Hydraulik again+again

KURT REINKE – MEIN TRAUMA
Kaum zu glauben, aber immer wieder schleichen sich Schiffe mit Hydrauliksteuerungen in Segler Köpfe rein! Vermutlich bin ich der einzige Hersteller von Heckverzierungen, der es wagt, seine dezidierte Meinung zu einer anstrengenden Thematik zu vertreten. Die Folgen habe ich im doppelten Sinne selbst zu tragen … manchmal gar zu ertragen. Denn sie sind keineswegs graduell, hingegen substanziell mit sodann teuren Konsequenzen bis hin zur Erkenntnis, dass man das falsche Schiff erworben hat, wenn man hinter dem Horizont verschwinden will.
Im Markt für Heckverzierungen sind einige Hersteller wenig zimperlich, verkaufe ihre schicken Zauberapparate auch schon mal ohne besondere Hinweise auf technische Notwwendigkeiten, die man fairerweise hervorheben sollte, wenn man Reklamationen verhindern möchte. Immerhin schwerwiegende Konsequenzen, die damit enden, das manch ein Skipper sich plötzlich wieder am Ruder der eigenen Yacht wiederfindet, derweil er eher an Schnarchen dachte.

Grundsätze die ich zuletzt hier aufgeschrieben habe:

Hydrauliksteuerung

Erst neulich ein freundlicher Pole. Seit Jahren bereitet er seinen Finnsailor 38 für die Lebensreise vor, im Hinterkopf und in der Garage hatte bereits eine Windpilot Anlage Platz genommen, die am Markt für Gelegenheiten günstig erworben wurde. Es sollte nun Ernst werden, das Garagengold sollte montiert werden … passte aber nicht! Und so kam ich ins Gespräch, aber ganz anders als gedacht. Eine PACIFIC PLUS sollte passend gemacht werden, so die Frage meines Gegenübers. Ging aber nicht, aus mindestens zwei Gründen:

1.- Das Hauptruder endet mit seiner Achterkante direkt am Ende des Schiffs, kein Überhang. Wie sollte denn wohl ein Hilfsruder ohne gebührenden horizontalen Abstand zum Hauptruder, Wirkung, also Steuerkraft erzielen, zudem wenn es zum Trimm verwendet, leicht angestellt gefahren wird?

2.- Das Hauptruder wird hydraulisch angesteuert und kann zudem über einen zweiten Innensteuerstand unter Deck gefahren werden, mit dem Hintern an der Zentralheizung, oh wie praktisch würde Klein Erna sagen!

Je älter ich werde, desto drastischer – deutlicher! – wird meine Ausdrucksweise! Der einfache Grund: was nützt Höflichkeit, wenn ich dabei nicht verstanden werde, oder mein Gegenüber den Ernst der Situation nicht kapiert / verstehen will? … sich derweil auf die Suche nach anderen Möglichkeiten macht … die es nicht geben kann … weil man mit den Optionen schnell am Ende angekommen ist? Wer mit dem Wind steuern will, was ja logisch ist, sollte die Konsequenzen verinnerlichen, wenn er nicht … ich weiss, ich wiederhole mich, … selbst am Ruder sitzen möchte.

Die drei Gadgets zur Steuerfreiheit

Steuerfreiheit

Jedenfalls hat Slawek mich am Ende um einen klaren Rat gebeten: Verkaufen und anderes Schiff kaufen, alternativ Hydraulik gegen mechanische Radsteuerung wechseln, oder komplett mit Autopilot segeln, zudem dann den elektrischen Kreislauf hochrüsten ergo investieren.

Ja, ich hätte mir und Slawek gewünscht, dass er mich früher angesprochen hätte, denn sein Schiff ist nun fertig zur Reise … Dumm gelaufen! Ich bin gesoannt, wie es weiter geht.

Weitere Beispiele zur gleichen Thematik:

Ich bekenne, ich bin Hydraulik geschädigt und Kurt Reinke hat Schuld!
Ich bekenne das freimütig, denn dieser Mann ( seine Seele sei selig ) hat den deutschen Blauwasserseglern ein Ei ins Nest gelegt, indem er als Nebenerwerb zu seiner hauptberuflichen Arbeit als Konstrukteur bei Abeking & Rasmussen für Deutschlands Segler mit grossen Reiseplänen aber kleinem Geld, sich das sog. HD Design ( Hobby Design ) ausgedacht. Die Leute waren hingerissen! Ihnen wurden grosse Schiffe zu kleinem Geld versprochen / vorgegaukelt. Kurt Reinke war der Held im Karpfenteich. Die Leute lagen ihm zu Füssen. Hier eine kurze Abhandlung über deutsche Fahrtenschiffe

Deutschland

Ich bin an dem Mann verzweifelt, hatte hingegen keine Chance diesen Meinungsstabilen Besserwisser von den elementaren Vorraussetzungen eines erfolgreichen Betriebs einer Windpilot Anlage an seinen geknickt verschweißten Blechstreifenschiffen zu überzeugen.

Der Mann war eine Autorität und ich doch nur ein dünner schlaksiger junger Mann, dessen blankpolierte Windpilot Systeme immerhin auf den Ausrüstungslisten dieser Korryphäe aufgenommen worden war – gegen teures Geld, versteht sich.

Der Mann war vermutlich qua seines Hauptberufes im Bereich motorisierter Schiffe ein Hohepriester von Hydrauliksystemen. Schlupf in hydraulischen Systemen war vermutlich wenig wichtig, zumal bei Motorschiffen die Maschine sowieso dauernd läuft und Öldruck jederzeit vorhanden ist.

Ja und ich war nervig und grössenwahnsinnig genug, immer wieder auf die Schwachstellen von Hydrauliksystemen hinzuweisen. Manch ein Kampf setzte sich fort, wenn ich Seglern von Reinke Schiffen mein Mantra nahebringen suchte. Bis heute, eine Blutspur eines Konstruktionsfehlers, der unzähligen Seglern bis heute zum Wermutstropfen in ihrer Reiseplanung wurde oder wird.

Ich verhehle nicht, dass ich mich mit Kurt Reinke immer wieder handfest in die Wolle bekommen habe, er mich am Ende sogar aus seiner Einkaufsempfehlungsliste gegen Entgelt rausgeschmissen hat.

Ich habe in den dann folgenden Jahren in meiner Datenbank ein paar Formschreiben hinterlegt, um mir die Bekehrung / Belehrung von Reinke Seglern zu vereinfachen und zu beschleunigen. Für mich bis heute bemerkenswert, dass ein einzige kleiner Denkfehler genügt, derart fulminante Folgen in der Seglerwelt zu verursachen, denn es gibt etliche Reisen, die aufgrund ungenügender Ausrüstung mit funktionierenden Steuerautomaten abgebrochen wurden. Niemals zu vergessen, dass elektrische Autopiloten, die hydraulische Steuersysteme zu aktivieren haben, nahezu stets den Stromverbrauch in die Wolken steigen lassen.
Eine schöne kleine Geschichte zuletzt. Ich habe in 2024 mit dem Einhandsegler Christoph eine PACIFIC an seine Beneteau Oceanis 40 CC angeschraubt. Ein Schiff mit solider Hydraulikanlage, die vollkommen ohne Schlupf auf ein Radsteuersystem mit 3 Umdrehungen zwischen den Anschlägen dreht.
Auf seiner Reise zu den Kapverden hat die Hydraulik zunehmend Öldruck verloren. Für einen Einhandsegler dramatisch. Wir haben eine Lösung gefunden: Das Schiff wurde über eine plietsche Notpinnen Konstruktion fortan wunderbar gesteuert, die Hydraulik deaktiviert.
Dies Konstrukt steuert nun bereits viele tausend Meilen. Christoph braucht keine Steuermänner oder Frauen mehr, die als Hand-gegen-Koje das Schiff bevölkern, um preiswert nach Westen versegeln, dabei zeitgleich des Skippers Nerven blank polieren, derweil er am Ende durchgängig alle Wachen selbst zu schieben hat. Nun ist der Mann unabhängig, was ja an Bord enorm wichtig werden kann.

Hamburg 16.02.2026
Peter Foerthmann

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