LSO – Stimmungen

LES SABLES D´OLONNE – STIMMUNGSBILDER

Mit einer Anfahrtszeit von 15 Std, inklusive der nächtlichen Passage der Nahkampf Zone geformten Blechs – der  Pariser Periphérique – lag unser Zeitinvestment im Wohlfühl Bereich, verglichen mit den Anstrengungen von Angehörigen und Team Mitgliedern, die aus Down Under, den USA, Finnland oder Indien haben anreisen müssen.

Die mit Sicherheit anstrengendste Anreise hatte Urmimala Nag, Ehefrau von Abilash Tomy, zu überstehen, die mit ihrem Sohn Vedaant aus Mumbai angereist war.

Es war heiß, was bei den starken Winden gefährlich war, weil die Sonne hinterrücks Wirkung erzeugte, ohne dass Delinquenten dies hautnah bemerken konnten, mit heftigen Folgen, z.B. für mich.

Am Morgen danach allerdings war ich wieder fit, die Temperatur erträglich und so verbrachten wir 10 Tage in LSO, um dort zu tun, was wir im Schlaf beherrschen: unseren Teil einer Verantwortung zu einem guten Ende zu bringen, damit die Segler auf See Steuerfreiheit genießen können, wobei unsere Grenzen klar umrissen sind und zum Mantra mechanischer Steuersklaven geworden sind: Hexen geht nicht – Physik regiert die Welt – den Rest muß der Segler allein erledigen. Falls er damit Schwierigkeiten hat, gibt es Segelschulen, die die Unterschiede zwischen Motor und Segelbooten erklären helfen, falls der arme Delinquent im Unterhemd nix mit Gardinen am Mast anzufangen weiss. Vorsicht: 50% Joke!

SPÄTZÜNDER

Wenn ich erst um drei Wochen zeitversetzt dazu komme, hier von unserer vergnüglichen Zeit in LSO zu berichten, so liegen die Gründe in einem Bereich, der sich meiner Kontrolle entzogen hatte, was ich kaum glauben konnte, weshalb ich zunächst über den Schwarzen Peter zu schreiben hatte. Meine Lebens-Parade-Rolle.

Der Schwarze Peter

Verdrehte Welt, denn, nicht wahr: ich war es ja nicht, der sich für 250 endlose Tage auf See zurückziehen plante, ich wollte eigentlich nur meinen Anteil zum Gelingen beitragen, was dummerweise nicht bei allen Protagonisten gleichermaßen angekommen ist.

Aber: wie soll man reagieren, welche Mittel habe ich? Nachsitzen, an den Ohren ziehen, leichte Schläge auf den Hinterkopf, oder mit der Zeitung wie beim Hund? Alles Papperlapapp! Wer nicht hören will – muss fühlen – allerdings lief die Sache in der Folge dann ein wenig aus dem Ruder: zwei Protagonisten haben die Botschaft kurzerhand umgedreht und mir frech die Schuld am eigenen Versagen – Publikums wirksam, in die Schuhe geschoben. Ein Kollateralschaden, den man erstmal verdauen muss. Da ist man erstmal platt, selbst nach einigen kuriosen Erlebnissen im Umgang mit besonderen Homunkulüssen, deren Umgangsformen bereits verschlissen, jeden Respekt vermissen ließen.

Ein deja vu aus gängigen Beziehungs – Verhaltensmustern? Fast fühlte ich mich daran erinnert, obgleich ich es hier mit Fremden zu tun gehabt hatte, anstelle von Menschenkindern, die sich in meinem Nahbereich aufgehalten haben. Immer wieder interessant, zu erleben, welche Kapriolen Menschen drehen, wenn ihr Ego gerade im Start zum Höhenflug begriffen, obgleich die Festmacher noch nicht losgebunden sind.

Der von Veranstalter und seinen französischen Partnern erwartete – erhoffte? – Besucheransturm jedenfalls ist ausgeblieben. Abgesehen von einigen Stunden am ersten Wochenende, ist es auf den Stegen übersichtlich geblieben, könnte man deutlicher sagen.

Jedenfalls hatten wir freie Fahrt mit unserem grünen Handmobil, das Gelände gängig sogar steile Niedergänge meisterte, ohne seine Fracht vorzeitig – seitlich ins Hafenbecken – abzuladen. Unser Wagen war ringsum schnell beliebt und diente einigen Crews als leidenfähiger Sklave für Ausflüge zu Tankstelle, Supermarkt und zur Schiffsversorgung.

Als Abilash mich freundlich fragte, ob ich mit seiner Frau Urmimala eine Tour zum Leclerc Supermarkt nach Olonne S.Mer machen könne, um dort ein paar Grundsätzlichkeiten einzukaufen, habe ich die Herausforderung sofort aufgegriffen, wer würde denn nicht gerne mit einer schönen Inderin einkaufen fahren wollen? Wie hätte ich ahnen können, dass wir allein drei Stunden zwischen den Regalen verbringen würden und am Ende vor der Kasse einen Einkaufswagen Stau verursachen würden, samt einer Rechnung, die ringsum Ohnmachtsanfälle erzeugte?

Wohl dem, der über einen voluminösen Pick-Up verfügt, der alles schluckt, was auf dem Parkplatz in unzähligen Karren wartet. Interessant übrigens: die Thuriya war fast nackt nach LSO gekommen, sie wurde erst vor Ort allumfassend bis zur Zahnbürste, Hustensaft und Körperlotion ausgerüstet.

Kaum zu glauben, dass Urmimala den lückenlosen Einkaufplan in einem winzigen Heftchen niedergeschrieben hatte, das akribisch abgearbeitet werden musste. Ich kann das bezeugen, auch wenn ich zwischendurch bei Musette Musik wartend, auf einer Bank eingeschlafen bin. Medizin war besonders schwierig, weil Inhalte und Wirkungsstoffe zunächst bei Tante Google abgeglichen werden mußten.

Apropos: wer hätte denn wohl vermuten können, dass eine Inderin die polnische Sprache fließend beherrscht? Oder ihr plietscher Sohn Vedaant, der im Interview in fliessendem Englisch schlaue Antworten gegeben hat, als er gefragt wurde, was für seinen Papa auf See denn wohl wichtig wäre. „mein Vater wird wissen, worauf er achten muß, er ist ein erfahrener Mann!“. Wenn irgendwo TV Kameras – oder waren das I-phones? – zu sehen waren, stand Vedaant stets sofort zur Stelle. Seine immer gleiche Frage, ob das nun im TV zu sehen sein würde? Der neben ihm stehende – juristisch authorisierte – Manager Dilip Donde, brachte dagegen nur reduziert erkenntnisreiche Antworten ins Mikrofon, Vedaant hat ihm immer wieder die Show gestohlen. Wie Urmimala mir später aus Indien berichtete, hatte sie enorme Schwierigkeiten, ihrem Sohn die Traurigkeit über dem fehlenden Papa zu vertreiben.

Und Abilash? Ein toller Kerl, in sich ruhend und voller Souveränität, berstend von Witz und Schalk, dem meine Frau seit unserem ersten Treffen in Medemblik mit indischem Willkommensgruss begegnete, der ein Mass von Höflichkeit an den Tag legte, dass wir irgend wann sprachlos seine Frau befragten, woher er diese Zurückhaltung denn wohl habe. „Its the Indian Army“. Ein Paar, das zueinander gefunden hat, einander ruhig und überlegt ergänzt, dem anzumerken gewesen ist, dass es nichts mehr gibt, was sie von einander trennen könnte. Selten haben wir Menschen getroffen, denen die Symbiose derart deutlich ins Gesicht geschrieben stand.

An einem anderen Tag war ich mit Abilash unterwegs, um Thermo Wäsche und einen Schlafsack für südliche Breiten zu kaufen, wir stiessen allerdings überall auf ratlose Gesichter, weil selbst Declathon nur Sommerware führte. Da die Thuriya vermutlich das einzige Schiff in der Flotte ohne Heizung ist, hat Abilash nun 2 Schlafsäcke an Bord, die er ineinander steckt zzgl. meine alte Thermojacke, die ich noch im Auto hatte.

Eine kurzweilige Zeit mit offenen Menschen.

Ich glaube, es ist keine Übertreibung, wenn ich die heisse Phase der letzten zwei Wochen vor dem Start als Handicap für Nicht-Franzosen beschreibe, zumal sie alle in grosser Not gewesen sind, überhaupt ihr Pensum zu bewältigen. Dank dem Sponsor Agglomeration Les Sables waren die Familien der Segelmatadoren zumeist in grosszügigen Privat Anwesen untergebracht, teils auf dem Land – stets mit allem Komfort. Eine Organisation, die in jeder Richtung eine derartige Veranstaltung souverän zu arrangieren weiss – eine Stadt, die von und mit den Seglern lebt, deren durchdachtes Konzept an jeder Strassenlaterne abgebildet ist.

Wir hatten uns eine Bleibe dicht am Hafen und zugleich dicht an der See ausgesucht, im ruhigeren Teil der Stadt, in walking distance zur Marina, und nur 50 m von der grausamen See entfernt, bei Ebbe 500 m.

Und wir haben Glück gehabt, denn nach meinen Erfahrungen mit unzähligen französischen Herbergen jeder preislichen Konvenienz, ist Frankreich stets für Überraschungen gut gewesen. Ein merkwürdiger Geruch in Folge einer verwesten Leiche im Nachbar Appartement z.B., oder Gendarmerie Einsätze wegen Diebstahl Versuch meines Wagens in der Tiefgarage mitten in Paris, First Class Herbergen mit ohne Heizung im tiefen Winter, Fremdpersonen in meinem Bett, in das ich gerade einsteigen wollte, noch dazu männlich – ich könnte mit romantischen Geschichten ein kurzweiliges Buch füllen. Für Paris fällt mir regelmäßig ein, dass dort eine rote Ampel allenfalls ein Vorschlag ist, an den sich schneidige Fahrer ohne Zeitreserve niemals halten werden. Ach ja, wer dumm genug ist, seinen Wagen mit Handbremse zu parken, ist selber Schuld, wenn vorn und achtern später Beulen findet, zugefügt von fremdem Blech, bis die Lücke passt. Blech gehabt.

Wenn nur die Sprache und die Landschaft nicht so wundervoll wären – und wenn man Paris den Rücken erst gekehrt … kann Frankreich ein Land zum Träumen sein – wenn man nicht unvermittelt in eine Portrait Foto Falle gerät, die ihren stupiden Job macht … und den Strafbefehl anschließend nach Deutschland schickt. Vollautomatisiertes Strafmandat über € 186,00 für eine Geschwindigkeits Überschreitung von 3 Std / km! Bei Zahlung innerhalb 46 Tagen Rabatt auf € 45,00. Erinnert mich an beste Vopo Zeiten, die auf DDR Autobahnen mein Tempo schon mit bloßen Augen einzuschätzen wußten – und subito kassierten, in Westmark cash.

Als Alleinreisender, der in seinem Leben in mehr als 200 weltweiten Boat Show Gefängnissen gesessen hat, kann und muß man Unvollkommenheit bei Herbergen trocken schlucken und verdauen, aber mit einer femininen Regierungszentrale im Handgepäck, für die Worte wie Sauberkeit und Hügenie ( ? ) bedeutungs schwere Wohlfühl Faktoren sind, ensteht Druck auf der kleinen Peter Seele. Denn: ist die Frau schlecht gelaunt, geht nix im Schlaraffenland – dann stockt der fließende Betrieb, also trägt man Verantwortung, die Wichtigkeiten entsprechend zu organisieren. Ein Widerspruch, denn wer in Frankreich seine Ansprüche nicht ein wenig dimmen kann, wird verzweifeln, wenn ihm nicht gelingt, Ansprüche mit der Wirklichkeit zu synchronisieren. Wir haben wirklich Glück gehabt.

Wir haben ein tolles Haus gefunden, dass jeden Anspruch erfüllen konnte – mit links. Allerdings passte unser Blechmobil nicht vollständig in die Parkgarage, weshalb wir das Tor einfach offen gelassen haben – was kuriose Kommentare der Nachbarn zur Folge hatte, nicht unbedingt freundlich, wenn man zufällig die Sprache versteht. Ausländer ist eine Rolle, die jeder kennt – solange er nicht zu Hause ist.

Kleiner Baufehler im Haus, kein Prblem: schließlich war die Toilette nur 30 cm zu hoch an die Wand geschraubt, weshalb mein Weib sich stets einen Hocker, alternativ 4 Klopapier Rollen hochkant unter die Füsse stellte, um Durchblutung Störungen an der Hinterkante zu vermeiden. Peanuts – Frankreich! Ach ja, und die Mülltonne hatte in der Klappe eine Gramm genaue Waage, die akribisch vermerkte, was man ihr antun wollte. Wir haben dies High Tech Wunderwerk mißachtet und unsere Hinterlassenschaften dem Marina Müll Container anvertraut, auch wenn ringsum in der Stadt moderne Klappen im Trottoire eingelassen waren, in die Insider ihren Müll entsorgten.

Tapio Lehtinen hatte in Les Sables eine harte Zeit. Sein Schiff, eine wunderschöne S&S 36 war erst wenige Tage zuvor in Belgien zu Wasser gelassen worden. Arbeit in Hülle, der Inhalt des Schiffes lag bei unserer Ankunft sauber auf dem Steg geschichtet. Man wollte kaum glauben, was Tapio dereinst alles an Bord verstauen wollte. Er hatte den kühnen Plan, mit seiner rassigen Schönheit das Feld der anderen Schiffe von der Leeseite aufzurollen. Und er hat wirklich an nichts gespart, sein Mut ist zu bewundern. Verglichen mit den voluminösen Schiffen seiner Wettbewerber, die durchweg 50 cm mehr Freibord besassen, ergab sich ein Handikap, das vermutlich in der Planung ein wenig unterschätzt worden ist: nach Verstauen von Ausrüstung und Verpflegung, reduzierte sich das Freibord der Astoria in einem Masse, dass Tapio mich anlässlich eines Telefonats kurz vor dem Start gebeten hat, ob ich ihn bitte nochmals auf seinem bereits halb gesunkenen Schiff besuchen könne. Sarkasmus hat nicht jeder, aber in Finnland scheint diese Eigenschaft zur menschlichen Grundausstattung zu gehören, was ich bereits bei anderen Landsleuten erleben konnte. Ich bewundere diesen Mann, der in seiner ruhigen besonnenen Art eine unglaublich lange to-do-Liste abzuarbeiten hatte, wenngleich ihm seine Stimmunglage auf der Stirn abzulesen war.

Tapio hat sein Leben noch niemals zuvor einer Windsteueranlage anvertraut. Seine ersten Gehversuche hatte er mit seinem Sohn Lauri auf der Überfahrt von Falmouth nach Les Sables probiert und unter Spinnacker seinen Windpilot ans Ruder gelassen – und hat sich staunend zurück gelehnt. Inzwischen ist Routine eingetreten und er hat mit seiner Heckverzierung Frieden geschlossen – was ja keine Selbstverständlichkeit ist – weil Menschen eben unterschiedlich sind.

Bei Tapio habe ich die Bekanntschaft mit Shane Freeman gemacht, der in seiner Heimat beeits Erfahrungen mit meinen Systemen gemacht hatte. Shane hatte zur Teilnahme an der GGR gemeldet, wollte mit seiner Tradewind 35 von Australien nach Les Sables segeln. Vor der Küste Chiles hat er sein Schiff infolge Durchkenterns aufgeben müssen. Shane stand fortan im GGR Team als safety inspector im Dienst und hat dort ein strenges Regiment geführt, wobei die eigenen Erlebnisse erkennbar Spuren bei ihm hinterlassen hatten. Ein erfahrener Segler, der sich kürzlich in Südfrankreich niedergelassen hat.

Das Team um Igor Zaretzkiy war in Mannschaft Stärke angereist, samt TV Team, Drohne, Kamera Equipment, Fahrzeug Flotte und robustem Rib mit formidablen AB Motoren, ach ja und Flaggen im Quadatformat, die nicht zu übersehen waren. Die Videos sind sehenswert, auch ohne Sprach Verständnis. Die Klick Raten des russischen Publikums jedenfalls sind sogleich in die Höhe geschossen. Es hat den Anschein, dass YACHT RUSSIA stets im Schatten des GGR Teams für eine grosse Fan Gemeinde in der Heimat in steter Folge über die GGR berichten wird. Ich habe – auf Nachfrage – subito gelernt, dass YACHT RUSSIA diesen Namen gekauft und fortan zur deutschen Namens Marke keine Blutsbrüderschaft mehr besteht. Neugierde hilft ungemein, damit man weiss, wo man steht.

Im Gegensatz zu manch anderen Videos wie z.B. einer von der Aussenmole aufgenommene Auslauf Parade am 1.Juli, die bis heute nur wenige Klicks verzeichnet und fast schmerzhaft das erstaunlich geringe Publikums Interesse dokumentiert.

Es war ein besonderer Tag für mich, als ich Nandor Fa mit dem Tretroller über die Pontoons rollen sah. Ein lauter Ruf, ein schneller Stop, nach immerhin 28 Jahren haben wir uns in Les Sables zum ersten Mal wieder getroffen. Ich war damals vor Ort, weil ich waghalsig genug gewesen bin, auf Fragen von Patrice Carpentier ( heute Race Manager des GGR ), José Ugarte und eben Nandor, allesamt Vendee Matadore, auf Anfrage nach der Ausrüstbarkeit ihrer Schiffe mit „ mal versuchen“ geantwortet hatte. Ich bin dreimal zum Start nach LSO gefahren, habe nächtelang in meinem Espace geschlafen, weil ich Hotels nicht bezahlen konnte, zumal die damals ohnhin sämtlich ausgebucht gewesen sind – es war fast Winter. Zum Glück für mich ist damals keine Palme umgefallen – die Vendée wurde zur Spielwiese für die elektronische Konkurrenz, die damals erstaunliche Mengen von Reserve Systemen vor den Schiffen abgeladen haben.

Mit Nandor verbinden mich spannende Geschichten:
Unser erstes Treffen fand im tiefen Winter 1988 bei mir in Hamburg statt. Nandor war nachts angekommen und hatte in seinem Lada vor meiner Tür geschlafen. Als ich das Tor morgens öffnete, war sein Wagen komplett zu gefroren, er hatte nicht gewagt, zu Klingeln, war zu schüchtern, mich des Nachts zu belästigen.

für sein erstes Schiff mit canting keel habe ich Edelstahlbauteile zugeliefert, die ich des Nachts im Freihafen verbotener Weise bei ungarischen Truck Fahrern unter den Fahrersitzen versteckt habe, weil ein offizieller Transport damals schwierig gewesen wäre. Es ist übrigens exakt jenes Schiff, das derzeit die Schlagzeilen beherrscht, weil es von Canadischen Drogendealer zu Transportzwecken verwendet worden ist, und vor der Küste von Martinique in Brand gesteckt worden ist.

Ich habe Nandor später in seiner Heimat besucht und bewundert, mit welcher unglaublichen Energie dieser Mann – meist ganz alleine – seine 60 Fuss ULDSs in Carbon selbst zusammenklebte. Ein Blick auf Nandor´s Hände erzählt noch heute Bände.

Nandor ist seit 26 Jahren fester Bestandteil der Vendée Gemeinschaft, und zählt Les Sables zu seiner zweiten Heimat. Seine IMOCA Spirit of Hungary lag inmitten unter den GGR Flotte, er hatte die vergangene Vendée an achter Stelle beendet. Das Video seiner Reise, ist bemerkenswert, bei seiner Rückkehr in Dunkeln waren tausende auf den Molen. Frankreich eben.

Wer heute durch westliche Marina´s schlendert, dabei angelegentlich vor die eigene Füsse blickt, um nicht zu stolpern, wird überrascht sein, dass ein Grossteil dieser Schwimmstege in Europa von Nandor produziert und geliefert worden sind. Nandor ist seit Jahrzehnten einer der wichtigen Systemlieferanten und betreibt mit unterschiedlicher Belegschaft seinen Familienbetrieb FAHAJO mit seinen beiden Töchtern. Eine Familie, die seit Jahrzehnten zusammen hält.

Direkt neben Nandor´s Schiff lag das aufregende Projekt von Norbert Sedlacek, einem Österreicher, der sein Leben seit vielen Jahren dem Segeln widmet und dafür sogar nach Les Sables umgezogen ist.

Kaum zu glauben, dass dieser Mann in seinem früheren Leben mit Strassenbahnen seine Runden in Wien gedreht hat. Mir ist der Name aus der Zeit geläufig, als der segelnde Strassenbahnfahrer seine ersten Schritte auf See gemacht, mit einer Heckverzierung aus meinem Stall.

Wen ich noch getroffen habe? Ein Schnack mit Jean-Luc VDHeede war nicht zu umgehen, über seine erste Frage, ob ich in Frankreich einen Revendeur suchen würde, sind wir schnell auf sein Schiff zu Sprechen gekommen, dessen Vorbesitzer Familie in England mir gut bekannt ist.

Mit Nick Jaffee ( GGR Team ) verbindet mich, dass er viele Jahre mit meinen Systemen gesegelt ist. Zunächst mit einer Contessa 26 um die halbe Welt, dann mit seiner SV Aries von San Francisco nach Australien. Heute lebt er in Tasmanien und verdient sein Geld mit IT, weshalb Don McIntyre ihn verpflichtet hat.

Ach ja, mein letzter Besuch in Les Sables liegt 20 Jahre zurück, ich habe dort einen Windpilot bei Aliaura Maritime ausgeliefert und montiert. Nach dem Probesegeln mit der Privilege 465 bin ich von den neuen Eignern zum Hummer Essen eingeladen worden. Bobby Schenk hatte eigentlich eine Ovni kaufen wollen, war dafür extra mit der eigenen Flugmaschine nach Les Sables eingeflogen. Ob es am Verhalten des Verkaufspersonals bei Alubat gelegen hat, oder ob sein Freund Kurt Ecker ihm zugeflüstert bzw. geschoben hat, jedenfalls ist Bobby am Ende unten am Hafen bei Aliaura gelandet, wo er zugeschlagen hat, womit das Flugbenzin nicht umsonst verflogen worden ist.

Auf dem Werft Gelände ist für die kommenden Monate auch das GGR Team im Dienst, Don McIntyre lebt derweil in Jean-Luc Appartment am Hafen. Bettenwechsel ist erst geplant, wenn die Matmut wieder nach Hause kommt, samt ihrem Herrchen.

Eine kleine Welt, wie man sieht.

28.07.2018
Peter Foerthmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.