Peter´s Flotte #1

Die Sucht begann schon als kleiner Bubi, der sich an Wasserkanten die Augen wund gekuckt, sich später mit Witz und Trick Zugang auf Bootsmessen über Zäune oder Hintertore sich verschafft und der der eigenen Familie durch eine Bootsbaustelle auf dem Balkon, Ausblick und Nutzung desselben für Monate unmöglicht gemacht hat. Geranien hatten damals eine trockene Zeit und verloren am Ende Farbe und Leben in dieser Reihenfolge.

Dank erheblicher Toleranz vom Muttertier blieb die Familie in Balance und es entstand eine prächtige Yacht von 173 cm Länge, hergestellt aus Fichtenlatten von 15 x 30 mm mit einem Hemd aus Nesseltuch, das in Opas Näherei für B.H.Förthmann Schlachter Berufskleidung von Tante Heidorn genäht und hernach dann solange mit Leinölfirnis getränkt, bis Wasser keine Chance mehr hatte, durch das Gewebe sich hindurch zu vermogeln. Am Ende wurde die rauhe Walfisch Haut mit Dukolux Lack – nicht zu verwechseln mit Agiolax! – in Nato Tarnfarbe endversiegelt. Das Ganze war mit einem Arm zu transportieren, der Fahrrad Anhänger wurde nur für Expeditionen eingesetzt, weil man sonst auf allen Vieren.

Um das ONE OFF unter den Augen der Hamburger Waschpo als seegängig zu attestieren, wurde die Yacht der Behörde auf dem Anhänger zugeführt. Qua Behörden Testat, vor allem Stempel, sowie Entrichtung der dafür notwendigen Tantiemen, besass ich hernach eine seetaugliche Yacht. Vier Mark, das war der Eintrittspreis ins Hamburger Behörden Himmelreich!

Das Patent in der Tasche, die Nummer stolz auf das Nessel Hemd mit Krakelschrift gepinselt, konnte ich in See stechen – auf die Aussenalster – denn Nordsee war ja Mordsee, da wollte ich garnicht hin! Ich bin statt dessen bis zum Ohlsdorfer Friedhof die Alster rauf gerudert – mit vom Rudern offenen Händen, weil das Design Büro gute Riemen nicht für wichtig gehalten hatte, statt dessen 22 x 22 mm Vierkantholz mit draufgeschraubten Brett Abschnitten für gute Vortriebs Effizienz vorgesehen hatte.

Jedenfalls Doppelfehler! Ich habe damals meine Strümpfe ausgezogen und den Riemen als Präser drüber geschoben – aber da war es schon zu spät!

Der Bubi war damals haarscharf Zehn, aber schon stolz wie ein großer Bolle. Die Yacht verschwand kurz später in Mutters Kohlenkelle und rottete dort 40 Jahre dunkel vor sich hin. Sie wurde allerdings laufend leichter, weil Mäuse am Leinöl Firnis Geschmack gefunden, einen Grossteil der Aussenhaut verdaut und im Keller vollflächig ausgeschissen hatten.

Es folgte eine geräuschlose Beerdigung durch die Hamburger Stadtreinigung im Rahmen der Sperrmüll Entrümpelung, nach dem Tode meiner Mutter. Tränen wurden in den Analen nicht vermerkt! Und eine Abwrackprämie war mir damals leider nicht bekannt!

Der Bubi hatte nämlich schlau entschieden, sich fortan nur mit Flügeln aufs Wasser zu begeben! Oh, wie plietsch!!

Segeltechnisch war das also meine Stunde Null. Wir schrieben das Jahr 1958, meine Mama fuhr Opel Rekord mit Panorama Scheibe und ich hatte eine Yacht!

Okay, ich bin im Skiff meinen Prinzipien später entgegen gelaufen, aber mit Rollsitz konnte man die Alster ziemlich elegant durchflitzen, wenn der Hintern die Balance halten und der Kerl oben dran nicht unelegant zur Seite kippte.

Ein PIRAT für 75 Mark – ein Gnadenkauf, vom Taschengeld bezahlt, das der Knabe mit 11 Jahren durch Sklavenarbeiten im Dienstleistungs Bereich der Familie verdient und für Wert befunden, für ein Schiff von 5 m Länge herauszugeben. Allerdings – ich will das nicht verschweigen – besass der Deal einen Schönheitsfehler, denn die Yacht hatte einen nach achtern offenen ausgefransten Spiegel, der beim Duell mit einem Alsterdampfer irgendwie abhanden gekommen war. Peanuts, der Schaden wurde ambulant behandelt. Schiffbau ist Schiefbau und bein Pirat bestimmt der Knick die Regel – ein Knick mehr, fiel da gar nicht auf!

Nach der Seefahrtszeit – der Knabe war also mit 18 schon ein junger Mann – wuchsen Hunger und die Träume dann bis zum Dach. In schneller Folge wurden H-Jolle, Zugvogel und ein alter Drachen aufgefixt und durchgesegelt. In Hamburger Kanälen rotteten damals viele Holz Juwelen mit Schönheitsfehlern und Löchern in den Planken, aus denen Bäume rankten.

Im SVAOE durfte ich im Winter unter den Kuttern NEUWERK und SCHARHÖRN knechten, um im Sommer ein Stockwerk höher dann, an den Riemen über die braune Elbe zu rucksen. Aber Kuttersegeln war schon damals eine harte Sache für vermeintlich ganze Kerle, aber kein bischen sexy oder gar feminin affin, darum beschloß ich, dort später zu entflieh´n. Unter Kerlen empfand ich das Leben als zu wenig spannend, nach Schweiß stinkend, wurde Nikotin geatmet und Köm mit Bier durch Poren hindurch verflüchtigt, meist mangels weiblicher Beachtung und Anerkennung – oder anders rum. Kurz: das war nicht meine Welt, Einzelgänger und Querkopf war ich sowieso!

Kopf und Hormone entschieden sich für ein Schiff mit Dach, denn für offenes Segelvergnügen war das gegnerische Geschlecht nur schwierig zu begeistern – und nach dem Segeln das gleiche Drama, selten einmal umgekehrt.

Das Recht auf ein richtiges Schiff schien mir billig, darum gingen Kopf und meine Hose ganz stringent auf Dickschiff Kurs.

Das versprach, alle Probleme kollateral auf einen Schlag zu lösen! Denn zu Hause wachte die Regierung über Zucht und Ordnung, Kornfelder waren voller Krabbeltiere oder bäuerlicher Überraschungen, der Citroen 2CV leider noch ohne Liegesitze. Ein Schiff dagegen – das war wie ein eigenes Haus – die Türe zu und dann kommst Du – bist allein oder gar zu zweit – jedenfalls ohne dass dir einer in die Schau reinschreit!

An der Bille wurde ich recht schnell fündig, die SY LÜMMEL auf der Werft von HINSCH in der Süderstrasse, hatte mich enorm verzückt. Sieben volle Meter geklinkerte, schwarz gemalte, Eichenpracht, die im Erstleben in Davids gefangen und abgehangen, als Warteschleifen Indianer und Rettungsboot bei SIETAS in der Küstenfahrt umher gereist. Unbenutzt aber trotzdem abgewettert, war die Hulk dann durch liebevolle Hände zu einer schmucken Lustyacht konvertiert. Zur Verbesserung der Kursgenauigkeit – vermutlich auch wohl als Gewicht – waren 2 Doppel T-Peiner Träger unterm Kiel verbolzt und eine 12 m lange Spruce Palme mit Jumpstagen, von einer durch Feuer ums Leben gekommenen 11m Yacht, obendrauf gestellt.

Das zumindest versprach schneidige Segeleigenschaften unter Baumwollsegeln, die schon spaakig, weil vom Voreigner nie gelüftet, weil ja Segeln auf der Bille zwischen Brücken nicht sinnvoll oder möglich gewesen ist!

Aber den Verkäufer Manne Mann konnte tolle Geschichten erzählen – er hat mich mitten ins Herz hinein getroffen!

Mir erschien vollkommen unwichtig – oder hatte ich das übersehen? – dass weder Motor noch Jütt vorhanden waren – beides Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Flucht aus dem Industrie Irrgarten von Billstedt Ost.

Kurz: der Voreigner hatte seinen Dummen gefunden, den ich, vor Wonne dümmlich grinsend, so willig spielte.

Die LÜMMEL hatte mir mein Hirn geraubt, der Kaufpreis von DM 1150.– schien mir ungewöhnlich günstig, zumal er im Rahmen einer Verkaufs Förderungs Massnahme in 12 Monatsraten abgestottert werden sollte – vor allem konnte. Ich hatte das Schiff also buchstäblich am A…rm, musste lediglich DM 150.- in cash bei Vertrags Unterschrift leisten, für ein richtiges dickes Schiff! Sowas hebt das Ego, zumindest bis zum Sonnen Untergang!

Ein erhabener Tag!

Es gab viel zu tun, vor allem das tägliche Lenzen brachte meine Tage ein wenig durcheinander, denn Eichen Klinker im Sommer schafften Tageslicht unter Deck, weil sich überall die Sonne durch trockene Ritzen quälte.

Als Antrieb hatte ich einen Fichtel&Sachs Einzylinder Zweitakt Motor auserwählt, den ich einem Bauern in Rotenburg Wümme abgeschnackt, der eine modernere stand-alone Melkmaschine erworben hatte. StaMo – so nannten Bauern diese hustenden Sklaven, stationäre Motoren für den bäuerlichen Alltag in Stall und Scheune. Sie waren luftgekühlt, laut und liefen – wenn sie liefen! – vornehmlich nur im Volllast Modus, also schnell+laut.

Eine Gerüstbohle, konisch zugeschnitten und mit Schlossschschrauben – Donnerwetter, ein Wort mit 3 S! – in die Bodenwrangen als Fundament verschraubt – ich habe damals nie verstanden, warum Bootsbau als so schwierig galt.

Zum Start allerdings musste der Kickstarter schräg in die Achterpiek hinein getreten werden, für Schienbeine eine schmerzhafte Herausforderung. Das Getriebe machte keine Probleme, weil keins vorhanden war. Lief der Motor im Zweitakt hoppel-di-hopp – fuhr der Kahn bereits im vollen Galopp. Vor dem Ablegen richtig angebunden, ging es nach dem Start rasant zur Sache. Wie Klein Erna immer sagte: Muss´ nur noch Losbinden!

Meine Familie jedenfalls grinste, aber ich war tough, zahlte meine Raten und träumte meine einsamen Träume bis zum Höhepunkt – dem X-Day, an dem die Yacht das Licht der offenen Elbe erblicken sollte!

Das war mein Plan! Da war ich unbeirrt!

Mit gelegtem Mast, der achtern läppische 7 m überhing und recht provisorisch in einem Lattenkreuz gelagert war, ging es mit enormer Bugwelle durch den Zollkanal bis zum Zoll Ponton innerhalb der Übersee Brücke, wo ich die Palme mit Hilfe dreier Zöllner in schlüpferbeige-grüner Uniform wieder aufrecht stellte.

Die Segel hoch und die Elbe runter. Dumm, dass die Sommerplanken, obwohl mit Feudeln und Handtüchern tagelang vorgewässert, bei Schräglage dennoch gierig Wasser tranken. Allein an Bord, hatte ich voll zu tun und für Zweifel war die Zeit sowieso zu knapp. Denn einen luftgekühlten Zweitakter, einmal heiß geworden, nach dem Ausschalten erneut wieder zum Leben zu erwecken, hätte beide Schienbeine die Haut gekostet. Also Schwamm drüber und weitergepützt und zeitgleich mit 60 Grad Höhe am Wind dem ElbTeufel ein Ohr abgesegelt!

Der Westwind blies die Elbe rauf und mir in Karies und Zähne rein und es kam ziemlich abrupt die Erkenntnis, dass besegelte Rettungsboote für die Tidensegelei nur bedingt perfekt geeignet sind. Ich war jedenfalls für eigene Erfahrungen immer wieder offen – denn Hören auf die Sprüche von Verwachsenen – das konnte ich schon damals nicht!

Die besten Seeleute saßen nämlich schon damals immer nur an Land.

Kurz, die Geschichte ging ihren Gang, der Kahn wurde nach einigen haarsträubenden Törns nach der letzten Rate konsequent zum Verkauf angeboten. Erstaunlicherweise meldete sich auf ein Inserat im Hamburger Abendblatt ein Herr Rickmers von Helgoland, der meinen Preis von DM 2600.– am Telefon tatsächlich als Sonderangebot bezeichnete, straks mit Kompass, Seenot Pistapole und Schwimmweste unter dem Arm, nach Hamburg geflogen kam, mich am Airport nach der Tide fragte, mir den Kaufpreis wortlos überreichte, auf einen Vertrag verzichtete und den Hafen mit bekannt enormer Bugwelle Richtung Nordsee, sich dann verflüchtigte.

Ich habe das Schiff später in Helgoland heimlich getroffen und war ziemlich erleichtert, das es ganz offensichtlich noch immer nicht untergegangen war.

Der Knabe wuchs und wollte eleganter segeln, was eignete sich besser, als ein FOLKEBOOT, Ursprungs Untersatz allen seglerischen Sein´s – schon bald war eins meins – der Verkäufer hieß übrigens Herr Meyn.

DM 14.000.– hatte ich zusammen gespart für einen blitzsauberen LINDBAU mit der Nummer 127. Nun konnte wirklich schneidig gesegelt werden, sogar das Weib an meiner Seite war zunehmend gern dabei. Schließlich bedeutete wahre Freude beim Segeln doch auch ein Dasein zu Zweit – so habe ich das damals empfunden und so ist es auch heute noch, wenn auch mit einer erheblich anderen, vor allem für mein Leben kompatibleren weiblichen Ergänzung.

Die alte Regel, dass ein jedes Schiff stets einen Meter zu kurz ist, diese Regel ist altbekannt! Warum hätte das bei mir anders sein sollen?

Der Käufer für das Folkeboot stellte sich mit folgenden Worten vor: Mein Name ist Fick – ja, wie man´s macht! Der Verkauf wurde danach nahtlos abgewickelt.

Im zarten Alter von 24 Jahren entschloss ich mich also zu einem riskantem Deal: ich unterschrieb 1971 einen Kaufvertrag für eine brandneue BIANCA 27 für DM 32.000.–. Als Partcomplete sollte ein schwimmfertiges Schiff mit MD2B Volvo aber ohne Möbel in Rudköbing geliefert werden. Die Wette in meinem Wedeler Verein galt, dass ich es nicht würde schaffen können, innerhalb von 3 Wochen das Schiff fertig zu bauen und nach Hamburg zurück zu versegeln. Hat aber geklappt, sogar mit Polstern und Gardinen. 3 Wochen zelten auf der Werft waren schnell vergessen, Holger Christensen war ein netter Kerl, der damals so viel um die Ohren hatte, dann man nie hätte glauben können, dass so eine Werft dereinst einmal in die Pleite segeln könnte.

Die BIANCA 27 Baunummer #259 war mir 2 volle Jahre treu, dann ging sie fremd mit einem Mann, der sich später als Freund erweisen sollte.

Der Weg war also frei für neue Abenteuer!

Das kam bald um die Ecke in Form einer geschenkten Import Vertretung für Jollen aus der Familie der CORNISH CRABBERS. PETER DEICHGRÄBER, damals Importeur für die FISHER Yachten, für den ich gut bezahlter Turnschuh gewesen bin, hat mir die Vertretung für Wasserflöhe sehr gern überlassen. Dem COBLE bin ich jahrelang als Drittschiff treu geblieben, mein Hund Max auch, denn er konnte bei dem Freibord nicht über die Kante fallen. Max war übrigens ein Rassehund – wenngleich aus mehreren Rassen – dem Tierheim entronnen, wir waren uns ziemlich treu – bis zu seinem Tod – aber da war er auch nicht mehr ganz neu.

Als Erstschiff jedenfalls, waren mir Jollen zu lütt und eng geworden. Dem musste ich abhelfen, möglichst schleunigst!

Die SY JANNE, ein schwerer Doppelender aus der legendären WINDSPIEL Klasse von HEIN GARBERS, stand zum Verkauf! Da ich auf der SOTTJE und WINDSPIEL bereits gesegelt hatte, bin ich neugierig nach Flensburg gefahren, mit einer Ente eine lange Reise.

War ich denn größenwahnsinnig geworden, oder hatte ich Plemm-Plemm-Fieber?

Der Verkäufer, Kapitän Feddersen aus Niebüll, hingegen, konnte mich nicht voll überzeugen und meine Hose war ziemlich gestrichen voll. Mit derartigen Schiffen konnte man Gegner in Grund und Boden fahren, zumindest im Hafen, wenn Manöver nach dem Motto: „kernig gerammt ist besser als lahm angelegt“ gefahren wurden. Und der Barkassen Diesel mit offenen Kipphebeln erschien mir als Ungeheuer. Jedenfalls habe ich mich still verhalten, unter Hinterlassung meiner Adresse, nicht ganz ohne Hintergedanken.

Das hat Kapt. Feddersen später schlau ausgenutzt.

Ein Traumschiff als Notverkauf, so hieß die Offerten Dame. Es brannte so sehr, dass der Verkäufer sich am gleichen Abend von seiner schwimmenden Geliebten trennen wollte – oder mußte. Meine innere Stimme zwang mich zum Handeln! Das war genau mein Ding, für sowas konnte ich mich begeistern! Spontanäität ist ein Geschenk, das Leben in die Bude bringt, aber nur, wenn man nicht beringt, oder mit einer Dame zusammen lebt, die gleichfalls spinnt.

Jedenfalls traf ich den Mann am gleichen Abend am Airport Hamburg, unterzeichnete auf seinem Rücken ein Stück Papier, der Rückflug war schon ausgerufen. Schwupp´s war ich meine Knete los, dabei hatte ich das Schiff noch nicht gesehen!

Ich bin in der gleichen Nacht mit leicht komischen Gefühlen zu BEELITZ nach Fehmarn hingesaust, d.h. mit 75 kmh, um die neue Yacht in der gleichen Nacht bei Mondschein aus dem Hafen zu entführen. Sicher ist sicher – vielleicht wurde das Schiff ja mehrfach verkauft!

Dumm dabei nur, dass ich vergass, die Seeventile sogleich zu öffnen. So lernte ich schnell, warum ein Zweikreis Kühlsystem ganz praktisch ist und man als Skipper immer eine Galgenfrist bekommt, bevor der Kolben frisst und der Zylinderkopf sich verbiegt. Ich hatte also schnell gesiegt, bin dann geradewegs durchs Schießgebiet gesegelt auf dem Großkreis direkt zur Kiel Kanal Verschleusung.

Recht offenbar jedenfalls, hatte der Voreigner sein Schiff fluchtartig verlassen, oder müssen, denn das Marmeladen Brot lag schimmelig angebissen auf der Back, die Unterhose lag auf offener Koje, allerdings leicht vollge .. ackt.

Die SY LILOFEE – damals unterlag ich noch dem Wahn, meine Schiffe nach der geliebten Dame an der Seite zu benennen, weil ich vielleicht auf Anerkennung hoffte? – war eine stebige Yawl aus solidem Blech – mit Besanstagsegel zwischen den Palmen, sauste sie anderen Seglern schon mal wech.

Die Yacht war für mich damals der große Traum. Besser ging nicht, wie ich damals dumm dachte! War das gar schon der Olymp?

Wir haben schöne Reisen gemacht, der Reflex Ofen sorgte im Schneetreiben für schick warme Füsse. In unserem Verein allerdings, fingen die Segler an zu tuscheln, wie ein so junger Mann schon so ein dickes Schiff sein eigen nennen kann! Vor Neidern war man schon damals ebenso wenig sicher wie heute – nur dümmer ist man damals noch gewesen, weil man nicht sofort erkannt, was passiert, wenn man in einem deutschen Verein aus der Reihe gerannt – oder gar getanzt, ohne sich gebührend zu unterwerfen!

Meine damalige Frau Gemahlin jedenfalls hat mir die weitere schiffstechnische Fortentwicklung kollosal erschwert. Schiffswechsel – nein: mein unstetiger Lebenswandel insgesamt – war ihr Greuel und Grauss zugleich. Ein Beamter wäre für sie der bessere Mann gewesen, obwohl, ein Zweitwagen war ja auch keine so ganz schlechte Sache, Haus und Garten ja auch nicht unattraktiv.

Ich war recht offensichtlich der völlig falsche Mann.

Jedenfalls wurde auf Bütten das Versprechen formuliert, daß der Ehemann – also ich – fortan seinem derzeitigem Schiff für 10 Jahre die Treue zu halten habe! Ein Donnerschlag ohne Rückschlags Ventil.

Was unterschreiben Männer nicht alles – um ein wenig Ruhe zu erhalten vor der Alten – vor der Nachhaltigkeit femininer Forderungen oder Bedingungen!? Manchmal muss man artig sein! Ich unterschrieb – und schwieg – grinste however innerlich und beschloss, zwei Jahre später, mein Schiff gegen einen stattlichen Betrag am Markt einzutauschen zu versuchen.

An Interessenten war kein Mangel und es ergab sich dann als logisch, dass ich mich am darauf folgenden Samstag in Laboe zum Probeschlag mit JOHN ADAM verabredete. Die Sonne schien, der Wind spülte das Wasser in Lee sprudelig niedlich an Deck und wir besprachen Sinn und Zweck eines Treffens, das für uns beide in besonderer Weise das Leben verändern sollte. Denn John wollte mit seiner Deern nach Australien versegeln, suchte dafür den geeigneten Untersatz, darum der Treff. Das ideale Schiff! Sekunden später meine gezielte Frage: „und was passiert mit der Firma?“

Wir brauchten keine zwei Stunden, uns zu vereinigen! Wir beschlossen, ganz einfach unsere Schlüssel zu vertauschen: die Schlüssel für das Schiff gegen die Werkstatt Schlüssel für die Firma WINDPILOT, damals in MÖLLN Waldstadt, auf einem Pferdehof, von Pferde Äpfeln reich garniert.

Mein Weib hat mir diesen Fauxpas damals offenbar nie mehr verziehen! Ob das der Grundstein für die spätere Trennung gewesen ist? Egal Karl, Bremskeile sind stets verkehrt, weil man dann extra über sie rüberfährt!

Schicksal ist unausweichlich – Entwicklungen gehen immer weiter – wie auf einer Leiter – es sei denn, man ist im Kopf nicht mehr ganz heiter.

Eine schicke Yacht gegen einen Haufen öliger Maschinen und eine Idee einzutauschen – das war für das weibliches Verständnis meiner dann baldigen Ex-Frau nicht nachvollziehbar. Auch wenn sich die Trennungs Phase noch jahrelang müde verschleppen sollte – alles ganz normal!

Jedenfalls sah ich den Deal als Chance – in jedem Fall diametral anders als das plötzlich nicht mehr liebende EheWeib! Aber ein Kompromiss in Form eines halben Schiffes gegen eine halbe Firma – nur der Frau zu liebe – war ja schlechterdings unmöglich! Da mußte die Dame tapfer sein!

Ein ganzes Jahr wurde ich schiffs technisch zurück auf das Jollensegeln geworfen, denn ohne Dollares gab es keine Schiffs Dolores.

Danach konnte es weitergehen. Wenn man sich mit Autos im Wert von DM 100.– fortbewegte, für die Monatsmiete nur DM 172.- zu zahlen hatte, konnte das Schiff dann gern etwas protziger geraten! Alles eine Frage der Sichtweise – und einen Zweitwagen hatten wir ebenfalls. Der Fuhrpark hatte also DM 200.- an Kapital gebunden.

In Schweden verliebte ich mich in die B-31, von denen ich insgesamt 3 Stück besessen habe. Tolle Segler, segelnde Sägen, zu Preisen, die ich als rührend bezeichnete, denn perfekt ausgestatte Schiffe waren für unglaublich kleines Geld zu kaufen, samt SELDEN RIGG, 2 Zylinder YAMAHA und allem drum und dran. Folkeboote waren expensive dagegen.

Schwedens Gebrauchtboot Markt war damals die Luft rausgegangen, das Angebort riesig und der Deutsche Zoll ein freundlich hilfsbereiter Verein, jedenfalls so gar nicht gierig!

Ein WIEGLEB & SCHARF Kielschwerter von 9 m folgte als Grossbaustelle an der Elbe, danach ein auf den Stacks vor St. Margarethen havarierter TUMLARE Kreuzer, dessen Eigner, ein Hamburger Lehrer, im Schneetreiben im März auf der Unterelbe bei hartem Wind und ohne Motor die Orientierung und leider dann auch sein Leben verloren hatte.

Mit Autokran abgeborgen und nach Wedel verfrachtet, erwarb ich dies Schiff für ein Taschengeld. Der Name war klar: SY ZARA hieß die schmucke Dame, nach ihrem berühmten Vorbild von ADLARD COLES I.O.W.

Neue Planken wurden eingezogen, traurige Spuren komplett beseitig, so feierte das Schiff seine Wiederauferstehung im Sommer 1980, eine segelnde Säge für die es auf der Elbe kaum Widersacher gegeben hat, denn bei einer Länge von knapp 9 m und einer Breite von nur eine Mark neunzig, konnte eine Höhe gesegelt werden, die ich als Gegenwind empfand. Die Sache hatte ihren Preis, denn unter Deck ist ein Folkeboot dagegen riesig. Jedenfalls wieder ein schicker Grund, sich nach einem Käufer umzusehen – der tags darauf gefunden war, im vorletzten Hamburger Eigner. Das Schiff wurde renamed in SY CARINA.

Als Liebhaber traditioneller Segler, der Folkeboot, Bianca, Tumlare unter dem Hintern hatte, was lag da näher, als die Geschichte konsequent ein wenig weiter zu verfolgen: in Flensburg stand die SY KLÜMPP zum Verkauf. Welch ein Name für einen 7 KR Traum von A & R, der nach dem Tod seines Vorbesitzers, eines bekannten Reifen Händlers in Flensburg, in Glücksburg auf neue Abenteuer wartend hoffte und die Festmacher durchgescheuert hatte. Bevor wir los segelten, wurde der Name abgeschraubt und durch TRÄUMEREI ersetzt, den Namen, den die Schönheit noch heute trägt.

Der Name barg eine traurige Geschichte: Unser Freund Karl-Wilhelm (Korle) Schumann, Jahrzehnte Häuptling im JKN in Wedel, Pächter-Betreiber der Kantine im RISSENER KRANKENHAUS, die durch Vogel Voliere und Märklin Eisenbahn Anlage hygienetechnisch zwar desolat, zum Favoriten aller Ärzte und Halb Genesenen im Bademantel geraten war, und der überaus lebensfroh, bereits in höherem Alter einen lecken 100ter Seefahrtskreuzer von Von HACHT von der Weser zur Elbe herüber pumpte, segelte mit uns als Macker Schiff samt Frau und Mini Wauwi „Karlchen“ Richtung Skandinavien. Auf die Frage Dänischer Hafenmeister, nach dem Schiffsnamen, nannte Korle den Namen seiner Yacht: TRÄUMEREI. Gegenfrage vom Hafenmeister: „von SCHUMANN?“, „Stimmt – woher kennen sie meinen Namen?“

Korle verstarb kurz nach seiner Pensionierung bei einem Autounfall samt Hündchen Karlchen. Der Schiffsname TRÄUMEREI war mein Angedenken, denn seine TRÄUMEREI verstarb als von Eigners Liebe verlassene Hulk nur wenige Jahre später.

Erstaunlich, die TRÄUMEREI war mein erstens Holzschiff mit trockener Bilge, wo sich Farbreste in Trockenheit rollten und einer Aussenhaut, die wir mit 1000ter nass geschliffen und – schon snobbisch – hinterher polierten. Plankengänge sind bei diesem Schiff bis heute nicht zu erkennen, nach immerhin 65 Jahren. Kaum zu glauben!

Tja, wie erkläre ich ohne zu großen Image Verlust, dass ich mich auch von diesem Schiff dann wieder trennen mußte?

Richtig, eine Scheidung stand an, bei der man mit Dollares nun die Dolores bezahlen musste. Gesagt getan, ein Inserat am schwarzen Brett im Hamburger Yachthafen – am gleichen Abend wurde das Schiff telefonisch reserviert. Der Käufer versicherte sich lediglich, ob dies das Schiff sei, das in Maasholm an einem einsamen Dalben im Noor seine Runden drehte? Jawoll – und der Deal ging telefonisch über die Bühne!

Als Teil des Deal bekam ich noch eine NADINE 24 als Mitgift zugesteckt, eine SWAN im Westentaschenformat – und so ich konnte nahtlos weiter segeln, trotz Schiffs Verlust. Scheidungs Kinder sind angeschmiert, in meinem Fall war es eine Yacht!

Aber das Leben rannte weiter, dann auch bald wieder lustig. Aber das wird versprochen und nicht gebrochen, in einer Fortsetzung, für die ich erstmal die Handlungsfäden sortieren muss, bevor es hier gerät zum Verdruss oder Überforderung angesichts einer Gemengelage, bei der ich manchmal selbst den Überblick verliere – naja, ganz so schlimm ist mein Geisteszustand – nicht!

Verspricht

Peter Foerthmann

3 Kommentare zu Peter´s Flotte #1

  1. Moin, als Bianca 27-Eigner bin ich über Ihre Seite gestolpert. Beim lesen blieb ich dann beim Namen Korle Schumann hängen. Den Herrn Schumann kannte ich zwar nicht. Aber der JKN ist mir ein Begriff und einen guten, wenn nicht besten Freund von Korle Schumann kannte ich sehr gut. Gerhard Moltsen und seine HOLNIS III. Er war mir väterlicher Freund und Mentor beim Start ins Seglerleben. Sollten Sie noch Geschichten von Moltsen kennen, oder aber etwas über Ihre Bianca 27 zu berichten haben, würde es mich freuen von Ihnen zu hören!

    Beste Grüße
    Kay v. E

  2. Pat O'Leary sagt:

    Hi Peter. I came across your blog by accident ( looking up Cornish Cobles because there is one for sale on eBay) – and I am fascinated. I appreciate you spent quite some abroad, and that you have been involved in international trade, but your command of English is incredible for a non-native speaker. Your vocabularly, grammer and wit are far superior to the majority of native English ( or Irish) writers on the net.
    Regards, P@

  3. Kevin Gilroy sagt:

    Hello Peter: So the tale about swapping your boat with John Adam is true!
    John Adam crossed the Atlantic in a Leisure 17 and I have relayed the story on the Leisure Association website http://www.leisureowners.org.uk.
    The link to the story is
    http://leisureowners.memberlodge.org/Resources/Saltings/sep_13.pdf

    Hope both you and John are keeping well.
    Best wishes Kevin Gilroy

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