Christoph Vougessis

MÄNNERTÖRN NACH JAMAICA – ERZÄHLT VON ALBI

18.03.2017 – Abfahrt 12:00 von Basse Terre, Guadeloupe. Matthieu, unser Bootsnachbar, winkt uns zum Abschied. Ich kotze zwei mal über die Reling und bin den gesamten Tag für nichts zu gebrauchen. Schlafend liege ich in der Koje und versuche die Reiswaffeln im Magen zu behalten.

Am Nachmittag kündigt sich das Grauen an: unsere erste Flaute. Die kommt wohl vom Windschatten der großen Insel. Nach drei Stunden bläst wieder Wind und auch in der Nacht werden wir stetig voran getrieben. Am zweiten Tag geht es mir schon viel besser. Mir ist zwar immer noch flau im Magen, aber wenigstens findet die Verdauung nur noch von oben nach unten statt. Dann am Abend die zweite Flaute. Doch diesmal sind wir schon längst weit genug von jeglicher Insel entfernt, als dass uns der Windschatten beeinflussen könnte. WEITERLESEN

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ANNA FLIEGT NACH HAVANNA – CHRISTOPH SEGELT NACH JAMAICA

Moin Herr Foerthmann,
Seit Martinique ist sehr viel passiert. Wir haben viele bekannte Segler wiedergetroffen, haben die vielen Seiten Martiniques, sowie wunderbare Menschen kennengelernt, und auch verabschiedet. Wir segelten durch die Gewässer Dominicas und Guadeloupe und hatten von Flaute bis 7 bft alles an Wetter, was man sich vorstellen kann.

Winkend verabschieden wir uns von der Leni, ein großer blauer Katamaran, welcher mit Familienbesatzung aus München in der Karibik unterwegs ist und welchen wir schon in Gomera sehr gut kennengelernt haben. Die Familiencrew ist uns zu guten Freunden geworden und nur langsam verlassen wir Trois-Ilets, einen geschützten Ankerplatz an der West Küste Martiniques.

Für uns geht es nun weiter Richtung Dominica, einer Karibikinsel, welche auch noch wirklich karibisch ist. So schön Martinique auch gewesen ist, war es doch sehr europäisch und mehr Frankreich als Karibik. Das soll sich nun ändern: Bei angenehmen 3 Bft verlassen wir die Bucht und segeln mit halben Wind die Küste hoch gen Norden. Eigentlich wollten wir bis Roseau, der Hauptstadt Dominicas durchsegeln und Anfangs sah es wettertechnisch auch so aus, als würden wir die Insel noch am selben Tag erreichen.
Der Windschatten des großen Vulkans Martiniques vor St. Pierre ließ diesen Plan dann jedoch schnell verschwinden.

Im Dunkeln habe ich aber überhaupt keine Lust, die Ankerbucht anzusteuern! Wir übernachten hier in St. Pierre.

Zehn Minuten später fiel der Anker auf 8 m Wassertiefe, nur um noch ganze dreimal wieder eingeholt zu werden, damit man den Ankerplatz wechseln konnte. Der Schwoikreis war bei unstetem Wind recht beträchtlich und wir kamen einigen Booten gefährlich nahe. Eine Yacht hat es sogar auf den Strand gespült, als der Wind überraschend auf West drehte und stark zunahm. Ihr Anker brach immer wieder aus und ehe sie reagieren konnten, endete die dreijährige Reise eines französischen Pärchens am Strand von St. Pierre. Sie taten uns wirklich sehr leid.

Bei 6 bis 7 Bft kämpft sich Shalom durch die Passage zwischen Martinique und Guadeloupe. Zwischen den Inseln hat man immer starke Düseneffekte, welche zusammen mit den starken Fallwinden echt gefährlich sein können. Ein paar Tage zuvor wurde ein Charterkatermaran genau an unserer jetzigen Position entmastet. In Hamburg sagt man oft, dass einer welcher das Segeln auf der Elbe gelernt hat, es überall schafft. Diese Aussage trifft meiner Ansicht nach eher für die Karibik zu…

In völliger Dunkelheit fällt der Anker dann endlich nach 6 Stunden wildester Fahrt vor Point Michelle. Ein sehr niedliches und uriges Fischerdorf an der Südwestküste Dominicas.

Die nächsten Tage erkundeten wir den Dschungel der Insel, obwohl eigentlich die ganze Insel ein einziger Dschungel ist. Uns gefällt es hier richtig gut. Die Menschen sind freundlich, die Landschaft atemberaubend und das Essen mit lokaler Küche sehr gut.

Nachdem wir in der Hauptstadt noch Karneval gefeiert haben, geht es weiter an die Nordwestküste nach Portsmouth. Diese große geschützte Buch ist eigentlich die einzige gute Ankermöglichkeit auf Dominica. Ansonsten fällt der Grund nämlich sehr steil ins Meer hinab und der Ankergrund bietet meistens auch nicht genügend Halt.

Wasser läuft ins Cockpit und spült über die Bänke und Winschen. Anna verliert derweil den Halt unter Deck und fällt mit voller Wucht in die Kochecke und haut sich den Ellenbogen auf. Diese Welle hatte ich nicht rechtzeitig kommen gesehen. Den ganzen Tag hatten wir schon mit starken Düsenwinden zwischen Dominica und Guadeloupe zu kämpfen, weshalb die bisherige Überfahrt auch alles andere als gemütlich war. Meistens bließ der Wind zwischen 6 bis 7.

Nachdem Anna auf Dominica für kurze Zeit das Boot verlassen hatte, segelten wir gemeinsam weiter nach Guadeloupe, um uns die Insel noch gemeinsam ansehen zu können. Anna hat von dort nämlich einen Flug nach Havanna gebucht, wo sie Besuch von einer Freundin bekommt. Dort werden sich unsere Wege also für unbestimmte Zeit trennen…

Nun liegt Shalom quasi völlig flach auf der backbord Seite, richtet sich dank des schweren Kiels jedoch wieder sehr schnell auf. Der Schreck verschwindet nicht so schnell.
Bis wir endlich den Windschatten Guadeluopes erreichten, kam es glücklicherweise zu keinen weiteren Vorfällen.

Im Hafen von Basse Terre treffen wir dann wieder seit längerer Zeit Albin, den wir schon auf Gomera kennengelernt hatten und zusammen mit ihm und Joshi haben wir dort viel erlebt. Er und Joshi habe es ohne Probleme über den Atlantik geschafft. Darüber mehr unter Albin´s Blog

Gemeinsam mit Albin und Joshi erkunden wir die Insel und sammeln schöne Erinnerungen. Das Highlight war ein Bad in einem Fluss mitten im Dschungel, welcher von einer heißen Quelle gespeist wird. Das Wasser war also eher warm als kalt.

Viel zu schnell vergeht die gemeinsame Zeit und schon sehe ich mich am Flughafen sitzen, während ich Anna verabschiede. Nach dieser Wahnsinns Zeit, die wir zusammen erlebt haben, fällt der Abschied nicht leicht und drückt die Stimmung. Falls du – Anna! – dies hier liest: Ich wünsche dir viel Spaß mit deinen Eltern und mit deinem Bruder. Pass auf dich auf. Hier auf Shalom ist immer ein Platz für dich frei.

Für mich geht es nun weiter nach Jamaika, aber nicht alleine, sondern mit Albin. Der war nun schon über einen Monat auf Guadeloupe und findet, dass es mal Zeit wird, weiter zu segeln. Also los gehts! 840 sm und beinahe das gesamte karibische Meer liegen vor dem Bug und nach ca. 9 Tagen hoffentlich dann hinter unserem Heck.

In diesem Sinne hoffe ich, dass die Reise ohne Problem verläuft und dass das Wetter auf unserer Seite sein wird.

Bis dahin viele Grüße!
Christoph
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29.Januar 2017

KOKOSNÜSSE IN DER HÄNGEMATTE UND ZU VIELE CHARTERSCHIFFE

Drei weitere Tage sind vergangen, in denen wir unglaublich viel erlebt und gesehen haben. Wir machten in einer einsamen Bucht ein Lagerfeuer am Strand, tranken zum Sonnenuntergang selbstgepflückte Kokssnüsse und aßen selber gemachtes Stockbrot am Feuer. Wir haben neue Freunde und alte Bekannte getroffen/ wiedergetroffen und hatten mit Ihnen eine schöne Zeit. Angefangen aber mit der einsamen Bucht an der Südseite Martiniques, welche wir drei Tage nach Ankunft wieder ansteuerten: ( Kamen dort ja auch am ersten Tag in der Nacht an)

Der Weg zur Bucht war indes sehr abenteuerlich und vielleicht hatten wir auch einfach ein bisschen Glück. Wie immer waren wir spät dran, Le Marin zu verlassen und Anker auf zu gehen. Das einfache Landleben ist halt zeitaufwendig. Ablenkung hier, Ablenkung dort.

Kurz vor Sonnenuntergang war es dann endlich geschafft. Das Dingi war sicher verstaut, der neu eingekaufte Proviant stapelte sich in den Staufächern. Also Anker auf und schnell in das Fahrwasser der Bucht von Le Marin einbiegen. „Ist doch schnell gemacht“, sagte ich noch überheblich. Wir ankerten nämlich ziemlich nahe an den Fahrwasser Tonnen. Ich steuerte die rote Tonne an, wie ich es schon zig mal auf der Elbe und anderswo getan hatte, ohne weiter darüber nachzudenken. Naja, meine Überheblichkeit endete ziemlich abrupt damit, dass plötzlich keine Fahrt mehr im Boot war und sich SHALOM etwa um 5 Grad auf die Seite legte. „SCH…!, wir sind aufgelaufen“, rufe ich Anna zu. Da fiel mir dann auch wieder ein, dass wir seid drei Tagen ja in Amerika sind und dass man dort die Tonnen des Fahrwassers nun mal genau umgekehrt ansteuern muss. Das wusste ich natürlich, habe es durch die gewohnte Routine aber einfach nicht bedacht. Wäre Anna nicht an Bord gewesen, hätte ich mich wohl selber geohrfeigt.“ Und das ausgerechnet hier, wo wir knapp zweitausend Zuschauer haben“, denke ich mir, nun nicht mehr so selbstsicher und überheblich. Mit einem Blick über Bord war klar: Wir sind auf einer Sandbank aufgelaufen. Versuche, aus eigener Kraft wieder in tiefes Wasser zu gelangen, blieben erfolglos. Wir hatten uns richtig schön in den Sand gegraben.

Der Vorteil bei einem derart großem Publikum ist jedoch, dass man nicht lange warten muss, bis Hilfe von den anderen Yachten eintrifft. Die meisten nicht kleiner als 35 Fuß, ( nach oben hin gibt es überhaupt keine Grenzen ). Zu einer großen 46 Fuß Yacht gehört natürlich auch ein großes Dingi mit 20 PS Außenborder, das uns zum Glück ohne Probleme von der Sandbank schleppte. Die weitere Fahrt verlief dann ohne Probleme und wir kamen gerade noch rechtzeitig zum „Sundowner“ in der einsamen Bucht an.

Am nächsten Tag fand ich mich, in ungefähr 5 Metern Höhe auf einer Palmen Krone sitzend, wieder. Ich hatte mir stur in den Kopf gesetzt, heute meine erste Kokosnuss zu ernten. Nachdem ich es mit Weitwürfen oder mit starkem Schütteln am Baumstamm versucht hatte, sah ich schließlich keine weitere Möglichkeit mehr, als selber hinauf zu klettern. Es hat mich einige Hautabschürfungen und Schweißtropfen gekostet, aber am Ende kam ich mit sechs Kokosnüssen zurück zum Strand, wo Anna in der Zwischenzeit unsere Hängematten aufgespannt hatte.

Gelegentliches Schwimmen im türkis farbenen Wasser, um sich anschließend von der Sonne trocknen zu lassen, das bestimmte unseren Tagesablauf. Um den Durst zu stillen, schlug ich einfach eine Kokosnuss mit der Machete auf.

So hätte es eigentlich weitergehen können, hätten wir nicht durch Zufall eine „kleine“ 32 Fuß Ketsch dicht am Strand vorbei segeln sehen die mit Kurs Le Marin unterwegs war.

„Guck mal, Anna, das ist das junge Fahrtenseglerpärchen von la Gomera!“
„Stimmt. Das ist ja ein Zufall!“
Schnell war der Anker eingeholt und wir nahmen erneut Kurs Le Marin, um unsere Bekannten gebührend zu empfangen. Die Wiedersehensfeier fiel dann auch etwas länger aus, Kopfschmerzen hatten wir noch am nächsten Morgen.

Seitdem treffen wir jeden Tag neue Fahrten Segler oder alte Bekannte wieder. Aber ist es hier tatsächlich gar nicht so einfach, Kontakt zu Seglern zu knüpfen, wie es in anderen Häfen und Buchten der Fall war. In einem ganzen Wald von Segelmasten zu ankern, lässt einen in die Anonymität rutschen. Fiel SHALOM auf vorherigen Stopps besonders durch die Größe und die Besatzung auf, geht unser Schiff unter allen anderen Yachten hier regelrecht verloren.

Ein ganz bestimmter Typ von Segelyacht ist hier dominierend:
Schneeweiße, auf hoch Glanz polierte Katamarane, ab 40 Fuß Länge, Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Gesäumt werden diese Schiffe, häufig von Lagoon, mit einem regelrechtem Kleid von Fendern, welche passend weiße Stoffüberzieher tragen. Ebenso passend zum Schiff gekleidet, sind die Besatzungsmitglieder: Bootsschuhe, blaue Jeans und weiße T-Shirts. Es sind Chartergäste, welche für viel Geld von Martinique aus, die Grenadinen erkunden wollen. Jeden Samstag ist „Stichtag“. Die alte Besatzung mustert ab, während die Neue anmustert. Eine ganze Kolonne von Menschen bewegt sich mit Rollkoffern Richtung Marina. Vorher räumen diese aber noch sämtliche Supermärkte aus, um sich mit genügend Proviant einzudecken. Eine zweite Kolonne bewegt sich derweil in die entgegengesetzte Richtung. Die einen gucken glücklich, voller Erwartung auf die nächsten zwei Wochen, die anderen leicht erschöpft und gereizt, aber auch traurig. Für sie ist ihr Segelabenteuer zu Ende.

Gestern sind Anna und ich über die Stege der Marina gewandert und sind dabei mit sehr vielen Seglern ins Gespräch gekommen. Jedoch mit keinem einzigen Chartersegler. Versuche zur Kommunikation unsererseits, blieben meist erfolglos.

Der enge Zeitplan lässt keine Zeit zum trödeln. Eifrig wird der Proviant verstaut, das Boot mit Süßwasser abgespritzt, oder auf dem I-Pad die bereits erstellte „Navionics-Route“ studiert. Es mag auch am optischem Kontrast liegen: Schicke Bootsschuhe, Jeans und weiße T-Shirts auf der einen Seite, abgelaufene Flip-Flops und ausgeblichene Shorts und T-Shirts auf der anderen Seite.

Ich wusste bereits, dass zwischen Fahrtenseglern und Charterseglern ein gewisser Konflikt im Raum steht. Nirgends aber fiel er mir so stark wie in Le Marin auf. Viele uns bekannte Fahrtensegler haben bereits eine richtige Aversion gegen die Charterer gebildet, welche überheblich auf ihren“ Plastic Fantastic“ Schiffen sitzen und Liegeplätze und Stromanschlüsse besetzten. Ich empfand die Rivalitäten bis dato immer sehr schade und auch unnötig. Vorurteile auf beiden Seiten nützen am Ende schließlich niemandem. Jedoch muss auch ich zugeben, dass mir die vielen Katamarane inzwischen auf die Nerven gehen. Auf Yachten mit den Namen wie “ DREAM MARTINIQUE“, „DREAM GOADELUOPE“, oder „PARADISE EXPLORER“ überfüllen sie die Buchten und sind dabei auf der Suche nach dem karibischem Paradies.

Dabei ist es gerade die Kommerzialisierung des Segelsportes, welche dieses „Paradies“ zerstört. Die einheimischen Insulaner sehen die Segler als wandernde Geldscheine, welche ihren Lebensunterhalt sichern. Ist das noch das Paradies? Es ist daher sehr schwer Kontakte mit ihnen zu knüpfen. Auch wir werden vermutlich als jungreiche Segler angesehen.

Martinique ist immerhin eine Hochburg der Vercharterer in der Karibik. Dementsprechend sind auch die Preise in den Segelläden angepasst: Für mein „Dingi“ habe ich in Deutschland 30 Euro bezahlt. Hier kostet es schlappe 159 Euro. Eine einfache Winschkurbel, ohne Arretierung knappe 100 Euro. Merken die noch was?! Daher kommen für uns nur Tauschgeschäfte in Frage. Für ein paar Bier habe ich einen Zweitanker erworben. Ein 15 Kilo Pilzanker, der auf dem Schlick besser hält als mein 10 Kilo Danforth Anker. Solche Tauschgeschäfte klappen zum Glück überall in der Seglerszene, egal wo man sich befindet. Mit kleinem Budget muss man halt erfinderisch sein. Kommt z.B. ein Charterboot, nach zwei Wochen in den Grenadinen, wieder nach Martinique, so hat dieses immer noch Proviant in Überfluss an Bord. Häufig haben wir gesehen, wie die Mannschaften ganze Dosenpaletten wegwarfen, weil der Heimflug bevorstand. Dort kann man also jeden Samstag, wenn man nett fragt, übrig gebliebenen Proviant abstauben.

Für die nächsten Tage wollen wir uns nun in die Marina verholen, um anstehende Arbeiten am Boot zu erledigen und die Insel für mehrere Tage zu erkunden. Da weiß man sein Boot einfach lieber sicher und fest in der Marina liegen, als schwoiend vor Anker.

Und nun habe ich noch eine Frage an Sie:
Mein Plan, schnellstmöglich den Pazifik zu erreichen, bekommt jeden Tag einen weiteren Dämpfer. Von Fahrtenseglern höre ich Geschichten von gefährlichen Schleusenpassagen, langen Wartezeiten und von SEHR hohen Gebühren. Vielleicht könnten Sie mir ja, als jemand welcher mit zig Fahrtenyachten in Verbindung steht, ein paar Tipps und Hinweise geben, was ich dort zu erwarten hätte. Meine Sorge ist vor allem, dass ich in Panama ankomme und die Durchfahrt durch den Kanal dann aus irgendwelchen Gründen verhindert, oder erschwert wird, weshalb ich mich dann gegen den Passatwind wieder auf den Rückweg machen müsste. Nach meinen Recherchen ist man nach einer Durchfahrt ca. 1200 US- Dollar ärmer.

Daher stehen Anna und ich nun am Scheideweg. Fahre ich weiter nach Panama, trennen sich unsere Wege. Anna will jetzt durch die Karibik Richtung Norden reisen. Kuba reizt sie auch sehr. In der Tat würde mich die Karibik gen Norden ebenfalls reizen. Wir beide könnten uns daher auch vorstellen, einfach weiterhin die Karibik zu erkunden.
Daher würde mich Ihre Meinung sehr interessieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Vougessis

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23.Januar 2017

ANNAS REVUE TEIL 2.

Bilderbuch Segeln war wieder angesagt. Wir genossen die Ruhe auf See, nachdem wir auf Cap Verde einen regelrechten Kulturschock erlitten hatten. Die meiste Zeit verbrachte ich auf dem Vordeck um mich zu sonnen und ab und zu mal die Beine ins Wasser zu halten, um mich abzukühlen. Vor mir ein einzigartiges Panorama, unendliches Blau, strahlender Himmel und unzählige fliegende Fische, die vor unserem Boot hin und her sprangen und flogen. Es fehlte nur noch der Cocktail mit kleinem Papier Schirmchen in meiner Hand. Ich fühlte mich wie auf einer Luxusyacht, nur dass das Sonnendeck etwas … minimalistischer gestaltet gewesen ist.

Nachts konnten wir das Vorluk offen lassen und den einzigartigen Sternenhimmel betrachten.

Die Tage zogen vorbei, wir spielten Gitarre, lasen viel, erzählten lustige Anekdoten aus unserem Leben. Mein Leben vor der Reise kommt mir plötzlich unendlich weit weg vor. Hätte mir vor drei Monaten jemand erzählt, dass ich auf dem wahrscheinlich kleinsten Boot, welches ich finden konnte, zusammen mit jemandem, der genau so jung ist wie ich, den Atlantik überqueren würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber alles ist eben relativ.

Als nach nur knapp 7 Tagen die frischen Vorräte zur Neige gingen, überkamen mich erste Zweifel. Die Qualität der frischen Lebensmittel auf Cap Verde war so schlecht, dass wir nicht mal ausreichend Zwiebeln bunkern konnten. Wovon sollte ich mich denn jetzt ernähren?

Bernhard, mein Skipper auf der SAUDADE hatte mir schon zu erklären versucht , dass man als Vegetarier nicht den Atlantik überqueren kann. „C’est impossible!“ ,sagte er immer wieder und schüttelte den Kopf. Allerdings sagte er das auch, als er Christoph´s Boot zum ersten Mal gesehen hatte.

Zu meiner Rettung fand Christoph nach 10 Tagen auf See raus, wie man in unserer Brat Pfanne Pommes machen kann. Von da an gab es Pommes jeden Abend.

Nachdem ich mir jeden Tag ungefähr 20 mal anhören durfte, was Christoph vermisste ( Pommes, Burger, kaltes Bier, Döner, Matjes und Gomera), war ja jetzt zumindest ein Punkt auf der Liste abgehakt und meine Sorgen bezüglich der Ernährung gemindert.

Wir kamen erstaunlich gut voran. Unsere täglichen Etmale lagen meist zwischen 110 und 120 sm, was uns schon das Gefühl gab, fast zu fliegen. Aber dann schlief der NO Passat ein – 4 Tage lang Totenflaute. Wir hingen fest mit flappenden Segeln.

„Kann man nicht ändern“, dachte ich mir und fand mich damit ab. Außerdem konnte man sich dann ganz schön zum Baden an SHALOM hängen und die Fische beobachten, die uns begleiteten und den Rumpf von Algen befreiten.

Liebevoll gaben wir ihnen Namen, bis es so viele waren, dass wir den Überblick verloren. Ansonsten sahen wir mehr Algen als Fische – die See war oft von ganzen Algen Teppichen überzogen.

Mein Skipper fand das gar nicht toll, weil sich die Angel verhakten und kein Fisch den Haken mehr finden konnte. Obwohl wir auf einem riesigen Ozean unterwegs waren, gab es 14 Tage keinen frischen Fisch. Mich störte das eigentlich überhaupt nicht, aber Christoph fand das überhaupt nicht lustig. Und logisch war ich Schuld daran, dass wir keinen Fang mehr machten – und für die Flaute selbstverständlich auch.

Ich war mir keiner Schuld bewusst und genoss weiterhin die einmalige Art der Entspannung. Noch nie kamen mir Tage so lang vor und noch nie hatte ich so lange Zeit nichts, wirklich nichts, was mir irgendwie Stress verursachte!

Okay, eine Sache gab es doch: Christoph´s Langeweile. Weil auf dem Atlantik nicht viel los ist und er es gewohnt war, alleine zu segeln, fand er es um so witziger, mich zu ärgern. Mit fliegenden Fischen, die auf dem Deck gelandet waren, mit Algen die er gefangen hatte und jedes Mal, wenn ein gefangener Fisch im Cockpit seinen Todeskampf kämpfte – bin ich jedes Mal panisch hinter die Sprayhood gesprungen.

Auch mit Christoph´s Spirituskocher hatte ich einige Differenzen, sodass das der Koch Job an ihm hängen blieb. Nachts teilten wir uns die Vorschiffskoje, was – für mich zumindest – immer sehr angenehm war, da ich von uns beiden den festeren Schlaf habe. Und mich nachts gerne breit mache. Aber als verantwortungsbewusster Skipper war Christoph ja auch oft draußen, um die Segel richtig zu trimmen oder den Kurs zu ändern. Die Zeit nutzte ich wohl immer um mich noch ein wenig breiter zu machen. Ich erinnere mich allerdings an nichts…!

Nach und nach verschwanden weitere Vorräte wie von Geisterhand und als schließlich die letzte Flasche Wein geleert war, sehnten wir uns beide nach der Ankunft. An solchen Dingen merkt man dann doch, wie lange man unterwegs ist und wie bedeutend solche „Luxusgüter“ sind.

Aber 4 Tage standen uns noch bevor. An einem davon regnete es auch noch, sehr zum Unmut meines Skippers, der ja zwangsläufig mal an Deck musste. Ich beschränkte mich auf „viel Mitleid zeigen und Schlafen“, Christoph brauchte oder wollte keine Hilfe an Deck – oh wie praktisch!

40 Meilen vor Martinique schlief der Wind plötzlich wieder nach. Oh nein, bitte keine Flaute mehr so dicht vor unserem Ziel! Glücklicherweise allerdings verließ uns der Wind nicht ganz und so kamen wir morgens um 03:00 Uhr in einer verlassenen Ankerbucht an.

Die ganze Nacht hatten wir aufgeregt an Deck gesessen und planten fleißig, was wir als Erstes machen würden, sobald wir Land unter den Füßen hätten.„ Burger essen gehen“ stand auf Platz 1. von Christoph´s Liste, ich freute mich auf eine Pina Colada.

Nachdem der Anker geworfen war, leuchtete Christoph mit einer starken Taschenlampe ins Wasser, eigentlich aus Spaß, um die Lage des Ankers zu überprüfen. Völlig perplex stolperte er zu mir ins Cockpit, guckte mich mit großen Augen an und sagte nur: „Man sieht den Boden!“ „Wie bitte?“, fragte ich ungläubig. Wir ankerten ungefähr auf 4m Wassertiefe und tatsächlich konnte man genau die Struktur des Seegrases am Grund erkennen. Ungläubig leuchteten wir alle paar Minuten ins Wasser, wie uns zu vergewissern, dass wir nicht träumten.

Zur Feier des Abends, öffneten wir eine Flasche Sekt – die einzige, die wir an Bord hatten, die eigentlich für Silvester gedacht war. Leider haben wir beide jene nacht verschlafen…

Bei einer Tasse warmen Sekt saßen wir also auf dem Vordeck, immer noch ungläubig. Waren wir jetzt wirklich da? Irgendwann legten wir uns dann doch schlafen, allerdings nur, um eine halbe Stunde später wieder aufzustehen: die Sonne ging auf. Ich kann nicht beschreiben, welcher Anblick sich uns dann bot.

Ich war noch nie so überwältigt, Land zu sehen, und traute meinen Augen kaum, als sich vor uns, langsam, Sonnenstrahl für Sonnenstrahl ein Paradies aus Palmen, türkisblauem Wasser und Sandstrand auftat. Das konnte nur ein Traum sein! Das gibt es doch eigentlich nur auf Postkarten. Das ist doch nicht real. Gestern war noch überall Wasser – soweit man sehen konnte. Und jetzt das?

Wir schwammen an Land. Da es früh am Morgen gewesen ist, war der Strand menschenleer und ich fühlte mich wie auf einer einsamen Insel mitten im Meer, die nur für uns geschaffen wurde. Wenn ich je eine Vorstellung von dem Wort „Paradies“ hatte, dann war es genau das.

Als meine Füße das erste Mal wieder Land berührten, waren all die Strapazen der letzten 21 Tage vergessen. Und wenn es 40 Tage gewesen wären – dieser Moment war alles wert.

Stunden liefen wir über den Sand, kletterten auf Palmen, tauchten in dem klaren Wasser, immer noch fassungslos. Noch nie hatte Land so intensiv gerochen, noch nie waren Vögel so laut zu hören gewesen und noch nie war ich so glücklich, laufen zu können.

Auch wenn es einer der banalsten Dinge des Lebens zu sein scheint – auf einer langen Schiffsreise merkt man erst mal, wie wenig selbstverständlich und toll Banalitäten sein können.

Rückblickend gingen die 21 Tage unglaublich schnell vorüber. Schon heute, am dritten Tag an Land, kommt mir dieses Abenteuer Monate entfernt vor. Mitnehmen werde ich trotzdem Vieles. Zum Beispiel, wie schön es ist, laufen zu können. Oder (fast) immer genau das einkaufen zu können, was man gerade will. Kontakt zu allen haben zu können, die man vermisst. Internet. Lebensmittel zu konsumieren, die gekühlt werden müssen. Unendlicher Strom. Süßwasser.

Natürlich werde ich auch vieles vermissen. Die unglaubliche Entspannung auf See. Die Schwärme von fliegenden Fischen. Stundenlanges auf dem Vordeck sitzten und unbegrenzt Träumen und Nachdenken. Wunderschöne Sonnenuntergänge und einmalige Sternenhimmel. Das Gefühl, zum Glück eigentlich nichts mehr zu brauchen, weil alles da ist. Auch ohne Pina Colada oder Burger.

Wie es jetzt weiter geht? Ich weiß es nicht. Erst mal Füße in den Sand stecken und wieder an Land ankommen. Planen bringt sowieso nichts – es kommt doch immer anders, als man denkt. Ende März treffe ich mich mit meinen Eltern in Mexiko, danach wird mein Bruder noch mit mir weiter nach Guatemala reisen. Ich würde gerne noch Kuba sehen. Und Costa Rica. Vielleicht geht es danach in den Süden, in Richtung Peru. Bolivien soll auch schön sein. Und – irgendwann vielleicht – würde ich auch gerne noch den Pazifik durchqueren. Vom Segeln habe ich nämlich noch lange nicht genug.

Es gibt noch so viele Orte, die ich sehen will. Aber ich habe ja noch viel Zeit. Nur eins ist sicher: so schnell komme ich nicht mehr nach Hause.

So, ich hoffe Sie sind beim lesen nicht eingeschlafen und können sich nun die ein oder andere Situation auf See besser vorstellen. Wir hatten eine echt schöne Zeit auf See, an die ich mich immer mit einem breiten Lächeln zurückerinnern werde.

Vielen Dank, dass Sie dazu beigetragen haben, uns dies Erlebnis zu ermöglichen!

Liebe Grüße,
Anna

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22.Januar 2017

ANNAS REVUE TEIL 1. – TRAMPEN ZU LAND UND WASSER

22.Januar 2017

Hallo Herr Foerthmann,
Als erstes auch von mir nochmal tausend Dank, dass Sie Christoph „Angie“ gesponnsert haben – sonst wäre diese Reise so gar nicht möglich gewesen.

Zu meiner Reise…

Angefangen hat es mit dem Traum, Costa Rica zu sehen (da war ich 12). Und nach dem Abi war klar, dass ich mir diesen Traum erfüllen wollte. Anfang des Jahres lernte ich dann Joshi kennen, der auch in diese Richtung wollte, allerdings auf unkonventionelle Art: Am besten ohne Geld und nur durch Auto – bzw Bootstop. Da ich generell für alle verrückten und erstmal unmöglich scheinenden Ideen zu begeistern bin, haben wir beschlossen, nach Südamerika zu trampen.

Am 4.10. ging es dann auf der Autobahnraststätte in Grünstadt los. Ich vermute mal, außer uns beiden hatten viele schon Zweifel, dass wir überhaupt bis nach Spanien kommen würden. 24 Stunden später wachten wir in Benidorm an der spanischen Küste auf – wir waren sogar überrascht, wie einfach und schnell wir voran gekommen sind.

In Benidorm wohnten wir dann mit unseren Hängematten 4 Tage hinter einer Raststätte unter Palmen, um auf unser erstes Boot zu warten, welches in ein paar Tagen in Calpe anlegen würde. Dort bestieg ich dann also das erste Mal bewusst ein Segelboot. ( Zuvor war ich mal ein paar Tage auf einem Katamaran zum tauchen und mit der Schulklasse auf dem Ijsselmeer segeln, was mir aber im Vergleich zu dem, was mich erwarteten würde, ziemlich unvorbereitet ließ).

Bernhard, der „Crazy Captain“ (zu dem Sie auch ein ganzes Video auf youtube finden), den wir über Hand – Gegen – Koje ausfindig machen konnten, brachte uns entlang der Küste Spaniens, über Marokko nach Las Palmas, Gran Canaraia. Eine unvergessliche Fahrt, die insgesamt 4 Wochen dauerte, jedoch alle paar Tage Landgang versprach.

In Las Palmas ging für Joshi und mich dann die 2. Etappe los: ein Boot für die Atlantiküberquerung zu finden. Keine zwei Tage später hatten wir einen neuen Skipper, der ebenfalls Bernhard hieß – diesmal aber Franzose war. Mit ihm und der SAUDADE setzten wir nach La Gomera über, wo wir zufälligerweise direkt neben Christoph in der Marina lagen.

Das erste, was ich von ihm und SHALOM sah, war sein alter Windpilot, auf dessen Windfahne groß die Worte “ Gott muss ein Seemann sein“ geschrieben stand. Als ich miterlebt hatte, wie Christoph segelt, wusste ich auch warum, aber dazu später mehr.

Es tat gut, jemanden kennen zu lernen, der noch „verrücktere“ Sachen machte als ich, sich einfach ein Boot zu kaufen und um die Welt segeln zu wollen kam mir völlig absurd vor.

Die nächsten 4 Wochen verbrachten wir also zusammen auf La Gomera. Joshi und ich wohnten auf der SAUDADE, deren Besitzer für einen Monat nach Frankreich geflogen war und uns sein Boot überließ. Wenig später adoptierten wir Albi, ebenfalls ein Reisender auf Bootssuche und erkundeten zu viert die Insel.

Die Zeit verging wie im Flug und irgendwann war es dann für Christoph Zeit, abzulegen, um nicht den Rest seines Lebens in San Sebastian zu verbringen (was er sich sehr gut vorstellen konnte).

Albi, Joshi und ich halfen also kräftig bei den Vorbereitungen: Kopierte Seekarten wurden mit Panzertape zusammengebastelt, der Sextant getestet und der überflüssige Wassertank ausgebaut. Nachdem der alte 2 Takt Motor dann zum x – ten Mal wieder zusammengebastelt war, fehlte nur noch das Proviant. Christoph und ich dackelten also zum Supermarkt. „Was brauche ich denn überhaupt?“, wendet er sich an mich. Verdutzt schaue ich ihn an, ich war eigentlich als Tragehilfe und nicht als Shoppingberaterin mitgekommen. Etwas ratlos standen wir also vor den Regalen und stopften einfach alles, was irgendwie lange haltbar war, in die drei Einkaufskarren.

Nachdem alles an Bord verstaut war, gab es noch ein letztes Bierchen für alle ( es waren insgesamt 27 davon an Bord, nur für den Fall, dass das Wasser ausgeht) und Christoph machte sich mit unseren besten Wünschen auf den Weg.

Drei Tage später lag SHALOM wieder neben uns in der Marina – der selbst gebastelte Windpilot machte nicht mit, sein Getriebe hatte Zahnausfall und Karies bekommen.

Da retteten Sie, Herr Foerthmann, dann die bevorstehende Reise. Christophs Vater packte den gesponserten Windpiloten in den Koffer und landete ein paar Tage später auf La Gomera. Eine Woche lang wurde gewerkelt und entspannt, bevor die Vorbereitungen wieder losgingen (Seekarten hatten wir ja zum Glück schon mit Panzertape zusammengeklebt, es fehlte also nur noch mehr Bier und ein paar Äpfel).

Albi und Joshi haben in der Zeit beschlossen, nach Teneriffa zurück zu trampen. Die ganze Zeit zog Christoph mich auf, noch „bootlos“ zu sein und jeden Morgen war die erste Frage, die von SHALOM herüberschallte „Hast du endlich ein Boot gefunden?“ ( natürlich mit süffisantem Grinsen ). Zu meiner Verteidigung hatte ich aber ja noch die SAUDADE zum Wohnen – zumindest bis ihr rechtmäßiger Besitzer zurück kam. Als wir dann am letzten Abend vor der erneuten Abfahrt wieder einmal ratlos im Supermarkt standen und ich noch erneut versuchte, kulinarische Tipp´s zu geben, damit Christoph sich nicht 20 Tage lang ausschliesslich von „Feuertopf“ und anderen Dosengerichten ernähren musste, unterbricht er mich mitten im Satz: „Warum kommst du nicht einfach mit und kochst?“. Dann ging es los. Nicht nur, dass ich richtig aufgeregt wurde. Ich konnte nicht mal kochen, aber das war dann erstmal unwichtig.
Immer noch nicht sicher, ob das ein Scherz war, den Christoph vielleicht bereits bereute, stand ich am nächsten Morgen aufgeregt vor SHALOM.

„Passt das überhaupt?“ – „Werden wir ja sehen.“

Mit diesen Worten räumten wir das komplette Boot aus. Man mag vielleicht denken, in ein 7m Boot passt nicht viel rein. Mir kam SHALOM allerdings erstmal vor, wie eines dieser Zauberzelte aus Harry Potter. Wir kauften noch mal zwei, drei Einkaufskarren Proviant ein und ich kam mir vor, wie in dem Spiel „Tertris“. Wie das alles reingepasst hat, weiß ich bis heute noch nicht. Zwei Tage nach dem geplanten Abfahrtsdatum waren wir endlich fertig. Fehlte nur noch, dass ich meinen Eltern irgendwie beibringe, dass ich mit einem 18 jährigen Segler auf dem kleinsten Boot in der Marina Gomera über den Atlantik segeln wollte.

Nachdem auch das überwunden war, legten wir ab. Ich glaube, meine Mutter hat die nächsten 30 Tage nicht mehr ruhig geschlafen!

Die ersten beiden Tage waren wie aus dem Bilderbuch: wunderschöne Sonnenuntergänge, leckeres und frisches Essen, um uns Wale und Delphine. Die Sorgen meiner Eltern ( und allen anderen Leuten, die von unserem Vorhaben erfuhren ) kamen mir auf einmal lächerlich vor. Vier Tage später sollte sich das ändern.

Auf einmal hatten wir 30 Knoten Wind und hohe Wellen. Extrem hohe Wellen. Die nächste Woche kam ich mindestens einmal am Tag zu dem Punkt, an welchem ich mein Leben als beendet ansah und nur noch in der Koje lag und darauf wartete, dass wir untergingen.

Christoph sprang derweil munter an Deck rum, wechselte Segel auf dem Vordeck und Angie, unser Windpilot, hielt uns Tag und Nacht auf Kurs. Wäre Christoph über Bord gegangen und ich hätte das Schiff drehen müssen ….. Ich wollte diesen Gedanken nicht weiter daran denken.

Als wir dann in die Bucht von Mindelo segelten, atmete ich das erste Mal wieder auf. Geschafft. Vorerst.

Wir gönnten uns 9 Tage Pause, verbrachten viel Zeit auf anderen Booten und lernten wieder unglaublich viele nette Leute kennen. Dann hieß es wieder „Anker auf“ und raus, auf den Atlantik. Wow. Was das heißen sollte, konnte sich keiner von uns beiden richtig vorstellen. Lange Zeit nur Wasser, nur wir beide auf einem Boot, dass gefühlt kleiner ist als mein Kleiderschrank.

Das Wetter war auf unserer Seite. Fast durchgängig 30 Grad, Sonne satt und angenehmer Wind. Zwischendurch hatten wir zwar auch mal Flaute, was aber zumindest die eine Hälfte der Besatzung gar nicht störte.

Leider muss ich an dieser Stelle unterbrechen – wir sitzen seit 4 Stunden in der Bar und es wird langsam dunkel. Morgen folgt TEIL 2,

Bis dahin alles liebe und beste Grüße,

Anna

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22.Januar 2017

CHRISTOPH´S GESCHICHTE – IN MARTINIQUE GESTRANDET

Moin Herr Foerthmann,
ja wir haben es geschafft. Nach 21 Tagen auf See sind wir auf Martinique „gestrandet“. Die Ankunft hat am Ende tatsächlich noch ein paar Nerven gekostet…

Bei unserem Glück erreichten wir Martinique natürlich in tiefster Nacht. Kein Mond und kaum Licht. Die Lichter der Insel blendeten uns. Zum Glück hatte ich eine Detailkarte der Insel an Bord. Ich habe schon viele Häfen und Buchten im dunkeln angelaufen. Jedoch fast immer alleine, sodass ich meine Angespanntheit offen zeigen konnte. Dieses mal blieb ich äußerlich ziemlich gelassen. Zuerst dachte ich, die Nacht über beizudrehen. Allerdings waren wir der Insel wohl schon recht nahe gekommen. Zumindest kreisten überall Fischerboote um uns herum. Daher entschied ich es im dunkeln zu versuchen, mit der Option, einfach in Lee der Insel den Anker zu schmeißen.

Mit 4 Knoten näherten wir uns der Insel, bis wir das Leuchtfeuer querab hatten. ( Leuchtfeuer des südlichen Punktes der Insel ). Viel erkannte man nicht und ich war wegen der Sandbänke und Felsen besorgt. Da in dieser Nacht auch kein Mond am Himmel stand, entschied ich, dass es zu riskant sei, einen fremden Ankerplatz anzulaufen. Daher näherten wir uns einer unbewohnten Bucht im Süden der Insel. „Augennavigation“ fiel wegen der Dunkelheit aus. Der Karte entnahm ich jedoch, dass sich kurz vor uns eine Sandbank, drei Meter unter der Oberfläche, befand. Und tatsächlich erreichte der Anker den Grund nach knapp drei Metern Kette.
Das Land war noch einige hundert Meter entfernt und der Anker hielt. Mit diesem Gefühl legten wir uns für einige Stunden schlafen.

Noch nie in meinem Leben habe ich so eine schöne Landschaft gesehen, als die Sonne allmählich über der Insel aufging. Ein großer, lang gezogener, Sandstrand erstreckte sich über die gesamte Länge der Bucht. Vögelgezwitscher und der Geruch des Landes, nach drei Wochen auf See, stachen besonders hervor. Die üppige Vegetation tat ihr übriges. Alles war saftig grün. Wir waren restlos glücklich. Um dies noch zu toppen, verholte ich Shalom knapp vor den Sandstrand der Bucht. Keine fünfzig Meter waren wir entfernt, als der Anker fiel. Die ganze Nacht über, ankerten wir ja auf der Sandbank.

Den Weg an Land, den wir schwimmend und in weniger als zwei Minuten hinter uns hatten, war atemberaubend. Glasklares Wasser in alle Richtungen. Die aufgehende Sonne fiel durch das türkisblaue Wasser auf den Grund.
Das Gefühl festen Boden unter den Füßen zu haben, war Anfangs etwas merkwürdig. Jedoch erkundeten wir die gesamte Bucht. Der Strand und das Landesinnere waren schnell erkundet. Danach ließen wir uns einfach unter eine Palme fallen und blickten, unter der karibischen Kulisse, auf die letzten 21 Tage zurück.

„Im Nachhinein ging das doch voll schnell“ waren Annas knappe Worte. Ich sagte nichts. Fand aber, dass sie damit recht hatte. Das geregelte Leben im Passat bringt nicht viel Abwechslung auf See, was Wetter und Wind betrifft. Daher hat man sich recht schnell eingelebt.

Nun sitzen wir in einem kleinem Restaurante in Le Marin, um einzuklarieren und um uns mit günstigem Proviant zu versorgen. Heute morgen verholten wir das Boot hierher, nachdem wir eine Nacht lang vor Sant Anna geankert hatten. Im Grunde sind wir nun die gesamte Zeit auf der Suche nach Internetzugang. Daher werden immer mal wieder Fotos von der Fahrt und der Ankunft im Dropbox-Ordner eintrudeln. Das Internet in diesem Restaurante reicht nämlich gerade mal dafür, um Ihnen diese E-Mail zu schreiben…

Der Plan ist nun, die Stauräume wieder mit Proviant zu füllen und uns dann in eine ruhige Bucht zu verholen. Denn offen gesagt, ist uns hier einfach viel zu viel los. Le Marine ist eine Hochburg der Vercharterer, wie wir gerade herausgefunden haben…

Von Anna kommt auch noch ein Bericht mit persönlichen Eindrücken der Fahrt, Erfahrungen, weitere Pläne et.c..

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen „Restsonntag“ und angenehmes Wetter. 
Bis dahin, Viele Grüße!
Christoph Vougessis

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19.Januar 2017

KEIN GRUND FÜR MARTINIQUE

Moin, hier steigt jetzt allmaehlich die Aufregung. Noch knappe 200 sm bis Martinique. Nein es gibt keinen bestimmten Grund fuer Martinique. Das haben wir einfach so entschieden. Dass dort Franzoesisch gesprochen wird, kommt Anna auch sehr entgegen. Sie spricht fliessend Franzoesisch. Ich ueberhaupt nicht. Ich hatte es zwar 5 Jahre in der Schule,dennoch ist nichts haengen geblieben. Habe auf meiner Reise auch einen grossen Bogen um Frankreich gemacht. 18 Tage sind wir nun auf See und ich muss sagen: bisher gab es keine Probleme. Man bedenke,dass zwei sich fremde Personen fuer 3 Wochen eine 22 fuss wohnung teilen, ohne diese mal kurz verlassen zu koennen. Das bewundere ich an Anna. Keine Dusche, Bad, fliessend Wasser etc. Ich kannte das schon vorher und es stoert mich nicht. Anna war vorher allerdings nie wirklich auf einem Boot unterwegs. Inzwischen sind ihre Haare genau so verfilzt wie meine. Ist aber nicht schlimm. Auf Martinique muessen wir dann mal ernsthaft klaeren, wie es weiter geht. Fest steht, dass sie nach Suedamerika will und ich nicht. Nun machen wir langsam das Boot und uns landfein. Alles was funktionieren soll, funktioniert. Der Motor sprang auch sofort an. Bis dahin.

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18.JANUAR 2017

ETMAL 126 SM – UND EINE DICKE GOLDMAKRELE

Wir haben wieder Fisch! Nach 2 Wochen ohne Biss hat´s heute wieder geklappt! Da haben wir in der Daemmerung eine Goldmakrele gefangen. Die See war nur kurz frei von Algen. Genau in dem Moment hat sie gebissen 3-4 kg schaetzen wir. Nun riecht es in der Kajuete nach frischem gebratenem Fisch. Gerade geht die Sonne unter. Heute hat sich auch endlich wieder der Passat eingepustet. Die letzten 4 Tage war er immer schwach und unregelmaessig. Nun wieder NO4. Also ein guter Tag heute. Gleich gibt´s Fisch.

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14.Januar 2017

VIEL SARGASSO KRAUT UND WENIG FISCH

14.Januar 2017

Moin, kurzer Stand zu den letzten Tagen: Keine besonderen Vorkommnisse. Weder wettertechnisch ( kaum Wind ) noch im Speiseplan. Alle guten frischen Sachen sind nun alle. Und da wir nur langsam voran kommen, wird es auch noch ein bisschen dauern, bis wieder frischer Nachschub an Bord kommt. Schlimm ist, dass wir seid 11 Tagen nicht mehr angeln koennen. Wuerde ich fuer jede Alge, welche sich im Haken verfaengt, 10 Cent bekommen, haette ich fuers Leben bestens ausgesorgt. Ansonsten passiert nicht viel. Habe Ihr Buch gelesen, haette ich mal frueher machen sollen. Nun hoffen wir auf Wind und bessere Etmale. Und natuerlich auf frischen Fisch.

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12.Januar 2017 von See

IST DAS HIER DER PLATTENSEE?

Moin. Ich wusste nicht, dass Segeln so einfach sein kann. Seid knapp 1 Woche haben wir nichts mehr an der Segelstellung veraendert. Fock ausgebaumt, Gross auf Bbd Seite. Das Fock Fall habe ich heute mal angefasst, als ich ueberlegte, daran die Haengematte aufzuhaengen. Alles schön und gut, aber die miesen Etmale druecken unsere Stimmung. Der Wind ist 2-3 Bft, er weht uns nicht aus dem Kockpit. Gestern sogar umlaufend. Zwei Tage 75 sm Etmale, doof für uns, gut für Herbert, denn das Tempo schafft er locker.

Ich gehe schwimmen, nein: ich lasse mich einfach vom Boot ziehen. Herbert kuckt zu und macht seinen Job: er macht das Unterwasserschiff sauber und uns damit schneller. Ansonsten Tier freie Zone, abgesehen von Fischen mit Flügeln.

Viele Gruesse vom Plattensee, Anna und Christoph

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11.Januar 2017 von See

HERBERT WIRD NICHT GEFANGEN

Moin, seid gestern geht´s nur noch langsam voran. Heute sind wir kaum vom Fleck gekommen. Es ist blauer Himmel und kaum wind. War deshalb gefuehlt den ganzen Tag schwimmen. Ein Pilotfisch begleitet uns seid ein paar Tagen. Er ist vielleicht um die 15 cm gross und begleitet uns zwischen Kiel und Skeg. Anna hat ihn Herbert getauft. Tatsaechlich vermisse ich frischen Fisch sehr. Wegen der Pflanzen kann man nicht angeln. Und Herbert darf ich nicht fangen. Viele Gruesse Anna und Christoph

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10.Januar 2017 von SEE

BERGFEST OHNE KLAVIER UND MCDONALD

Moin Herr Foerthmann, heute ist Bergfest. Die Haelfte ist geschafft. Zum Feiern ist es allerdings zu heiss. 30 Grad und Flaute. Der Atlantik aehnelt einem Ententeich. Daher heute das erste Mal Schwimmen gewesen. Frischen Fisch haetten wir auch gerne. Seid 4 Tagen ist die See leider voller Sargasso Kraut, da hat unser Haken keine Chance und die Fische haben Glueck. Sonst ist hier alles ok. Anna vermisst ihr Klavier und ich McDonalds. Etmale bisher nie unter 100sm. Viele Gruesse! Anna und Christoph

Moin Ihr Zwei, Glückwunsch zum Mount Everest, 100 sm sind tolle Etmale fuer ein so kleines Schiff, die wuerde man nicht erreichen mit Klavier im Kockpit, zumal die Crew dann hinterher zu schwimmen haette. Good Luck! Peter Foerthmann

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03. Januar 2017 – von SEE

GIBT ES FISCH AUCH VEGETARISCH?

Moin Herr Foerthmann. Sind nun 3 Tage auf See und es ist typisches Passatsegeln. Warm, guter Wind. Auch schon viel Fisch gefangen. Hier ist alles ok. Passieren tut sonst nicht viel. Kleinere Segelarbeiten. Das wars zum Glueck. Haben seid gestern 6 Kilo Fisch an Bord. Blöd, dass Anna Vegetarierin ist. . .

Moin Ihr Zwei, ich verfolge den Tracker und sehe, dass Kurs und Wind artig sind. 6 kg Fisch sind ein gutes Argument, Prinzipien fuer ein paar Tage zu verstecken, gibt doch nur einen Zeugen ! Ansonsten fängt es bald an, zu stinken… und das wäre doch ein Jammer.
Gook Luck Peter Foerthmann
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26.12.2016 – aus MINDELO Bericht von Anna + Christoph

DAS BOOT IST READY ZUR WEITERREISE UND WIR AUCH

Nun sind wir schon eine Woche auf den Kap Verden und haben in dieser Zeit eine Menge neuer Freunde kennengelernt. Sowohl unter Seglerkreisen, als auch in der heimischen Bevölkerung. Ich weiß dass das komisch klingt, aber: Heute nehmen wir uns frei. Es ist erstaunlich auf wievielen Booten wir pro Tag eingeladen werden. Vermutlich spielt die Größe der Shalom und unser Alter eine Rolle dabei. Die ausgeblichene deutsche Flagge am Heck wohl auch.

Unser Weinachtsfest sah daher auch wie folgt aus: Am 24. Dezember wurden wir gleich von mehreren Leuten eingeladen. Uns standen die Optionen offen, ob wir an Land in einem richtigen Haus, oder auf zwei verschiedenen Booten feiern wollen. Wir entschieden uns letzten Endes für einen 40ft. Katamaran, mit einer vierköpfigen Familienbesatzung an Bord, mit welchen wir uns schon auf Gomera angefreundet hatten. Wir hatten ein wirklich schönes Weihnachtsfest in einer Gegend, welche eigentlich keine Weihnachtsgefühle vermittelt.

Am 25. Dezember ging es dann zum Truthanessen auf eine kanadische Fahrtenyacht. Neben gutem Essen gab es auch interessante Geschichten von dem kanadischen Rentnerpärchen. Nach zehn Jahren auf ihrem Boot planen sie nun den Atlantik zu queren und ihre Weltumseglung damit abzuschließen. In ein paar Stunden sind wir wieder eingeladen. Natürlich auf einem anderen Boot.

Neben den ganzen Einladungen kam die Arbeit am Boot aber nicht zu kurz. Sämtliche Polster sind wieder trocken und die Kajüte ist aufgeklart. Netze wurden aufgehängt, damit unser Obst nicht so schnell verdirbt. Außerdem habe ich nun hoffentlich sämtliche kleinen Leckstellen an Deck gefunden und abgedichtet. Heute morgen sind wir sogar noch mit Brille und Bürste ins Wasser gesprungen, um den Entenmuschelbewuchs Herr zu werden. Der Überfahrt steht nun nichts mehr im Wege. Das Boot ist ready und wir sind es auch.

Die Abfahrt ist nun für den 28. Dezember festgelegt. So wie ich mich aber kenne, könnte es auch der 29.Dezember werden. Ganz egal. Das Wetter hat sich beruhigt. Das ist das wichtigste. Momentan haben wir einen sehr stabilen Passat mit Stärke 3 bis 4 aus ONO.

Im dem Sinne wünsche ich Ihnen und allen Ihren Vertrauten, ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Viele Grüße,

Christoph Vougessis – Anna Haubruch

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20.12.2016 aus MINDELO Bericht von Anna + Christoph

VON WEGEN PASSAT – VON WEGEN SPASS

Moin Herr Foerthmann,
wir haben es geschafft! Nach insgesamt 9 Tagen und davon 4 mit 30 kt Wind, haben wir endlich die Kap Verden erreicht.
Gelinde gesagt hatten wir „norddeutsches Schietwetter“.
Die ersten Tage war es noch sehr angenehm. Als wir am 10.12.2016 gegen 13:00 Uhr ablegten, brachte uns ein angenehmer Ostwind schnell Richtung Süden. Delfine begleiteten uns den ersten Tag.

Der zweite Tag dann Flaute. Dies war eine gute Gelegenheit für mich, mal das Boot von unten zu putzen. ( War schon lange fällig).

Am dritten Tag kam dann langsam der Passat mit ONO 4 Bft. Also alles sehr angenehm. Zumal habe ich mich über die plötzlich deutlich verbesserte Essensqualität gefreut. Das Wetter blieb auch noch an Tag 5 gleichbleibend.

Ab Tag sechs zog sich der Himmel zu, die Sonne verschwand für mehrere Tage hinter einer dicken Wolkenwand und es wurde empfindlich kühl.Zur Nacht hin, stieg die Windgeschwindigkeit dann auf 30 kt an und blieb die nächsten drei Tage auch annähernd gleichbleibend. Mit zunehmender Welle nahm auch die Qualität des Essens immer weiter ab, bis wir schließlich bei der Dose angelangt waren. Den Topf konnte man nämlich nur noch zur Hälfte füllen. Ein paar Essensreste kleben immer noch an der Decke.

Am siebten Tag passierte es dann: Kurz nach Sonnenuntergang kam eine besonders hohe Welle von raum, und brach sich im Cockpit, worauf dieses komplett gefüllt wurde. Das Problem war jedoch, dass ich das Luk in dem Moment leider offen hatte, weshalb wir anschließend keinen trockenen Faden mehr an Leib und Bord hatten.
Da sich die Sonne bis zu unserer Ankunft auch nicht mehr zeigte, war es daher sowohl außenbords, als auch in der Kajüte recht unbequem. Salzwasser hat ja die doofe Angewohnheit nur bei Sonnenlicht zu trocknen.

Bis zu unserer Ankunft passierte ansonsten nichts besonderes mehr. Keine Probleme, keine Sonne, keine Motivation.
Also in die Bucht von Mindello gekreuzt und Anker geworfen. Ab da war dann alles wieder in Ordnung und auch die Polster sind wieder getrocknet.

Hier bleiben wir nun erstmal noch ein paar Tagee bevor es weiter gen Westen geht. Anna ist weiterhin entschlossen an Bord zu bleiben. Also neue Kräfte sammeln und auf besseres Wetter warten. Ihr Windpilot hat alles super gemacht. Jede Welle hat er perfekt ausgesteuert und gab uns die ganze Zeit ein großes Sicherheitsgefühl.

Einen schönen Tag wünschen Ihnen Anna und Christoph!

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10.12.2016 Bericht von Peter Foerthmann

DOSENESSEN UND WINDSTEUERUNG – DABEI SOLLTE MAN NICHT SPARSAM SEIN

Kaum aus Gomera abgefahren, hat der junge Mann mehr Glück als Verstand gehabt. Bereits am zweiten Tag auf See, hat seine Windsteuerung in Folge von Karies im Getriebe etliche Zähne verloren und ihren Dienst quittiert, Christoph musste nolens volens wieder nach Gomera zurückkehren.

Es folgte eine lange Diskussion mit der elterlichen Regierungszentrale, die sich zu Hause in Sorgen um die eigene Achse drehte. Im Ergebnis erreichte mich das bemerkenswerte Bekenntnis eines jungen Mannes:

Nach langer Diskussion mit meinen Eltern, sind wir überein gekommen, dass ich die Kosten für eine neue Windpilot Anlage vorgestreckt bekomme. Denn bevor ich mir nun irgendwo ein neues Zahnrad anfertigen lasse, ist es wohl klüger, gleich das ganze System zu ersetzen. Daher möchte ich Sie nun fragen, ob Sie eine Pacific Light Windsteueranlage auf Lager hätten, die mein Vater dann kaufen und abholen würde.

Sie haben Recht: Dies hätte ich von Anfang an machen sollen. Und nun bin ich klüger. In Bezug auf Dosenessen und Windsteuerung sollte man nicht sparen. Das wird mir nicht nochmal passieren. Für den ganzen Wirbel, den ich in letzter Zeit veranstaltet habe, bitte ich vielmals um Verzeihung.

ANKE + THOMAS VOUGESSIS
Nur 2 Tage später bekam ich Besuch von den besorgten Eltern Anke + Thomas Vougessis und erfuhr dann ein wenig mehr über diesen jungen Mann, der seine Träume möglichst ohne allzu grosse Unterstützung aus dem Elternhaus umzusetzen plante, was man oberflächlich auch als Sturheit hätte benennen können – habe ich aber nicht! Was ich hier erlebe, empfinde ich als bemerkenswert: ein junger Mann mit Plan, jedenfalls soweit der Horizont zu sehen ist. Bemerkenswert für einen Mann von 18 Jahren!

Die Geschichte nahm ihren automatischen Lauf und ich habe den Eltern eine PACIFIC LIGHT hier in der Werkstatt übergeben, gesponsert, um das Kind beim Namen zu nennen, um hier ein wenig Last von allen Schultern zu nehmen und zeitgleich ein wenig Rückenwind zu verschaffen. Immerhin hatte Anke Vougessis bereits dreimal mit schwerem Herzen in Gomera Abschied von ihrem grossen Sohn genommen und wollte das nicht noch ein viertes Mal wiederholen, zumal es in Gomera in Strömen regnete. Nun also war nun der Vater dran: er hat kurzentschlossen einen Flug gebucht und das System in Gomera gemeinsam mit seinem Sohn bei der SV SHALOM am Heck montiert.

10.Dezember 2016 vom GOMERA Bericht von Christoph

Moin Herr Foerthmann,
Da die letzten zwei Tage kein Lufthauch über Gomera gezogen ist, habe ich die Abfahrt auf heute verschoben.
Es gibt auch noch ein „kleines“ Update: Vor zwei Wochen habe ich eine junge Backpackerin in der Marina getroffen (Anna, 18 Jahre alt, aus Mainz), die nach einem Boot für die Atlantiküberquerung Richtung Karibik  suchte. Jedoch ohne Erfolg. Nach langer Überlegung habe ich mich nun bereit erklärt, sie mitzunehmen. Mit der Option, dass Sie gegebenenfalls auf den Kap Verden abmustert. Das Boot liegt nun „ein wenig tiefer“ im Wasser und die Kajüte ist nun gefühlt auch ein Stück kleiner. Da wir uns in den letzten zwei Wochen aber gut kennengelernt haben, glaube ich nicht, dass es große Probleme geben wird, zumal sie das Leben an Bord auf ihrer Reisen aus dem Mittelmeer zu den Kanaren bereits auf verschiedenen Schiffen kennengelernt hat.

Nun hoffe ich, dass wir gutes Wetter und gute Stimmung an Bord haben werden und dass Ihr Windpilot die Sache gut schafft. Ich werde Ihnen jeden Tag ein Update über Satelit schicken, damit Sie immer auf dem laufendem bleiben.

Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage und gutes Hamburger Wetter!
Viele Grüße,
Christoph Vougessis

Und nun lege ich mich gemeinsam mit den Eltern auf die Mauer auf die Lauer und waaaarte auf gute News, dass dies Abenteuer so verläuft, wie wir es uns alle wünschen … ich werde darüber hier gern berichten und auch eine Blogseite für Christoph anlegen. Immerhin wäre dies vermutlich dann wohl der jüngste Deutsche Segler, der tatsächlich von Hamburg bis in die Karibik auf eigenem Kiel gesegelt wäre.

In guter Hoffnung
Peter Foerthmann

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22.November 2016 Bericht von Peter Foerthmann

KREUZ UND QUER SITZEN

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Auf der Schulbank schaut der Schüler den Ereignissen gemeinhin quer ins Gesicht, weil der Lehrer dicht vor der Nase ist, beim Segeln hingegen sieht man quer nur ins Meer, weshalb der Skipper sich dort eher Richtung vorne orientiert. Nun mögen Wendewinkel von 90 Grad bei Seglern nur ein müdes Lächeln verursachen, für das Leben des jungen Hamburgers Christoph Vougessis ( 18 ) hingegen, hat dieser Wechsel der Blickrichtung enorme Folgen nach sich gezogen.

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Der junge Mann hat diese Lebenswende nämlich überaus rasant vollzogen, ist er doch von der Schulbank direkt ins Cockpit seiner Yacht umgezogen. Opti Segeln und ein Törn mit Vaters CARINA 20 nach Helgoland, haben die Lampe in seiner Birne angeknipst und damit eine Lebens Lawine ins Rollen gekickt.

Im Dezember 2015 wurde für Taschengeld die SV SHALOM, eine HURLEY 22 erworben und unter Schweiss im Hamburger Rüsch Kanal für die Reise vorbereitet. Der Start nach dem Abitur wurde für Juli 2016 entschieden und erledigt. Gesagt, getan, auf Los ging´s los! Hätte hätte Fahrradkette, wer zu viel denkt, kommt niemals los! Es gehört zum Privileg junger Menschen, dass sie ihre ganz eigenen Erfahrungen zu machen habe, Eltern, Bedenkenträger und Besserwisser müssen dabei tapfer sein – und die Klappe halten, selbst wenn sie meinen, hellseherisch um jede Ecke sehen zu können. Learning by doing! Wenn andere noch im doppelten Lebensalter bei der Mami unter´m Rock zu kleben lieben … Pardon: Küchentisch, so läuft bei diesem junge Mann ganz offenbar das Nix-Wie-Wech-Programm. Muss man akzeptieren, ggf. mit angehaltenem Atem!

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17.August 2016 – DER HILFERUF
Im August erreichte mich ein Hilferuf vom Vater, ob ich bei der Reparatur der Windpilot Atlantik Anlage helfen könne, sein Sohn sei zwischenzeitlich in England angekommen? Mit einer Masszeichnung wurde dem jungen Mann dann vermutlich von hilfsbereiten Technikern einer Bohrinsel geholfen, sodass die Reise jedenfalls weitergehen konnte.

Das Wetter erwies sich als gnädig und kooperativ, die Tracking Punkte zeichnen eine saubere Perlenkette nach Gomera, wo der junge Einhandsegler kürzlich heil eingetroffen ist.

EIN EINFACHER PLAN, VON CHRISTOPH SELBST ERZÄHLT

Zu meiner Reise kann ich Ihnen nur sagen, was ich bis jetzt auch weiß:
Mal sehen wie weit man kommt. Der ursprüngliche Plan war, einen ehemaligen Schulfreund in Ecuador zu besuchen. In den Pazifik soll es also gehen. Und wenn man schon mal da ist, wieso denn nicht auch noch weiter. Ich bin schließlich nur einmal jung und habe vielleicht nur einmal die Chance dazu.

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Auf Bildern, die ich vor wenigen Tagen erhalten habe, wurde dann deutlich, dass die vermeintliche Windpilot Atlantik, nur ein „nachempfundenes“ Selbst-Bau-Opus ist. Damit soll es also nun über den Atlantik gehen, ein Pinnenpilot steht als Backup zur Verfügung, denn für den Wechsel auf einen professionelleren Steuergehilfen … war die Barschaft … und auch die Zeit zu knapp. Eilige junge Leute eben!

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So bleibt nur, alle möglichen Daumen zu drücken, damit der junge Segler im Westen, um viele Erfahrungen reicher, möglichst ohne Schlafdefizite und vor allem zur grossen Erleichterung der ganzen Familie, heil ankommen möge.

diesen Wünschen schliesse ich mich an
Peter Foerthmann

4 Kommentare zu Christoph Vougessis

  1. Anders sagt:

    Super , …….wir freuen uns, das Christoph nun die zweite Etappe seiner Reise nicht allein absoviert, sondern in einer charmanten Begleitung. Wir konnten ihn als Bootsnachbarn in San Sebasrtian( Gomera ) kennenlernen und ich muss sagen, das wir uns ueber diese Begnung sehr gefreut haben! Hanna, Mario und die Jungs wuenschen Dir / Euch eine gute Weiterreise und vielleicht hat sich hier ein Glueck vereint, das auch nach den Kap Verden noch bestaendig ist …..dafuer und fuer Alles wuenschen Wir Euch Glueck!

  2. Joshi Nichell sagt:

    Ein wunderbarer Blog und unterhaltsame Texte! Peter, Christoph und Anna – macht weiter so!
    Wir sehen uns in der Karibik!
    Liebe Grüße,
    Joshi Nichell

  3. peter sagt:

    Guten Abend, dann gleich die Frage in die andere Richtung: und wie ist es selbst weitergegangen? Gab es einen Lift nach Westen? gruss Peter

  4. panagiotis polyxronopoulos sagt:

    have always good wind in you’re sale we are proud of you „youg odyseus“panagiotis tina elaionas

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