie dumme Sachen zu machen haben. Alle anderen Lieferboxen werden von Marko in seinem braunen Elektrolaster abgeholt, der beim Rückwärts Manöver kräftig piepst, um Eichhörnchen, alternativ ältere Damen oder Herren kräftig zu erschrecken, anstatt sie nahezu geräuschlos zu überfahren.
Sabine´s Besuch vom heutigen Tage war dagegen eine eingespielte und geölte konzertierte Aktion, mehrstufig organisiert und bis auf 86,5 Zentimeter präzise definiert, das Maß eines veritablen Rollkoffers, in dem man vermutlich auch kleine Menschen hätte verstecken können. Die Geschichte ging so:

Sabine war in Papeete kaum in der Luft, da begann ein reger Mailverkehr mit Joachim, der – als Wachhund? – an Bord geblieben, jedenfalls ganz plötzlich über ein Zeitkonto verfügen konnte oder durfte, was er auszunutzen gedachte. Es handelte sich – wie hätte ich das raten sollen? – um Atanga´s Heckverzierung, die der Skipper für die geplante kommende Reise nach NZ vorbereiten wollte, ob als Sabine´s Auftragsarbeit oder so ganz aus freien Stücken, alternativ vielleicht aus purer Langeweile, soll hier nicht näher untersucht werden. Jedenfalls galt es, „Hertha“ aus dem Jahre ca 1998 komplett zu zerlegen, d.h. nein, nur zur Hälfte, denn wir hatten vor 6 Jahren schon mal einen Beinbruch in der Karibik zu verarzten … also war nur das Pendelrudersystem nachzuholen, das seit 23 Jahren vermutlich noch nie demontiert gewesen ist, mit Folgen, die uns im Verlauf von 23 Mails ( kein Aprilscherz!) beschäftigen sollten. Ich bin bekanntlich sowohl schmerzfrei als auch stoisch, und Joachim erwies sich als wundervoll fernbedienbar, zumal bei Zoom ja immer noch keine Hände angebaut, man ohnehin alle Schritte sorgsam und akkurat erklären muss. Zudem hat Joachim sich artig für eine jede Mail bedankt … eine Besonderheit, die lebenserfahrenen Menschen im Blute ist – also Folge guter Erziehung ist! – wohingegen dies bei anderen Alterngruppen nicht immer mit den Genen weitergegeben scheint, oder bei der Erziehung in die Hose gegangen ist. Jedenfalls habe ich am Ende mein Flugticket nach Papeete storniert, weil es für mich an Bord der Atanga ja nix mehr zu tun gegeben hätte – okay: Scherz!
Also Rollkoffer, von der S-Bahn die Strasse längs … man konnte Sabine schon hören, bevor die Klingel ging. Schnacken tut nicht weh´ das funzt von ganz alleine, vor allem, wenn die Chemie und Wellenlänge stimmt, sodann keinerlei Zwang uns hemmt, immerhin hat Sabine ja in ihrem Vorleben hier um die Ecke gewohnt. Jedenfalls war ich kurz vor Sabine´s Ankunft gerade fertig geworden, hatte Joachim noch mit dem Foto seines gewünschten Lieferumfangs konfrontiert, ihn gefragt: „sonst noch Wünsche der Herr?“ … und habe hernach nur noch auf das Klack-Klack des Rollkoffers gewartet, der überpünktlich – d.h. sogar 1 Std verfrüht – samt seiner Zug Dame … um die Ecke gekommen ist.
Ja, wir hatten Spass, denn der Austausch mit Seglern gehört zu meinen besonderen Vergnügen, was mich immer weiter machen lässt, trotz knackender Knie, oder anderer Imponderabilien, die auch mit List und Tücke nicht zu überwinden … allerdings durch Humor schon mal in den Hintergrund zu schieben sind. 59 Jahre körperlicher Arbeit gehen an keinem Knochengerüst vorbei, das allerdings immerhin noch fabelhaft zusammen hängt, sogar geräuschlos funktioniert, ohne dass in der Schaltzentrale der FI-Schalter den Geist aufgibt … oder dem ganzen Kerl gar die Sprache versagt … denn die versagt – wie ich doch schwer hoffe – nie. Die Sprechluke samt Steuerung funzt ganz wie am ersten Tag … nein besser, denn Wortwahl und Sprachakrobatik haben altersgemässen Feinschliff erhalten, der Konjunktiv wurde zum Notausgang umfunktioniert, damit Juristen nicht hier oder dort die Federn spitzen und meine kleinen oder grossen Geschichten keinen Interruptus erleiden.

Sabine jedenfalls wurde von einem Kavalier namens Peter, samt Rollkoffer, zum Hauptbahnhof gefahren … wo wir uns unter Tränen verabschiedet haben … logisch nicht!

Es war mir eine Ehre!
Hamburg 18.08.2021
Peter Foerthmann

SV Atanga – Sabine + Joachim Willner GER

2 Antworten zu SV Atanga

  1. Jens Borner sagt:

    Hallo Herr Foerthmann,
    für die Willners den Ersatzteilkoffer packen zu dürfen würde ich auch als Ehre verstehen.
    Und schön zu lesen, dass die Wellenlänge in der Südsee die gleiche wie in Hamburg ist.
    Hertha wird sich auf das refurbishment freuen.
    Grüße
    J.Borner

  2. Sabine sagt:

    Moin Peter,
    es war ein großer Spaß mit Dir zu plaudern und mich samt Rollkoffer und Rohr am Hauptbahnhof abzuliefern – was für ein Kundenservice. Vom Feinsten
    Das Rohr und ich haben wohlbehalten Papeete erreicht und noch am Liefertag hat Joachim unsere Herta wieder gangbar gemacht, während ich den Jetlag-Schlaf der Gerechten schlief.

    Die Crew sagt danke für alles und sendet herzliche Grüße nach Hamburch.
    Sabine und Joachim

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