Maschine + Wasser

WIE PASST DAS ZUSAMMEN?
Eigentlich passt es garnicht, weil ein jeder der Feind des anderen ist, weil man hier Lösungen zu finden hat, die mit Segeln unverträglich sind,

weil Regeln zu erfüllen sind, an die sich das Wasser zumindest selten hält, jedenfalls bei einem Segelboot, bei dem die Physik Kapriolen schlägt, weil Motoren bei unterschiedlicher Schräglage, teils tief unter Wasser, aber eben auch in gleicher Ebene oder sogar hoch in der Luft liegen können, wobei Auspuffsysteme gleichermassen zuverlässig zu funktionieren haben:
– Auspuffgase und Kühlwasser sollen stetig auf einer Einbahnstrasse nach draussen
– Seewasser im Gegenverkehr niemals bis zur Maschine gelangen können
– desgleichen Kühlwasser bei abgestellter Maschine keinen Weg rückwärts zur Maschine finden
– Vibrationen der Maschine sind zuverlässig vom Rumpf zu trennen
– Schalldämpfung ist zwingend als Nebenjob zu erledigen
– Und beim Segeln – also abgestellter Maschine – ebenso zuverlässig jedes Eindringen von Wasser in den Motor verhindert werden

EINE HARDCORE HERAUSFORDERUNG
die zumindest bei Motorbooten leicht beherrschbar ist, weil:
– Die Maschine unter Fahrt im Auspuffsystem stetig Druck erzeugt
– Schräglage im Rhythmus erfolgt und einseitig dauerhaft starke Krängung vermieden wird.
– Vertikaler Abstand zu WL dabei stets moderat, Maschinenabgase selten große Höhenunterschiede zu bewältigen haben.

Bei Segelyachten gerät die Thematik schwierig, wenn Störfälle eine theoretisch durchdachte Konzeption in der Praxis konterkarieren können:
– wenn eine Entlüftung im Schwanenhals den Dienst versagt ( Verstopfung oder Kristallisierung ) und im Siphon das Wasser rückwärts in die Tiefe zur Maschine läuft oder gesogen wird
– wenn Auspuffteile aus armierten Gummischläuchen, die zur Verringerung von Vibrationen und Körperschall montiert, durch Überhitzung schmelzen können, z.B. bei Ausfall der Kühlwasser Zufuhr ( Verstopfung der Kühlwasser Zuleitung – z.B. Qualle oder Plastik )
– wenn Auspuffteile ( Wassersammler ) aus kostengünstigen oder preiswerten Thermoplasten hergestellt, die jenseits normaler Betriebstemperaturen schmelzen können
– wenn Rücklaufklappen oder Ventile durch Dreck oder Rückstände mechanisch nicht mehr funktionieren, in deren Folge das Wasser zur Maschine gelangen kann
– wenn extreme Schräglagen im Verbund mit schwerer See von achtern alle Systeme auf die Probe stellen, weil bei 90 Grad Krängung jeder Schwanenhals zur geraden Ebene wird, die von Wasser dann einfach überwunden werden kann.

Bei einer Segelyacht steht also alles Kopf, weil der Art und Beschaffenheit des Auspuffsystems die alles entscheidende Bedeutung zukommt:

KANN WASSEREINTRITT ZUVERLÄSSIG VERHINDERT WERDEN?

Ohne hier Radio Eriwan zu zitieren, aber die richtige Antwort wäre: NEIN!
Denn eine „im Prinzip korrekte Antwort“ hilft einem Segler in gefährlichen Situationen wenig, wenn er gerade in der Praxis eines besseren belehrt worden ist. Denn, nicht wahr, was ist der Sinn einer Einbahnstrasse, wenn ein Geisterfahrer die Regeln stört?

SEEWASSER ALS GEISTERFAHRER
Es muss nicht immer gleich der Wasserschlag sein, der vehement den Motor zerstört, weil Wasser im Verbrennungsraum durch Kolben nicht zu komprimieren ist. Schon kleine Wassermengen sind genug, um das Innere eines Motors auf Dauer zu schädigen. Es gilt die schlichte Regel, dass Wasser jeder Art im Verbrennungsraum eines Motor nichts zu suchen hat. Dies zu verhindern, werden Schwanenhälse und Vakuumventile eingebaut, zudem Wassersammler genügender Grösse tief genug montiert.

Im Heckbereich sind sodann Breite des Spiegels und Position des Endrohres kritisch zu beachten, weil jede aussermittige Montage das Abgasrohr – bei Schräglage – unter Wasser geraten lassen würde, was ggf. Unterdruck bzw Sogeffekte ergeben könnte, falls die Entlüftung im Schwanenhals nicht funktionierte.

Zudem können Saugeffekte bei Kontraktion der Abgase durch Erkalten, im Verlauf einiger Minuten nach dem Abstellen des Motors eintreten, einem Phänomen, das zu bedenken ist, wenn der horizontale Abstand zwischen Wassersammler und Zylinderkopf zu gering gewählt, was bei Schiffen mit flachem U-Spant kaum zu beeinflussen ist. Dies gerät dann zu einer Frage der Volumenverhältnisse und Länge der Abgasleitung zwischen Motor und Wassersammler um Wasser zuverlässig im Sammler zu belassen.

DIE LÖSUNG ALLER PROBLEME HAT EINEN NAMEN – ABSPERRVENTIL
Seit Jahrzehnten mein Credo, mit der Montage eines Absperrventils im Auspuffsystems, werden sämtliche potentiellen Probleme auf einmal erledigt. Es liegt lediglich in der Obhut des Skippers – oder des unerfahrenen Bordpersonals – vor dem Starten des Motors das ABSPERRVENTIL ZU ÖFFNEN.

Ob dies einem verantwortungsbewußten Skipper zumutbar erscheint, mag jeder – und mit Bedacht – am besten selbst entscheiden.

ZWEI AKTUELLE FÄLLE
Ganz aktuell sind mir zwei Fälle gegenwärtig, bei denen brandneue Schiffe mit neuesten Systemen, durch Wasser im Motor Schäden erlitten haben. Bei einer Garcia Exploration 45 ist vermutlich der Motor ersetzt worden.

Die aktuellste Geschichte ist im THE LUNACY REPORT in den USA niedergeschrieben. Es ist die Geschichte, die CHARLES DOANE, Cruising editor for SAIL, kürzlich mit seiner in 2017 erworbenen BOREAL 47 widerfahren ist, in deren Folge er … EIN ABSPERRVENTIL montierte.

Ohne hier den Besserwisser zu apostrophieren, aber die alten Regeln sind für mich immer noch höchst lebendig.

Jedenfalls bis auf weiteres
Peter Foerthmann

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