Stephanie Seifert

30.08.2017 Aalsmeer

Heute waren wir mit dem Auto enkaufen. Alle paar Tage müssen wir einen Grosseinkauf machen, weil die Raubtieren im Wachstum sind und alle Vorräte gleich wieder aufgebraucht sind. Die haben hier einen sehr gut sortierten Supermarkt und mit dem Auto ist das sowieso kein Problem. (vor allem die Schlepperei der Beute zurück zum Schiff in der Morgenhitze konnte so dank Auto auf wenige Meter begrenzt werden)

Am Vormittag hat mir der nette Herr von der Stenhuis Werft eine Telefonnummer von einem Volvo Penta Motor Spezialisten gegeben, den ich gleich angerufen habe und einen Termin für morgen früh machen konnte.
Ansonsten, wie gehabt – Kinder mit dem Beiboot unterwegs, abwechselnd, gemeinsam, in Gruppen, alleine. Ich habe weiter sauber gemacht, sortiert und gepackt. Wir waren fast 2 Monate unterwegs, da kommt schon einiges zusammen, was aufgeräumt werden sollte. Ausserdem habe ich mit der Nähmaschine einiges genäht bzw. ausgebessert.

Mark, der Mechaniker ist schon am Nachmittag vorbeigekommen und hat sich übe reine Stunde Zeit genommen, mit mir alles zu besprechen, was am Motor gewartet und verändert werden soll (z.B. ein Emergency Notfall Y Teil, mit dem man bei Wassereinbruch die Bilde mit dem Motor auspumpen könnte, wofür er eine sehr gute Idee hatte). Ausserdem bin ich mit ihm unsere Ersatzteil Kiste und unser Lager für Motoröle, Schmiermittel und andere Gebinde durchgegangen, die er entprechend dem neusten Stand wieder auffüllen wird. Er ist sehr freundlich und sehr kompetent. Makaios Motor ist denken wir in guten Händen.

Morgen werde ich ein ähnliches Gespräch mit Jan Stenhuis von der Werft führen, der hoffentlich die Logge wieder in Gang bringen und die Badeleiter an geeigneter Stelle wieder anmontieren wird.

Wir sitzen bis zum Sonnenuntergang im Cockpit und beobachten die Boote, die hier ein- und ausfahren. Aus der ersten Reihe.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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28.08.2017 vom Aalsmeer

Wetter: Superwetter, warm und sonnig, Badewetter

Wir sind gegen 9 Uhr aufgestanden. Ein lauschiges Plätzchen am Nieuwe Meer (einem See), allerdings nicht weit von der Autobahn.
Wir haben abgelegt und sind in 20 Min quer über das Nieuwe Meer gefahren (zur Abwechslung war es mal wieder 20 Meter tief!) und haben bei einer Tankstelle vollgetankt. (51 Liter Diesel seit Helgoland).
Dann sind wir weiter einen Kanal entlang gefahren Richtung Aalsmeer. Dazwischen waren aber noch ein paar Brücken, die erste, eine riesige Autobahnbrücke, die Schipol Dreij Brug, war zu. Wir haben davor festgemacht und gemütlich gefrühstückt.

Diese grosse Autobahnbrücke macht samstags nur dreimal auf, morgens, mittags und abends. Für uns um 13 Uhr. Mit noch zwei anderen Booten und zwei Tankern sind wir schnell durchgefahren, immerhin haben sie die gesamte Autobahn für uns angehalten (!) und sind weiter Richtung Aalsmeer gefahren. Man kommt direkt am Flughafen von Amsterdam vorbei, einige Flugzeuge sind recht knapp über uns hinweggeflogen. Wir konnten das Rollfeld sehen. Rechts und links vom Kanal sind Häuser teilweise mit netten Gärtchen und immer mehr Boote (Motorboote) waren unterwegs.
David hat sich mit seinem KiteBoard hinten an Makaio drangehängt. Bei immerhin fast 5 Knoten konnte er rasant hin- und herziehen. Eine Attraktion für die anderen Boote und vor allem für das Publikum an Land!
Einmal ist er allerdings ins Wasser gefallen und musste dem Mutterschiff schnell nachschwimmen. Wir haben zwar gleich auf Leerlauf gestellt, aber bis unser schweres Gefährt „ausgerollt“ ist, dauert es. Power-Work-Out für David.

Beim Aalsmeer, einer Ansammlung von schicken Villen, vielen schicken Motorbooten und vielen Kanälen sind wir dann abgebogen zum Yachthaven Stenhuis, Makaios Zu Hause bis zum nächsten Frühjahr.
Ein Mitarbeiter hat uns sehr herzlich empfangen und uns alles gezeigt. Wir haben einen Mastlegetermin für Mittwoch und einen Krantermin für Donnerstag bekommen. Sie haben uns schon erwartet. Ich hatte alle paar Zeitabstände mal ein Email geschrieben und Christian hatte unser Auto vor ein paar Tagen auch schon auf ihren Parkplatz gestellt.

Angelegt haben wir auf der Kopfseite einer der Stege und sitzen so in der ersten Reihe bei den vorbeifahrenden Motorbooten. Sehr unterhaltsam. Der Opa winkt allen freundlich zu und wir beobachten schnelle schnittige Motorboote, dicke tuckernde, voll besetzte mit Kindern und Hunden, Picknick-Motorboote, Ruderboote auch StandUp Paddel und vieles mehr. Sehr kurzweilig.

Leider bekomme ich nur die Highlights mit, weil ich in der Zwischenzeit die Bugkabine ausgeräumt und geputzt habe und später auch das Bad.
Die Kinder sind permanent mit dem Beiboot „in unserem Viertel“ unterwegs. Mittlerweile kann Julian den Benzinmotor auch alleine starten. Je mehr Personen drinsitzen, desto langsamer fährt es. Daher wechseln sich die Kinder manchmal ab. Am schnellsten fährt es, wenn Julian alleine drinsitzt. 2,5 PS und jede Menge Spass!

Fair Winds!
Stephanie & CrewWetter: Sommer!!

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27.08.2017 immer noch aus Amsterdam

Heute haben wir angefangen, die Seile und Leinen, die schon abkömmlich sind, abzubauen und zu waschen. Mit der Hafenwaschmaschine im Schonwaschgang. Jetzt sind sie wieder weich und salzfrei und ausserdem riecht es aus der Backskiste jetzt nach Lavendel!

Später haben wir uns wieder mit der Fähre auf den Weg in die Stadt gemacht. Bei rentAbike.nl haben wir 7 Fahrräder ausgeliehen. Richtige holländische Fahrräder mit Rücktrittsbremse und je zwei fetten Schlössern. Julian hat eines in seiner Grösse bekommen. So sind wir dann auf den überall vorhandenen Fahrradwegen hintereinander durch die Altstadt, entlang der Grachten zum Museumsplein gefahren. Dort ist das berühmte Rijksmuseum, das Van Gogh Museum und das Museum für Moderne Kunst. Zum Glück waren Christian und ich zu Ostern schon dort, weil von den Kindern war niemand für ein Museum zu begeistern. Wir haben in dem davor liegenden Park ein Picknick gemacht und sind dann weiter in den Vondel-Park gefahren. Dort ist, wie überall in der Stadt, auch auf den Radwegen, starker Verkehr. Ich war zum Glück vorne, so konnte ich den Weg für die anderen finden und musste nicht die vielen Fast-Zusammenstösse der Kinder mit anderen Verkehrsteilnehmern beobachten. Nach einer kurzen Pause bei einem kleinen See im Vondelpark sind wir weitergefahren durch und entlang des inneren Grachtengürtels und zur Albert Cuyperstraat und dem dazugehörigen Markt.

Fahrräder geparkt, jedes zweimal abgeschlossen, 7 Schlüssel mitgenommen. Zu Fuss sind wir dann durch den Cuypermarkt spaziert. David hat Schuhe bekommen, ausserdem haben wir Chicken Variationen und einen grossen Fischteller für alle bei einem der Stände gegessen.

Am späten Nachmittag sind wir zurückgeradelt. Schön hintereinander. Immer auf der rechten Seite. Auf coolen Radwegen, bzw. Radspuren durch die Stadt zurück zum Ausgangspunkt.

Auf dem Rückweg zum Hafen schnell eingekauft, im Hafen dann nochmal zwei Seil & Leinen Waschmaschinen. Dann Abendprogramm: Raubtierfütterung, Hängematte, Spielplatz.

Amsterdam gefällt und und zeigt sich mit dem hervorragenden Wetter von seiner besten Seite.

Morgen wollen wir weiter. Mit dem Schiff auf die andere Seite des Het Ij Flusses.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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25.08.2017 Amsterdam

Wetter: sonnig, angenehm warm. jetzt zum Ende hin zeigt sich das Wetter noch mal von seiner besten Seite!

Wir sind heute morgen, im Kreis der vielen anderen Boote um uns, ganz gemütlich aufgewacht und haben beim Frühstück beobachtet, wie sich hier alle verschieben, um- und ausparkieren, hin- und herruckeln. Der Einhandsegler neben uns hat sich unglaublich ruhig und langsam im Schlingelkurs herausgewunden und ist weiter Richtung Dänemark gefahren (er ist aus Nykoebing). Hafenkino vom Feinsten.
Dann ist zur Überraschung Christian gekommen. Er hat unser Auto gestern von Pettneu nach Amsterdam gebracht, damit wir dann mit all dem Krempel und den vielen Personen bequem wieder nach Hause fahren können. Vom Aalsmeer (unserem Winterlagerplatz) ist er dann mit dem Bus und der Fähre direkt zum Hafen gekommen. Er hat die österreichische Flagge von Makaio schon von weitem gesehen und hat uns so direkt gefunden.

Gemeinsam sind wir dann in die Stadt gefahren (wieder mit der Fähre über Het Ij) und auf besonderen Wunsch von David in die Ausstellung Body Worlds (Körperwelten), wo man sehr anschaulich mit plastifizierten Skeletten, Körperteilen, Organen, Muskeln und Gelenken allerlei Medizinisches sieht und lernt. Sehr interessant. Anschliessend haben wir in einer kleinen Seitengasse in einem italienischen Restaurant ein paar Pizzas verdrückt und sind durch die Strassen und entlang der Grachten Amsterdams gewandert. Noah war noch schnell bei einem Friseur. Wir (eigentlich ich) wollten unbedingt zum Anne Frank Haus (ich habe das Tagebuch während der Reise in Minuten-Abschnitten wieder mal gelesen), aber davor war eine riesige, mehrere hundert Meter lange Schlange und da haben alle gestreikt. So haben Christian und der Opa eine Grachten-Bootsfahrt gemacht und ich bin mit den Kindern entlang der Grachten zurück zum Schiff gegangen. Hier erstmal ausruhen, Hängematte, Spielplatz, usw. Später haben wir gemeinsam Abendessen gekocht und sind bis es Dunkel wurde zu siebt im Cockpit gesessen.

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23.08.2017 aus Amsterdam

Wetter: schön! sonnig, nur leicht windig (3 Bft) aus der richtigen Richtung. Ein wunderbarer lockerer Segeltag über das Markermeer nach Amsterdam!

Wir haben erstmal in Ruhe gefrühstückt und alles zusammengepackt. Da man ja nie weiss, wie es draussen dann wirklich ist, muss alles gut verstaut sein, nichts darf herumliegen. Wir haben ausserdem das bildstabilisierende Fernglas bereitgelegt, das Handfunkgerät und zur Abwechlung auch mal wieder die Sonnencreme.

Am frühen Vormittag haben wir Makaio von Hand am Kopf des Steges gedreht und so nur mehr an einer Vorleine befestigt in den Wind treiben lassen. So konnten wir in Ruhe die Fender wegbinden, die Leinen versorgen und das GrossSegel hochziehen. Mit dem Motor nur im StandBy haben wir dann mit dem Segel direkt vom Steg abgelegt. Gleich hinter dem Bataviahafen ist die grosse Schleuse zwischen dem Ijsselmeer und dem Markermeer, die wir ja schon hinter uns hatten. Logischerweise herrscht dort und auch in der Zufahrt zur Schleuse sehr viel Verkehr. Wir haben uns an zwei Ijsselmeertanker vorbeigeschlichen und sind dann mit beiden Segeln neben der Tankerspur bei gemütlichen 3 Beaufort und vollen Segeln unter Steuerung des Windpilots sehr gemütlich unserem geplanten Track nach Richtung Amsterdam gefahren. Später haben wir den Spinnaker gesetzt und waren so gleich 2 Knoten schneller. Auf dem AIS konnten wir die Namen der Tanker, deren Masse und Richtung gut ablesen. Auf der neuen Seekarte sind diese Informationen direkt in der Seekarte integriert. Ausserdem konnten die Kinder sich auf dem Vorschiff auf dem Beiboot entspannt in dies Sonne legen. David hat so, mit kurzen Unterbrechungen für Ortswechsel, eigentlich durchgehend bis zum Nachmittag geschlafen.

In der Anfahrt nach Amsterdam (eine 4-5 Meter tiefe Rinne), weil direkt vor Amsterdam ist eine grosse Sandbank (Pampus) was früher, vor der Zeit der Ausbaggerschiffe bestimmt ein Riesenproblem war. Früher waren es eine grosse Arbeit für viele Leute, Schiffe über Pampus zu ziehen und vor Pampus liegen ist in Niederländisch eine Redewendung für irgendwo festhängen.

Wir haben dort jedenfalls den Spinnaker herunter genommen und auch das GrossSegel und sind nur mehr mit Vorsegel bei VorWind Kurs mit vielen anderen Schiffen, Segelbooten, alten holländischen Schiffen, Tankern, Motorbooten, usw. nach Amsterdam gefahren. Von weitem sah man schon die ersten grossen Häuser der Stadt. Und auch eine grosse Brücke, durch die wir als erstes mussten. Von weitem haben wir schon grünes Licht bei den Ampeln gesehen und eine hochgeklappte Brücke, aber trotz Vollgas waren wir zu spät und mussten die nächste Öffnung am wachtplaads abwarten (ca 20 min). Direkt danach mussten wir (und die anderen auch) durch die Oranjesluis. Das ist eine Schleuse vor Amsterdam, die mehrere Kammern hat, darunter eine eigene für Sportboote. Dahin mussten wir den anderen nach ein paarmal ums Eck fahren und uns dann mit vielen anderen am Rand und im Päckchen (wir waren an einem grossen Motorboot im Päckchen und an uns haben sich ein paar kleinere Motorboote festgehalten) in der Schleusenkammer festmachen. Die Oranjesluis war total voll mit Booten und so haben wir uns um fast 2 Meter vom Markermeer zum Het Ij Fluss bei Amsterdam gehoben. Nach der Schleuse wieder viel Verkehr, man fährt in Amsterdam eigentlich direkt an der Stadt vorbei bzw. durch die Stadt durch.  Auf der Höhe des Hauptbahnhofes sind wir in den Sixhafen eingebogen. Sehr sehr eng. Wir hatten einen Plan B falls dieser Hafen total voll wäre (was er war) aber der freundliche Hafenmeister hat uns immer weiter reingewinkt. Zum Umdrehen wäre es ohnehin viel zu eng gewesen. An einem der hinteren Stege haben wir nach Anweisung rückwärts hinter Boxen (also wo normalerweise gar kein Platz  zum anlegen ist) festgemacht und uns wie eine Spinne in alle Richtungen verspannt. Kurz nach uns sind noch ein paar Schiffe gekommen. Eines sogar mit einem Einhand Segler. Der hat sich ganz alleine durch diesen Schiffswald gedrückt und geschlängelt und sich dann neben uns hinparkiert. Am Abend war der Hafen komplett zugeparkt, überall Schiffe, nur vereinzelt Stege, aber abdriften kann eh niemand, jeder hat vorne, hinten und auf allen Seiten Nachbarn!

Als wir fest waren, haben wir schnell was gegessen und sind dann mit der Fähre (über Het Ij, fährt alle 5 Min und braucht 3 min) in die Stadt gefahren. So sind wir noch ein paar Stunden durch Amsterdam spaziert und haben Pläne gemacht, was wir morgen hier alles machen und ansehen wollen.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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22.08.2017 Lelystad – Urk

Wetter: zur Abwechslung mal wieder stürmisch, irgendwie meistens, wenn wir unterwegs sind. Bis auf einen heftigen Regenschauer nur bewölkt.

Heute morgen bin ich ganz früh in die Stadt gegangen, habe frisches Brot, Croissants, letzte Ersatzteile, ordentliche Fendersocken und zum Test LED-Lampen für den Saloon eingekauft. Wieder beim Schiff haben wir gefrühstückt, bei Sonne im Cockpit ohne Cabrio Dach. Hier ist ganz schön was los im Hafen, Hafenkino mal von der Zuschauerbank aus (sonst sind wir ja oft auf der Leinwand….). Ach ja, einen zweiten Opa-Anlehn-Sitz habe ich gekauft, jetzt reisen zwei Personen im Cockpit in Liegestuhl Position…

Die Kinder waren dann nochmal im Schwimmbad, wann hat man schon mal einen Hafen mit Schwimmbad!

Zu Mittag haben wir dann abgelegt. Ganz langsam mit Vorleinen, extra gelegten Leinen über die Mittelklampen und verlängerten Heckleinen haben wir uns mit Motor im Stand-By aus der engen Box herausgezogen, dann um 90 Grad verdreht (alles mit Leinen) und dann in Richtung Hafenausfahrt nach vorne geschoben. Das war wieder Hafenkino für die anderen, und einige Holländer haben sehr wohlwollend den Daumen nach oben gehalten.
Gleich danach haben wir an der Aussenseite des Hafens wieder festgemacht um das Beiboot zurück aufs Schiff zu heben (das wäre in der engen Box nicht so gut möglich gewesen) und gut festzubinden. Es war viel Wind angesagt und ausserdem mussten wir durch die Schleuse in Ijsselmeer, da können wri das Beiboot nicht gut hinten dran hängen haben.

So ging es dann um die Ecke be Lemmer (Hoek) und Richtung Schleuse. Die heisst Johan Friso Schleuse (obwohl wir genug mit all den Leinen und Fendern und Toren und Ampeln zu tun hatten, gedenken wir trotzdem kurz an Johan Friso, der vor ein paar Jahren beim Skifahren in Lech von einer Lawine verschüttet worden ist).

Jedenfalls mussten wir vor der Schleuse warten und an einer Wartewand festmachen. Der starke Wind hat uns total draufgedrückt und es war gar nocht so leicht, dort wieder wegzukommen. Als das Signal endlich auf rot-grün war, sind wir zur Schleuse gefahren, angefeuert von einer Frau mit Schwimmweste, die am Rand stand und auf holländisch allen zugerufen hat, sie sollen SCHNELL in die Schleuse fahren. Vor der Schleuse musste noch eine Brücke (über eine sehr befahrene Strasse) aufgemacht werden, dann konnte die ganze Meute rein. Wir haben am Rand festgemacht und ich hab den Fender, den wir verloren hatten, noch schnell auf dem Festmacherbalken balanzierend wieder eingefangen. Dann haben wir uns um 30cm nach oben bewegt und als die Tore sich geöffnet haben, sind wir mit den anderen ins Ijsselmeer gerauscht.

Also gepfiffen hat es ganz ordentlich, 6-7 Bft, durchgehend. Ein paar Holländer haben versucht zu kreuzen (auf der engen Spur zwischen Windpark und Land), es dann aber bald aufgegeben und sich schliesslich mit uns mit Motor gegenan gekämpft, gegen steile spitze Wellen mit 2-3 Knoten.
Eine schwarze Regenfront hat sich über uns weggeschoben und mich hat es am Steuer ganz ordentlich abgewaschen. Auch der Wind hatte da nochmal ein bisschen zugelegt, aber so hohe Wellen können sich auf diesem Binnenmeer zum Glück nicht aufbauen, daher kein Problem für uns. Kathi hat sich vorsorglich nach hinten gelegt, ihr war aber heute den ganzen Trip nicht schlecht. Jippiiie!

Dann haben wir die Segel hochgezogen (das Grossegel im 2. Reff und von der Genua nur ein kleines bisschen) und sind hart am Wind mit 6-7 Knoten am Windpark entlang gezischt. Also Segeln ist schon viel besser als Motorbootfahren!!!

Uns stressen jetzt auch 6 Windstärken nicht mehr!
Vor der Einfahrt in den Hafen von Urk mussten wir noch einen grossen Bogen wegen einer Untiefe fahren. Entlang der Tonnen, wie sich das gehört. Im vollen Hafen haben wir uns ein Plätzchen an der Hafenmauer (ziemlich weit aussen) gefunden und haben dort mit 4, später 6 Leinen festgemacht. Der Sturm ging nämlich noch weiter und alle paar Zeitabstände kam ein Schauer, kräftige Böen und viele schwarze Wolken dazu. Da sollte man besser gut angebunden sein, vor allem bei Seitenwind!
Einer Crew neben uns haben wir auch geholfen, deren breites Charterschiff wollte der Wind lieber in die Hafenmitte drücken, aber wir haben alle dagegengehalten und so konnten wir auch dieses Schiff gemeinsam wieder eng an der Hafenmauer festmachen. Der Münchner Crew war das heute zu viel Wind. Frau und Kinder sind seekrank, der Mann etwas überfordert. Aber jetzt sind sie fest (und wir auch) und morgen weht es vielleicht ein bisschen weniger.

Wir haben am Abend noch eine Runde in Urk gedreht. Nett, wie alle diese holländischen Städtchen und ein unglaublich grosser Hafen. Früher war Urk eine Insel, als das Ijsselmeer noch nicht eingedeicht war und die grossen Zei- und Dreimaster von Hoorn, Enkhuizen und Amsterdam nach Ostindien gesegelt sind. Jetzt ist Urk eine Insel auf dem Land. Nur an einer Seite ist noch Wasser, an den anderen sind Polder, also eingedeichte Landflächen. Interessante Geschichte für ein kleines Dorf auf einem Hügel.

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21.08.2017 aus Lelystad

Wetter: stürmisch. auch im Hafen weht ein scharfer Wind. Zuerst 5 Bft. später, als wir draussen waren wieder 7 Bft. Also am Ijsselmeer kann es ordentlich blasen, aber Makaio hat sich tapfer unter Windpilotsteuerung (!) durchgekämpft.

Wir hatten eine stürmische Nacht, aber die Leinen haben alle gehalten. Wir haben zum Glück Gummisabfederungsstopper, weil sonst hätte es wie bei den anderen Booten immer gequietscht und gezerrt. In der Früh haben wir drei (!) Kuchen gebacken und im Cockpit gut gefrühstückt. So gegen elf Uhr sind Anita und Toni zu uns gekommen, ein bisschen später dann auch Maren. Wir haben uns alle zusammen unter das Cockpit Dach gequetscht und die Gäste haben eine Schiffsführung bekommen. Dann sind wir an der Hafenmole entlang zum Leuchtturm spaziert. Anita, Toni und Maren sind gerade auf einer Geschäftsreise zu den verschiedenen Skihallen, Kunst-Ski-Teppichen und Skiorganisationen und -Verbänden quer durch Holland und kommen tatsächlich gerade vom Skifahren! Wir haben uns über ihren Besuch sehr gefreut.

Später haben wir noch den ärgsten Regen abgewartet, aufgeräumt, denn wenn wir bei Windstärke 5-6 (tatsächlich waren dann wieder 7) kreuzen wollen, darf nichts herumliegen. Um halb 2 haben wir uns zuerst am Steg (nur mehr vorne festgemacht vom Wind in den Wind drehen lassen und haben dann in Ruhe das Grossegel im 2. Reff hochgezogen. So konnten wir direkt aus dem Hafen segeln und hatten gleich mal auch einen guten Speed von 5 Knoten drauf. Im Zick Zack sind wir Richtung Leystad gesegelt. Makaio wurde die meiste Zeit vom Autopilot gesteuert, was super war, denn so konnten wir uns bei den diversen Regengüssen alle unter dem Schutzdach verkriechen. Im Ijsselmeer können sich auch bei viel Wind nicht so hohe Wellen aufbauen, ausserdem waren wir am Ende in der Abdeckung des Mitteldammes zwischen Ijsselmeer und Markermeer, was zu fast glattem Wasser und fetzigem Wind geführt hat. So konnten wir trotz der ganzen Reffs mit über 6 Knoten der Schleuse Houtribsluizen entgegenheizen. (auf hartem Am WInd Kurs, wie meistens in diesem Sommer).

Der Damm ist witzig, von weitem sieht man schon, wie Autos und Laster über das Meer fahren. Und die Schleuse (von mir angefunkt und uns das port dock zuweisend) hat sofort geöffnet, als wir daher kamen. So ist das Recht!
Hinter der Schleuse, also im Markermeer haben wir im Hafen Batavia angelegt. Die Kinder haben noch das Beiboot geflickt (hat ein kleines Loch) und der Opa hat haufenweise Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln gebraten.

Es zeigt sich, dass Noah zwar gerne mehr machen würde, wie einparken, Beiboot fahren, kochen usw, es dann aber an den grundlegendsten Voraussetzungen fehlt und er einfach oft überhaupt keinen Überblick hat, was wie zusammenhängt und was für was nötig ist. (z.B. Gas zum Kochen). Es ist ein bisschen erschreckend, dass er auch noch nicht ganz sicher ist, ob wir noch in Dänemark oder schon in Holland sind. Irgendwie planlos. Wir fagen uns, wie er so eine Ausbildung oder eine Lehre machen oder überhaupt einmal einen Job erledigen kann. Allerdings kann man sagen, dass er wenigstens nicht mehr drogensüchtig, auch nicht mehr nikotinsüchtig und in keinster Weise boshaft, gewalttätig oder kriminell ist. Einfach sehr unselbständig und irgendwie total planlos. Wir vermuten, dass er ein leichtes Opfer der Berliner Gangs war, denn er macht ohne nachzudenken jeden Blödsinn, wenn ihn jemand dazu anstiftet.

Hier im Hafen geht Wlan, meistens muss mal sich dafür auf eine windige Bank unter das Hafenkontoor Büro setzen und dann das Gerät auf der Suche nach mehr Strichen in den WInd halten, aber hier geht es bequem im Boot!! Wir sitzen unter dem Cockpitdach, weil der Sturm draussen immer noch pfeift und unser Windgenerator ausreichend Strom produziert, alle Handys, Tablets, Computer, elektrische Zahnbürsten, Lichter (wir haben jetzt LED-Lichter!) usw. aufzuladen.

Morgen wollen wir die Batavia Werft und das Batavia Schiff besichtigen. Ausserdem sollen es morgen nur mehr 2 Knoten Wind geben. Da sind wir gespannt.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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18.08.2017 aus Lemmer

Wetter: bewölkt, aber kein Regen. windig, aber keine Wellen.

Heute haben wir wieder mal ausgeschlafen und sind dann von unserem Inselplätzchen wieder in den Prinses Margriet Kanal eingebogen. Auf diesem sind wir gemütlich (gegen relativ starken Wind) nach Lemmer gefahren. Zwei Brücken, aber sobald wir am wachtplaads festmachen wollten, haben sie sie aufgemacht und wir konnten gerade durch. Mit uns und uns entgegen waren grosse Lastkähne unterwegs, manche leer, manche so voll, dass auf der Seite gerade mal 5cm Rand über dem Wasser war, aber Wellen gibt es ja hier keine, da sind sich die anscheinend auch ganz sicher, weil so ein volles Gefährt verträgt nicht mal eine 10cm hohe Welle!

In Lemmer gibt es ca 12 Yachthäfen, manche habe Platz für über 200 Boote. Hier ist was los! Wir sind in einen der Kanäle Richtung Stadt abgebogen (Stroemkanal) und haben beim Ijmeer Yachthaven beim Hafenmeister Wartepontoon festgemacht. Der Hafenmeister hat uns dann einen Platz, genau abgemessen für uns (wir sind 10,54m lang und 3,34m breit und der Platz ist 11m land und 3,50m breit) zugewiesen. In den haben wir uns ganz vorsichtig einparkiert, er war hinten im Eck und so mussten wir uns zentimetergenau hinbewegen, auf der Stelle drehen und dann hineinschieben. Das haben wir gut geschafft.

In diesem grossen Hafen gab es alle Finessen: Strom, Wasser, Internet, Waschmaschinen und Trockner, sogar ein Schwimmbad und eine Sauna!
Wir haben uns erstmal ein zweites Frühstück verpasst, sind dann mit dem Dingi in die Stadt gefahren (ca 15 min, durch 3 Brücken und eine Schleuse) und haben dort wieder mal eingekauft (6 Personen setzten ganz ordentlich Lebensmittel durch!) und alle Ersatzteile für Makaio besorgt, die wir gebraucht haben. Lemmer ist ein nettes Städtchen und voller Leben. Hier war heute Stadtfest und es war viel leichter einen Parkplatz fürs Dingi am Kanal zu finden (und das war nicht leicht), als einen Parkplatz fürs Auto in der Altstadt.

Zurück im Hafen haben wir gewaschen: Zwei Ladungen Waschmaschine + Trockner. Gas haben wir auch getauscht. Und die grüne Positionslampe solange repariert, bis sie jetzt wirklich zuverlässig leuchtet.
Am späteren Nachmittag sind dann alle ins Schwimmbad und in die Sauna und ins Dampfbad und wieder ins Schwimmbad gegangen. Wellness-Tag. Der Opa hat ein sehr langes Nachmittagsschläfchen gemacht.

Am Abend noch eine Runde mit dem Dingi. Hier gibt es unzählige kleine Kanäle, wo die Leute Häuschen direkt am Wasser haben, kleinere und grössere Boote davor, gepflegte Gärten und friesische Flaggen. Alles total aufgeräumt. Und anstatt mit dem Auto oder mit dem Fahrrad kurven wir (und andere) mit dem Dingi durch die Kanäle (=Strässchen).

Morgen wollen wir durch die Schleuse ins Ijsselmeer fahren und dann endlich mal wieder die Segel hochziehen. Ziel Urk. Dort wollen wir am Abend Anita und Toni treffen.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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13.08.2017 Helgoland – Borkum

Wind: also nach und nach ein orkanartiger Sturm mit 3 Meter hohen Wellen aus Südwest. Vorhersagen sind eben Vorhersagen. Und die Nordsee ist die Nordsee.

Wir sind kurz nach 2 Uhr nachts gestartet. Es war nur leicht windig. Wir konnten das Grosssegel schon an der Boje hochziehen und sind schon im Helgoländer Vorhafen mit vollen Segeln Richtung deutschem Festland gesegelt. Leider war Kathi nach 3 Minuten schlecht und sie hat sich dauer-kotzend ins Cockpit gesetzt, ab halb 3.

Erst alles nach Plan, aber es war nur sehr leicht windig und auch schon mehr aus Südwest als aus West, so mussten wir von Anfang an Am Wind fahren. Soweit ok. Da wir am Anfang noch die Strömung quer gegen uns hatten, hat uns das ganze etwas quer Richtung Cuxhafen versetzt. Das war aber nicht so schlimm, weil so konnten wir das ganze Verkehrtstrennungsstrassen-Bündel in einem und vorschriftsmässig rechtwinklig überqueren.

Es war zwar recht viel Verkehr, aber wir hatten Glück und sind ganz gut durchgekommen. Dank AIS ist das jetzt auch viel einfacher als ohne. Mein Trauma (von letztem Jahr, als wir noch kein AIS hatten) dass wir mit einem Tanker zusammen stossen könnten, hab ich jetzt abgelegt. Auch weil wir jetzt schon ganz oft Tankerspuren bei Tag und bei Nacht überquert haben. So langsam gewöhnt man sich daran.

Durch diese Ablenkung waren wir erst um 6 Uhr bei der Tonne Weser 2 (eine Stunde verspätet), dann mussten wir allerdings kreuzen, denn der Wind kam direkt aus der Richtung wo wir hinwollten. Erst ging das ganz gut, nicht zu viel Wind, mässig hohe Wellen,  Abbiegewinkel von ca. 90 Grad und die Strömung, ab 5 Uhr mit uns) hat uns auch ordentlich angeschoben. Sah soweit ganz gut aus. Allerdings kamen dann sehr dunkle Wolken auf und eine Schauerböe nach der anderen sind über uns hergezogen. Zum Glück hat der Windpilot die meiste Zeit gesteuert, nass geworden bin ich allerdings trotzdem. Kathi hat verschiedenste Tabletten und Kaugummis für wenige Minuten genommen, dann wieder ausgekotzt. Wir bedauern sie da alle, anscheinend muss sich der Körper erstmal an ein Schiff gewöhnen, und Kathi ist das erste Mal auf einem Schiff.

Durch den immer stärkeren Wind und die Böen mussten wir das Grossegel reffen (und das Vorsegel auch ein bisschen einrollen, aber für das Grosssegel muss man aufs Vorschiff). So wurde ich ein zweites Mal komplett abgewaschen, aber reffen können wir jetzt besser. Das Schiff war durch den harten Am Wind Kurs auch ziemlich schräg. Das hat Kathi leider noch mehr seekrank gemacht, und den Opa auch. So haben sie gemeinsam in den Mülleimer gekotzt, über die Reling wäre viel zu gefährlich gewesen. Die anderen haben zum Glück noch geschlafen. DP07 hat auf UKW immer noch von abnehmenden Winden und Schauerböen von 5-6 Bft gesprochen.
Durch die Kreuzerei und den starken Gegenwind (6 Bft stehend, Böen 7) haben sich sehr hohe Wellen (am Angang ca 2m, später eher noch mehr) gebildet. Dadurch haben wir uns unserem Ziel Norderney nur sehr langsam genähert, zu langsam um das günstige Fenster, um dort mit auflaufendem Wasser über die Barre hineinzufahren, noch zu erwischen. Einige Segler haben uns vor den Barren zwischen den Inseln gewarnt. Vor allem, wenn Strömung gegen Welle steht und sich dann an den untiefen Stellen Wellenlöcher bilden können, wo es dann plötzlich nur mehr ein paar cm tief ist.

In der Zwischenzeit sind die anderen auch aufgewacht und haben abwechselnd gekotzt, der Einfachheit halber mittlerweile im Cockpit auf den Boden (Peter nennt das Würfelhusten, weil der Cockpitboden bei vielen Schiffen in würfelförmigem Teak ist, wo das dann durchfällt). Endzeitstimmung auf Makaio. Wir brauchen einen neuen Plan.

Nach Cuxhafen zurückfahren? Aber es wäre die falsche Richtung und bei den hier vorherrschenden westlichen Winden, verlagert sich das Problem möglicherweise nur um ein paar Tage?!

Einen anderen Hafen anlaufen? Spiekeroog und Wangeroog haben nur sehr kleine Häfen, die bei Ebbe trocken fallen (also Land sind) und ausserdem haben auch die eine Barre am Übergang zur Nordsee?!

Trotzdem nach Norderney fahren? Wir als Anfänger in dieser Disziplin trauen uns nicht, den Rat erfahrener (Nordsee-)Segler zu missachten. Trotz Siechtum auf Makaio wollen wir nichts riskieren und trauen uns bei ablaufendem Wasser (Ströumung und Wind gegen uns) über die Barre vom Dovetief.

Weiterfahren und den nächsten tiefen und sicheren Hafen anlaufen? Das wäre dann Borkum, noch mal fast 40 Meilen.

Irgendwie alles nicht so spacig. Aber so ist das. Man muss da flexibel sein und wenn man mal auf dem Meer ist, dessen Spielregeln akzeptieren. Es nutzt nix.

Wir haben uns für die Variante nach Borkum zu fahren entschieden. Und notfalls noch mal eine Nacht auf See zu verbringen. Mir war zum Glück nicht schlecht und Sicherheit geht vor.

Mittlerweile hatten wir auch die Strömung gegen uns (das ändert sich ja alle 6 Stunden), was dazu führte, dass wir, obwohl normal gekreuzt, eine Spur wie eine liegende 8 hatten und damit eigentlich rückwärts gefahren sind.

Daher haben wir den Motor angemacht und  mit gerefftem Grosssegel, hart am Wind im 45 Grad Winkel gegen die Wellen weitergekämpft, so mit 3-4 Knoten. Richtung Borkum.

Mittlerweile hat DP07 eine Windwarnung für die Deutsche Bucht herausgegeben. Ein paar Stunden später dann „near gale warning“. Und der Wind wurde auch tatsächlich immer mehr. Und damit auch die Wellen immer höher. Ein schwarzer Wolkenhaufen nach dem anderen haben mich am Steuer und das Schiff (auch den Cockpit-Boden) durchgewaschen. Mit den Schauerwolken kamen wohl auch die Starkwind-Böen. Mittlerweile ständig um die 7, was 15m/sec sind. Das grössere Problem waren aber die Wellen. Tapfer hat sich Makaio durchgekämpft und nach einigen Stunden hatten wir auch die Strömung wieder mit uns. So konnten wir ert 4-5 Knoten, dann sogar 5-6 Knoten über Grund fahren. Die Mägen der restlichen Crew waren mittlerweile leer und die Gesichter bleich, aber wir schaffen es. Wir fahren einfach weiter bis Borkum und dann nach Holland durch die Kanäle, ohne gale-force winds und ohne Wellen. Neuer, guter Plan.

Plötzlich hören ir auch UKW Kanal 16, dem Notkanal, der immer angeschaltet sein muss, wenn man unterwegs ist: „Makaio, hier Socorro“. Grosse Freude! Jochen und Christiane hatten wir letztes Jahr in der Ostsee getroffen. Sie waren diese Jahr in Frankreich und sind jetzt auf dem Rückweg. Julian war am Funkgerät, weil ich konnte (schon seit vielen Stunden, keine Minute vom Steuer weg). Jochen und Julian haben einen anderen Kanal vereinbart, den Kanal umgestellt und sich dann unterhalten. Die Socorro ist in Norderney. Wenn alles nach Plan A gelaufen wäre, hätten wir uns getroffen. So haben wir wenigstens miteinander gefunkt. (Und wir tauschen unsere Reiseberichte aus, so wissen wir, was jeweils so läuft…)

So waren wir doch schneller als erwartet auf der Höhe von Borkum. Wir mussten immer mal wieder rauskreuzen, da wir weit genug von den Untiefen und dem Borkumer Riff bleiben wollten Es war erst ca 21 Uhr als wir auf der Höhe von Borkum waren. Schöner Sonnenuntergang über gischtend schäumendem aufgebrachten Meer. Also vielleicht doch noch schnell in den Hafen, und nicht noch die ganze Nacht hier draussen auf dem Meer? Zur Sicherheit habe ich versucht, auf Kanal 17 den Hafen von Borkum anzufunken. Keine Antwort, die sind wohl schon nach Hause gegangen. Dann auf Kanal 16 „all stations im Hafen Borkum“. Gemeldet hat sich sofort „Bremen Rescue“, ob wir Hilfe benötigen. Ich hab gesagt, eigentlich nicht, ich wollte nur wissen, ob wir den Hafen in Borkum noch anlaufen können, um diese Zeit (Platz?, Einfahrt befeuert, also die Einfahrt beleuchtet? usw.) Sie haben eine Verbindung mit dem Seenotkreuzer „Alfred Krupp“ hergestellt, der in Borkum stationiert ist,  und die haben uns gesagt, wir sollen in den Schutzhafen kommen. Dort können wir längsseits anlegen. Soweit so gut.

Leider haben die Wellen in der Ems-Mündung in die wir abbiegen mussten, überhaupt nicht abgenommen. Eher noch grössere Wellen, weil es da ja nicht mehr so tief ist. So haben wir uns mehrere Stunden gegen Wind und Wellen (und wohl auch Strömung) von dem Riff und den Untiefen freigekämpft. Schon irgendwie erfolgreich, aber sehr langsam. So ca mit 1-2 Knoten über Grund. Riesenwellen haben uns laufend überschwappt. Ich hatte am Steuer abwechselnd Süsswasser und Salzwasser Duschen. Dazu ein orkanartiger Sturm und mittlerweile Dunkelheit. Die Crew beim Dauer-Kotzen.

Um ca 23:30 Uhr haben wir einen Funkspruch von der Alfred Krupp erhalten. Ob sie uns begleiten sollen, in den Hafen. Gerne, haben wir zurückgefunkt. Dann haben sie koordiniert, dass wir zuerst einem holländischen Pilot-Boot, der Lyra, beleuchtet wie ein Christbaum, nachfahren können und dann haben sie uns vor dem Hafen bei der Fischerbalje übernommen. Mittlerweile bei steigender Flut und auflaufendem Wasser, mit dem gerefften Grossegel (ganz dicht, obwohl vor dem Wind, damit es nicht noch jemanden über Bord haut) hatten wir plötzlich 9,5 Knoten drauf. Absurfend auf den gefühlt 3 Meter hohen sich brechenden Wellen. Makaio war gar nicht mehr so leicht zu steuern, vor allem, weil ich in der einen Hand das Funkgerät hatte, um mit der Alfred Krupp zu reden und zu hören, was sie sagen und weil meine Brille mehrere Salzkrustenschichten hatte und es dazu stockfinster war. So sind wir dem SAR Schiff in den Hafen gefolgt. Immer wieder haben sie gesagt, wir müssen ihnen ganz genau folgen, weil viel Strom setzt. Das bedeutet, dass es eine gewaltige Strömung hat, die einen an den diversen Einfahrten einfach vorbeischiebt (und damit auf die „Sände“ setzt, wie wir später erfahren haben.) Noch schnell das Grossegel bergen. Noah und David haben sich mega zusammengerissen und trotz Übelkeit (angehängt mit Sicherheitsleinen) das Segel runtergeholt und ums Schiff Leinen und Fender angebracht. So haben wir uns nach Anweisung mit 8-9 Knoten dicht an einer dunklen, rostigen Hafen Spuntwand entlang dem SAR Schiff an die Fersen geheftet und sind auf Komando mit Vollgas und scharfer Kurve in den Hafen eingebogen (zwischen den roten und grünen Lichtern, mehr war nicht zu sehen). Dort haben wir neben dem Seenotkreuzer angelegt und die Männer haben uns geholfen, Makaio festzubinden und der wakligen Crew an Land zu helfen. Sie waren sehr nett und haben uns auch medizinische Hilfe für die Bleichgesichter angeboten. Wir waren aber einfach nur froh, dass wir da waren, sonst eigentlich ganz in Ordnung.
Später hat der Opa noch einen Whiskey getrunken, Kathi hat ein Toastbrot gegessen, den Rest weiss ich nicht mehr, weil ich nach 24h mit (nassen) Klamotten auf der Wohnzimmerbank eingeschlafen bin. Um halb 3.
What a day.

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12.08.2017 Helgoland Hafentag

Wetter: bewölkt und sonnig, mässig windig.

Am Vormittag haben wir von einem Segelnachbarn gehört, dass es hier ein spezielles Lebensmittelgrosshandelsgeschäft nur für Segler gibt. In einem Hinterhof musste man durch ein grosses Rolltor gehen und tatsächlich: Grosspackungen Lebensmittel und Getränke auf Paletten.  Und da alles zollfrei ist, MÜSSEN sie es ans Schiff liefern. Also haben wir einen Grosseinkauf gemacht, Getränke, 15kg Kartoffeln, Fleisch, und vieles anderes. Und alles wurde tatsächlich mit einem Rollwägelchen zum Schiff geliefert! So ein Luxus! Nachdem wir alles in Makaios Bauch verstaut haben, kam auch schon die Fähre an. Julian und David mit der Katamaran-Jet-Fähre und Kathi, obwohl noch gemeinsam im Zug von Berlin nach Cuxhafen, mit der Helgoline Fähre. Da anscheinend bis zum Schluss unklar war, wann welche Fähre wo losfährt, hatte eine (fremde) Frau Kathi netterweise noch schnell zum richtigen Hafen für die Helgoline Fähre gebracht und diese angerufen, damit sie extra auf Kathi noch 10min wartet. Jedenfalls kamen alle drei fast gleichzeitig mit viel Gepäck zu Mittag in Helgoland an. Erstmal zum Schiff. Jetzt sind wir ganz schön voll. 6 Personen und jede Menge Taschen und Rucksäcke und Lebensmittel für mehrere Wochen. Full house auf Makaio!

Mit so vielen Händen haben wir dann mal abgelegt und sind aussen um den Hafen zum inneren Hafen und zur Tankstelle gefahren. Es war, obwohl wir bei Hochwasser da waren, nicht sehr tief (ca 1m unterm Kiel) Und – auch weil gerade Hochwasser war, war ein rechter Stau bei der Tankstelle. Ein Motorboot war schon da und hat getankt (als wir fertig waren, haben sie immer noch getankt!), ein grosser Zweimaster hat mit uns gewartet und sich dann vorsichtig zur Tankstelle bewegt. Wir haben solange im Hafenbecken treibend gewartet (ca eine halbe Stunde). Als wir dran waren haben wir für 0.91?/l 115 Liter Diesel getankt und gleich die entsprechende Menge Grotamar (gegen Dieslbakterien, die Filter verstopfen können) dazugegeben. Dann wieder zurück zu unserem Hafenbecken, aussen herum, und wieder angelegt. Die neue Crew ist guter Dinge.

Jetzt gibt es auf Makaio Fidget Spinner Gesurre, viele herumliegende Socken, viel Zeugs auf allen Bänken, und viel Lachen und lustige Gespräche. Noah freut sich besonders und ist sehr hilfreich, den anderen alles zu erklären (z.B. auch das Klo), auch kann er mittlerweile den Palsteck und den Fenderknoten, die er den anderen geduldig beibringt.
Später haben wir die Helgoland Rundwanderweg zu den Tölpelfelsen gemacht. David hat bemerkt, dass diese roten Sandsteinfelsen unkletterbar sind, weil sie einem unter den FIngern wegbrechen würden. Die Vögel stört das allerdings nicht.

Zurück zum Schiff haben wir einen Riesentopf Nudeln gekocht und gegessen und haben dann schon mal ausgeparkt aus dem Päckchen und uns an eine Boje im Hafen gehängt. So konnten wir in Ruhe alles aufräumen, alle Fender wegbinden und Leinen versorgen. Damit wir dann um 2 Uhr nachts, wenn wir starten wollen, nur eine Vorleine losmachen müssen und abfahren können.

Der Plan, unter Einbezug diverser Bücher, Hafenhandbücher, Wetterprognosen aus dem Internet, Tipps und Hinweise andere Segler und den Strömungs- und Gezeiten Vorhersagen vom Bundesamt für Seeschifffahrt war der Plan folgender:

Um 2 Uhr ablegen und mit Halbwind bis zur Tonne Weser 2 segeln, dabei das Verkehrstrennungsgebiet an einer erlaubten Stelle überqueren, eigentlich sind es 3 Spuren, Elbe (Cuxhafen/Hamburg), Weser (Willhemlshafen) und die Hauptspur namens TG/C Richtung Holland, zu der wir später parallel segeln müssen. Überwacht wird das ganze von German Bight Traffic (Verkehrszentrale für die deutsche Bucht) auf Kanal 80. Danach wollen wir die vorhergesagte Winddrehung ausnutzen ab 5 Uhr zwischen der TG/C Tankerspur und den ostfriesieschen Inseln Wangeroog, Spiekeroog, Langeroog, und Baltrum nach Norderney segeln. Bei diesen Inseln gibt es die Besonderheit, dass es zwischen ihnen sogenante Seegate gibt. Das sind so Rinnen, in denen sich bei Ebbe und Flut (eigentlich zwischen Ebbe und Flut) starke Strömungen bilden. Und zusätzlich gibt es noch die Schwierigkeit, dass es beim Übergang zum Meer Barren gibt, Schwellen, die bei Ebbe sehr untief sind (also flach, zu flach um drüberzufahren) und nur bei Flut gut passierbar sind. Das Dovetief im Osten und das Schluchtertief im Westen sind die beiden Spuren für Norderney. „Tief“ heisst das hier, wenn es NICHT tief ist. Damit wir da gut drüberkommen, wollen wir um ca 11 Uhr, bei auflaufendem Wasser mit Strömung und genug Wasser auf der Barre über das Dovetief nach Norderney fahren.
So der Plan. Aber die Nordsee hat uns andere Spielregeln gelehrt und uns am nächsten Tag alles abverlangt, mindestens alles, was wir bis jetzt draufhaben. Morgen mehr.

Makaio ist zu diesem Zeitpunkt total ready to sail. Alles aufgeräumt, Tanks gefüllt. Crew vollzählig. Ready zum Start um 2 Uhr.

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08.08.2017

Wetter: sehr stürmisch, aber sonnig. Südwest 6-7 Beaufort.

Wir sind kurz nach Sonnenaufgang in Spodsbjerg gestartet. Ein Zweimaster hat sich so in die Einfahrt verparkiert, dass man fast nicht rauskonnte, aber Ken hat uns geschickt rückwärts und dann vorwärts herausgefädelt.
In der Nacht war ein Sturm mit starken Regengüssen durchgezogen. Gut, dass wir da noch im Hafen waren.

Zuerst ging es schon mit kräftigem Wind aus Südwest entlang der Insel Langeland und parallel zu einer Tankerspur. Wir hören auf Kanal 11 den Great Belt Traffic (Verkehrszentrale) mit und sehen am AIS wer in welche Richtung und wie schnell fährt.

Nach Langeland müssen wir kreuzen und schaffen bei sehr starkem Wind und sehr hohen Wellen (fast 2m) gegen uns, dazu einem gerefften Segel nur einen nicht so guten Winkel. Jedenfalls fahren wir auf dem „Holebug“ wieder fast zurück, vorbei an Bagenkop und Richtung Marstal, wo wir am Anfang des Sommers schon mal waren. Uns sind einige grosse Holzschiffe entgegengekommen. Zu Kreuzen versuchen bei diesem Wetter irgendwie nur wir.

Nach der nächsten Wende konnten wir die Kieler Förde fast direkt ansteuern. Jetzt war durchgehend über 6 Beaufort Wind, dazu 2m Wellen. Wie Rodeo ist das Schiff durch die Wellen getanzt. Wir waren permanent sehr schief im Wasser und unten konnte man von den unteren Fenstern direkt unter Wasser ins Meer sehen. Innen herumzuturnen war eine Herausforderung. Nur wenn man schnell was holen musste, hat man sich nach unten begeben. Ansonsten waren wir alle oben. Abwechselnd am Steuer oder sitzend auf der oberen Kante.

Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit diese Wellen unser 6,7Tonnen schweres Schiff heben und fallen lassen. Mehrere Stunden Rodeo.
Im VHF Radio haben wir gehört, wie ständig neue Meldungen an Lyngby Radio (Dänischer Seenotrettungsdienst) und später Bremen Rescue (Deutscher Seenotrettungsdienst) abgesetzt werden. Ein sailing vessel dismasted. Ein sailing vessel aground. Funksprüche hin und her, dass Leute geborgen wurden und dass Rettungsboote unterwegs sind. Heute war auch ein Grosseinsatztag für die Deutsche Küstenrettung. Sonntag und schönes Wetter, dazu dieser Starkwind. Wir haben gehört, dass zwei abgetriebene Schlauchboote gesichtet worden sind, ausserdem wurde aufgefordert, nach einem Surfer Ausschau zu halten und zwei weitere Boote mit Mastbruch wurden abgeschleppt.

Wir konnten jedenfalls mit konstanter Geschwindigkeit im Auf und Ab Modus Kiel näherkommen. Es gibt hier ein militärisches Schiessgebiet, in dem heute zum GLück aber keine Schiessübungen abgehalten wurden und zwei markierte Sperrgebiete mit „explosives“, über die wir auch nicht gerade fahren wollten. So mussten wir genau dazwischen zielen und sehr hart am Wind fahren (und Makaio sehr sehr schief stellen), aber mit der von Ken vorausgesagten leichten Winddrehung in Küstennähe, haben wir da genau die Kurve kratzen können. Der Plan ist wieder gut aufgegangen. Noch zwei Wenden und kurze Zick-Zack Schläge und wi konnten in die Kieler Förde segeln. Dort war immer noch sehr viel WInd, aber keine hohen Wellen mehr. Da segelt es sich schon viel besser.

Auch sind uns einige Tanker und Fähren entgegen gekommen. Einige nehmen Lotsen von Lotsenschiffen auf oder setzen die Lotsen wieder ab. Auf dem AIS sieht das so aus, als ob die Schiffe (Tanker und Lotse) zusammenstossen (tun sie ja irgendwie auch für 2 Minuten).

So waren wir um 18;00 bei der Schleuse in Kiel Holtenau. Wir mussten mit noch einem holländischen Segelboot noch eine halbe Stunde warten, dann konnten wir zu zweit in die Schleuse. Am Rand festbinden, warten bis sich das Tor hinten schliesst und sich der Wasserstand hebt, dann geht das Tor vorne auf und wir konnten uns losbinden und weiterfahren.

Der Nord-Ostsee Kanal (Kiel-Kanal) ist fast 100km lang und hat eine maximale Durchfahrtshöhe von 42m. Viele kleinere Tanker und kleinere Kreuzfahrtschiffe passen da durch und befahren diesen Kanal. Das Fahrwasser ist breit, aber wenn ein Riesentanker entgegenkommt, muss man sich als Segelboot ganz an den Rand drücken.

Bei uns war am Abend sehr wenig los. Das Wasser ruhig, am Ufer Wald udn Wiesen. ab und zu eine Brücke oder Fähre. Alles sehr beschaulich. Mit Noah am Steuer haben wir noch das erste Drittel des Kanals bis Rendsburg befahren. In der Zwischenzeit hat Manu aus den Resten, die wir noch hatten, ein Drei-Gängemenü gezaubert.

Nach einem sehr langen, wunderbaren Segeltag bei Starkwind und Am Wind, einer aufregenden Schleuseneinfahrt in den Kiel Kanal und einer beschaulichen Motorfahrt am Ende sind wir jetzt in Rendsburg und etwas müde.

Morgen gehts weiter, ab der Schleuse in Brunsbüttel, dem Tor zur Elbe und zur Nordsee, gibt es Gezeiten und Gezeitenströme. Dann bestimmt nicht mehr nur der WInd, sondern auch Ebbe und Flut, wann wir losfahren.
Ich lerne von Ken, wie man das alles berechnet.

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06.08.2017 Tunö – Spodbjerg

Wetter: sehr stürmisch, und leider aus Südwest, genau wo wir hinwollen

Eigentlich wollten wir heute um 7 Uhr ablegen und weiter durch den Grossen Belt entlang Langeland Richtung Kiel segeln. Aber da Sturm aus Südwesten ist und wir nach Südwesten wollen, haben wir entschieden, dass wir erstmal im Hafen bleiben und hoffen, dass sich der Wind später dreht. So haben wir einen Spaziergang über die Insel gemacht. Hier gibt es an der höchsten Stelle eine kleine Kirche, deren Kirchturm gleichzeitig ein Leuchtturm ist. Nur ein paar Häuser, also ein kleines Dorf und ansonsten viel Wiesen, ein paar Felder, und rund herum das Meer. Schön ist es hier. Es kam sogar ab und zu ein bisschen Sonne heraus. Es war sehr stürmisch und so gibt das eine ganz eigene Stimmung auf der Insel im Meer.

Leider hat der Wind nicht gedreht. Wir haben beratschlagt, verschiedene Wetterprognosen eingeholt (ohne WLan über SSB) und überlegt, wie wir das jetzt machen sollen. Neuer Plan: wir warten den ärgsten Sturm noch hier in Tunoe ab und starten morgen ganz früh, wenn der Wind hoffentlich nicht mehr ganz so stark und hoffentlich mehr aus West/Südwest kommt.

Am Abend noch einmal ein Strandspaziergang. Wegen eines neuen Regengusses sind wir aber in ein Internet Cafe gegangen (ja, sowas gibt es hier!) und haben sämtliche Wetterinfos und i-pads aktualisiert. Wir sind immer noch auf der Suche nach den richtigen Radiofrequenzen für Wetterinfos über das SSB Radio. Wir haben jetzt auch eine App auf dem i-pad, die Wetterfax Karten über das SSB Radio empfangen kann, allerdings haben wir noch nicht genau herausgefunden, wie man das genau einstellen muss. Im Hafen hatte es heute in Böen bis Windstärke 8. Gut, dass wir sicher im Hafen sind. Im VHF Radio kommt seit gestern ständig „gale warning“ für die „tyske bugt“ (Deutsche Bucht), die Ausläufer dieses Sturmes bekommen wir hier ab.
Heute also (unfreiwilliger) Hafentag. So konnten wir auch nochmal ein Brot und einen Kuchen backen und uns stärken und ausruhen für einen weiteren langen Segeltag morgen.

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04.08.2017 aus Tunö

Wetter: erst sonnig, gut windig, in der Nacht mehrheitlich Flaute, dann Sturm und starker Regen, zum Schluss also recht ungemütlich

Nach dem Frühstück haben wir uns aus dem Päckchen gelöst. Das war gar nicht so einfach, weil wir ganz innen waren und es auch noch Seitenwind gab. Alle Leute aller Boote waren auf den Beinen. Zuerst wurden alle Boote hinten losgemacht, so dass das ganze Päckchen schräg mit dem Wind verschoben wurde. Sobald die Lücke hinten gross genug war, haben wir uns auch vorne losgemacht und sind nach hinten weggeschlupft. Die anderen haben das ganze Paket  wieder nach vorne gezogen und die Nr. 2 hat sich dann als neue Nr. 1 wieder am Steg festgemacht. Anscheinend war das auch nicht so einfach, es gab ein rechtes dänisches Geschrei, aber wir waren schon raus und unterwegs. Erst mit ausgebaumter Genua (Vorsegel) an der Insel Laeso vorbei, dann auf Am Wind Kurs (also mit schrägem Schiff) entlang unserer abgesteckten Route. Ken hat mit Wetterbericht, Strömungsvorhersage und sonstigen Infos, die wir hatten, berechnet, dass wir um Anholt herum segeln, dann der Wind dreht, wir noch die Strömung unterhalb Anholt ausnutzen und dann in einem Bogen wieder Richtung Samso kommen sollten. Dieser Plan ist auch fast aufgegangen. Wir haben mehrfach die Tankerspur gekreuzt, auf dem AIS war gut zu sehen, wer aller daherkommt und wie schnell. Ausserdem waren noch ein paar Fischerboote unterwegs (die kein AIS hatten). Einmal ist eine Schnellfähre (Express 1) von hinten an uns herangekommen und wir waren bis unter 1 Seemeile an der Küste von Anholt dran, aber Stress hatten wir mit dem Schiffsverkehr keinen.

Wir haben unter uns drei (Ken, Manu und ich) die Zeit in 2 Stunden Schichten aufgeteilt und jeder hatte 2 Stunden Wache und dann 4h „frei“. Ausser Ken, der hatte fast immer Wache oder Wach-Begleitung. Dieser Rhythmus war recht gut, wenn man zu dritt ist, ist das natürlich cool. Noah ist ein bisschen wie ein Passagier, er steckt ab und zu die Nase aus der Bugkabine. Immerhin hat er Tomaten/Mozzarella gemacht und einmal 5 Min. gesteuert. Hilfe ist er beim Segeln keine grosse, aber er stört auch nicht. Zum Glück ist ihm auch bei den grössten Wellen nie schlecht. Und Seetage kann er einfach verschlafen. Es könnte besser, aber auch viel schlechter sein.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang hatten wir in der Nacht leider fast keinen Wind mehr, daher sind wir einige Zeit mit dem Motor in unsere Richtung gefahren. (Ruhe vor dem Sturm). Wie angekündigt, kam um 5 Uhr mehr Wind und ab 7 Uhr ein rechter Sturm auf. Wir haben entschieden, nachdem der Hafen von Samso nur auf Kreuzkurs (im Zick Zack) erreichbar gewesen wäre und das durch einige Untiefen und Inselchen (=Hindernisse), den Hafen auf der Insel Tuno anzusteuern. Ab unterhalb Samso wurde es richtig ungemütlich, Wind in Sturmstärke und dazu prasselnder Regen von allen Seiten. Ken hat es am Steuer richtig durchgewaschen…

Bei ziemlich hohen Wellen und starkem Sturm sind wir dann in den Hafen von Tuno eingelaufen. Ken hat ein super Anlegemanöver (bei Starkwind im vollen Hafen) hingelegt und wir haben im 2. Versuch unsere Leinen zu einer deutschen X-Yacht hinübergeworfen und uns im Päckchen dort festgemacht. 27h auf See, 135 Seemeilen weiter. Ziemlich fix und fertig und klatschenass. Erstmal ein paar Stunden schlafen.

Am Nachmittag haben wir unsere Sachen im Starkwind an der Reling getrocknet. Ausserdem haben Ken und Manu den Windgenerator wieder festgeschraubt und diverse andere Schrauben angezogen, die sich gelockert hatten. Dann waren wir noch im Mast und haben alles kontrolliert und dabei auch abgemessen, dass wir (mit Antenne und Freibord, also vom Wasser bis zur Spitze) 16m hoch sind. Da wir wieder unter der Grossen Belt Brücke durchfahren müssen, ist das jetzt mal gut zu wissen.
Am Abend hat Manu gut gekocht und die anderen haben schon mal das Dorf erkundet, ich habe gleich geschlafen, weil mir irgendwie nicht so gut war.

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01.08.2017 aus Laesö

Wetter: schön und sonnig, ein bisschen frisch. am Nachmittag ein paar kurze Schauer, dann wieder schön.

Wir haben heute ganz früh in Gottskär abgelegt und sind zu den nahe gelegenen Schäreninseln Ramnö und Vindö gefahren. Dort sind wir (Manu am Steuer) durch eine enge Passage gefahren und haben an einer Boje festgemacht. Schnell das Beiboot klargemacht und bei Sonne und rechtem Wind die Insel Ramnö erkundet. Eine coole Schäreninsel! Felsen, ein paar Bäume und Sträucher und vor allem eine tolle Aussicht über die umliegenden Schären, Makaio und das Meer! Wir sind bis 11 Uhr geblieben und haben dann die Segel gehisst und sind quer über das Kattegat auf gutem direktem Am Wind Kurs zum Hafen Österby auf der Insel Laesö gesegelt. Es war guter Wind, zuerst hat Manu gesteuert, dann der Windpilot. Wir haben die Route T passiert und einige Tanker gesehen. Mit einem haben wir gefunkt, weil er die längste Zeit mit uns auf Kollisionskurs war, aber er hat gleich gefunkt: „you’re safe – you’re safe!“. Zwei  oder drei kurze Schauer haben uns nicht weiter gestört, einer allederings genau beim Einfahren in den Hafen. Wir haben uns schon ganz gut daran gewöhnt, dass es hier ab und zu regnet, aber wenn dann wieder die Sonne scheint, ist gleich wieder Sommer – schwedisch/dänischer Sommer. Leider immer noch kein Fisch, an der Angel aber wir geben das noch nicht auf. Wir waren im Hafen zu viert am Päckchen und haben noch einen langen Abend-Sonnenuntergangs-Strandspaziergang gemacht. Leider muss Nina morgen zurück in die Schweiz.

Ein wunderbarer Segeltag heute. Schiff und Mannschaft sehr zufrieden.

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30.07.2017 aus Gottskär

Heute morgen sind wir ja erst im Kungsbacka Fjord im Hafen Gottskär angekommen. Erstmal heiss duschen und alles wieder aufräumen und in Stand setzen. Dann haben Nina, Ken und ich ein paar Stunden geschlafen. Es hat geregnet und war stürmisch. Gut, dass wir jetzt im Hafen sind! In der Zwischenzeit hat Manu uns eingecheckt und festgestellt, dass die schwedischen Kronen von letztem Jahr, dieses Jahr zu alt sind und wir sie erst in einer Bank in neue Kronen umtauschen müssen. Dann hat er mit dem Thermomix Brot gemacht und im Schiffsofen gebacken und ausserdem sehr gute Berner Rösti mit Spiegeleiern und Salat gemacht. So konnten wir uns nach der letzten harten Nacht wieder stärken. Am Nachmittag haben wir einen Spaziergang gemacht und die Umgebung und die nahe liegende Insel Utholmen erkundet. Es gibt hier glatt geschliffene Schärenfelsen, Grillplätze, Badestege und sogar einen Sprungturm. Uns war zum baden allerdings viel zu kalt. (gerade waren wieder Regenjacke und Wollmütze angesagt)

Auf dem Rückweg haben wir in der Bäckerei schwedische Törtchen und Gebäck gekauft (mit den restlichen Münzen, die dieses Jahr auch noch ok waren) und waren so für ein gemütliches schweizerisch-schwedisches Z’Vieri im Cockpit gerüstet. Dann ein paar Bordarbeiten. Die Bilge ist wieder fast troken, wie immer. Abendspaziergang wieder bei Sonnenschein. In Gottskär gibt es viele tolle schwedische Designer-Häuser, jedes hat eine Schwedenflagge am Mast und ein schwedisches Auto (Volvo) vor der Garage. Man hat hier einen tollen Blick aufs Meer und der Ort mit seinen schönen Holzhäusern, Terrassen und Gärten hat uns gut gefallen. Ausserdem haben wir vom Ufer unseren möglicherweise nächsten Ankerplatz ausgekundschaftet.

Am Abend hat Nina einen neuen Makaio-Drink kreiert und wir haben es uns im Cockpit gut gehen lassen und später noch den Film „Captain Phillips“ auf Youtube angesehen.
Heute also Hafentag.
Morgen wollen wir einen Ausflug nach Göteborg machen.

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24.07.2017 aus Kopenhagen

STURM ODER NOCH NICHT STURM – GEWISSENSFRAGE

Wetter: sehr windig heute. Ostwind mit 6-7 Bft. (das ist eigentlich Sturm), in manchen Böen war der Windanzeiger sogar noch höher. Durchgehend zwischen 15 und 20 m/sec. (also das IST Sturm)

Heute sind wir früh von Helsingor losgefahren. Wir haben zuerst überlegt, wegen des starken Windes, doch noch einen Tag länger in Helsingor zu bleiben, haben uns dann aber entschlossen, heute nach Kopenhagen zu segeln, weil der (sehr starke) Wind wenigstens direkt von der Seite kam. Die Vorhersage für morgen wäre zwar weniger, dafür aber Gegenwind und nach der Pleite mit unserer Kreuzerei gegen die Öresund-Strömung haben wir die „Tapfere Winkinger“ Variante gewählt. Wir segeln bei Wind!

Zuerst mussten wir aber noch ablegen und gegen Stömung und Wind um die Ecke der Helsingburg fahren. Dazu haben wir den Motor ein Weilchen laufen lassen, damit er anwärmt und diese Herausforderung packt. Das war auch gut so, denn sofort als wir die Leinen los hatten mussten wir mit Vollgas gegen Wind und Strömung halten, dass das Schiff überhaupt noch reagiert. Christian hat diesen Part übernommen, ich hab in der Zwischenzeit die Fender weggeräumt, was eine schaukelige Turnübung war. Es ist schon gut, dass wir zu Hause sooft klettern, auch weil man daran gewöhnt ist, dass man sich gut festhalten muss und dass ein Knoten den man macht, auch halten soll.

Ein bisschen gezittert habe ich, weil wir ganz nahe am Ufer entlang gefahren sind (ca. einen Steinwurf weg, ich darf nicht mehr Meter schätzen, weil ich da immer total daneben liege, trotzdem noch 26m Tiefe, jedenfalls sauknapp am Ufer) und weil direkt nach der Ecke der Burg eine riesige Fähre (Helsingor – Helsingborg) gerade abgelegt hatte und schon Kurs auf uns genommen hat. Wie man sieht, bin ich nämlich eigentlich ein rechter Angsthase, aber meine Crew hat da zum Glück stärkere Nerven.

Das geschafft, haben wir das Vorsegel ausgerollt und sind in ordentlicher Schräglage bei halbem Wind, trotz gewaltiger Gegenströmung (die halbe Ostsee wird wie eine schwappende Badewanne durch den Öresund gedrückt) immer noch mit ca. 6 Knoten Richtung Kopenhagen gesegelt. Stürmischer Wind, hohe Wellen, diese Seile und Segel und alles müssen enorme Kräfte aushalten. Tun sie zum Glück auch. Ein paarmal ist Makaios Bug so in die Wellen eingetaucht, dass ein grosser Schwapper über das ganze Schiff gespült wurde. Ich habe am Steuer immer mal wieder eine Ladung abbekommen. Christian hat sehr treffend bemerkt: „A Seemann sett nit grad wasserschuich sein“.

So ging es gut voran, irgendwie im Kampfmodus mit diesem Wind, aber doch zügig und direkt durch den Öresund Richtung Kopenhagen. Die Tanker haben uns meist links und rechts überholt, aber mit AIS und Funk hat sich da niemand dran gestört. (ausser ich, wenn wieder einer kurzzeitig genau auf uns zugesteuert hat).

Kurz vor Kopenhagen haben wir dann im VHF gehört: „Aida Diva, sailboat position… please move to starbord“ Aida? Klingt nach Kreuzahrtschiff. Das fehlt uns noch. Und tatsächlich im Hafen vor uns liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Könnte die Aida sein, aber warum funken sie dann die anderen aus der Bahn? Legt es vielleicht gleich ab? Sollen wir noch ausserhalb der Hafenmauer warten? Fernglas. Also es kommt zwar schon Rauch aus dem Schornstein, aber die Seile sind noch dran. Die sind noch fest, wahrscheinlich sind noch nicht alle wieder da. Wir fahren rein.

Kaum waren wir im Vorhafen und sind an dem mächtigen riesigen (aber festgebundenen) Aida Schiff vorbeigefahren (bei immer noch sehr grossen Wellen), haben wir hinter uns noch weit draussen noch so ein riesenschiff entdeckt. Das muss die Aida Diva sein, schnell weg hier.

Wir sind weiter in den Inneren Hafen gefahren und haben uns ein Plätzchen im Hafen Langelinie gesucht. Heckbojen?! Das ist immer nicht so fein, hab ich in Erinnerung, weil wir keinen solchen Haken haben, wie die anderen. Beim dritten Anlauf waren wir dann eingeparkt. Beim ersten Versuch war eine Leine über die Reling. (muss drunter), beim zweiten Versuch war die Heckleine (die man in diese Heckboje einfädeln muss) zu kurz und beim dritten Versuch (wir haben vorher an einer anderen Boje festgemacht und uns und die Leinen erstmal neu sortiert) hat es hingehauen. Zum Glück. Und das alles bei immer noch 4-5 Bft. Rückenwind, der uns hin und her drückt, wie es ihm passt.

So, Schwimmwesten aus, Cockpit Dach dran, Seile aufräumen, Anspannung wieder lösen. Wir sind da. Alles gut.

Und dann: Bilge bis oben hin voll Wasser. Gleich auspumpen. Schnell. Das funktioniert zum Glück ganz gut. Aber irgendwie tropft, nein, rinnt ständig neues Wasser nach. WIR SINKEN !?!? Und zu allem Ärger fängt es gleichzeitig auch noch an, sintflutartig zu schütten. Hmm. Kurz nachdenken. Wir müssen herausfinden, wo das Wasser herkommt und dann das Loch stopfen. Logisch. Also habe ich mit der Taschenlampe das Rinnsaal verfolgt. Es ist unter dem Motor entlang geronnen. Hinten beim Propellerschaft ist es aber nicht reingekommen. (das wär glaub ich ganz blöd, obwohl wir da einige Ersatzteile für diesen Fall mithätten) Das ist schon mal gut. Und dann hab ich gesehen, wie sich unte einem schwarzen Rohr Wasser in den Motorraum drückt. Ist das vielleicht da, wo das Wasser/Abgasgemisch nach draussen geleitet wird? Also das ist glaub ich so ziemlich an der Wasserlinie, das müsste doch einen Zudreher haben, das haben eigentlich alle Löcher (Seeventile) nach draussen?! Krisensitzung. Ich habe vor, mal an dem schwarzen Rohr zu rütteln und zu sehen, ob sich die Sache zustopfen lässt. Leider weiss ich nicht genau, ob das dann alles abfällt und mir dann eine Fontäne Wasser entgegenspritzt. Wir haben die Holzpfropfen rausgekramt, und die „Stay Afloat“ Paste. Ausserdem haben wir im Buch nachgesehen, wo die nächste Werft mit Kran ist und schon mal besprochen, wie wir da zur Not hinkommen, während möglicherweise einer das Loch zuhält und einer die Bilgepumpe bedient und eine an der Aida vorbei (die hat inzwischen keine 100m von uns entfernt festgemacht) zur Werft lenkt. Und es hat weiter sintflutartig geschüttet. Na Bravo!


Ok, mit einige Verrenkungen bin ich in den Motorraum geklettert (das ist gar nicht so einfach, weil es sehr eng ist und einige Teile ja noch heiss waren) und habe vorsichtig an dem schwarzen Schlauch gezogen. Jetzt ist noch mehr Wasser rausgeronnen, aber der Schlauch ist nicht abgefallen. Wir könnten so auch bis morgen früh (heute ist Sonntag) durchhalten, wenn wir alle Stunde den Wecker stellen und die Bilge leerpumpen. Zweiter Versuch. Wo kommt dieses schwarze Rohr eigentlich her. Führt das wirklich direkt nach draussen, oder ist da noch was dazwichen? Backskiste komplett ausgeräumt. Bodenbretter rausgenommen. Taschenlampe in alle Winkel gehalten. Das schwarze Rohr führt erst noch ein bisschen durchs Schiff und erst dann nach draussen. Aber hier ist es überall total nass. Test: nicht salzig! Das ist ein gutes Zeichen. Das Wasser kommt also nicht von draussen! Und dann hab ich das Loch gefunden. Über meinem Kopf. Der Ablaufschlauch von einem der Decksabflusslöcher war samt seiner Manschette neben dem Loch. in 30 Sekunden wieder festgeschraubt. Erleichterung. WIR SINKEN DOCH NICHT! Wir hatten den ganzen Tag Deckswasser gesammelt (salzig, weil Meerwasser) und dann noch literweise Regenwasser (Süsswasser).

Die Sache mit dem Salzwasser aus dem gelben Schlauch, wenn der Motor läuft, ist damit zwar nich nicht geklärt, aber das ist nur ganz wenig. Und für einen anderen Tag brauchen wir ja auch noch was, was wir flicken können….

Am Abend haben wir doch noch einen Spaziergang zur „Kleinen Meerjungfrau“ (ca. 2 min vom Hafen entfernt) und zum Nyhavn und in die GamleStan (Altstadt) von Kopenhagen gemacht. Es hat zwar immer noch geregnet, aber das war uns ziemlich egal.

Morgen werden wir als erstes die Bilge checken und dann Kopenhagen bei Sonne (?) entdecken.
Gute Nacht.

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25.07.2017 aus Kopenhagen

KOBENHAGEN KREUZ UND QUER

The Morning after the night before:

Morgendlicher Bilgen-Check: ok. gut. Dann Blick aus dem Fenster: auch ok. auch gut. Wir haben heute Kopenhagener Brot gekauft und gemütlich im Cockpit gefrühstückt. Der Dauerregen hat aufgehört. Dann mussten wir noch kurz umparken, weil unser Platz nicht bis Donnerstag frei ist. Diesmal ganz entspannt. Wir wissen jetzt: Bei Heckbojen braucht man doppelt so lange Heckleinen (wir haben unsere beiden einfah zusammengebunden) und man muss ready to go sein, wenn die Boje zum einfädeln kurz da ist.

Dann haben wir uns zu Fuss aufgemacht, Kopenhagen zu entdecken. Eine wunderbar entspannte, saubere und abwechslungsreiche Stadt. Wir haben viele Fotos gemacht und sind eigentlich den ganzen Tag so auf und ab gewandert und durch die Strassen geschlendert und haben uns immer mal wieder auf ein Bänkchen gesetzt und dem städtischen Treiben zugesehen. Noah war immer bei uns, hat nur mässig wegen des weiten Fussmarsches gemault und war eigentlich den ganzen Tag auffallend gut gelaunt. Keinerlei Probleme. Wir hoffen das bleibt auch weiterhin so.

Auf dem Rückweg zum Schiff sind wir am Wasser entlang gegangen und haben die SEUTE DEERN gesehen. Katas und Davids Seute Deern! Ich habe den stolzen Zweimaster von 1939, auf dem David zwei Sommer lang mitgesegelt ist, noch nie live gesehen und Kata hat mit uns eine Schiffsführung gemacht. Sie und die Crew segeln zusammen mit 6 Mädchen und 14 Buben zwei Wochen lang zu den westschwedischen Schären (so wie wir) und dann zurück nach Glücksstadt.
Wir werden uns gegenseitig auf dem AIS beobachten und hoffentlich bald wieder sehen!

Nachdem wir heute fast 10 km durch Kopenhagen gelaufen sind, sind wir allesamt rechtschaffen müde. Keine weiteren Meldungen.

Morgen wollen wir ins Nationalmuseum.

Fair Winds!
Stephanie & Crew
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23.07.2017 aus Helsingör / Seeland

SEGELN MIT KLEINEM ABBIEGEWINKEL ABER STEILER LERNKURVE

Wir sind heute um halb 8 in Gilleleje weggefahren. Wir mussten nur alle Leinen vom Päckchen Nachbar Boot abmachen und konnten direkt aus dem Hafen rausfahren. Ganz easy.
Weil wir heute nach Helsingor wollten und der Wind genau aus dieser Richtung kam, mussten wir kreuzen. Also im Zick-Zack gegen den Wind segeln. Wenn man ein Regattaboot hat, schafft man einen Abbiegewinkel von ca 90 Grad, was, glaube ich, so ziemlich ideal wäre. Unser Schiff schafft manchmal fast 80 Grad, manchmal auch (viel) weniger. Bis 60 Grad finde ich es noch halbwegs ok, unter 45 Grad ist irgendwas komisch. Aber wir machen die Wende immer gleich und wir fahren immer so hoch am Wind bis die Segel fast einen Gegenbauch bekommen, und trotzdem ist der Abbiegewinkel mal sehr gut, mal ok und mal irgendwie nicht so gut. Wenn wir beim kreuzen einen Abbiegewinkel von 0 oder weniger haben, also  weiter hinten ankommen, als wir losgefahren sind, gebe ich auf und wir fahren mit dem Motor.

Es gab heute mehrere Aufregungen. Noah hat beim Vorbeifahren ab und zu fette gelbe „Bälle“ unter der Wasseroberfläche beobachtet. Erst haben wir uns nichts dabei gedacht, aber dann hat er immer wieder einen gesehen, teilweise so gross wie eine gelbe Boje. Da wir durch ein militärisches Übungsgebiet gefahren sind, war mir das nicht so ganz geheuer. Also haben wir uns auf die Lauer gelegt und tatsächlich: fette gelbe Dinger. Leuchtend gelb. Kein Seegras, aber Unter-Wasser  Sprengsätze auch nicht. Nach ein paar Exemplaren die Lösung: Quallen. Fussballgrosse gelbe Quallen mit langen, hellen Tentakeln so halb unter Wasser manche tiefer, manche höher, einige kleiner und einige riesig.

Nächste Aufregung. Wir haben das AIS angeschaltet, weil wir entlang des Öresunds gefahren sind. Das ist eine viel befahrene Tanker Autobahn, wie der Grosse Belt. Alle Lichter grün, d.h. es funktioniert. Auf dem I-Pad unsere eigene Position in der Mitte und die Tanker mit Richtungspfeil aussen herum. Einer kam schräg von hinten, deswegen haben wir gewendet. Soweit gut, nur obwohl wir schon längst in eine andere Richtung gefahren sind, hat uns der Tanker auf dem AIS weiter verfolgt, der hat irgendwie total schnell die Richtung verändert ?! Komisch. Und noch komischer. Als ich aufs I Pad geschaut habe, war alles in Ordnung, Tanker fährt links, wir rechts. Als Christian wieder draufgeschaut hat, wieder Kollisionskurs. Tanker fährt plötzlich auch rechts, direkt auf uns zu ?!? Die Lösung: Man muss das I-Pad geradeaus nach vorne halten. Sonst denkt es, unser Schiff hat den Bug auf der Seite. Wenn man das I Pad dreht, kann man die Tanker beliebig herumdrehen. 360 Grad in 3 Sekunden. Gut, dass wir das jetzt wissen.

Ja und so geht es uns ständig. Irgendwas ist komisch oder funktioniert nicht oder wir fragen uns wozu etwas so ist oder anders und dann kommen wir früher oder später drauf, wie es gehört. Steile Lernkurve. Immer wieder. Jeden Tag.

So haben wir einige Stunden mit einem halbwegs ordentlichen Abbiegewinkel gekreuzt und einmal ganz nahe beim Boot einen Schweinswal gesehen und plötzlich, gerade als es zwischen Land und Tankerspur immer enger wurde, hat unsere Spur (track auf dem I Pad) ausgesehen wie eine liegende 8 und wir sind, obwohl korrekt gewendet und korrekt Am Wind gefahren irgendwie keinen Meter vorwärtsgekommen ?! Abbiegewinkel unter null. Die Lösung: Im Öresund gibt es anscheinend eine kräftige Strömung (bei Ostwind nach Norden, also gegen uns) und die wird immer stärker, je enger das Meer zwischen Dänemark (Helsingor) und Schweden (Helsingbor) wird. Wir sind also die letzten Meilen mit dem Motor gegen 5-6 Bft Wind genau von vorne und gegen eine mehrere Knoten starke Gegenströmung gefahren. An den Markierungsbojen zum Hafen haben wir die Strömung dann gesehen.

Um halb 2 im Päckchen im (Nord-)Hafen von Helsingor angelegt, trotz Wind und Strömung ganz sanft ohne Hektk diesmal, hatten wir noch viel Zeit, diese nette Grossstadt zu erkunden und durch den Schlosspark der Helsingburg zu schlendern. Hier ist mehr los, als auf den ganzen Inseln, auf denen wir bisher waren, zusammen. Noah hat ein dänisches Eis gegessen und wir haben sie entspannte Stadt-Atmosphäre genossen und die Segelschiffe beobachtet, wie sie sich mühsam gegen die starke Strömung um die Ecke, auf der die Burg steht vorankämpfen. Helsingbor ist Vorgeschmack auf Kopenhagen, wo wir morgen hinsegeln wollen.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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22.07.2017 aus Gilleleije / Seeland

SEGELN MIT WOLLMÜTZE UND SKIBRILLE

Heute sind wir so um 8 Uhr losgefahren. Es war total wolkenverhangen und wir haben damit gerechnet, dass er bald regnet, damit hat es sich aber noch ein paar Stunden Zeit gelassen. Bei wenig Wind (dafür aber wieder von hinten) sind wir also losgetuckert. Noah war heute erstaunlich früh wach, so um halb 9. Trotz ausgeworfener Angel und Aalresten von gestern (Christian und ich haben jeder ein Stück Aal probiert!) leider wieder kein Fisch am Haken.

Dann hat der Wind ganz aufgehört und da wir heute ca 40 Meilen zu fahren hatten, haben wir den Motor bemüht. Richtig ungemütlich war es draussen, Nieselregen, Nebel, grau in grau. Auf dem AIS haben wir gesehen, dass ausser uns noch einige andere Schiffe unterwegs waren, aber in der Nebelsuppe um uns herum war nichts zu erkennen. Doch, Christian hat eine Robbe gesehen, ganz nah am Schiff!

Nach ca 1h kam dann wieder Wind auf, diesmal aus der entgegengesetzten Richtung, nämlich schräg von vorne. Also haben wir wieder die Segel gesetzt und den Motor ausgemacht. (irgendwo tropft Wasser in die Bilge, wenn der Motor läuft. Ich hab mir das länger angesehen und vielleicht verstehe ich irgendwann durch langes intensives Draufschauen, wie das Ding funktioniert. Jedenfalls tropft (Salz-)Wasser aus einem Schlauch und sammelt sich in der Bilge, wo wir es dann 1mal pro Tag rauspumpen. Ich habe vor, noch genau draufzukommen, wieso es das macht und es vielleicht abzustellen, aber nicht heute.)

Jedenfalls waren kaum die Segel oben, hat es sowas von gestürmt (kurz Windstärke 6-7), dass wir gleich das 1. und 2 Min. später das 2. Reff reingemacht haben. Von Flaute auf 6-7 Bft. in wenigen Minuten. Aber wir sind ja vorbereitet: Skianzug, Wollmütze, Skibrille. So konnte ich bei prasselndem Regen und schneidigem Wind alles gut handeln. Noah hat währenddessen unter Deck mit dem gerade in Stand gesetzten USB Stick über das Bord Radio die Geschichte von Magellan gehört. Magellan, der erste Weltumsegler, der eigentlich gar nicht um die Welt gesegelt ist, weil er nur bis zu den Phillipinen gekommen ist, aber sein Schiff und sein Schreiber haben die ganze Runde geschafft. Während sie von Stürmen an der Südspitze von Südamerika (heute Magellan-Strasse) gesprochen haben, haben unsere eigenen Segel auch im Wind geflattert. Autenthisch, oder?
Nach 11 Stunden Fahrt sind wir guter Dinge in Gillingeleje eingelaufen, und haben im Päckchen (als 3.) festgemacht.

Heute mal Stadtspaziergang anstatt Strandspaziergang, dann Curry mit Gemüse, dann wieder Brot geknetet (für morgen), dann diesen Bericht getippt und jetzt schnell ins Körbchen.

Morgen wollen wir nach Helsingor. Das ist nicht so weit, aber wie es aussieht genau gegen den Wind. Mal sehen, ob das morgen auch noch so ist, oder der Wind doch aus einer anderen Richtung kommt?

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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18.07.2017 aus Ballen / Samsö

WASSERKRANK UND WÜRFELHUSTEN

Wetter: Sonnig, sehr windig, ziemlich hohe Wellen. Die Rothaarige ist ein bisschen grün im Gesicht geworden, weil die Wellen das Boot so auf und ab geworfen hat. Christian und Noah hatten keine Probleme.

Heute sind wir von Kerteminde zur Insel Samsö gesegelt und heute war deutlich mehr Wind als früher. So zwischen 5 und 6 Beaufort. Und die meiste Zeit mussten wir einen Am Wind Kurs fahren, Das bedeutet, das Schiff legt sich kräftig zur Seite gelegt hat und ordentlich durch die ziemlich hohen Wellen gestampft ist. Nach einer Weile haben wir beschlossen, das Gross-Segel zu reffen (die Segelfläche zu verkleinern), weil dann weniger Druck auf das Segel kommt und das Schiff nicht mehr so arg schief liegt. Gleich danach haben wir das Vorsegel zur Hälfte eingerollt. Nach einer weiteren halben Stunde haben wir auch das zweite Reff ins Grossegel gemacht und auch das Vorsegel nochmal verkleinert. So sind wir zwar im Schneckentempo (so ca 3 Knoten), aber dafür sicher und recht angenehm unterwegs gewesen. Die meiste Zeit hat der Windpilot wunderbar gesteuert. Der macht das wirklich gut, es ist ein rein mechanisches Ding, was keinen Strom braucht und praktisch nicht kaputt gehen kann. Irgendwie magic. (Früher hab ich es auch magic gefunden dass der Kühlschrank ab und zu an geht und dann wieder aus, aber wie das funktioniert, weiss ich jetzt, weil ich ihn fast ganz auseinandergebaut und dann repariert habe).

Am frühen Nachmittag sind wir in Ballen auf Samsö angekommen, und der Hafen war schon total überfüllt. Wir haben nach Anweisung des Hafenmeisters im Päckchen als 8. (!!) festgemacht, nach uns hat sich noch ein 9. an uns festgebunden und so hat sich dann der ganze Hafen mit Motorbooten und Segelyachten aller Grössen zugebaut. Grund für den Andrang ist, dass hier ab übermorgen ein Festival stattfindet und alle wollen sich anscheinend einen guten Platz sichern. Also wir fühlen und wie in Saint Tropez, nur dass es 20 Grad zu kalt ist. Aber hier fahren Beiboote, Jetskis, Stand Up Paddel usw. im völlig zugeparkten Hafenbecken. Ständig kommen neue Boote und binden sich irgendwo noch dran. Dänen schwimmen, singen, grillen und alle geniessen den Sommer.
Also wenn die ihr Festival fertig haben, müssen sie zwei Tage lang Schiffe verschieben spielen, weil 80% der Schiffe sind „zugeparkt“.

Noah und ich sind mit dem Beiboot durch den Verkehr zur äusseren Hafenmauer gefahren und haben die Angel ausprobiert. Leider haben wir keinen Fisch gefangen, aber wir wissen jetzt, wie man die Angel auswirft. Das ist ja schon mal ein Anfang.

Morgen hauen wir hier wieder ab. Solange wir noch können. Und suchen uns ein ruhigeres Plätzchen. Auf der Insel Serejö.

Fair Winds!
Stephanie & Crew

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13.07.2017

ZICKE-ZACKE-SEGELN ZWISCHEN ROTEN UND GRÜNEN GATES

Wetter: Sonne satt. sogar ein bisschen warm. Wir haben alle gut Farbe bekommen und konnten sogar die kurzen Hosen auspacken (Windjacken mussten trotzdem sein). Die „dänische Südsee“ hat ihrem Namen alle Ehre gemacht.

Heute früh sind wir in Marstal ohne Probleme losgefahren. Angenehmer leichter Wind. Keine Wellen, weil zwischen den ganzen Inseln und Untiefen. Also: Kein Problem. Mit Christian am Steuer sind wir gut durch das Morkedyb durchgeschippert. Immer zwischen den roten und grünen „gates“ bleiben, fast wie beim Skirennen. Weil wir so günstigen Wind hatten, konnten wir die ganze Zicke-Zacke Tour immer mit Segeln fahren, mal Am Wind, mal Vor Wind. Die meisten anderen Schiffe sind ganz langweilig nur mit Motor gefahren, einige haben wir sogar überholt.

So ging es bei super Wetter und super Wind in den Svendborg Sund. Links und rechts schöne dänische Häuser und Villen, davor fette Schiffe. Hier ist es ganz schön. vor allem bei diesem Wetter. Gegen Mittag waren wir in Svendborg, haben dort, nachdem alles voll war, bei netten Dänen im Päckchen festgemacht, also einfach vorne und hinten an ihrem Schiff. Sie haben uns gefragt, ob wir von Österreich bis hierher gefahren sind. Sind wir natürlich, klar, allerdings 1000km davon mit dem flixbus! Nach einem Brunch haben Christian und ich uns Svendborg angesehen, Noah hatte Wache in der Hängematte. Ein nettes Städtchen, mit richtigen Geschäften und (auch) modernen Häusern und natürlich einem grossen, geschäftigen Hafen mit vielen Schiffen, auch einigen alten Holz-Zweimastern.

Am Nachmittag haben wir uns von dem dänischen Schiff wieder losgebunden und sind den Svendborg Sund weitergefahren (diesmal mit Motor, weil genau gegen den Wind). Nach ca einer Stunde waren wir in der Ankerbucht Thuro. Zuerst wollte meine Crew lieber in einen Hafen, weil sie das jetzt schon so gewöhnt sind, aber – neue Abenteuer müssen her – heute haben wir geankert. Auf  3m Tiefe mit 20m Kette haben wir uns mit dem Anker am Meeresboden (hoffentlich nicht zuviel Seegras, das sehen wir dann morgen früh!) festgekrallt. Ein sehr idyllisches Plätzchen hier. Noah fährt schon seit einiger Zeit mit dem Beiboot aus und ab, wir haben gut gegessen und geniessen jetzt den lauen Abend und die Abendsonne bis 22:00 Uhr.

Morgen wollen wir weitersegeln, zwischen den Inseln Fünen und Langeland nach Kerteminde. Dabei müssen wir unter der langen Brücke zwischen Fünen und Seeland, der grossen Belt Brücke durch, zusammen mit vielen Tankern und Berufsschiffahrt. Wieder Abenteuer.

14.07.2017

Unsere Nacht am Anker war sehr sehr ruhig. Null Wind. Kein Geräusch. Nur ein paar Vögel, sonst nichts. Geweckt wurden wir von Sonnensstrahlen, kein Windhauch weit und breit. So ruhig und entspannt alles, dass ich mir schon überlegt habe, man könnte mal die Fenster putzen?! (Diesen Gedanken hab ich dann aber gleich wieder verworfen). Anker auf ohne Probleme. Ein bisschen Schlick haben wir mit dem Eimer abgespült, dann sind wir unter Motor aus dem Svendborg Sund gefahren. Bei sehr wenig Wind haben wir dann die Segel gesetzt und sind zwischen Fünen und Langeland Richtung Norden gesegelt. Als Noah aufgewacht ist, haben wir unter seinem Bett das Spinnaker Segel rausgeholt und gesetzt. Zum Glück war sehr wenig Wind, weil wir zuerst (mal wieder) nicht alle Leinen aussen herum hatten, man muss beim Spinnaker aber alles aussen herum haben, weil wenn der mal Wind eingefangen hat, muss er mit all seinen Leinen AUSSEN sein.
So sind wir gemütlich Richtung Grosse Belt Brücke gefahren. Und wir haben zwei Schweinswale gesehen. Die sehen aus wie schwarze kleine Delfine und sind glaub ich ziemlich selten.

Tanker, die den Hauptverkehrsweg zwischen dem Kattegat (und der Nordsee) und der Ostsee wie auf einer Strasse benutzen, waren heute nur sehr wenige unterwegs. Die müssen aber alle auch durch die grosse Brücke über den Grossen Belt (so heisst das Meer hier). Die Brücke ist sehr lang und man sieh sie schon von weitem. Als wir (immer unter Spinnaker) etwas näher gekommen sind, haben wir uns gefragt, wo man da eigentlich durchfahren kann. Wir haben auf der Seekarte zwei Durchlässe gesehen. Einer links mit 18m Durchfahrtshöhe und einer in der Mitte mit 65m. Eine Weile haben wir auf den linken zugehalten, dann haben wir uns aber überlegt, ob Makaios Mast mit den Antennen und Aufbauten wirklich unter 18m ist? In den Unterlagen und Handbüchern, die wir dabei haben, war nur die Segelfläche und alle möglichen anderen Details zu finden, die Masthöhe aber nicht. Den Anfängerfehler, unter einer zu niedrigen Brücke hängenzubleiben, wollen wir nicht riskieren, daher haben wir kurzerhand entschieden, doch den mittleren Durchlass zu nehmen. Als wir dahin abbiegen wollten, haben wir festgestellt, dass auf direktem Weg eine vorgelagerte Insel und eine Untiefe von 0,60m ist. Das wär dann wohl auch ein blöder Anfängerfehler, So mussten wir einen recht scharfen Zacken (im tiefen Wasser) fahren und weil wir den Spinnaker drauf hatten, der uns wunderbar nach vorne gezogen hat, mussten wir das Grossegel und den Spinnaker ein paarmal auf die andere Seite wechsen. Übung macht den Meister, beim ersten Mal noch fast 8 Minuten, beim letzten mal nur mehr 1,5. Mit zunehmendem Wind (ca. 4-5 Bft) sind wir dann mit vollen Segeln und gutem Gewissen wegen der 65m unter der Grossen Belt Brücke durchgerauscht!

Gegen 17 Uhr in Kerteminde angekommen, im Päckchen an einem dänischen (fetten) Motorboot festgemacht, ist sich noch eine grosse Portion Nudeln und ein Strandspaziergang ausgegangen. Und natürlich eine Hafenrunde für Noah mit dem Beiboot.

Noah nimmt jedenTag weniger seiner heftigen Medikamente (nach denen er am Anfang fast süchtig war) und abgesehen davon, dass er am liebsten bis 11 Uhr schläft, wirkt er insgesamt etwas wacher. Auch hat er einen gesunden Appetit und verdrückt meistens doppelte Portionen. Ich werte das als gutes Zeichen. Er raucht auch nur mehr wenige Zigaretten. Noch immer stellt er manchmal ziemlich kindische Fragen, wo man merkt, dass ihm oft bei grundlegenden Dingen der Überblick fehlt, aber ansonsten haben wir  zur Zeit ein ganz normales Kind dabei.

Morgen wollen wir ausschlafen und dann ins Fjord & Baelt Meeresaquarium.

15.07.2017

Wetter: regnerisch, Sprühregen von allen Seiten, unter dem Cabrio-Cockpit-Dach ganz gemütlich, ach ja und natürlich: KALT.

Heute haben wir gut gefrühstückt (Eier brauchen hier 6 Min. im Thermomix, haben wir ausprobiert). Da wir im Päckchen an den Dänen praktisch in der Hafeneinfahrt liegen, hatten wir einen guten Überblick, was sich hier so tut. Kurzweilig!

Dann waren wir im Fjord og Baelt Aquarium/Museum. Sehr interessant (Danke Rolf für den guten Tipp). Noah hatte zum ersten mal eine Krabbe in der Hand, einen Rochen gestreichelt, ein Seehundfell  und ein Schwanengefieder unter den Fingern. Ausserdem haben wir die Fütterung von Seehunden und SCHWEINSWALEN beobachtet und zugeschaut, wie ein Fisch seziert wurde. Es hat uns hier sehr gut gefallen und da es sowieso draussen geregnet hat, war das ein perfekter Nachmittags-Indoor-Zeitvertreib.

Wir hatten heute einen gemütlichen (verregneten) Hafentag, heute mal keine Abenteuer, aber morgen wieder.

Morgen wollen wir nach Samsö segeln. Ca. 35 Seemeilen.

Fair Winds!
Stephanie

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KLEINE FRAU MIT GROSSEM MUT

Was ich hier einfach mal erzählen muss: ich habe neulich ein junge Frau getroffen, mit der ich seit einigen Jahren etliche Mails gewechselt habe. Worum es ging? Nein, eben nicht nur um mein lebenslanges Gemüsebeet, wir haben uns um den ganzen grossen Rest ausgetauscht, Segeln, Schiffe, kurz das Lebensthema, jedenfalls wenn man die Segeltür im eigenen Leben erst einmal aufgeschlossen hat.

Tja, und dann fuhr Stephanie Montag´s früh auf unseren Hof. Ein zierliches Persönchen, das man locker in die rechte Hosentasche hätte stecken können, so zerbrechlich, klein, so ganz wie die Heidi von der Alm, oder wie Pippi Langstrumpf von den Schweden Schären, fröhlich, frech, witzig, freundlich, ein dynamisches Kraftpaket voller Lebensfreude, obgleich sie gerade die ganze Nacht von Tirol nach Hamburg durchgefahren war! Unsere Herzen wurden innerhalb Sekunden aufgeschlossen. Wir waren hingerissen vor Begeisterung.

Es sollte der Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte werden, von einer Frau, die Mut und Mumm im Kopf und in den Knochen hat, ein Abenteuer der besonderen Art – das Abenteuer vom Segeln – ganz unkonventionell als Quereinsteigerin, anzugehen.

Stephanie ( 42 ) kam nach Hamburg, um einen Steuersklaven im Wagen zu verstauen. Allein: das Auto war bereits brechend bis zum Dach beladen mit den wichtigen Sachen, an die man denkt, wenn man eine Seereise zu machen plant: Stephanie wollte ihr kürzlich erworbenes Schiff für einen längeren See Törn ausrüsten.

Die MAKAIO, eine HR 352 lag hoch und trocken beim Fehmarn Bauern in der lecken Scheune, leicht schaukelnd auf Gummireifen eines so typischen Fehmarn Bauern Trailers der wenig später mit dem John Deere Ungeheuertrecker in ihr nasses Element geschoben werden sollte. So die Idee! Was dann kam, hat meiner Frau und mir die Nackenhaare zu Berge stehen lassen, denn die Story dahinter ging so:

Stephanie, eine alleinstehende toughe Mutter dreier Söhne ( 12, 15, 16 ), hatte als Tiroler Pisten Feger und Amazone an den Berghängen kraxelnd, bislang mit den feuchten Elementen nix am Hut, wie der unbeschwerte Umgang mit dem Segler Latein schnell erkennen lies. Immerhin ist eine Bergsteigerin in Sachen Knoten ziemlich fit, weil sie ansonsten schon von den Bergen runtergefallen wäre, zumal Kopfschlag und Palstek aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Halten tun sie beide, ein Palstek kann immerhin in allen Lebensbereichen helfen, wenn man pfiffig ist.

Stephanie wollte eine Auszeit der besonderen Art wagen – eine Auszeit unter Segeln mit pädagogischen Hintergedanken. Ihr älteste Sohn Noah ( 16 ) sollte mit List und Liebe auf einen anderen Gedanken Kurs gebracht, geschoben, notfalls gehoben werden, nachdem er einige Jahre lang den falschen Idealen – und Idolen? – hinterher gelaufen, gestolpert und dabei vermehrt den Gesetzen die Vorfahrt genommen hatte. Ein mutiger Mutter Plan! Noch mutiger, dass diese zierliche Frau in ihrem Leben bislang weder Segelerfahrungen geschweige denn überhaupt Umgang mit Schiffen hatte. Immerhin hat sie notwendige Prüfungen und Lizenzen autodidaktisch erworben und sämtlich furios bestanden, hernach im vergangenen Jahr kühn ein Schiff erworben und gemeinsam mit Nina und Ken, den Schweizer Voreignern einige Seemeilen auf der Ostsee und im Kattegat zusammen gesammelt – gesegelt. Nun also sollte es zum ersten Mal unter eigener Regie auf die grausame See gehen, wenngleich unter Schlottern und mit ziemlich weichen Knien. Eine Nike Steiger Nr. Zwei in der Ostsee? Kein Geheimnis, dass die Beiden elektronisch in Kontakt gewesen sind.

Es ergab sich von selbst, dass wir am gleichen Tage ebenfalls unser Auto gesattelt und nach Fehmarn gefahren sind, um einen Steuersklaven an die Makaia zu schrauben, und der Kapitänin unnötige Kopfschmerzen zu nehmen. Unser Anteil am Gelingen, den wir von Herzen gern und mit angehaltenem Atem erbrachten, denn so erfuhren wir ein wenig mehr von dieser ungewöhnlichen Frau, erwärmten unsere Herzen und fuhren als Freunde nach Hause, mit dem Versprechen eines Wiedersehens.

Schon zwei Wochen später ging es erneut nach Fehmarn, in strömendem Regen. Stephanie hatte zwischenzeitlich das Schiff gelauncht, den Mast gesetzt, das Rigg geordnet, ein AIS montiert, den Paktor konfiguriert und die rassige Rassy Yacht gereinigt und geputzt. Beim Aufriggen war „ein gekrümmtes Dingsbums!“ ( ein Pelikan Haken ) über Bord gerutscht, quelle Maleur! Rucki zucki wurde der Neopren Anzug angezogen, über Bord gesprungen und unter dem Beifall vieler Segler, das verlorene Teil wieder aus dem Hafenschlick befördert und an Deck geworfen. Eine Frau zum Staunen, fröhlich, freundlich, stets lachend, überaus energisch, zu jedem Spass und Spuk bereit und auch im Ernstfall nicht verzagend. Eine Sonnenschein Frau, die die Pantry Küche, die Leinen Schnüre, Backbord Links benennt und dabei im Sauseschritt barfuss zur Wasser Nixen Seglerin mutiert.

Die Mannschaft der ersten Etappe: Stephanie ( 42 ), Christian ( 53 ), der bis dato noch keine Minute auf einem Schiff gestanden hat, und Noah ( 16 ), leicht retardiert und müde nach 1.000 km Anreise. Die Reise sollte über Svendborg Richtung Norden gehen, Bagenkop lag als erster Hafen quer vor dem Visier.

Der erste Ernstfall am Tag der Abreise: Das „linke Band“ ( die Vorleine ) am vorderen „Geländer“ ( Bugkorb ) war nicht korrekt aufs Vorschiff gezogen oder gestapelt worden, hing verräterisch ins Wasser, jedenfalls beim Rückwärtsfahren. Nach dem Einlegen des Vorwärtsganges, und vollkommen unbemerkt, rauschte die Leine still und leise unters Schiff und schlängelte sich bis zum Propeller. Die Folgen sind jedermann bekannt: ein Alptraum selbst für hartgesottene Skipper Männer Hosen. Der Motorstopp erfolgte plötzlich und unwiderruflich, das Schiff wurde als Treibgut seitwärts erst im flachen Wasser abgebremst, denn Wind gab es ja auch. Also da capo: Neopren Anzug – Tauchen – Leine schneiden und Propeller rückwärts wickeln – und weiter ging´s, logisch in trockenen Klamotten.

Später in Bagenkop dann grosses Hafenkino, weil das schwere Schiff unter tückischem Seitenwind irgendwie dem Ruder nicht mehr so recht gehorchen wollte, wie es sollte. Mit der vereinten Hilfe der Hafenkino Meute wurde die MAKAIO sodann an einen Liegeplatz geschubst, bugsiert, ganz ohne Kratzer oder Beule an Schiff oder Seelenleben, nur eben ein wenig Aufregung im Gemüsebeet.

Tags darauf dann ein sauberer Törn ohne jegliche Zwischenfälle nach Marstal, gleich um die Ecke, wo mit elegant gekonntem Manöver – kein Scherz jetzt! – etliche Bindebänder auf den verschiedenen Klampfen, oder wie heissen diese Haken zum anbinden? – die Yacht zum Stehen gebracht wurde. Angekommen um Auszuschlafen.

Mal schaun´, wie die Reise weitergeht, es existiert ein vager Plan über Norwegen, Nordsee Richtung Holland zu segeln. Stephanie und ich, wir werden sukzessive berichten, Peinlichkeiten, wenn nötig, unterschlagen und die Geschichte ggf. mit Beweissicherungsfotos humorvoll unterbildern.

Lassen wir uns überraschen! Ich ziehe heute schon prophylaktisch meinen Hut, vor einer Frau mit derart dicken „Eiern“
Chapeau!

Peter Foerthmann

2 Kommentare zu Stephanie Seifert

  1. Katha sagt:

    Liebe Steffi! Ich wünsche dir eine tolle Reise auf deinem Boot!!! Dass du das wirklich gemacht hast, war mir eigentlich klar als du Silvester 2015 davon sprachst ! Grüß mir alle lieben Jungs und vergiss nicht, Rasmus einen Schluck zu geben – für die passenden Winde ! Wir starten heute die HSHS Summer, leider ohne Tiroler. Irgendwann kommenich dann mit dir mit. Viel Spaß, die Katha

  2. Jörg sagt:

    Servus und ein Hallo aus pettneu
    Ich respektiere das was ihr da vor habt bzw. macht und bin ein wenig neidisch wen ich das da lese..
    Als ehemaliges Nordlicht…
    Darum wünsche ich euch noch viel Spaß und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel..
    Ach grüß mir Steffi und die Jungs ( kurzen)

    Jörg

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