SV Rødspætten – Ruth + Thomas Rettenmund CH

EPILOG – SCHLINGERKURS ZUR NEUEN YACHT

Es hat sich ausgeschlingert, der Kurs ist einer geraden Linie gewichen, mit der Ruth und Thomas samt ihrer vierbeinigen Alarmanlage auf solidem Kiel knallrot in Friesland und der Nordsee als Mordsee die Schweizer Flagge zeigen. Ein Schiff wie eine schweizer Burg, das ruhig seine Bahnen zieht, auch wenn gerade ein Tief durchzieht.

Ich gestehe, ich habe gesündigt, ich habe einem gestandenen Schweizer Mann den Kopf verdreht, habe ihn sediert, eine wenig die Codes dechiffriert und hernach seine Synapsen manipuliert, habe darüber ganz unverhofft einen Menschenfreund entdeckt, den ich manchmal als alter Ego empfinde, der in vielem ähnlich tickt … nur eben schweizerisch … was ich als Kompliment verstanden wissen möchte.

Nach 2 Jahren mit dem „neuen“ Schiff, hat Thomas den folgenden Epilog verfaßt, Wert, eine schöne Geschichte abzurunden, die daraus geworden ist.

Lieber Peter, nun haben wir das vorstehend beschriebene Schiff bereit 2 Jahre lang in Besitz. Und erste Erfahrungen gewonnen. Einige Törns im holländischen Wattenmeer hinter uns. Was uns besonders überzeugt, ist das Verhalten bei starken Wellen. Kurz vor Vlieland hatten wir Wind Bf6+ sowie die auflaufende Flut gegen uns. Von Harlingen aus führt die Abkürzung zum Hafen Vlieland über eine Untiefe. Logisch, dass dort die Wellen heftig, steil und teilweise brechend waren. Aber die Noordkaper pflügte durch dieses Rodeo-Spiel mit stoischer Ruhe, wenig Kränung und ohne knacken, knirschen etc., einfach durch. Überall befinden sich Haltegriffe, genau dort, wo man(n) blind sie sucht. Dieser Langkieler liegt super auf dem Ruder, ist jederzeit unter Kontrolle zu halten. – Die heftigen Wassermassen die über das Deck schlugen spürten wir nicht und für klare Sicht nach vorne sorgten die Scheibenwischer. Ein Deckhaus ist schon einfach toll und den Kollegen zu zuschauen, wie die mit ihren modernen flachen Unterwasserschifffen durch die Wellen brettern, wie sie in ihren Anzügen, Skibrille auf der Nase, sich vor den Wassermassen jeweils wegduckten macht schon Spass, insbesondere dann wenn man im trockenen T-Shirt am Innensteuerstand zusehen kann.

Dieses Schiff zu erwerben war ein goldrichtiger Entscheid. Bis heute ist nicht kaputt gegangen, alle Geräte in Top-Zustand, selbst die Elektrik und Elektronik ist bestens im Schuss. Wir hatten vor 2 Jahren das erste Mal 6 kg Alu-Anoden auf dem Stahlrumpf aufgebracht. – Während 20 Jahren waren keine montiert! Trotzdem hatten wir nirgends Rostspuren,, weder Innen noch Aussen am Rumpf gefunden. Das war ein deutliches Zeichen, dass beim Neubau der Stahlrumpf ausserordentlich gut grundiert wurde (anschliessen die Grundierung mit Epoxy versiegelt). Insofern wären also unsere neuen Anoden gar nicht notwendig gewesen. Sie arbeiten gut, nach 2 Jahren im Süss- und Salzwasser ca. zu 40 % abgenutzt. Dieses Jahr werden die Törns in die Nordsee ausgedehnter und wir sind sicher, dass uns diese Noordkaper jederzeit sicher ans Ziel bringen wird, sofern wir das auch seemännisch sauber ermöglichen.

Peter, Dein Rat dieses Schiff zu wählen war echt wertvoll.
Thomas + Ruth

Kreuzsee im Kopf

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1 Antwort zu SV Rødspætten – Ruth + Thomas Rettenmund CH

  1. Thomas SV Rødspætten sagt:

    Peter, was für eine Ehre in Deine „Hall of Fame“ und in Dein Rudel aufgenommen zu werden, ehrlich!
    Deine Überschrift ist aber nicht ganz korrekt. Das Schiff trägt den dänischen Namen des roten Plattfisches „Rødspætten“. Den haben wir vom Voreigner gerne übernommen. Er passt einfach zum Schiff und ist in den vielen Jahren wo der Voreigner Anne R. immer auftauchte auch überall gerne gesehen. Unsere Web-Site trägt noch den Namen unseres stähleren Schlachtschiffes, mit dem wir etwas mehr als 3 Jahre auf den europäischen Wasserstrassen unterwegs waren. Den vielen, uns meist unbekannten, Lesern wegen. Wir waren echte Liveabords und das war auch eine schöne Zeit. Aber irgendwann erreicht einem rücklings der Bazillus des Segelns wieder und deshalb sind wir jetzt „langkielig“ auf dem Wasser zu Hause und damit auch wieder „angekommen“.
    Bootsausstellungen besuchen war viele Jahre mein Zeitvertreib im Winter. Wenn ich allerdings die neuen Yachten betrachte, dann überkommt mich Übelkeit! Innenräume wie Ferienhäuser, Cockpits wo man in heftigem Wetter quer hin- und her geschleudert wird. Seegängige Kojen? Nicht vorhanden. Und der neuste Trend: ab 30 Fuss müssen unbedingt zwei Steuerräder montiert werden. Das kommt mir vor wie Ende unserer Pubertät, wo wir Spoiler auf das Heck unseres Topolinos schraubten. Es sah so lässig aus, Nutzen allerdings Null. Nein, mit diesen trendigen Yachten wollen wir nicht unterwegs sein. Auffallend ist auch, dass bei den vorstehend beschriebenen Wetterbedingungen diese Kisten auch brav in den Häfen bleiben. Dafür kann man im grosszügigen, gestylten Salon dann ausführlich Seemannsgarn spinnen. Natürlich mit dem obligaten Cüpli edlem Sprudelwasser, französischer Proveninez, in der Hand. Nein, das ist niemals unser Verständnis von Seesegeln.

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