Inside part #1

HYDROVANE – MARKETING – FEHLER – KONSEQUENZEN
Es ist 10 Jahre her, als ich Don am 24.11.2016 fragte, ob denn eine Zusammenarbeit in Bezug auf Heckverzierungen bei seiner Veranstaltungs Replica namens GOLDEN GLOBE RACE erwünscht, möglich und / oder sinnvoll wäre? Don´s answer:

Hi Peter
I appreciate your offer of partnering up with the Golden Globe race which is going to be quite an event that is for sure. The situation is that we very early on established a joint relationship with Hydrovane which is obviously exclusive and we are quite happy about that so unfortunately, we are unable to have another self-steering system on board. 
So I hope you enjoy watching the Race and again thanks for the interest.
All the very best for now and the future
Don McIntyre
2018 Golden Globe Race Founder

Da muss man tapfer sein und / oder schnell lernen, wenn die Gänsehaut verflogen ist: Don hatte eine schicksalsschwere Entscheidung getroffen und sich mit Hydrovane als Sponsor in Handschellen legen lassen. Geld verpflichtet, mehr als man so denkt.
Als Derek Daniels, Hydrovane Erfinder und langjähriger Marken Inhaber mir im Jahre 2000 auf der London Boat Show seine Firma zum Kauf angeboten hat, war meine sofortige Gegenfrage, ob denn meine PACIFIC PLUS ihm quer im Magen liege? Ein Schuss ins Schwarze! Er habe keine Lust, seine Systeme neu zu entwickeln, sondern eher Sehnsucht auf den Altersfrieden. Zuletzt hat Derek 30 Hydrovane / p.a. abgesetzt, die damals, wie heute, in Kleinstserien bei

credit Derek Daniels

Hydrovane Yacht equipment,
Unit 4, Prospect Court, Prospect Close,
Lowmoor Business Park,
Kirkby-In-Ashfield, Nottingham, Nottinghamshire NG17 7LF, England
tel. +44 01623 758938

produziert, verpackt und von dort versandt werden.

Der Ordnung halber sei hier vermerkt, dass das obere Werkstattfoto noch in der Werkstatt in 117 Bramcote Lane, Chilwell, Nottingham, aufgenommen wurde,
derweil das untere aus der heutigen Werkstatt stammt.

So kam dann John Curry in Vancouver BC / Kanada ins Geschäft, den Kaufpreis werde ich nicht vergessen. Ich hätte die TM vom Markt kaufen können, aber das wollte ich weder damals noch heute, weil ich mir meines Designkonzeptes sicher war. Klar hat John mich kontaktiert, man ist ja neugierig auf jeden, der im eigenen Tümpel Wellen schlägt. Ich legte mich auf die Mauer auf die Lauer und habe gewartet, wie es mit der Marke Hydrovane denn wohl weiter geht. Immerhin hatte ich sowohl mit Derek als auch mit Nick Franklin übner Jahrzehnte allerbeste Verbindungen, war lange Jahre Aries Repräsentant in West Germany, nachdem Franz Wiss sein Schiff fertig und losgesegelt ist.
Wie Nick damals grinsend bemerkte, derweil wir auf seiner Terrasse „on the hills in Cowes I.O.W.“  Tee getrunken haben: „die Welt ist gross genug für jeden von uns“. Aries und Windpilot Systeme standen viele Jahre auf meinen Messeständen friedlich nebeneinander.
Auch mit Derek war freundlicher Umgang Normalität. Sein Deutsch Hydrovane Vertreter Ed Schäffler war ein Segelfreund und Importeur von Westerly und Moody Yachten in Hamburg Finkenwerder. Die Westerly Fulmar habe ich mit meinem Freund Peter Schweer in Yacht Tests und Regatten geprügelt, wir sind auf der Nordsee mit unserem breiten Spiegel den anderen Kombattanten um die Ohren gesegelt.
Auf der LBS in Earls Court haben wir uns allesamt gut vertragen, Nick, Derek, Hans ( Bernwall) und ich. Hans wiederholte gern seine Weltsicht in Dauerschleife, in der er sich als den „king of the wind vane market“ selbst befand, vermutlich, weil er damals ein ganzes Sammelsurium unterschiedliche Systeme als Wiederverkäufer im Bauchladen und im Show Room seiner Werkstatt in Sausalito anzubieten hatte. Jedenfalls lud Hans mich 1998 jovial als „Prince“, wie er mich benannte, in sein Haus mit Blick auf die Bay von SFO ein, er am Grill, ich an seinem Flügel. Hans fand mein Fachbuch SELFSTEERING UNDER SAIL wichtig und hat in der Folge bei Adlard Coles in London ein Inserat platziert. Übrigens alles zu einer Zeit, bevor Adlard Coles mein Buch publizierte und für mich dann die „Hölle losgebrochen ist“
Ja, es waren schöne Zeiten, ich kam gerade aus San Diego zurück, wo ich Kevin Fleming und sein copy cat meiner Pacific Plus besucht, ihm die Ohren langgezogen habe und er mich wie ein Papagei frech aufforderte: „verklag mich doch, verklag mich doch!“ Auf dem Rückweg bin ich in La Jolla bei Stellan Knööss / Sailomat vorbeigefahren, habe alte Traumata begraben Stellan ist am 1.April 2025 verstorben, seine Marke eingeschlafen.
Meine ausgedehnten Reisen erfolgten damals allesamt unter der Mimikry von Geschäftsreisen, auch segelte ich damals ein Schiff, das ich als Abschreibungsmodell und Privileg (!) empfand. Das hätte ich mir sparen sollen, denn das dicke Ende kam viele Jahre später. Beim Wiederverkauf schlug das Finanzamt zu: Mehrwertsteuer auf den Verkaufspreis, bitte schön, zudem AO Erträge auf den NettoSchiffsBetrag, weil ja der Wert linear bis auf eine DM abgeschrieben worden ist, das war der Köder, den ich willig schnappte. In toto eine ungute Bilanz, die mich das halbe Schiff gekostet hat. Ich segelte fortan privat weiter, auch wenn ich meine Schiffe fast sämtlich am Heck perforierte, um meine verschiedenen Systeme und Prototypen wechselweise zu testen.

John Curry hat unter seiner Marke Hydrovane wenig später Blauwasser Ausrüstungen vertrieben, die Belegschaft ist hier ausgewiesen, wobei von den 3 Mitarbeitern in UK, Ted Hargreaves bereits verstorben ist, ich habe ihn seinerzeit in Earls Court getroffen.

Zurück zur Geschichte.

MARKETING ENTSCHEIDUNGEN
Ich war mir sicher, dass bald ein neues Hydrovane Model auf den Messen vorgestellt werden würde. Ich lag falsch! John Curry hat sich für einen anderen Weg entschieden, er hat nur das Marketingkonzept verändert. Wenig später habe ich das auf den Stegen von Las Palmas beim ARC bemerkt, denn plötzlich war ich dort nicht mehr willkommen, bzw. man forderte Eintrittsgeld von mir. Die Kooperation mit den Veranstaltern von Flottillen Regatten
dieser Welt war vermutlich eine Erfindung von John Curry.

Das Vorhandensein eines Notruders wurde bald zur Pflichtausrüster bei der ARC und dem Trans Pacific Baja Ha-Ha bald erklärt, was von den Medien als sicherheitsrelevante Maßnahme „verstanden“ und verbreitet wurde. Für meinen Wettbewerber in BC war dieser Marketing Einfall kalkulatorisch sicherlich preiswerter als eine Neukonstruktion der Jahrzehnte alten Hydrovane Konstruktion, die damit eine Art Wiederauferstehung erlebte. Ein Zweites Leben nach dem Tode einer Windsteueranlage, bei der der Käufer fortan wählen konnte, ob ihm ein Notruder oder eine Windsteueranlage wichtig war, wobei die praktischen Qualitäten nicht immer im Vordergrund zu stehen hatten. Für manche Segler wurde der Kauf der Hydrovane damit zur Eintrittskarte für die Veranstaltung.

Hätte man nur die Finger vom Golden Globe Race gelassen!

Was in der ARC, im Baja-Haja und Trans-Pacific funktioniert, muss nicht zwangsläufig im GGR Gültigkeit besitzen! Denn, nicht wahr, fast alle Flottillen Veranstaltungen haben genügend steuerwütige Segler in den Kojen, zudem ja schon nach wenigen tausend Meilen die Reise unter Campagnerglockengläsern beendet wird. Bei diesen Flotillen Veranstaltungen steht die Funktionalität einer WSA nicht im Mittelpunkt. Im GOLDEN HLOBE RACE allerdings gelten andere Regeln. Bei einer Nonstop Einhandsegler Veranstaltung steht einzig die Windsteueranlage im Fokus, sie entscheidet über Sieg, Drama oder Niederlage, und über den ruhigen Schlaf der Matadore unterwegs. Natürlich auch über Schweissausbrüche beim Veranstalter und seinem Sponsor.

Nach meinem Empfinden war die Entscheidung zur Kooperation zwischen John Curry und Don McIntyre der Beginn einer verhängnisvollen Affaire.

Ich habe unzählige Diskussionen mit potentiellen und teilnehmenden Seglern geführt und stets die Verwendung eines Pendelrudersystems favorisiert, mich strikt geweigert, meine PACIFIC PLUS Doppelruderanlage zu empfehlen und zu verkaufen. Ein am Heck möglichst solide montiertes Hilfsrudersystem ( im Schutz eines langen Kiels! ) kann zur Gefahr beim Einsatz in den südlichen Breitengraden geraten, wenn Wind, Wetter und Wellen zur Herausforderung für die Segler werden. Ein starres Hilfsruder, zudem noch mit Shearpin versehen!, ist nicht nur interessant für Orcas, sondern ein Fanghaken für Unbill jeder Art, das auf den Weltmeeren überall vorhanden ist. Zudem wird eine solide Befestigung am Schiffsheck zur Überlebensfrage, womit ein besonderes Licht auf die Materialstärken sowie Konstruktion der ganzen Yacht, insbesondere der Hecks, der Solidität der Befestigungen aufwirft. Vergleichsweise erzeugt ein Pendelrudersystem nur geringen Stress auf das Heck des Schiffes, weil sie als Hebelarm nur Zuglasten auf Pinne oder Rad zu übertragen – also zu tragen! – hat. Ein gewaltiger Unterschied. Wie in den folgenden Untersuchungen aufgezeigt wwerden wird. Es wird interessant, das kann ich versprechen.

Fortsetzung folgt!

Hamburg den 24.09.2026
Peter Foerthmann

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