Kim Hafez FRA

DAS TRAURIGE ENDE EINES NEUANFANGS

30.08.2017
Gestern erreichte mich diese Mail:

Hi Peter,
Could you send a copy of the invoice for the Windpilot you sent me in June, as well as the mounting instructions, to Manfred Arnold / Greement-Systems in Arzot? Manfred will try to sell the Windpilot for me as I have no use for it anymore: my boat burnt down last week, after some welding job on the deck. I lost everything. Happy enough the windpilot was still in it´s box, and not on the boat.
I guess I will have to travel on land instead, by foot…
Thank you for your help,
Kim.

Wenige Minuten später erfuhr ich die ganze traurige Geschichte von Kim, erzählt von seinem Freund Manfred Arnold, AGREEMENT SYSTEMS in ARZOT / Bretagne der seit vielen Jahren mit Kim befreundet ist. Kim´s Schiff war klar zur Reise, sollte dieser Tage zu Wasser gehen … Eine kleine Restarbeit an Deck, eine Schweissung von aussen … hat unter Deck zum Brand und Totalverlust des Schiffes geführt.

Es ist die ungewöhnliche Geschichte eines Mannes, der in seinem Leben schon viel gesehen und erlebt hat, der sich darob entschlossen hatte, sehr viel Lebenszeit mit sich allein und seinem treuen Hund zu verbringen.

1970 in Casablanca geboren, besitzt Kim ägyptische, irische und französiche Wurzeln. Er verliess Marrokko im Alter von 18 Jahren, um in Frankreich zunächst eine Ausbildung zum Ingenieur zu absolvieren. Nach einer weiteren Ausbildung zum Offizier der Fremdenlegion wurde er für einen Aufenthalt im Tuamotu Archipel dienstverpflichtet.


Eine prägende Zeit, vermutlich insbesondere in Bezug die menschlichen Umgänge. Denn Kim verlässt die Fremdenlegion im Alter von 25 Jahren und zieht sich in die vollkommene Einsamkeit des Nordens von Canada zurück.

Kim durchquert Kanada mit einem Kanu vom Atlantik bis zum Pazifik, die Hälfte der Strecke gegen den Strom paddelnd und all dies praktisch ohne Geld. Er ernährt sich vom Fischen und Jagen.

Am Pazifik angekommen, schenken ihm die Inuit einen jungen Hund, seinen fortan langjährigen Reisebegleiter.

Zurück in Frankreich schreibt Kim sein erstes Buch über diese Reise.

Kim Hafez from Yannick Michelat on Vimeo.

Später unternimmt Kim eine erneute Reise, nun im Zweier Kajak und mit seinem Hund! Von Paris die Seine runter bis an die Küste, anschliessend Nordfrankreich, Belgien, Holland, Deutschland, durch den Kiel Kanal in die Ostsee, entlang der schwedischen Küste bis in den hohen Norden nach Lappland, danach das Kajak mit dem Hund über Land bis zum Nordkap geschleppt und von dort aus dann auf dem Wasser wieder in den Süden Norwegens gepaddelt. Von dort hat Kim sich von einem Fischkutter in Grönland aussetzen lassen und so dann Grönland unter dem Polarkreis umrundet.

Erneuter Transfer mit einem Fischerkutter nach Kanada, wo er noch einmal einen Drittel der ersten Reise wiederholt, mit seinem treuen Hund. Danach ist Kim nach Frankreich zurückgekehrt, um ein weiteres Buch zu schreiben.

Kim´s Traum war stets die Weltumsegelung. Um dafür das nötige Geld zu verdienen ging er wieder nach Norwegen, um in der Lachszucht zu arbeiten um sich sein Boot zu kaufen und auszurüsten. Er wohnte in Norwegen überaus spartanisch zunächst auf seinem Boot, das er während dieser Zeit erworben hatte und anschliessend in einer Hütte im Wald, ohne Strom, derweil er das Boot dann in die Bretagne segelte, wo er Wetter bedingt, fortan besser am Schiff arbeiten konnte.

So hat Kim viele Jahre Non-Stop gearbeitet, um sein Boot für eine Nordwest-Passage und anschliessende Weltumsegelung vorzubereiten. Das Schiff stand die letzten Monate in ARZON / BRETAGNE an Land, um die letzten Vorbereitungen für den Re-Launch zu treffen.

Die BRAVE MOLLY ist ein solider Stahl Doppelender aus dem Jahre 1996, wie er schon seit Moitessiers Zeiten populär geworden ist und seine Seetüchtigkeit bis heute unzählige Male unter Beweis gestellt hat. Das Schiff war beim Kauf des Schiffes in 2010 mit einer alten Windpilot Pacific ausgestattet. Kim hatte sich dann entschlossen, für die grosse Reise eine neue Anlage zu erwerben, die im Juni 2017 in die Bretagne ausgeliefert wurde.

Der Schiffsverlust – ohne Versicherung – ist für Kim bereits der Zweite Schicksalsschlag, hatte er sich doch gerade ein wenig von einem schweren Schlaganfall erholt, der ihn im Frühjahr 2016 in Norwegen ereilte, wo er praktisch hilflos in einem Bach liegend, erst nach 48 Std von Hilfskräften aufgefunden wurde. Die dann folgenden sechs Monate im Hospital haben seine Wünsche und Träume beflügelt, nun möglichst bald endlich aufzubrechen.

Wie sein Freund Manfred Arnold / Arzon mir heute früh schilderte, ist Kim ob dieser Entwicklung noch ein wenig Menschen scheuer geworden. Er hat sich vollkommen zurückgezogen und ich schildere diese traurige Geschichte mit dem Gedanken, dass sich dereinst ein hoffnungsvoller Ausblick findet, wie man diesem tapferen Lebenshelden wieder ein wenig Rückenwind verschaffen kann, um nochmals wieder Mut zu fassen. Dass ich die Windpilot Anlage wieder zurück nehme, versteht sich von selbst.

Mal schaun, wie das Leben nun weiter geht …

Peter Foerthmann

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