EIN BLUMENSTRAUSS UND EINE SPENDE AN DRIFTER
Seit einem halben Jahrhundert betreue ich Segler in Bezug auf Steuerfragen, unzählige Systeme wurden an Trans-Ocean Yachten montiert, manches habe ich selbst montiert. Neuerdings, will sagen, in den letzten Jahren gibt es eine zunehmende Anzahl von TO-Novizen mit teils enormen Beratungsbedarf in der Causa Heckverzierung, die mich sodann durchlöchern mit Fragen nach ihrem Neu-Verein. Ich habe für derartige Fälle eine Linksammlung in meiner Datenbank zusammengestellt, damit ich die immer gleiche Geschichte nicht immer wieder neu aufzuschreiben habe. Es ist schon frappierend, zu erleben, wie wenig diese Segler über ihren „Hausverein“ an Informationen besitzen, bzw. die Geschichten nicht kennen, die man kennen sollte, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Denn, nicht wahr, dieser Verein malt sich selbst in rosigen Bildern, die Yacht als Hauspostille macht das gleiche.
Bei Bettina und Rolf kam es anders, am 28.05.2026 erhielt ich diese Mail aus Norwegen:

Sehr geehrter Herr Förthmann,
wir haben eine Colin Archer gekauft. Diese hat eine Ihrer Windpiloten mit einem zusätzlichen Ruder. Ich habe bereits bei Ihnen Ersatzwindfahnen gekauft. Nun sind wir unterwegs Richtung Norwegen und wollte den Windpilot ausprobieren. Leider derzeit mit wenig Erfolg.Auch mit einem Pinnenautomat habe ich es versucht. Unter Maschine einige Zeit OK, unter Segel (leichter Raumer Wind) mit Automat Fehlanzeige.
Gibt es eine genauere Anleitung für den Gebrauch des Windpilot?
Funktioniert der Windpilot nur bei perfekt getrimmten Segel, so dass das Schiff mehr oder weniger selbst gerade aus fährt und nur minimal den Kurs halten muss?
Braucht der Windpilot entsprechend starken Wind?
Würde den Windpilot sehr gerne nutzen, aber ich muss mich bei Etappen über mehrere Tage darauf verlassen können.
Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich freuen.Mit freundlichen Grüßen
Bettina & Ralf Münzer SV Vita
Die fachlichen Details hatten wir schnell geklärt, nun können die beiden auf See auch einmal unter Deck ein Auge voll Schlaf riskieren.
Lieber Herr Förthmann,
Ja wir sind sozusagen im Kindergarten was die Windfahnensteuerung betrifft. Sie war beim Kauf schon dabei. Wir haben ja jetzt Ihre Anleitung und schauen mal, ob wir das Abitur schaffen.
Auf jeden Fall vielen Dank für Ihre Unterstützung und dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Und ich finde Ihren Humor klasse und das Bild dazu. Herrlich.Liebe Grüße
Bettina und Ralf Münzer
Durch Sönke Haupthoff SV Drifter haben Bettina & Rolf sich über die Vorgeschichte ihres Neuvereins informiert. Die Empörung schlug hohe Wellen und führte zu folgendem Schriftwechsel mit dem TO:
Sehr geehrte Damen und Herren vom Vorstand,
Wir sind noch nicht so lange Mitglieder aber haben jetzt von einem Vorfall erfahren der uns doch sehr ans Herz geht.
Anhand eigener Recherchen haben wir einige Berichte zu dieser älteren Geschichte gelesen.
Was dabei besonders dramatisch ist, dass es zwei Menschen getroffen hat die völlig unverschuldet in dieses Drama geraten sind und so wie wir es gelesen haben leider keine Unterstützung von der TO erhalten haben. Aber ist es nicht genau das was so eine Vereinigung mit ausmacht? Hinter ihren Mitglierdern zu stehen? Auch wenn es gerichtliche Ermittlungen gab die der TO keine Verpflichtung bestätigte sollte doch die Hilfe da sein. Wir wissen selbst was es bedeutet Recht zu haben aber kein Recht zu bekommen. In diesem Fall erfuhren es zwei Menschen die sogar noch ihre Existenz verloren haben und auch noch gesundheitlich schlecht dastehen. Ich kenne weder Sie als Vorstand noch die beiden Betroffenen aber alleine die Tatsache dass es zu so einer Ungerechtigkeit mit so schlimmen Folgen gekommen ist sollte niemanden kalt lassen. Ich kann und will es nicht glauben dass es keine Möglichkeit seitens der TO gibt diesen beiden armen Menschen helfen zu können. Zumal die TO doch auch jedes Jahr Spenden macht. Es wäre schön wenn Sie hier Ihre menschliche Seite zeigen würden die doch jeder Mensch in Besitz hat. Und bitte denken Sie daran was wäre wenn es Sie treffen würde, Ihre Familie oder Freunde? Niemand wünscht sich in so etwas zu geraten aber jeder wünscht sich die Unterstützung wenn er sowas erlebt.Ich bin mir sicher dass Sie eine Möglichkeit finden wenn Sie eine finden möchten.
Und wie schön ist es dann in der TO zu lesen dass Sie es getan haben.
Vielen Dank
Bettina Münzer
Die Antwort von Trans Ocean ist vom 10.06.2026 datiert:
Liebe Frau Münzer,
vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir haben intern darüber gesprochen.
Sie haben das Thema nicht konkret angesprochen, aber wir haben eine Vermutung, um welchen Fall es sich handeln könnte.
Das Thema war vor weit über 10 Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen und letztlich Beschlüssen der Mitgliederversammlung und ist auch rechtlich abgeschlossen worden.
Bitte haben sie Verständnis, dass wir uns zu diesem Vorgang nicht weiter äußern können.
Viele Grüße
Anja Kühnast
Die Antwort von Bettina Münzer an TO vom gleichen Tag:
Guten Tag Frau Kühnast,
vielen Dank für eine ungewöhnliche Antwort. Was Sie als Fall und Vorgang benennen, beunruhig uns sehr. Gern würden wir von Ihnen erfahren, was TO unternommen hat, der Familie Lelijveld zu helfen, denn ein Hinweis auf Beschlüsse und rechtliche Erledigung hört sich doch sehr bürokratisch an, so gar nicht angemessen für eine menschliche Tragödie, die ein Verein mit Sorgfaltspflicht offenbar zu verantworten hat.Wir haben an Familie Lelijveld eine Spende überwiesen und möchten Sie auffordern, einen Spendenaufruf in Ihrem TO Forum zu posten, denn wir sind überzeugt, dass es andere Segler gibt, denen, wie uns, diese Zusammenhänge nicht bekannt sind. Wir möchten dazu beitragen, dass unser Segelverein dieser armen Familie aktiv hilft.
Gern hören wir Ihren Vorschlag.
Viele Grüsse
Bettina Münzer
Ein weiteres Schreiben folgte am 10.06.2026
Liebe Frau Künast,
Schade dass die menschliche Seite hier nicht zum Tragen kommt.
Natürlich kann ich nachvollziehen dass ein Verein seine Vorgaben hat und eben auch die rechtliche Seite befolgt die für den Verein vorteilhaft ist.
Jedoch gerade weil es so lange her ist besteht doch die Möglichkeit diese Angelegenheit von dem holländischen Paar neu zu überdenken. Die Ehefrau des Paares ist unheilbar erkrankt und sie leben in Armut in Frankreich in einer Scheune weil sie sich in Holland nichts mehr leisten konnten. Sie versuchen hier alles zu errichten was sie zum Leben brauchen.
Bei so einem großen Verein bin ich der Meinung dass hier eine Spende auch im Nachhinein viel bringen wird, denn hier zählt jeder Euro.
Auch wenn Sie Recht bekommen haben, geht es doch hier um die Menschlichkeit.
Zudem dann auch ein gewisser Frieden wieder einkehren könnte. Sie können sich nicht vorstellen, wie oft wir schon angesprochen wurden warum wir in die TO eingetreten sind. Ob wir nicht wissen was da passiert ist. Der Ruf scheint stark geschädigt zu sein
Na ja, es ist Ihre Entscheidung und Ihre Konsequenz.Prinzipiell ist die TO für uns schon sehr hilfreich gewesen und diesbezüglich würde ich mir auch wünschen, dass der Ruf wieder besser wird.
Mit freundlichen Grüßen
Bettina Münzer
Diese Schreiben wurde nicht mehr beantwortet. Allerdings hat Sönke Haupthoff nun einen zuverlässigen Weg gefunden, Coby und Arnold durch eine direkte Überweisung zu helfen. Sönke ist per Mail leicht zu erreichen: team@sy-drifter.de

Sönke lebt mit Mandy und Emma seit 2 Jahren an Bord der Drifter in Lauterbach. Im September 2026 geht die Reise los, die Drifter ist für weitere Abenteuer bestens vorbereitet.








