SV Double Twenty

KIEL – NOK – RAMSGATE – CHERBOURG
Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich um 7 Uhr ablegen, um durch den NOK zu fahren, aber wir hatten alle unsere Wecker überhört. Also haben wir unter dem Schreck, dass wir total verschlafen hatten, um 10.30 Uhr abgelegt. Letztendlich kamen wir um 22 Uhr in Brunsbüttel an. Dort haben wir von meinen Eltern nochmal Diesel bekommen und noch ein paar Teile, die wir bestellt hatten.

Um 0.30 Uhr ging es dann mit der Strömung an Cuxhafen vorbei auf die Nordsee. Die ersten 10 Stunden mussten wir motoren und konnten dann aber in der Höhe von Helgoland die Segel setzen.
Wir hatten 28kn Wind aus Nord und konnten so perfekt mit halben Wind in Richtung englische Küste segeln. Die ersten 12h war ich Seekrank, das ging aber, wie erwartet nach kurzer Zeit wieder weg.

Wir probierten auch gleich das erste Mal unsere Windpilot aus. Nach ein bisschen rumprobieren hatten wir diese eingestellt und sie steuerte uns für die nächsten 48h. Da muss man echt sagen, dass so eine Windsteueranlage eine große Entlastung für die Crew ist. Man kann nebenbei einfach auch mal was anderes tun und muss nicht die ganze Zeit mit der Pinne und Kompass  den Kurs halten.

Die 1. Nacht verlief relativ ruhig. Wir haben ein 3h Wachsystem , d.h. jeder von uns hat 3 Stunden Wache und kann danach 6h schlafen.
Nach ungefähr ca. 2 Tagen änderten wir unseren Kurs um 90 ° nach Backbord und nahmen Kurs auf Ramsgate in Großbritannien. Wegen zu wenig Wind und starkem Gezeitenstrom kamen wir nur mäßig voran.
Am 4. Tag auf See mussten wir uns  was überlegen, da langsam die Dieselvorräte zu neige gingen. Fahren wir weiter nach Ramsgate  oder drehen wir in den nächsten Hafen ab, der jedoch auch 12h entfernt gewesen wäre?. Wir haben uns dann aber dazu entschieden nach Ramsgate weiter zu segeln.
Völlig kaputt kamen wir dann nach 5 Tagen und 4h und 428sm in Ramsgate morgens um 4.30 Uhr an. Wir waren dann noch schnell duschen und sind dann erstmal schlafen gegangen. Um 10.30 Uhr sind wir aber schon wieder aufgestanden, um Diesel von der Tankstelle zu holen. Das waren jedes mal 3km hin und zurück, bei 20 Litern die wir transportieren konnten und 70 Liter, die wir brauchten, sind wir an dem Tag ganz schön viel gelaufen. Am Abend sind wir dann noch in eine Kneipe gegangen und sind dann nachdem wir um 23 Uhr noch einen Döner gegessen hatten, schlafen gegangen.
Nach 3h Schlaf ging es für uns um 3 Uhr weiter Richtung Cherbourg (FR). Für diese Strecke brauchten wir 1 Tag und 13h.
In Cherbourg angekommen, gingen wir erstmal abends was essen und danach noch in eine Kneipe. Am nächsten Tag haben wir das ganze Schiff von außen als auch von innen sauber gemacht und aufgeräumt. Zudem hat mich Dorian 2x in den Mast hochgezogen, da ich die Schraube an unserer Funkantenne nachziehen musste. Abends haben wir uns dann noch mit den “ Bluehorizon ´s “ getroffen.
Am nächsten Morgen um 10 Uhr ging es dann weiter Richtung Brest.
Wenn das Wetterfenster jedoch so gut ist, fahren wir durch bis nach Spanien.
 
LG Lukas

———————————-

DREI ABITURIENTEN UND EINE SCHIFFS DAME
Es handelt sich hier um eine Atlantik Runde, die drei junge Männer, der Schule kürzlich entronnen, in den Fokus genommen haben. Ihr Schiff, eine unsinkbare Etap 32 soll für 12 Monate zu ihrer Heimat werden … und die Zeit war knapp. Corona hat sie im Juni in die Freiheit entlassen, der Sommer erschien günstig, allerdings erwiesen sich am kürzlich erworbenen Schiff etliche Reparaturen und Restarbeiten als notwendig, ohne die man nicht zur See gehen wollte, bzw. sich nicht traute. Gut entschieden: ein Ruderlager verlangte Ersatz, Radar, Solar, Windgenerator wollten montiert werden, das Schiff verbrachte ganze Wochen des heissen Sommers im kühlen Schatten einer Halle bei Böbs in Travemünde … und wurde erst vor wenigen Tagen fertig. Fast schien es da, der Sommer sei bereits vorbei. Als Chronist in Form einer Heckverzierung und Steuersklave sei hier der erste Bericht der drei jungen Männer wiedergegeben … der für sich selbst sprechen wird.

DER ERSTE BERICHT

Wir sind drei Freunde, die dieses Jahr, trotz dem Coronavirus nach dem Abitur von Dorian und mir und Leons Fachhochschulreife eine Atlantikumrundung durchführen. Zu meinem Schiff der DOUBLE TWENTY  gehören noch Leon Woditsch und Dorian Broos. Wir sind alle 19 Jahre alt und kennen uns aus der Schule.
Ich bin Lukas Warnecke und segel jetzt schon,… naja was heißt schon … 5 Jahre, habe in der der Wohlenberger Wyk meinen Segelschein auf einer Jolle gemacht, habe es dann 4 Jahre auf der Elbe Stunde für Stunde geübt und vertieft, mit meiner eigenen Jolle, einem Piraten.

Leon und ich haben schon mehrere Ostseetörns auf einer Delya22 gemacht alleine von Geesthacht nach Travemünde nach Stralsund über Hiddensee und zurück

Dorian habe ich durch Leon kennengelernt und wir fingen gleich was ganz großes zu planen : eine Atlantikrunde

Wir haben dann mein Schiff eine Etap 32 i  9,72 mx 3,42m aus Workum (NL) nach Travemünde überführt . Dann hieß es erstmal aufrüsten, was das Zeug hält.

Innerhalb von einem Monat wurde das stehende Gut von der Werft erneuert, wie auch die Radaranlage eingebaut, und die Ruderlager wurden getauscht.

Wir selber haben unser Bordstromnetz aufgerüsten :größere Batterie/ Inverter/Charger/ Batteriemonitor/ 230 V Steckdosen. Dazu kommt das AIS Gerät was sendet und empfangen kann/ neue Funkanlage

Wir haben zudem noch unsere Selbststeueranlage von Windpilot installiert, den Kiel komplett bis aufs Gusseisen runtergeschliffen und neu beschichtet, wir haben das Bootpooliert, die Winschen auseinandergenommen, gereinigt, geschmiert und wieder zusammengebaut,
Solarpanele, Windgenerator und Geräteträger wurden installiert, Motorwartung durchgeführt, eine neue Fock an Bord genommen.
 
Dann am 26.08 sollte es tatsächlich losgehen, nach all der harten Arbeit, teilweise bis morgens um 3 Uhr sind wir endlich aufgebrochen.
Eltern, Freunde Mitglieder aus meinem Segelverein und wir fuhren direkt in einen Sturm hinein.

Die ersten 30 sm ging alles gut… Dorian hat gesteuert ich habe unten mit leon geschlafen … In  der  Höhe der Femarnbrücke haben Leon und ich Dorian abgelöst, um sicher unter Brück durch zu navigieren. Dann auf einmal ging es ganz schnell …. Es kamn aufeinmal 46 kn Wind und ein Regenguss, den Leon und ich noch nie zuvor in unserem Leben erlebt haben… Dann auf einmal „rumbs“ … Leon ruft: „Der Windgenerator Lukas, der Windgenerator!“ ich schau nach oben und da wo zuvor der Windgenerator mit seinem Mast stand… war nichts mehr … der lag nämlich jetzt bei uns im Cockpit. Ich habe schnell Dorian geweckt und ihn aus seinem Schlaf gerissen Und dann begannen für uns die 4 anstrengensden Stunden unserer Reise. Wir haben uns dann entschieden den Yachthafen Burgstaaken auf Femarn anzulaufen, also sind wir bei 3m Welle mit Vollgas und 1,8 kn gegen an gestampft

Zudem war leider die Einfahrt zum Hafen mit Tonnen ohne Leuchtfeuer ausgestattet, aber mit Radar, navionics auf dem Tablet und Leons Ultra heller Taschenlampe, war es uns gelungen um 5:10 Uhr am 27.08 fest zu machen. Nach ein bisschen Schlaf hatten wir eine kurze Schadensbilanz gezogen: kleiner Riss im Lazyback durch die Rotorblätter des Windgenerators, die neue Fock hatte was abbekommen, jedoch waren nur ein paar Nähte aufgefrisselt, so haben wir meinen Segelmacher angerufen, der diese dann zur Reparatur abgeholt hat.
Wir uns dann entschieden den Windgenerator zuhause zu lassen, da wir durch 200 W Solar doch schon sehr gut aufgestellt sind, bei unserer 230 Ah Batterie. Da es ja doch weiter gehen muss, haben wir uns entschieden am gleichen Tag noch nach Kiel weiterzufahren. So legt wir nach einer ordentlichen Portion von Dorians Spaghetti mit seiner selbst gemachten Bolognese um 21 Uhr ab. Da kein Wind war mussten wir Motoren, aber so ist das eben, wenn man spät dran ist, was die Überquerung der Biskaya angeht. Nach 10 h  sind wir in Kiel angekommen, wo wir auf unseren vom Segelmacher reparierten Lazyback  und unsere Fock warten.


Ich habe nach einigen turbulenten Tagen auf See am gestrigen Freitag vorsichtig nachgefragt, ob an Bord alles in Ordnung sei … weil AIS keinerlei Bewegung mehr verzeichnete … die beruhigende Antwort kamm sofort: nach den ersten harten Meilen hat die Crew die Zeit verschlafen … ist zwischenzeitlich allerdings an Helgoland vorbei auf Kurs, der in den Süden führen wird … wie hier vermutlich zu lesen sein wird.

2 Antworten zu SV Double Twenty

  1. Christoph Vougessis sagt:

    Wünsch euch viel Glück Jungs! Ist nicht so schwer, wie es klingt 🙂

  2. Insa Nowatzin sagt:

    Hallo ihr drei! Weiter eine gute Reise wünschen euch Insa und Jörg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.