CURACAO

Meine Gedanken schießen zurück in die Zeit unseres ersten Sommersemesters an
der Theaterakademie. Wir proben verschwitzt und lautstark ums Leben. Die offenen Fenster laden noch mehr Hitze zur Party ein, die ganze Straße hallt zum millionsten Mal ein und dasselbe Musikstück zurück, bis jede unserer Bewegungen sitzt, bis die Trance eingesetzt hat. Plötzlich fliegt die schwere Tür unseres Proberaums auf und eine ältere, dürre Frau erscheint im dunklen Rahmen. Jemand knipst die Musik aus. Ihre Stimme schneidet die Luft mit der Entschlossenheit zerreißenden Stoffes: „Wer braucht euch?!“ Es scheint, sie erwartet eine Antwort auf deren Suche wir ein Leben lang sein werden. „Wer braucht euch?!“, meißelt sie nochmals. „Wer braucht euch?!“, ein letztes Mal für Schwerhörige. Ich wette, keiner von uns eintausend und sechs Kandidaten für die begehrten achtzehn Studienplätze hat sich genau diese Frage gestellt. Auch keiner von uns achtzehn harmlosen Auserwählten der Musen. Dreißig Jahre ist es her. Weiterlesen
































